Das literarische Jahr 1968

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INHALTSVERZEICHNIS:

Literaturhistorie (allgemein)
Januar
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Februar
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März
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April
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Mai
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Juni
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Juli
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August
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September
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Oktober
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November
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Dezember

Verfolgungen und Verhaftungen von Journalisten und Schriftsteller

Verlage / Wirtschaft

Erschienene Bücher / Werke, journalistische Beiträge
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aus dem deutschen Sprachraum
Übersetzungen

Uraufführungen / Premieren
ohne Datumsangabe

Literaturfeste, –festivals und -biennalen

Literaturpreise und Auszeichnungen
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ohne Datumsangabe

Buchmessen

Geboren
Gestorben

Literaturüberblick über das Jahr 1968

Das Jahr 1968 gilt als das Jahr der Revolten, der Aufstände, der Proteste. Inwiefern dies auch für die Literaturwelt gilt, kann man anhand der Ereignisse und Beteiligungen von Schriftstellern und Verlegern ablesen. Richtig heiß her ging es im Spätsommer, ab der Niederschlagung des Prager Frühlings, dem folgten heiße Debatten, kleinere und größere Skandale, welche sich bis in den Herbst hinzogen.
     Jegliche Art von Historie kann immer nur eine Auswahl sein.

Literaturhistorie (allgemein)

Literaturhistorie – Januar:

2. Januar: Der britische Schriftsteller Cecil Day-Lewis wurde zum 19. Hofdichter des Königshauses ernannt.

6. Januar: Nach einem weiterem „Außengutachten“ konnte „Nachdenken über Christa T.“ von Christa Wolf gedruckt werden. Zuvor wurde in einem Gutachten festgestellt, dass das Buch Anlass zur „Gefahr einer ideologischen Desorientierung“ führen könne, ein weiteres Gutachten warnte vor einer Veröffentlichung.

15. Januar: In der Veranstaltung, ausgerichtet von der Österreichischen Gesellschaft für Literatur „Werkstatt Arno Schmidt“ lasen in Wien Ingeborg Hölty, Frank Lester und Joe Pechhacker.

16. Januar: Claude David von der Sorbonne (Paris) hielt in Wien im Palais Palffy mit Unterstützung der Österreichischen Gesellschaft für Literatur den Vortrag über „Hofmannsthal und Frankreich“.
16. Januar: In Den Haag (Niederlande) wurde in der Bibliothek eine weitere Bibliothek hinzugefügt, dieses Mal die „Deutsche Bibliothek“ mit 3.000 Bänden.

17. Januar: In Luxemburg fand eine Veranstaltung zu der Eröffnung einer deutsch-luxemburgischen Gemeinschaftsausstellung zur Exilliteratur aus den Jahren 1939 – 1945 statt.

18. Januar: In München fand eine Veranstaltung zur Eröffnung der Veranstaltungsreihe „50 Jahre Sowjetkunst“ des Komma-Clubs mit einem Lyrikabend statt.

19. Januar: In den Veranstaltungsräumen der Österreichischen Gesellschaft für Literatur fand die Veranstaltung zum Thema „Prag als literarisches Zentrum in den dreißiger Jahren“ statt. Den Vortrag hielt Julius Mader und der österreichische Schriftsteller Heinz Gerstinger las aus den Werken von Karel Čapek und Vladislav Vančura.

26. Januar: Im Rahmen der Österreichischen Gesellschaft für Literatur hielt der Schriftsteller Friedrich Heer den Vortrag über „Theater, Politik und Propaganda. Kultur und Kommunikation“.

28. Januar: Der Auftakt zum „Stifterjahr“, anlässlich zum Hundertsten Todestag von dem österreichischen Schriftsteller Adalbert Stifter, wurde durch das Linzer Landestheater begonnen.

29. Januar15. Februar: In der Bayerischen Staatsbibliothek in München wurde die von Karl Dachs besorgte Ausstellung „Adalbert Stifter. Zum 100. Todestag. Zur Geschichte seines Werkes“ gezeigt.

Januar: Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels beschloss auf einer Tagung, dass bei der nächsten Frankfurter Buchmesse mehr Sicherheitspersonal eingestellt wird, da es bei der vergangenen Buchmesse zu Störungen gekommen ist.

