Literaturlexikon: Internationale Lenau-Gesellschaft

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li: Nikolaus Lenau, re: Universitätsbibliothek Siegen

INHALTSVERZEICHNIS:
> Lenau-Klub in Berlin

Mitglieder des Lenau-Klubs
> In der Zeit des Kalten Krieges> Gründung der Internationalen Lenau-Gesellschaft
> Tagungen
> Auch das noch

Einzelnachweise

Damals und heute

Die breitgefächerte Klubszene im 19. Jahrhundert kann durchaus als eine Art Vorläufer für die später entstehenden Gesellschaften gesehen werden, zumindest wenn es um den Namensträger Nikolaus Lenau, ein ungarisch-österreichischer Dichter, handelt.

Lenau-Klub in Berlin

Im 19. Jahrhundert war die Blütezeit der Klubs, meist waren es Treffen eher privater Natur. Der Lenau-Klub in Berlin war solch einer. Um 1840 wurde Theodor Fontane von seinem Schulfreund Fritz Esselbach in diesen Klub eingeladen. Die Treffen fanden bei Hermann Maron, Auguststraße (abgelegene Kleine-Leute-Wohngegend nahe Oranienburger Tor), der als Journalist und Gelegenheitsdichter tätig war, statt.1a Sie trafen sich vor allem Samstags in der Wohnung.5a  Ein weiteres Mitglied war Julius Faucher, der Theodor Fontane in die Gedichtswelt von Nikolaus Lenau einführte. Die beiden lasen sich gegenseitig folgende Gedichte von Nikolaus Lenau vor: „Schilflieder“, „Nächtliche Wanderung“, „Das Posthorn“, „Das Mondlicht“ undBitte“. Diese Gedichte machten auf Theodor Fontane einen tiefen Eindruck.1b 
Theodor Fontane und sein Freund Fritz Esselbach traten in diesem Rahmen zweimal als Gelegenheitsdichter und -schauspieler bei Polterabenden auf.5b 

Mitte der 1840er Jahre löste sich der Lenau-Klub auf.5c

Mitglieder des Lenau-Klubs (deren Mitgliedschaft nachgewiesen ist)

> Fritz Esselbach
> Julius Faucher
> Hermann Maron
> Theodor Fontane

Der Lenau-Klub in Berlin war nicht der einzige, der diesen Namen trug, doch gehört er zu jenen, über den man mit am meisten Kenntnisse hat, Dank der Briefe und Aufzeichnungen von Theodor Fontane.

In der Zeit des Kalten Krieges

Während des Kalten Krieges wurde in den 1950er Jahre der Lenau-Verein sowie die Arbeitsgemeinschaft Ost Lenau-Almanach gegründet.2a Das vage Ziel der beiden Gründungen war die Annäherung zwischen Ost- und Westblock. Hierfür eignete sich der Dichter Nikolaus Lenau hervorragend, da er ein Grenzgänger (in vielerlei Hinsicht) war, der im Königreich Ungarn geboren wurde, später in Österreich und Deutschland lebte. Doch dann wollte man aus der vagen Zielvorstellung endlich ernst machen.

Gründung der Internationalen Lenau-Gesellschaft

Im Rahmen der Lenau-Tagung in Stockerau (Niederösterreich),3a an der Vertreter aus der BRD, DDR, Rumänien, Tschechoslowakei und UdSSR teilnahmen,2b gründete man am 13. Oktober 1964 mit maßgeblicher Unterstützung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften mit Nikolaus Britz,3b unter der Leitung von dem ungarischen Literaturhistoriker József Waldapfel und seinem Kollegen Antal Mádl sowie mit den Österreichern und ihren damaligen Ministern Bruno Kreisky und Heinrich Drimmel die Internationale Lenau-Gesellschaft. Österreich bot für die Gründung ideale Voraussetzungen, da sie militärisch und politisch neutral waren, zugleich galt dieses Land als „Tor zum Osten und Westen“. Die Internationale Lenau-Gesellschaft fühlte sich nicht nur der Literatur verpflichtet, sondern auch der Politik. Für die Öffnung des Eisernen Vorhangs sollte sie später noch eine wichtige Schlüsselfunktion einnehmen. Sie war für die österreichische kulturelle Außenpolitik ein wichtiges Instrument.2c 
     Österreich pflegte nach dem Zweiten Weltkrieg Kontakte zum Ostblock, dass sicherlich auch mit der Historie zusammenhängt, gehörte doch Ungarn längere Zeit zu Österreich. Sie fühlten sich vermutlich verpflichtet, eine Zusammenarbeit mit dem Ostblock zu suchen. Dieses historische Merkmal ist für die Österreicher sowie für die angrenzenden Staaten in Richtung Osten bis heute einer der Gründe für politische Zusammenarbeit.
    
