literarischer Fachbegriff: Reisebericht

Erörterung der literarischen Gattung „Reisebericht“ mit Beispielen

Erörterung der literarischen Gattung „Reisebericht“ mit Beispielen

Der Reisebericht stellt zwar eine eigene literarische Gattung dar, aber „Eine formale Definition der Gattung ‘Reisebericht’ ist nicht möglich“ 1a da sämtliche weitere literarische Gattungen wie Tagebücher, Briefe, Gedichte in einem Reisebericht vorhanden sein können.
     Deutlich wird es bei Rainer Maria Rilke „Reise nach Ägypten“. In diesem Buch berichtet der Dichter unmittelbar von seiner Reise, indem er Briefe an verschiedene Adressaten schreibt, Gedichte verfasst und Notizen hinterlässt.

REISEBERICHTE:
> Bürger, Jan: Der Neckar
> Büscher, Wolfgang: Ein Frühling in Jerusalem
> Zweig, Stefan: Brasilien

Man unterscheidet zwischen fiktionalen Gattungen wie den Reiseroman oder Reiseerzählung und den Hilfsmitteln wie Reiseführer und -Handbücher 1b und den nichtfiktionalen Texten wie Reisereportagen.
    
Ein Beispiel für eine Reisereportage ist das Sachbuch „Zwischen den Grenzen“ von Martin Schäuble. In diesem Buch berichtet er über Land und Leute in Israel / Palästina. Trotz der explosiven politischen Lage im Nahen Osten nimmt er keine Stellung, sondern hört den Menschen vor Ort zu. Er ist Beobachter und überlässt dem Leser eine Bewertung, lediglich gibt er Sachhinweise.

Es gibt für all diese verschiedenen literarischen Möglichkeiten und Formen eines Reiseberichts einen gemeinsamen Punkt: Inhaltlich sind sie alle an dem Phänomen Reise gebunden. Deshalb ist jede Form eines Reiseberichts dem „Authentizitätsanspruch, das heißt der Bericht muss glaubwürdig sein“ unterworfen. Jedoch gibt es unterschiedliche Grade einer Literarizität. Sie sind aber im „engen Zusammenhang mit der Kultur- und Sozialgeschichte des Reisens sowie der Verkehrsgeschichte zu sehen.“1c   
Reisebericht, Bekannt und doch unbekannt
     Zwei Beispiele: Stefan Zweig gibt in seinem Bericht „Brasilien. Ein Land der Zukunft“ Auskunft über die Historie dieser Nation, wie dieser Staat entstanden ist, wie es sich wirtschaftlich entwickelt hat und vor welchen kulturellen Herausforderungen es seiner Ansicht nach steht.
     Jan Bürger hat in seinem WerkDer Neckar. Ein literarische Reise“ als Ausgangspunkt den benannten Fluss. Sachbuch Literaturgeschichte, RezensionAnhand dieses Flusses wird wie bei einer Perlenkette, die verschiedenen Schriftsteller in eine Verbindung zu den jeweiligen Orten vorgestellt, wie Friedrich Hölderlin unweigerlich zu Tübingen gehört. Jan Bürger zeigt nicht nur die deutsche Literaturgeschichte, sondern auch die Verlagsgeschichte und die wirtschaftliche Entwicklung. Neben diesen eher klassischen Themen greift er das Thema „Umweltschutz“ auf, welche Konsequenzen die Begradigung des Flusses hat und die Bemühungen von heute, das damalige Landschaftsbild möglichst wieder zu zulassen.
     Beide Autoren geben einen umfangreichen Einblick in das jeweilige geographische Gebiet, jedoch aus sehr unterschiedlichen Anlässen: Stefan Zweig muss aufgrund der Nazi-Terrorherrschaft Europa verlassen und geht ins Exil nach Brasilien. Jan Bürger hingegen geht es um das Aufspüren der deutschen Geschichte.
     Aufgrund der unterschiedlichen Ausgangspunkte in ihren Reiseberichten ist die Zielsetzung verschieden: Beide klären den Leser über die jeweiligen Orte auf, aber Stefan Zweig möchte ein Gegenpol zu den politischen Verwirrungen in Europa schaffen, wogegen Jan Bürger Denkanstöße mit Hilfe des Aufzeigens der Historie für die heutige gesellschaftliche und vor allem literarische Situation geben möchte.

Reiseberichte können demnach für unterschiedliche Zwecke erstellt werden, die aber immer einen informellen Charakter über den Ort des Berichts haben.


© read MaryRead 2014

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1a, 1b, 1c  Vgl. Hg.: Dieter Burdorf, Christoph Fasbender, Burkhard Moennighoff: Metzler Lexikon Literatur, Verlag J. B. Metzler, Stuttgart – Weimar, 2007 (3), S. 640


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