JanuarFebruar: Die Akademie der Schönen Künste veranstaltete in München Poetikvorlesungen mit dem schweizerischen Schriftsteller Max Frisch („Theaterprobleme – in eigener Sache“), dem Theaterwissenschaftler Henning Rischbieter („Das Theater und die Wirklichkeit“), dem Theaterkritiker Sigfried Melchinger („Die Gegenwart der Klassiker“), gemeinsam mit der Kulturwissenschaftlerin Maja Turowskaja und der russischen Schriftstellerin Soja Bogusslawskaja („Das russische Theater der Gegenwart“) sowie mit dem deutschen Dramatiker und Schriftsteller Tankred Dorst („Arbeit an einem Stück“).

Literaturhistorie – Februar:

1. Februar: Der Ostberliner Lyriker Karl Mickel lehnte das „Stipendium für literarische Nachwuchskräfte“ der Stadt Hamburg, im Rahmen der Verleihung des Lessing-Preises ab und begründete es damit, dass sein Gedichtband „Vita nova mea“ weitestgehend von der BRD abgelehnt werden würde.

2. Februar3. Februar: In Leipzig und anderen Orten der DDR wurde zum 500. Todestag von Johann Gutenberg feierlich begangen.

3. Februar: Am Schillertheater Berlin, dem Schauspielhaus Düsseldorf, den Städtischen Bühnen Frankfurt und den Münchner Kammerspielen feiert das Theaterstück „Biografie. Ein Spiel“ von dem schweizerischen Schriftsteller Max Frisch in Deutschland Premiere und wurde gleichzeitig aufgeführt.

5. Februar: Nachdem der österreichische Lyriker Erich Fried einige Jahre für die BBC in London gearbeitet hatte, gab er nun bekannt, dass er diese Stelle aufgibt, da sich die Welt, vor allem hinsichtlich des Ostblocks geändert habe und er die Verurteilung der Berliner Mauer nicht weiter aufrecht erhalten könne.

9. Februar: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur las der
österreichische Schriftsteller Erik Wickenburg aus seinem Prosawerk „Salzburger Gloria“, welches 1938 zum ersten Mal publiziert wurde.
Audio (): Ein Externist liest vor

9. Februar16. Februar: Es wurde zum 70. Geburtstag von Bertolt Brecht gemeinsam mit dem Berliner Ensemble, Akademie der Künste und dem DDR-Zentrum des Internationalen Theater-Instituts der „Brecht-Dialog 1968“ unter dem Thema „Politik auf dem Theater“ in Berlin veranstaltet. Teilnehmer waren unter anderem der Linguist Manfred Bierwisch und der Philosoph Wolfgang Heise. Leitfrage war, wie die Methode des wissenschaftlichen Sozialismus für die Bühne fruchtbar gemacht und auch auf experimentelles Theater angewendet werden könnte.

9. Februar10. März: In Ost-Berlin wurde in der Deutschen Staatsbibliothek die Ausstellung „Brecht im Buch. Zum 70. Geburtstag. Ausgaben in der DDR und im Ausland“ gezeigt.

10. Februar12. März: Die Deutsche Akademie der Künste zeigt in Ostberlin die Ausstellung „Bühnenbilder zu Brecht“.

11. Februar: In Ost- und West-Berlin werden in den beiden städtischen Theatern Gedenkmatineen zum 70. Geburtstag von Bertolt Brecht gefeiert. Neben einer Ansprache von Max Frisch lesen die Schauspieler Fritz Kortner, Martin Held, Wilhelm Borchert, Hans Schweikart, Hans Dieter Zeidler, Helmut Griem, Klaus Nägelen und Helmut Wildt aus Werken von Bertolt Brecht.

13. Februar: Der deutsche Germanist Oskar Seidlin, der 1933 in die USA emigrierte und an der Ohio State University als Professor lehrte, lehnte einen Ruf an die Münchner Universität mit der Begründung ab, dass ihn die Studentenproteste in Deutschland als „planmäßige Störaktionen“ in den Vorlesungen „mißliebiger Professoren“ an die Ereignisse der Jahre 1932 und 1933 erinnern würden. Er sagte, „die Methoden von gestern und heute sind sich zu ähnlich, als daß nicht für die absehbarste Zukunft das Schlimmste zu befürchten stünde.“

15. Februar: Martin Walser las im Rahmen der Österreichischen Gesellschaft für Literatur in Wien aus seinem Roman „Das Einhorn“.

21. Februar: 31 bayerische Landtagsabgeordnete forderten, hauptsächlich Angehörige der CSU-Fraktion, dass Günter Grass als „Verfasser unbeschreiblicher pornographischer Ferkeleien und Verunglimpfer der katholischen Kirche“ (gemeint ist vor allem seine Novelle „Katz und Maus“) im Sinne des Paragraphen 184 StGB als „Pornograph“ angesehen werden müsse.

