Literaturlexikon: Artusdichtung

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Inhaltsverzeichnis:

> Liebe und Utopie
> Nachfolger
>
20. Jahrhundert / 21. Jahrhundert
> Weshalb ist der Artusstoff so beliebt?

Einzelnachweise

Klassische kunstvolle populäre Literatur

Die genauen Ursprünge der Artusdichtung sind derzeit nicht bekannt, vermutlich sind die ersten Legenden um den König Artus in Cornwall im 12. Jahrhundert vor Christus in Umlauf gekommen. In Cornwall soll das Schloss Tintagel gebaut worden sein, deren Ruinen man bisher nicht gefunden hat, stattdessen sind dort Überreste eines Klosters, dass zwischen dem 5. und 9. Jahrhundert während der Keltenzeit erbaut wurde, gefunden worden.1aa Ob es sich hierbei um französische Literaturgeschichte, Mittelalter, Epos, Literaturmagazin, read Mary Readden Hof der berühmten Ritter der Tafelrunde handelt, erscheint einem eher unwahrscheinlich. Fakt jedoch ist, dass der sagenumwobene König in die Literaturgeschichte eingegangen ist.
     Umherziehende mehrsprachige Spielleute berichten unter anderem von König Artus. Eine erste schriftliche Erwähnung erfolgt vermutlich im 6. Jahrhundert nach Christus durch den altkymrischen Dichter Aneirin im Epos „Y Gododdin“,2aa eine weitere Erwähnung erfolgt durch den Waliser Gottfried von Monmouth in seinem Buch „Historia Regum Britanniae“ (um 1138). Als um 1140 die Schlacht um den englischen Thron unter dem Anführer Stephan Blois stattfindet, nimmt mit einem Schlag das Interesse an den legendären König zu.1ab Bald darauf erscheint um 1155 von dem Anglonormannen Wace die Verse in „Roman de Brut“.3 Aber erst durch die literarische Gestaltung von dem altfranzösischen Dichter und Schriftsteller Chrétien de Troyes wird die Artusdichtung begründet. Insgesamt verfasst er fünf Romane, auf die bis heute Bezug genommen wird. Tilman Spreckelsen kommt in seinem Artikel „Wer erfand Artus?“ zu folgendem Schluss:

Literarisch folgenreicher als die Ursprünge der Stoffgeschichte war jedenfalls die Form, die Chrétien dem Bild des Monarchen und seiner Ritter verlieh: „Das Entscheidende war nicht, dass es diese Geschichten gegeben hat,[…] „sondern dass sie jemand in die höfische Sphäre transportiert hat.“4 

Chrétien de Troyes findet zahlreiche Nachahmer. In Deutschland sind es im Mittelalter Gottfried von Straßburg, Hartmann von Aue und Wolfram von Eschenbach.2ab Der letztgenannte löst sich stückweise von der Vorlage, kreiert etwas eigenes mit einer elitären Gralsgesellschaft. Nur die Berufenen haben Zutritt zu der Gesellschaft, Liebe wird lediglich in Form von Ehe zugelassen und nur der Ranghöchste darf nach einer Eheschließung in der Idealgesellschaft verbleiben, alle anderen müssen die Gesellschaft verlassen, ja mehr noch, der Ranghöchste muss sogar heiraten. Die Ebenen Gott und Welt sind in dieser Gesellschaft aufgelöst.5aa Inwieweit die Katharer, die sich im 11. Jahrhundert vor allem in Südfrankreich verbreitet 6 und der Templerorden, der vor allem in Frankreich sich niederließ,7 für die Idealgesellschaft als Vorbild in seinem Roman „Parzival“ dient, ist bis heute ungeklärt. Auch die Orthodoxen könnten hierbei Vorbild gewesen sein, vielleicht sind Naturbeobachtungen wie Bienenvölker mit eingeflossen. Bemerkenswert ist, dass die Wiedereinführung der Liebe in die elitäre Gesellschaft eine Reintegration darstellt,5ab in seinen Ausführungen ist es mit dem Märchen „Dornröschen“ der Gebrüder Grimm zu vergleichen.

Liebe und Utopie

Zwei Aspekte der ersten Artusromane seien an dieser Stelle benannt, die für die zukünftigen Romane in verschiedener Weise aufkommen, die für die Literaturgeschichte interessant sind: die höfische Liebe und der Ansatz einer Utopie.

