„Die verliebten Riesen“ von Christine Nöstlinger

Zwerge, deutscher Jugendliteraturpreis, Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis, Buchbesprechung, Literaturkritik, Kinderbuch,

Aufstand der Zwerge

Alles was ein gutes Kinderbuch braucht: Liebe, Freundschaft, Anderssein und Abenteuer

Die Grande Dame des Kinderbuchs, Christine Nöstlinger, lässt sich von ihrem Alter nicht abschrecken und schreibt weiterhin tolle Kinderbücher. Nun hat sie sich den Zwergen und den verliebten Riesen gewidmet. Pelinka und Satlatsch sind Brüder, leben in einem kleinen Ort in den Prikopa-Wäldern unter Menschen. Obwohl sie die Dorfbewohner um ein Vielfaches überragen, werden sie von ihnen akzeptiert. Eigentlich sind die beiden wie Feuer und Wasser, sie bilden einen Gegensatz, dass aber unter Geschwistern normal ist. Satlatsch lebt zurückgezogen, ist auf seinen Bruder fixiert, arbeiten ist nicht seine Stärke und er ist schnell aufbrausend. Pelinka ist das genaue Gegenteil: liebenswert, packt mit an wo es nötig ist (und auch darüber hinaus), ist den Menschen und der Welt zugetan. Eines haben sie aber gemeinsam: sie sind verliebt über beide Ohren.
     Das Kinderbuch „Die verliebten Riesen“ ist eine Art Gedankenexperiment. Die in Wien lebende Schriftstellerin mit zahlreichen Auszeichnungen wie dem Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis, 1973 den Deutschen Jugendliteraturpreis, hat der Erzählung die Grundfrage wie es ist, wenn man sich zwar verständigen kann, aber ansonsten nicht so recht zu den anderen passt, unterlegt. Jedoch geht es nicht darum, wie die anderen reagieren, vielmehr steht das Verhalten der beiden Riesen im Mittelpunkt. Ein sympathischer, der Welt zugewandter Riese hat es naturgemäß wesentlich einfacher als der Eigenbrötler. Aufgrund seiner Art (und er kann nicht anders), wird er auch kaum von den anderen wahrgenommen und wenn doch, dann mit Skepsis betrachtet. Offensichtlich gibt es eine Wechselwirkung zwischen dem Ich und seiner Umwelt. Sehr unangenehm wird es dann, wenn einige dran glauben müssen. Um zu den beiden Herzdamen – Amanda und Ariane – zu gelangen, müssen sie mit ihrem Riesen-Moped durchs Zwergenland fahren. Das wäre alles kein Problem, wenn die Menschen, die sie auf ihrer Durchreise antreffen, nicht solch eine Angst vor den Riesen hätten und ihnen das Benzin verweigern. Was sollen sie bloß tun?
    
Riesen als literarische Figuren kommen öfters vor, man denke nur an den satirischen Roman „Gullivers Reisen“ von dem irischen Schriftsteller Jonathan Swift und dort wo Riesen sind, ist das Pendant – die Zwerge – nicht mehr weit. Zwerge sind immerzu am arbeiten, treiben schon mal ihr Unwesen, meistens sieht man sie nicht. Im Märchen „Schneewittchen“ von Gebrüdern Grimm helfen die Zwerge dem Mädchen. Zuweilen stellt sich einem die Frage, wie man überhaupt zu solchen Vorstellungen kommt. Wenn man zu Beginn eines Frühlings durch die Wälder streift, können bizarre Bäume und moos-überwachsene Baumstümpfe mit ein wenig Phantasie diese als Zwerge und Riesen gesehen werden.

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Als den beiden Riesen das Benzin verweigert wird, sieht Pelinka darin kein Problem. Wozu ist man denn so groß? – um große Schritte machen zu können. Satlatsch sieht das natürlich ganz anders und kommt auf die blöde Idee, die Zwerge für seine Zwecke zu missbrauchen, dabei waren sie es, die die Riesen willkommen geheißen haben. Er steckt viele, viele Zwerge in den Tank, aber Zwerge sollte man niemals, wirklich niemals unterschätzen.

Ein spannendes Kinderbuch über verliebte Riesen, dem Aufstand der Zwerge und Freundschaft dass den Kindern gefällt, die Abenteuer bevorzugen.


© read MaryRead 2017

► Kinderbuch

Kinderbuch, ab 8 Jahre, Rezension, Buchbesprechung, Literaturkritik,Christine Nöstlinger: Die verliebten Riesen
Illustrationen: Antje von Stemm
Kinderbuch
Alter: ab 8 Jahre
140 Seiten
gebunden
Format (H x B x T): 217 x 149 x 15 mm
Gewicht: 270 g
erschien: 20.09.2016
Verlag: Sauerländer
ISBN 978-3-7373-5447-9
Preis: 9,99 € (D), 10,30 € (A)

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