26. Februar: In einem Gerichtsverfahren in Berlin sollte geklärt werden, inwiefern der Regisseur Rudolf Noelte als Bearbeiter des Max Frischs Stücks „Biografie“ gelten kann. Nach seinen Angaben seien 238 Änderungen, die er anlässlich der Züricher Uraufführung an Max Frischs Stück vornahm, in die Buchausgabe des Suhrkamp Verlages aufgenommen worden. Deshalb forderte er eine Beteiligung an den Tantiemen und Nennung seines Namens bei jeder Aufführung.

– Februar: In New York wurde ein Stefan-Zweig-Zentrum mit Unterstützung des Österreichischen Kulturinstituts eröffnet.
– Februar: Hans Magnus Enzensberger gab seine Gastdozentur an der amerikanischen Wesleyan University in Middletown auf, um – so Hans Magnus Enzensberger – „nach Kuba zu gehen und dort für längere Zeit zu arbeiten.“ Sein Entschluss sorgte in den USA für großes Aufsehen. Uwe Johnson verfolgte die Berichterstattung in der „New York Times“ und zitierte sie in seinen „Jahrestagen“.
Februar: Max Frisch, Peter Bichsel und Hugo Loetscher schließen sich in Zürich mit Stellungnahmen in der „Weltwoche“ der Protestbewegung gegen den Vietnamkrieg an.

Literaturhistorie – März:

1. März: In den Räumlichkeiten der Österreichischen Gesellschaft für Literatur fand die Autorenlesung mit Thomas Bernhard statt.
Audio (): Thomas Bernhard liest eigene Prosa

1. MärzMai: In der Nürnberger Stadtbibliothek wurde die Ausstellung „Drei fränkische Autoren. Friedrich Schnack, Jacob Wassermann, Georg Gustav Wieszner“, von Friedrich Bröger organisiert, gezeigt.

15. März: Die „Weltwoche“ berichtete, dass die Verleihung des Anton-Wildgans-Preis an Thomas Bernhard am 21. März abgesagt wird, nachdem es bei der Verleihung des Österreichischen Staatspreises zum Skandal gekommen war. Das Preisgeld sollte dem Schriftsteller per Post zugesandt werden. (siehe „Literaturpreise und Auszeichnungen“ 4. März 1968)

18. März: In Wien fand durch die Österreichischen Gesellschaft für Literatur eine Diskussionsrunde zum Thema „Über die Schwierigkeit bei der Behandlung zeitgenössischer Themen auf dem Theater“ statt. An der Diskussion war der deutsche Dramatiker Rolf Hochhuth, die österreichische Schriftstellerin Hilde Spiel, der Schauspieler Leon Epp und Helmuth Schwarz beteiligt. Moderiert wurde die Diskussion von dem Literaturkritiker Wolfgang Kraus.

19. März: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur hielt der schweizerische Philosoph Arnold Künzli den Vortrag über „Das Prinzip der Verzweiflung. Über Sinn und Wesen der Gegenutopie“.
19. März: Während eines Diskussionsforums in München über politische Literatur stellte der deutsche Schriftsteller Reinhard Baumgart fest, dass die bürgerliche Belletristik niemals wahrhaft revolutionär sein könne und der Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Langenbucher sagte, dass es zwar etliche politisch engagierte Literaten gäbe, aber sie hätten keine politisch wirksame Literatur hervorgebracht.

20. März: Nachdem der Alleinerbe von dem verstorbenen Schauspieler Gustav Gründgens gegen den Roman „Mephisto“ von Klaus Mann Klage eingereicht hatte, weil er den Persönlichkeitsschutz des Schauspielers als gefährdet sah, gab der Bundesgerichtshof dem Kläger recht und der Roman durfte (vorerst) nicht mehr verkauft werden.

20. März18. Mai: In Wiesbaden fand die Ausstellung über den deutschen Schriftsteller „Gustav Freytag (1816 – 1895). Leben und Werk“, initiiert von der Gustav-Freytag-Gesellschaft statt.

21. März12. Mai: In Ost-Berlin fand die Ausstellung „Maxim Gorki in Deutschland. Zum 100. Geburtstag“ ausgerichtet von dem „Maxim Gorki Komitee der DDR“, die „Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft“, die „Deutsche Akademie der Wissenschaften Berlin“ und von der Staatsbibliothek statt.