Nach der Gründung folgten regelmäßige Tagungen an der später Polen und Jugoslawien ebenfalls daran teilnehmen werden.2d

Tagungen2e

1965: Mosonmagyaróvár in Ungarn
1966: Esslingen am Neckar in der BRD
1967: Neustift an der Rosalia in Österreich
1970: Sindelfingen in der BRD

Auch das noch

In regelmäßigen Abständen erschien von 1969 bis 1995 die „Vierteljahresschrift für vergleichende Literaturforschung“ vom Lenau-Forum. Danach gab man von 1996 bis 2004 das Lenau-Jahrbuch, welches eine Jahresschrift für vergleichende Literaturwissenschaft ist, heraus.3c 
     Während der Tagung 1970 wurde Fred Sinowatz, der zu diesem Zeitpunkt Landesrat war, später wurde er Bundeskanzler von Österreich, zum Präsidenten der Internationalen Lenau-Gesellschaft gewählt. 1984 erschien zum zwanzigjährigen Bestehen der Gesellschaft das Sammelband „Vergleichende Literaturforschung: Internationale Lenau-Gesellschaft 1964 bis 1984“, herausgegeben von dem ungarischen Literaturwissenschaftler Antal Mádl und dem österreichischen Germanisten Anton Schwob. Drei Jahre später wurde im Auftrag der Gesellschaft die ersten Bände der neuen historisch-kritischen Gesamtausgabe der Lenau-Werke herausgegeben.3d Es sollten insgesamt sieben Bände werden.4 Das Expertengremium der Herausgeber setzte sich aus österreichischen, deutschen, polnischen und ungarischen Wissenschaftlern zusammen.3e 
    
1993 wurde das dreißigjährige Bestehen der Internationalen Lenau-Gesellschaft in Stockerau und in Mosonmagyaróvár begangen. Zudem wurde die Nikolaus-Lenau-Wanderausstellung in Zusammenarbeit mit mit dem „Südostdeutschen Kulturwerk“ in München organisiert.3f 
    
Seit der Gründung der Internationalen Lenau-Gesellschaft stand die Idee der Vergabe des Lenau-Preises im Raum. Vergeben wurde dieser tatsächlich aber erst 1985 zum ersten Mal.3g
    
Die Wissenschaftliche Buchreihe und der Lenau-Almanach, eine Jahresschrift in Zusammenarbeit mit der Forschungs- und Kulturstelle der Österreicher aus dem Donau, Sudeten- und Karpatenraum, sind aktuelle Publikationsorgane der Internationalen Lenau-Gesellschaft.3h

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Ankerlichtung

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Einzelnachweise:

 1a, 1b: Vgl. Helga Bemmann: Theodor Fontane, Ullstein Buchverlage – Berlin 1998, S. 28

2a, 2b, 2c, 2d, 2e: Vgl. (Hrsg.) Christoph König (): Germanistik in Mittel- und Osteuropa: 1945 – 1992, Walter de Gruyter, Berlin – New York – 1995, S. 36, zuletzt besucht am 14.03.2019

3a, 3b, 3c, 3d, 3e, 3f, 3g, 3h: Vgl. Wikipedia (): Internationale Lenau-Gesellschaft, zuletzt besucht am 14.03.2019

4: Vgl. Jörg Bernhard Bilke (): Literatur und Kunst: Von „Schilfliedern“ zu „Flußleben“, Kulturportal West – Ost, zuletzt besucht am 14.03.2019

5a, 5b, 5c: Vgl. Roland Berbig (): Theodor Fontane im literarischen Leben. Zeitungen und Zeitschriften, Verlage und Vereine, Verlag Walter de Gruyter – Berlin, New York – 2000, S. 410, zuletzt besucht am 24.03.2019


3.
Aug. ´19

13.
Aug.´19

4.
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