Fanatsy, Schwert, schwarz-we´ß Bild, Zeichnung,

Excalibur the Sword, Howard Pyle (1902)

Das Mittelalter wird heutzutage als ein festes Gefüge wahrgenommen, indem das religiöse sowie das gesellschaftliche Leben genauestens geregelt ist, das trifft jedoch auf das Spätmittelalter und auf den Beginn der Neuzeit zu. Im 11. und 12. Jahrhundert glaubt man, dass die Welt verbesserungswürdig ist und man denkt sehr viel darüber nach, wie man die Zustände verbessern könnte, Utopie-Ansätze entstehen, meist in Verbindung mit religiösen Ansichten. Gerade in dem Roman von Wolfram von Eschenbach bleiben viele Fragen offen, er gibt dem Leser Denkansätze aber eher selten Lösungen. Der Vollkommenheit versucht der Dichter von „Jüngeren Titurel“ im 13. Jahrhundert näher zu kommen, bezieht sich in erster Linie dabei auf Wolfram von Eschenbach.5ac
     Ab dem Moment, bei dem die Ritter im Grunde in der Gesellschaft keine Rolle mehr spielen, geht auch die Idealwelt von Artus unter („Mortu Artu“).8aa 

In der Artusdichtung von Chrétien de Troyes wird die höfische Liebe in ihren verschiedenen Ausprägungen anhand der Protagonisten durchexerziert, sie bleibt nicht allein im Rahmen einer Ehe möglich. Vorbilder der höfischen Liebe in der Artusdichtung sind die Minnesänger bzw. die Troubadoure, wie sie in Frankreich bezeichnet werden. Merkmale des Liebeskonzepts sind, dass alle Liebenden Teil der höfischen Gesellschaft sind, im wesentlichen die Liebe eine Sehnsucht ist, die dominierende Dame ist dem Bewerber höhergestellt und so ist sie immer illegitim.5ba  

Nachfolger

Der Artusdichtung von Chrétien de Troyes folgen in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Frankreich die Prosawerke wie „Lancelot-Gral-Zyklus“ (um 1225) und „Roman du Graal“ (um 1240), in England und Italien ist „Prosa Lanzelot“ weit verbreitet, hingegen ist es in Deutschland nur vereinzelt anzutreffen. Später wird es in Deutschland jedoch in der Zeit des Frühneuhochdeutschen das Erzählschemata wieder aufgenommen, die Artusdichtung wird neu aufbereitet. Während der Industrialisierung wird der Artusstoff von zahlreichen Schriftstellern aufgenommen, um eine Gegenwelt zur Technisierung darzustellen, man neigt zur Romantisierung. Zu nennen sind hierbei: Der schottische Dichter Walter Baronet Scott, der britische Dichter Alfred Tennyson, der englische Dichter Algernon Charles Swinburne, der deutsche Dichter und Schriftsteller Friedrich Heinrich Karl Freiherr de la Motte-Fouqué sowie Eduard Stucken 8ab mit dem Drama „Gawân: Ein Mysterium“, dass am 01.05.1907 an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt wurde, dazu gehören weitere Dramen wie „Lanvâl“ (1903), „Lanzelot“ (1909) und „Merlins Geburt“ (1912),9 der amerikanische Dichter und Schriftsteller Edwin Arlington Robinson 8ac mit seiner Trilogie „Merlin“ (1917), „Lancelot“ (1920) und „Tristram“ (1927) – allesamt Versepen,2ba Mark Twain 8ad mit seinem Roman „A Connecticut Yankee in King“ (1889, dt.: Ein Yankee am Hofe des Königs Artus, 1923).2ca 

Terence Hanbury White, britischer Schriftsteller, nutzt den Artusstoff als Reflexion gesellschaftlicher Ideologien.8ae

20. Jahrhundert / 21. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert wird die Artusdichtung in vielfacher Weise genutzt. John Steinbeck hat vor allem ein antiquarisches Interesse an dem Stoff, Christoph Hein mit „Die Ritter der Tafelrunde“ (1989), der schweizerische Schriftsteller Adolf Muschg mit „Der rote Ritter“ (1993), Tankred Dorst mit „Merlin“ (1981), „Parzeval“ (1990) und „Purcells Traum von König Artus“ (2004).8af 
     Eine populär mythisch aufgeladene Rezeption weisen Marion Zimmer Bradley mit ihrer „Avalon“-Serie (1979 – 1997) und Dan Brown mit „Sakrileg“ (2004) auf.8ag
    
Zahlreiche Filme, vor allem aus Hollywood, Musicals und Opern sowie Computerspiele haben die Artusdichtung adaptiert und rezipiert.
    