22. März12. Mai: In Düsseldorf fand die „Science-Fiction“-Ausstellung in der Städtischen Kunsthalle statt.

24. März28. April: In der Ost-Berliner Deutschen Akademie der Künste fand die Ausstellung „Theodor Däubler. Aus Anlaß der Eröffnung des Theodor-Däubler-Archivs bei der Akademie der Künste“ statt.
     Der deutsch-österreichische Lyriker Theodor Däubler (sein vollständiger Name lautet: Theodor Adolph Johannes Eduard Däubler) nannte sich selber als den „Dichter des Mittelmeerraumes“. Sein Hauptwerk ist der episch-lyrische Zyklus „Das Nordlicht“, dass mehr als 30.000 Verse umfasst.

26. März: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur fand die Lesung mit der Schriftstellerin Barbara Frischmuth statt, die aus ihrem Roman „Die Klosterschule“ vortrug.

29. MärzMärz 1969: In Offenbach fand im Klingsor-Museum die „13. Internationale Bilderbuchausstellung“ mit Bilderbüchern aus zwanzig Nationen statt.

31. März: Die Zauberformel für die Gruppe 47 war gefunden, Hans Werner Richter teilte dem deutsch-amerikanischen Schriftsteller Reinhard Lettau in einem Brief mit, dass die Formel „Sozialismus und Demokratie“ laute.

31. März5 Mai: In der Kunsthalle Bremen wurde die Ausstellung über den Dichter, Übersetzer und Schriftsteller „Rudolf Alexander Schröder. Zum 90. Geburtstag“ gezeigt.

– März: Auf der Jahrestagung des Instituts für deutsche Sprache stellten Germanisten die Verteilung der Wörter bei durchschnittlichen Sätzen verschiedener Berufsgruppen vor, demnach würden Fachleute mit 16 Wörtern, Journalisten 13 bis 14 Wörter und Boulevardblätter mit fünf Wörtern auskommen.
– März: Der NDR begann eine im Abstand von vierzehn Tagen laufende Sendefolge zum Thema „Autoren als Disc-Jockeys“. In der Sendung sollen sich Schriftsteller durch die Wahl ihrer Musik selbst porträtieren. Gäste waren u.a. Gabriele Wohmann, Peter Bichsel, Peter Handke und Gerhard Rühm.

Literaturhistorie – April:

3. April: Der österreichische Germanist Claudio Magris hielt im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur den Vortrag über „Aktuelle Perspektiven der mitteleuropäischen Literatur“.

5. April: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur las Friedrich Torberg aus seinem neu aufgelegten Roman „Die Mannschaft“ (erstmalig erschienen 1935).
Audio (): Friedrich Torberg liest aus eigenen Werken

19. April20. April: Auf der Tagung des PEN-Zentrums in Kassel forderte es Bund und Länder auf, die zahlreichen Pläne und Gesetze zur Bildungsreform zu überprüfen und ein Gesetzeswerk vorzulegen, das den Forderungen der Studenten entspricht. Außerdem führten sie eine neue Form der Mitgliedschaft für PEN ein, auch „Freunde des PEN“ wurden anerkannt.

23. April: Mit dem schweizerischen Schriftsteller Hugo Loetscher veranstaltete die Österreichische Gesellschaft für Literatur in Wien mit ihm die Werkproben zu „Abwässer und Sintflut“.

25. April: Der französische Dichter Pierre Emmanuel wurde als Mitglied in die Académie française gewählt.

26. April: Der Tscheche Hugo Rokyta hielt im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur den Vortrag über „Wo lag Kafkas Schloss?“.

29. April15. Juni: In der Dortmunder Stadt- und Landesbibliothek wurde die Ausstellung „Karl Marx. Briefe an Ferdinand Freiligrath. Zum 150. Geburtstag“, organisiert von Hedwig Gunnemann, gezeigt.

– April: Der Börsenverein des deutschen Buchhandels lud Literaturkritiker, Verleger, Literaten und Buchhändler nach Frankfurt am Main zu einer Tagung mit dem Thema „Moderne Literatur – eine Provokation?“ ein.
– April: Auf der Jahrestagung in Berlin diskutierten literarische und wissenschaftliche Verleger über die Verbote der jüngsten Vergangenheit, die als Zensurversuche bewertet wurden. Sie formulierten ihren Protest in einem Telegramm an den Bundesjustizminister Gustav Heinemann (SPD).

