„Das Lavendelzimmer“ von Nina George

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Schwimmende Buchhandlung

Verliebtsein, eine Reise durch Südfrankreich, der Kampf um eine Frau. Die richtige Gewürzmischung für einen Roman?

Es ist eine Lust den Roman „Das Lavendelzimmer“ von Nina George zu lesen. Es ist eine Qual den Roman zu lesen. Zwischen unerfüllter Liebe, Trauer und einer Schiffsreise durch Frankreich wird man von seichten auf unüberbrückbare Wellen empor gehoben, nur um anschließend tief abzustürzen. Zwischen Realismus, Konstruktionen, Detailversessenheit und Romantik wird man aufgerieben, beruhigt und genervt.

Alles steht und fällt mit dem Protagonisten Jean Perdu, der eine Buchhandlung führt, jedoch nicht irgendeine, es ist eine ganz besondere, in jeglicher Hinsicht: ein Literaturschiff mit einer Sortierung nach Themen und nicht wie ansonsten üblich innerhalb der großen Kategorien (Belletristik, Sachbuch, Kinder- und Jugendbuch) im Autorenalphabet. Zu einer besonderen Buchhandlung gehört ein ungewöhnlicher Buchhändler. Jean Perdu verkauft Bücher nicht nachdem, was gerade Trend ist, was gerade in den Feuilletons besprochen wird, sondern danach, welches Buch einen Menschen wieder gesund machen kann. Dazu gehört ein Gespräch mit Fingerspitzengefühl, dass Jean Perdu aus dem FF beherrscht. Das Blöde ist nur: sich selber kann er nicht heilen.
     Jedem Literaturliebhaber und jedem Buchhändler, der mit Engagement seine Tätigkeit ausführt, geht das Herz auf. Man kann sich sehr gut vorstellen, auf diesem Schiff eine Weile Zeit zu verbringen, sich in eine der Ecken zu setzen und genüsslich zu stöbern. Leider wird man dabei von Konstruktionen gestört, dass Jean Perdu mehr als zwanzig Jahre einer Frau nachtrauert, die in ihr Dorf zurückkehrt, um Luc zu heiraten, ist noch einer der harmloseren Art. Damit könnte man durchaus leben, zumal sich dann herausstellt, dass Manon nicht aus den üblichen Gründen (Heirat, eine Liebe als Affäre zu bezeichnen, sich ewige Freundschaft schwören) ihn verlassen hat, sondern sie ist todkrank und zieht sich zum Sterben zurück, dass er aber erst nach über zwanzig Jahren erfährt, als er endlich ihren Abschiedsbrief liest. Andere Konstruktionen stören wesentlich mehr.

Nina George hat in ihrem Roman das Sterben und den Tod aufgegriffen, so erzählte sie es im Interview mit dem WDR im Rahmen von „Tischgespräche“ (gesendet am 28.12.2016), da kurz zuvor ihr Vater gestorben ist und sie selber die Erfahrung machen musste, wie schnell das eigene Leben vorbei sein kann, wie zerbrechlich das Leben ist.
     Im Roman werden zwei Trauerarten thematisiert: Trauer um eine verflossene Liebe und die Trauer um einen Menschen, der gestorben ist.

In all der Trauer wird man mit dem Schiff von Paris nach Marseille geführt, dabei beschreibt die deutsche Schriftstellerin Landschaftsabschnitte und man kommt ins träumen, bei manch einem werden Erinnerungen wach, vor allem bei jenen, die diese Ecken kennen. Wohltuend sind auch die philosophischen Fragen wie, was ist Glück, wann bemerkt man, dass man glücklich ist, ebenso sind die Erkenntnisse von Jean Perdu für jeden Buchhändler Balsam für die Seele.

Mehr zum Thema:
> Auszeichnung: Nina George ist BücherFrau des Jahres 2017
> Rezension: Christine Nöstlinger: Die verliebten Riesen
> Gedicht: Friedrich Motte-Fouqué: Trost

Eine Dreiecksbeziehung ganz nach dem Schema des autobiografisch geprägten Romans „Salz auf unserer Haut“ (1988) von Benoîte Groult. Manon ist in Luc dem Weinbauer vom Dorfe verliebt, gleichzeitig in Jean Perdu, dem Vergeistigten, der in Paris lebt. Inzwischen ist es zum Glück in der Literaturgeschichte nicht mehr völlig unüblich, dass eine Frau in zwei Männern verliebt ist und nicht wie lange Zeit üblich, dass ein Mann zu zwei Frauen eine Beziehung führt. Man denke nur an Simone de Beauvoir oder George Sand. An diesem Konzept wäre zunächst nichts auszusetzen, wenn die Lösung für Jean Perdu keine weitere Liebe, keine weitere Frau dem Leser präsentiert werden würde. Es wäre von Vorteil, wenn der Roman mit der Ankunft von dem Protagonisten in Chassis enden würde, wenn es offen bleiben würde, wie sein weiterer Weg aussieht, stattdessen bekommt man haarklein ein Happy End ganz im Sinne von Hollywood präsentiert und das nervt.

Spiegel-Bestseller hin oder her, der Roman ist nicht wirklich überzeugend.

 © read MaryRead 2017

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Rezension, Buchbesprechung, Literaturkritik, Roman, Südfrankreich, read Mary Read, Literaturmagazin,Nina George: Das Lavendelzimmer
Roman
Taschenbuch
382 Seiten
Format (H x B x T): 188 x 124 x 26 mm
Gewicht: 382 g
erschien: 26.03.2014
Verlag: Droemer/Knaur
ISBN 978-3-426-50977-7
Preis: 9,99 € (D), 10,30 € (A)

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