„Die Fährte der Kinder“ von Lane Smith

Bilderbuch, Kinderbuch, Gefühle, Tiere, Elefant, Pinguin, Wal, Steinbock, Rabe,

Realität oder Traumwelt?

Es gibt Fragen, die keine Antworten benötigen und dennoch ist es nicht verkehrt, sie zu stellen.

Abseits vom rational-abgeklärten Denken der Erwachsenen, vielleicht schon den Träumen Schildkröte, neugieriges Kind,beraubt, begibt sich der amerikanische Illustrator und Autor auf Spurensuche, es führt ihn und den Leser auf „Die Fährte der Kinder“.

Das Bilderbuch lebt durch seine Darstellungen, es macht die Zuordnung des Genres alle Ehre, minimale Texteinschübe helfen dem Betrachter nicht abzukommen von der Fährte, geben Orientierung. Man kann mit Recht und Fug sagen, dass die Illustrationen ein Augenschmaus sind. In den meist monoszenischen Bildern wird man in die Welt eines Kindes entführt, dass etlichen Tieren in ihrer jeweiligen Umwelt begegnet, von den Steinböcken über Pinguine, über Quallen und Wale, über Raben, Elefanten, Schildkröten und was sonst noch das große Spektrum der Tierwelt hergibt. Bei all den Begegnungen erlebt das Kind unterschiedliche Gefühlszustände, das Staunen Schildkröte, Kind animiert Schildkröten,genauso wie die Neugier, aber auch Mut und Angst. Alles, was um das Kind herum geschieht, wird durch impressionistischem Stil dargestellt, Hervorhebungen werden durch klecksartige Facetten zum Ausdruck gebracht, so entsteht eine Lebendigkeit, bis auf das Kind, dass durch klare Linienführung und Farbangabe aus den Bildern nicht direkt hervorsticht, aber doch immer sofort erkennbar ist. Insgesamt sind die Farbgebungen bei den Tieren an das realistische orientiert, bekommen zuweilen menschliche Züge. Streng genommen handelt es sich um ein Graphic Novel, hervorgegangen aus dem Comic. Großformatige Illustrationen, die sich über eine Doppelseite erstrecken, werden abgelöst durch kleinere Einheiten von Darstellungen, die eine Begegnung des Kindes mit einem Tier genauer beleuchtet. Als das Kind der Schildkröte über den Weg läuft, ist es zunächst von dem langsamen Tier begeistert, doch dann ermüdet es an Schildkröte, Kind schläft, Ignoranz,der Langsamkeit, da die Schildkröte so gar nicht auf das Kind reagiert. In fünf Einzelbildern kann man den Emotionen des Kindes folgen, gleichzeitig als ein Ganzes wahrnehmen, da diese auf einer Seite abgebildet sind. Genial inszeniert, Chapeau.
     Bei Comics und auch im Bereich der Graphic Novels ist man gewohnt, dass es Denk- oder Schildkröten auf einem Blick,Sprechblasen gibt, doch in diesem Kinderbuch kommt man gänzlich ohne aus, die Bilder sprechen ganz und gar für sich.

Vor kurzem wurden die Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis bekannt gegeben, leider ist dieses Kinderbuch von Lane Smith nicht mit auf der Liste in der Sparte Bilderbuch, was außerordentlich bedauerlich ist, da es nicht nur zum erzählen einlädt, zum entdecken und träumen sondern ein Kunststil zur Jahrhundertwende (20. Jahrhundert) und ein relativ junges Genre (Graphic Novel) ausgewogen zusammenführt, im Grunde ohne Worte auskommt, einen an die Grenze zwischen Realität und Traumwelt, einen auf „Die Fährte der Kinder“ führt. Ein Plädoyer für kindliche Vorstellungen von der Welt.

Alice Haase –
© read MaryRead 2017

► Kinderbuch

Kinderbuch, Bilderbuch, ab 4 Jahre, Rezension, Buchbesprechung, Literaturkritik,Lane Smith: Die Fährte der Kinder
Illustrationen: Lane Smith
Originaltitel: There Is a Tribe of Kids
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Uwe-Michael Gutschhahn
Bilderbuch
Alter: ab 4 Jahre
40 Seiten
gebunden
Format (H x B x T): 286 x 221 x 90 mm
Gewicht: 453 g
erschien: 20.09.2016
Verlag: Sauerländer
ISBN 978-3-7373-5401-1
Preis: 14,99 € (D), 15,50 € (A)

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