Literaturhistorie – Mai:

2. Mai5. Mai: In Saarbrücken fand die Frühjahrstagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung statt.

8. Mai: Die Ruhrfestspiele in Recklinghausen wurden mit dem Drama „Troilus und Cressida“ von William Shakespeare aus dem Jahre 1609 eröffnet.
8. Mai: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur sprach der deutsche Germanist Manfred Durzak über den österreichischen Schriftsteller Hermann Broch, der soeben sein Buch „Hermann Broch, der Dichter und seine Zeit“ publiziert hatte.

10. Mai: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur las der schweizerische Schriftsteller Peter Bichsel aus seinem Roman „Jahreszeiten“.

10. Mai5. Juni: In Frankfurt am Main fand die erste literarische Messe Frankfurter Forum für Literatur, die gemeinsam mit dem Klingspor Museum in Offenbach in den Römerhallen begangen wurde, statt.

12. Mai: Der internationale PEN-Club in London beauftragte die Sektion der deutschsprachigen Länder (BRD, DDR, Österreich und Schweiz) mit der Führung des gesamten PEN-Clubs der Exilschriftsteller.

15. Mai: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur wurde die Lesung mit dem deutschen Schriftsteller Hubert Fichte veranstaltet, der seinen Roman „Die Palette“ vorstellte.

16. Mai6. Juni: In der Frankfurter Bibliothek wurde in der Abteilung Prager Bibliothek die Ausstellung „Exilliteratur 1933 – 1945“ gezeigt.

27. Mai31. Mai: Die „ad-hoc-Gruppe Germanistik“ und Mitglieder des SDS besetzen aus Protest gegen die Ratifizierung des Siebzehnten Notstandsgesetzes das Germanische Seminar und taufen es um in „Rosa-Luxemburg-Institut“.

29. Mai: Die Österreichische Gesellschaft für Literatur veranstaltet eine Lesung mit Helene Thimig, die dem Roman „Unvollendete Symphonie“ von Hans Weigel liest. Annemarie Düringer, Eva Zilcher und Michael Heltau lesen aus Molières „Der Menschenfeind“ in der Übertragung von Hans Weigel. Ferner wirken mit Paul Burkhard (Schweiz) und Hans Horwitz (USA).

29. Mai31. Mai: In Weimar fand die Ordentliche Hauptversammlung der Goethe-Gesellschaft der DDR statt. Der französische Germanist Pierre Grappin hatte den Hauptvortrag über „Goethe in Straßburg“ gehalten.

30. Mai: Im Rahmen der Besetzung des Germanischen Seminars durch die „ad-hoc-Gruppe Germanistik“ und Mitglieder des SDS wurde ein Forderungskatalog mit 10 Punkten beschlossen, in dem u.a. die öffentliche Ausschreibung aller Stellen des Instituts, die Aufhebung des hierarchischen Lehrstuhlaufbaus, die Abschaffung der „künstlichen Hierarchie von Proseminar, Hauptseminar und Oberseminar“ gefordert werden.

– Mai: In der DDR erschien die erste literarische Schülerzeitung.
– Mai: In einer Straßenbahn veranstaltete der Lyriker Horst Bingel zur Rushhour eine Lesung aus seinem Prosawerk „Sylvester“.

Literaturhistorie – Juni:

7. Juni: An der Veranstaltung „Kunst und Revolution“ an der Wiener Universität nahmen der Künstler Peter Weibel, Günter Brus, Otto Muehl und der Schriftsteller Oswald Wiener teil.

10. Juni9. Juli: In Düsseldorf fand im Goethe-Museum die Ausstellung „Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach. Zum 150. Todestag“, der Sohn von Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel, nach der später die Bibliothek in Weimar benannt wurde, statt.

12. Juni: Der Norddeutsche Schriftstellerverband wendete sich auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung gegen die „Praktiken“ der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften.

18. Juni: Von der Karlsuniversität Prag wurde durch Mithilfe der Österreichischen Gesellschaft für Literatur der Vortrag über „Gestern, heute, morgen“ vom Präsidenten der tschechoslowakischen Schriftstellerverband, Eduard Goldstücker, an der Wiener Universität gehalten.
Audio (): Schriftsteller und Gesellschaft – Gestern, heute morgen

27. Juni: Der tschechische Schriftsteller Ludvík Vaculík veröffentlichte das „Manifest der 2000 Worte“ um den eingeschlagenen Weg der Reformen fortzuführen.
27. Juni: Der tschechoslowakische Schriftstellerverband lud die Gruppe 47 ein, sodass sie ihre Tagung im Oktober in Prag abhalten könnten.
27. Juni: Man kündigte an, dass die Zeitschrift „Der Monat“, welche bisher im S. Fischer Verlag erschien (Herausgeber Melvin Jonah Lasky (amerikanischer Schriftsteller), Peter Härtling, Hellmut Jaesrich und Klaus Harpprecht) ab dem 1. Januar 1969 im Christian Wegner Verlag herausgegeben wird.