Zuletzt sei auch noch die religiöse Gemeinschaft der Gralsbewegung genannt, die vor allem Wolfram von Eschenbach als Vorbild hat, eine Mischung aus christlichen Elementen und Esoterik und mit eigener Zeitschrift.

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Cornwall heute: Minack Theatre

Die Liste derer, die sich dem Artusstoff bedient haben, kann immer nur unvollständig bleiben, da es unzählige Adaptionen gibt.

Weshalb ist der Artusstoff so beliebt?

Kaum ein anderer Stoff weist solch eine Rezeptionsgeschichte auf wie die Artusdichtung. Zum einen ist der Grund sicherlich im Stoff selber zu finden, beinhaltet dieser Geheimnisvolles aber auch eine Sehnsucht und das nicht nur hinsichtlich der höfischen Liebe, vielmehr ist es die übersichtliche Gesellschaftsordnung aus der man kurzfristig ausbrechen kann, um dann aber auch wieder an den Hof zurück zu kehren, zum anderen ist der Grund sicherlich auch in der Art und Weise wie Chrétien de Troyes den Stoff komponierte, zu finden, da er diesen in erster Linie zum ästhetischen Vergnügen und weniger aus didaktischen Gründen verfasst hat. Zugleich ist der Stoff umfangreich, sodass es ausreichend Möglichkeiten schafft, sich mit einzelnen Aspekten auseinander zu setzen. Zudem bietet es zu jederzeit eine Reflexionsfläche, da es sich vermutlich um eine Legende handelt, sollte sich irgendwann doch einen historischen Kern erweisen, so ist diese Welt schon lange untergegangen, somit sind Figuren mit Charaktereigenschaften vorhanden die man quasi in jede Epoche versetzen kann um den eigenen Zeitgeist dem überzustülpen, zu reflektieren und zu bewerten.

– Magdalena Schwarz –
© read MaryRead 2017

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Einzelnachweise:

1aa, 1ab: Régine Pernoud: Königin der Troubadoure, Deutscher Taschenbuch Verlag – München 1979, S. 108 f.

2aa, 2ab: Diether Krywalski: Knaurs Lexikon der Weltliteratur. Autoren – Werke – Sachbegriffe, Lizenzausgabe des Deutschen Bücherbundes – Stuttgart – Hamburg – München 1979, S. 838
2ba: S. 630
2ca: S. 483

3: Karin Becker (Hg.: Jürgen Grimm): Französische Literaturgeschichte, J.B. Metzler Verlag – Stuttgart, Weimar 2006 (5), S. 24

4: Tilmann Spreckelsen (): Wer erfand Artus?, FAZ 14.06.2014, zuletzt besucht am 30.07.2017 

5aa, 5ab, 5ac: Joachim Bunke (Hg. Hiltrud Gnüg): Literarische Utopie-Entwürfe, Suhrkamp – Frankfurt am Main 2012 (2), S. 76 ff.
5ba: Ursula Liebertz-Grün (Hg. Hiltrud Gnüg): Literarische Utopie-Entwürfe, Suhrkamp – Frankfurt am Main 2012 (2), S. 80 f.

6: Herbert Gutschera, Joachim Maier, Jörg Thierfelder: Geschichte der Kirchen. Ein ökumenisches Sachbuch, Herder Verlag – Freiburg im Breisgau 2006 (2), S. 130

7: Franz Xaver Bischof, Thomas Bremer, Giancarlo Collet, Alfons Fürst: Einführung in die Geschichte des Christentums, Herder Verlag – Freiburg im Breisgau 2012, S. 520

8aa, 8ab, 8ac, 8ad, 8ae, 8af, 8ag: Dieter Burdorf, Christop Fasbender und Burkhard Moenninghoff: Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen, Verlag J.B. Metzler – Stuttgart – Weimar, 2007 (3); S. 47 f.

9: Wikipedia (): Eduard Stucken, zuletzt besucht am 30.07.2017   


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