„Ein Frühling in Jerusalem“ von Wolfgang Büscher

Reisebericht, Als Berliner verkleidet

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Als Berliner verkleidet

Wolfgang Buescher_Ein Fruehling in Jerusalem

Karte: Altstadt Jerusalem
Quelle: Wikipedia

Zwei lange Monate sich in der kleinen Altstadt von Jerusalem, die mal gerade eine Fläche von knapp 1 km (2) hat, aufzuhalten; keine Ausflüge ins Umland, geht das? Hält man das aus? Und ob! Wolfgang Büscher hat es ausprobiert und berichtet famos im Buch Ein Frühling in Jerusalem.

Der erste Schlafplatz in einem Hostel nahe beim Jaffa-Tor, ist für Wolfgang Büscher nicht gerade ein idealer Start, um sich in einem Frühling für zwei Monate unter der tagsüber brennenden Sonne in Jerusalem aufzuhalten. Es war ein Loch, später konnte er den Schlafplatz in den griechischen Konvent aus der Kreuzritterzeit wechseln.

Wolfgang Buescher_Ein Fruehling in Jerusalem

Jaffa Tor
Quelle: Wikipedia

     Seine vielen Erlebnisse und Begegnungen beschreibt er in einer wunderschönen literarischen Sprache, das Quirlige, die Lebendigkeit dieser Stadt wird für den Leser deutlich. Den ein oder anderen Menschen würde man am liebsten selber kennenlernen, wie den alten Herrn Charly Effendi. Der alte Herr hat eine Menge über die Geschichte der Stadt, über die Menschen im Allgemeinen und den jeweiligen Vierteln im Besonderen zu erzählen. Er beherrscht mehrere Sprachen, kennt alle vertretenen Konfessionen der Altstadt mit ihren jeweiligen Traditionen und Historie. Humorvoll beantwortet er die Frage von Wolfgang Büscher: „Kann man diese Stadt verstehen?“ mit den Worten: „Ich bin hier geboren und lebe seit sechzig Jahren hier, und manches verstehe ich immer noch nicht.“ (S. 33) 
     Charly Effendi wird zu seinem Begleiter, der ihm die vielen Fragen beantwortet, er wird zu einem Freund. Sich von ihm nach zwei Monaten zu verabschieden, wird Wolfgang Büscher schwer fallen und nicht nur ihm.

Wolfgang Buescher_Ein Fruehling in Jerusalem

Erlöserkirche um 1900
Quelle: Wikipedia

Zwischen dem Erzählen nimmt der Autor kurze historische Rückblicke, wie beispielsweise bei der Erlöserkirche, die sich direkt neben der Grabeskirche befindet. 1898 reiste Kaiser Wilhelm II. nach Jerusalem, um die Hohenzollernkirche aus weißem Kalkstein einzuweihen. Der Ort ist sehr geschichtsträchtig. „In römischer Zeit hatte hier das Forum gelegen, im Mittelalter das Hospiz des Johanniterordens und eine Kirche der Kreuzritter. Es folgten Jahrhunderte in Ruinen.“ (S. 45 Bis heute ist die Einweihung der Kirche ein Gesprächsthema in Jerusalem, der Hauptstadt von Israel.
     Apropos Grabeskirche. Erst Kaiser Konstantin ließ im Jahr 330 n.Chr. zusammen mit seiner Mutter Helena die Kirche bauen.
    
Zum Osterfest sind Prozessionen üblich, doch in Jerusalem hat es eine besondere Note. Traditionell verkleiden sich die Menschen (Christen und orthodoxe Araber). Wolfgang Büscher durfte erleben, wie zwei junge Männer sich als Riese und Zwerg verkleideten. Der als Riese verkleidete verhüllte sich von Kopf bis Fuß in ein langes Kleid. Damit erzeugte er die Illusion, ein „kopfloser Rumpfmensch“ zu sein, dass sonderbare Weise „Berlin“ heißt. (S. 102

Auch wenn Jerusalem immer und immer wieder ein Objekt der Begierde wurde, so bleibt sie dennoch in ihren Grundzügen seit Jahrhunderten bestehen. Auch wenn man diese Stadt nie verstehen wird, so sind viele Informationen darüber höchst interessant. Auch wenn man selber noch nie in Jerusalem war, so bekommt man durch Wolfgang Büscher´s Reisebericht einen Eindruck von dieser Stadt.


© read MaryRead 2015

Sachbuch


Als Berliner verkleidet, ReiseberichtWolfgang Büscher: Ein Frühling in Jerusalem
Reisebericht
gebunden
233 Seiten
erschien: 25.11.2014
Verlag: Rowohlt
ISBN 978-3-87134-784-9
Preis: 19,95 € (D), 20,60 € (A)

Angaben zur Taschenbuchausgabe:
erschien: 26.02.2016 / 240 Seiten / Verlag: Rowohlt TB / ISBN 978-3-499-62881-8
Preis: 9,99 € (D), 10,30 € (A)

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