29. Juni30. Juni: An den Zürcher Literaturstreit von 1966 knüpfte das Symposion in Freiburg an. Der amerikanische Literaturwissenschaftler Leslie Fiedler sprach über „Für und wider die zeitgenössische Literatur“, kündigte den Tod der literarischen Moderne an. Sein Beitrag sollte im Herbst noch eine Debatte auslösen.

Literaturhistorie – Juli:

16. Juli: An den Münchner Kammerspielen wurde vorläufig das Theaterstück „Viet Nam-Diskurs“ von Peter Weiss vorläufig abgesetzt, da nach Ende der Vorstellung eine Sammelaktion für Vietnam vorgesehen war und der Schauspieler Wolfgang Neuss nicht bereit war, nach Ablauf seines Vertrages in den übrigen Vorstellungen zu spielen, solange die Sammelaktion nicht gestattet wurde.

19. Juli: Über hundert Demonstranten störten eine Theateraufführung in den Münchner Kammerspielen, um für die Wiederaufnahme des Theaterstücks „Viet Nam-Diskurs“ von Peter Weiss zu demonstrieren.

19. Juli8. September: In der Nürnberger Stadtbibliothek wurde durch das Institut für Fränkische Literatur die Ausstellung „Fränkischer Dichter als Mittler zwischen Frankreich und Deutschland. Friedrich Hagen. Zum 65. Geburtstag“ gezeigt.

– Juli: Im Düsseldorfer Goethe-Museum sowie im Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt wurden die Briefe von Johann Wolfgang von Goethe an den den Physiker Thomas Seebeck, die wichtige Anmerkungen zur Farbenlehre enthalten, ausgestellt.
– Juli: In der DDR wurde in der Zeitung Junge Welt die zehn Thesen über den „Neuen Arbeiterroman im Sozialismus“ vorgestellt.
– Juli: Die Bundesvereinigung deutscher Schriftsteller beschloss in Zukunft keine Beisitzer für die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften mehr zu benennen.

Literaturhistorie – August:

7. August: Der Schriftsteller Gerhard Zwerenz verließ den Deutschen Schriftstellerverband, da ihm dieser zu elitär war.

19. August24. August: Die Tagung des Internationalen Verbands der Bibliothekarvereine fand in Frankfurt am Main statt.

20. August: Heinrich Böll reiste auf Einladung des tschechoslowakischen Schriftstellerverbands nach Prag.

21. August: Am Institut für Sprachen und Literaturen der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften wurde eine Abteilung für die Geschichte der Prager deutschen Literatur eingerichtet.

23. August: Die Bundesvereinigung der deutschen Schriftstellerverbände rief zur „Solidarität aller Schriftsteller in der freien Welt mit dem Geist der Demokratisierung, der in Prag die Reform ins Leben rief“ auf. Die Bundesvereinigung appellierte an die Vollversammlung der Vereinten Nationen, die Sowjetunion als Aggressor zu verurteilen.
23. August: Peter Weiss kritisierte das Vorgehen der Sowjetunion in der Tschechoslowakei und sprach: „So, wie wir den Angriff der Vereinigten Staaten auf Vietnam verurteilen und bekämpfen, müssen wir als Sozialisten uns gegen die verletzten Maßnahmen der Sowjetunion gegen das Völkerrecht wenden.“
23. August29. September: In der Kölner Kunsthalle fand die Wilhelm-Busch-Ausstellung statt.

26. August: Mit einem Manifest gegen den militärischen Einmarsch in der Tschechoslowakei, gegen den Vietnamkrieg sowie gegen die Besetzung Tibets durch China wendeten sich deutschsprachige Wissenschaftler und Schriftsteller wie Theodor W. Adorno, Heinrich Böll, Friedrich Dürrenmatt, Günter Eich, Ernst Fischer, Max Frisch, Günter Grass, Wolfgang Hildesheimer, Rolf Hochhuth, Uwe Johnson, Marie Luise Kaschnitz, Wolfgang Koeppen, Reinhard Lettau, Alexander Mitscherlich, Hans Erich Nossack, Hans Werner Richter, Martin Walser, Otto Friedrich Walter und andere.

