Protagonist (literarischer Fachbegriff)

literarischer Fachbegriff: ProtagonistErläuterung und Beispiele für den literarischen Begriff Protagonist

Der Begriff Protagonist stammt aus dem antiken Griechenland und hat im Laufe der Zeit eine Wandlung durchgemacht.1      

Definition für Protagonist:
Protagonisten können Menschen, aber ebenso Tiere, Pflanzen und unbelebte Gegenstände sein. Menschen, Tiere etc. können gemeinsam in einem fiktionalen Text als Protagonisten vorkommen, wie in einigen Märchen oder Fantasy.
    
Die Protagonisten sind meist individuelle Persönlichkeiten und haben oft innerhalb eines literarischen Textes unterschiedliche Aufgaben. Sie sind immer die wichtigsten eines fiktiven Textes.

Protagonisten müssen nicht unbedingt Helden sein, die eine Situation oder andere Figuren retten, sondern es kann sich dabei auch um Verbrecher handeln, wie in vielen Kriminalromanen.
     Heutzutage wird im literarischen Sinne die Hauptfigur eines fiktionalen Textes als Protagonist bezeichnet, dabei kann es sich um eine Einzelperson, um eine Gruppe oder mehrere Personen handeln1b  

Beispiele für einzelne Protagonisten

Roman aus der Schweiz, Was ist die WahrheitIm Roman Gleis 4 von Franz Hohler ist eine Hauptperson eine Frau, die auf dem Weg in den Urlaub ist und dabei über einen Sterbenden stolpert.
     Diese Frauenfigur ist die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Sie möchte wissen, wer der Tote ist und beginnt ihre Nachforschungen. Durch die Recherche wird ein Teil der schweizerischen Historie in den 1940er, 1950er Jahren offenbar. Gleichzeitig wird die heutige Zeit durch die Frau Isabelle gespiegelt, die eingebettet ist in ihrer eigenen interessanten Familie und die Frau des Toten kennenlernt, die in Amerika lebt.

Der Titel des Kinderbuchs Geschichten vom Bruno mit den grünen Haaren von Ben Becker gibt schon vor, wer in den Erzählungen der Protagonist ist und welche Besonderheit Bruno hat.
     Anhand der Erzählungen werden das Beziehungsgeflecht und die Charaktereigenschaften des Jungen deutlich. Bis auf die grünen Haare ist Bruno ein gewöhnlicher Junge, der mit seiner Mutter zusammenlebt, eine Freundin hat, der er hilfreich zur Seite steht.

Während im Roman von Franz Hohler die Protagonistin das Verbindungsglied zwischen der jüngeren Historie und Gegenwart darstellt, wird im Kinderbuch an der Hauptrolle Bruno von Ben Becker das typische Beziehungsgeflecht eines heutigen Kindes deutlich.

Beispiele für mehrere Protagonisten

Habe MutDas Bilderbuch Leopold und der Fremde von Stephan Brülhart hat zwei Protagonisten, die Großkatze Leopold und das Krokodil Konrad. In dieser tirozinierten Fabel handeln beide Tierkinder gleichberechtigt, die vor derselben Aufgabe stehen: aufeinander zuzugehen.
     Das Buch Aus der Zeit fallen von David Grossman hat viele Protagonisten, die alle vom selben Schicksal betroffen Rezension, Buchbesprechung, Literaturkritik, Tod, Trauersind: vom Tod eines nahestehenden Menschen.

Beide Beispiele machen deutlich, dass mehrere Protagonisten in einem Buch ihre jeweilige Persönlichkeit haben, aber das es eine Gemeinsamkeit gibt, sie stehen vor derselben Aufgabe, mal als gegenseitige Annäherung wie im Bilderbuch von Stephan Brülhart, mal als Trauerbewältigung wie bei David Grossman.

 

In den ersten beiden Beispielen haben die menschlichen Protagonisten eine konkrete Namensbezeichnung (Isabelle und Bruno). Ebenso verhält es sich in der Fabel, die beiden Handlungsträger haben einen konkreten Namen (Konrad und Leopold), jedoch handelt es sich hierbei um Tiere. Im letzten Beispiel werden die Menschen ganz allgemein bezeichnet, wie die „Frau“.
     Die Beispiele zeigen, dass Protagonisten Eigennamen haben können, aber nicht zwangsläufig müssen.

Die Hauptfiguren eines fiktiven Textes können unterschiedlich gestaltet sein, je nach Aufgabe in einer Handlung.

– Marion Hahn –
© read MaryRead 2014

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1, b  Vgl. Dieter Burdorf, Christoph Fasbender, Burkhard Moennighoff: Metzler Lexikon Literatur, Verlag J. B. MetzlerStuttgart – Weimar 2007, S. 616