– August: Der Kulturminister Klaus Gysi sprach in Weimar über die Reformversuche in der Tschechoslowakei, die er als Konterrevolution darstellte und er sah deren konzeptionelle Anfänge bei der Kafka-Konferenz (1963) und sagte: „Der Kampf um Kafka war kein Kampf um Kafka“.
– August: Der Vorstand des Deutschen Schriftstellerverbands (DDR) gab eine offizielle Erklärung zur Niederschlagung des Prager Frühlings durch die Warschauer-Pakt-Truppen und blieb dabei auf der Linie der Regierung. Christa Wolf und Anna Seghers unterschrieben nicht die Erklärung.
– August: An der Frankfurter Universität entwickelte man am Institut für Jugendbuchforschung unter der Leitung vom Literaturwissenschaftler Klaus Doderer das Modell einer modernen Schulbibliothek.

Literaturhistorie – September:

4. September: Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der Vorsitzende des Verleger-Ausschusses appellierten an die auf der Frankfurter Buchmesse ausstellenden Verlage, sich für den „ungestörten Verlauf“ der Messe einzusetzen und alles zu unterlassen, was „den friedlichen Ablauf“ der Veranstaltung stören könne. Die Frankfurter Buchmesse sei „nicht der Platz für politische Auseinandersetzungen irgendwelcher Art, für Demonstrationen oder enthemmte Selbstdarstellungen“.

6. September9. September: Die Alpenländische Schriftsteller-Begegnung fand statt, an der Autoren aus Bayern, Österreich, der Schweiz, Slowenien und Südtirol teilnahmen.

8. September: Als Augenzeuge der Prager Ereignisse wurde Heinrich Böll zu einem Matinée nach Basel eingeladen. Beim Matinée waren auch Peter Bichsel, Friedrich Dürrenmatt, Max Frisch, Günter Grass und Kurt Marti zugegen und sprachen über die Ereignisse. Heinrich Böll berichtete: „Es war sichtbar, daß wir Zeugen eines historischen Ereignisses waren, dessen Folgen noch nicht auszudenken sind. Sichtbar war auch, daß der von Moskau zentral gelenkte Sozialismus seinen moralischen Bankrott erklärte und daß es sich um eine unverhohlene Unterdrückung einer ganzen Nation handelte.“

12. September: Der ungarisch-britische Schriftsteller Arthur Koestler las aus seinem Roman „Der Geist in der Maschine“ (Originaltitel: The Ghost of the Machine, 1967) im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur.

15. September: In Gröbming ließ man zum 50. Todestag und 125. Geburtstag von Peter Rosegger ein hohes Denkmal errichten.

16. September: Der deutschsprachige rumänische Schriftsteller Paul Schuster las aus seinem Roman „Fünf Liter Zuika“ im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur.
16. September31. Oktober: In Ost-Berlin fand die Ausstellung über den Schriftsteller „Adam Kuckhoff. Anläßlich des 25. Jahrestages seiner Ermordung“ statt.

18. September: In Wien wurde am Haus der Ungargasse 39 eine Gedenktafel zu Ehren des österreichisch-kroatischen Dichters Petar Preradović angebracht, der zuletzt darin gewohnt hatte. Der kroatische Schriftsteller Marjan Matkovic hielt die Gedenkrede.

20. September: Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften hatte durch eine einstweilige Anordnung die Nummer 10 der Zeitschrift Konkret vorläufig indiziert, die eine Prag-Sondernummer war mit Beiträgen von Peter Weiss, Heinrich Böll und Jean-Paul Sartre. Außerdem war darin ein Abdruck von „Letzte Ausfahrt Brooklyn“ von dem amerikanischen Schriftsteller Hubert Selby, welches wegen Obszönitäten umstritten war.

22. September: Die Frankfurter Buchmesse wurde zur Bühne zwischen SDS und Polizei. SDS hatte ein Teach-In angekündigt, woraufhin zunächst am Nachmittag sämtliche Türen des Messegeländes geschlossen wurden, später ließ man die Studenten doch hinein, einige von ihnen wurden vorübergehend in polizeilichen Gewahrsam genommen. Etliche Verlage aus dem In- und Ausland waren über das Verhalten der Polizei aber auch über den Börsenverein des Deutschen Buchhandels entsetzt, man kündigte für das kommende Jahr Boykott an.

23. September: Nach den Vorfällen des Vortages während der Frankfurter Buchmesse fand eine Pressekonferenz statt, die von der Leitung der Buchmesse als illegal bezeichnet wurde.
23. September: Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse fand eine Podiumsdiskussion mit dem Thema „Wer manipuliert die Literatur?“ statt, die vom „Verband Schöngeistiger und Wissenschaftlicher Verleger“ organisiert worden war. An dem Gespräch nahmen teil: die Schriftsteller Francois Bondy, Dieter Lattmann und Peter Otto Chotjewitz, die Verleger Heinrich-Maria Ledig-Rowohlt, Klaus Piper, Siegfried Unseld (Suhrkamp) und Reinhard Mohn sowie Vertreter der Studentenverbände SDS und SHB. Moderation hatte Golo Mann inne.

25. September: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur hielt der estnische Lyriker und Literaturwissenschaftler Ivar Ivask den Vortrag über „Österreichische Literatur: Fragen und Antworten“.

27. September: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur las Gerhard Rühm Prosa-Texte 1955 – 1966.

30. September5. Oktober: Zum 100. Geburtstag von Stefan Georges veranstaltete man ein Kolloquium, das dem Werk und Leben des Dichters gewidmet war. An dem Kolloquium nahmen u.a. der Germanist Claude David, Walter Müller-Seidel, Wolfdietrich Rasch, Herbert Singer und der Literaturhistoriker Bernhard Zeller teil.

30. September31. Oktober: In der Staatlichen Bibliothek in Passau fand die Ausstellung über den österreichischen Schriftsteller „Adalbert Stifter und die Entdeckung des Böhmer- und Bayerwaldes“ statt.

– September: In der DDR veröffentlichte die Tageszeitung Neues Deutschland eine Bestsellerliste in ihrer Literaturbeilage mit einer bemerkenswerten Feststellung: nur ein Roman war ein zeitgenössischer. Auf den ersten Rang war der Roman „Der Zauberberg“ von Thomas Mann, gefolgt von „Der kleine Prinz“ von dem französischen Schriftsteller Antoine de Saint-Exupery und „Schwester Carrie“ von dem amerikanischen Schriftsteller Theodore Herman Albert Dreiser. Der einzig zeitgenössische Roman „Regina“ von Hedda Zinner war auf Platz vier, auf Platz fünf war „Lucien Leuwen“ von Stendhal.
– September: Gegen das Tagebuch „Vielleicht das Heitere“ von Robert Neumann erwirkte der Chefredakteur vom Hamburger Springer Verlag beim Landgericht eine einstweilige Verfügung, da fünf Zeilen sich auf seine Person (Joachim Pabst) bezogen.
– September: Der Europäische Schriftstellerverband (COMES) wollte mit all jenen Verbänden nicht mehr zusammen arbeiten, die sich an der Niederdrückung des Prager Frühlings beteiligt hatten (Sowjetunion, DDR). Stattdessen sollen Bindungen zu den Schriftstellern Rumäniens und Jugoslawiens verstärkt werden, da man weitere Aggressionen seitens der Sowjetunion gegen diese Staaten vermutete.
– September: Das Gastspiel des Theaterstücks „Landshuter Erzählungen“ von Martin Sperr in Rostock wurde von dem Magistrat der Stadt Kiel abgesagt, da das Ensemble gegen die völkerrechtswidrige Besetzung der Tschechoslowakei protestierten.
– September: Die Literaturzeitschrift Streit-Zeit-Schrift wechselte den Verlag. Bislang wurde sie im Scherz Verlag publiziert, nun im Heinrich Heine Verlag, Herausgeber war Horst Bingel.
– September: In der Nürnberger Stadtbücherei wurde die Ausstellung über die neue Literatur Italiens gezeigt, unterstützt wurde diese von der „Società Dante Alighieri“ und des „Instituto Italiano di Cultura“. Es wurden Werke unter anderem von dem italienischen Künstler und Schriftsteller Luigi Bartolini, von dem Schriftsteller Giuseppe Ungaretti sowie von dem Lyriker und Literaturnobelpreisträger Salvatore Quasimodo.

Literaturhistorie – Oktober:

3. Oktober: Eigentlich wollte sich die Gruppe 47 für eine weitere Tagung in Prag treffen, doch diese wurde aufgrund der Niederschlagung des Prager Frühlings abgesagt.

4. Oktober: In Frankfurt am Main wurde bei der Eröffnung einer neuen U-Bahn-Strecke auf drehbaren Litfaßsäulen Gegenwartsliteratur erstveröffentlicht. Die Idee stammte vom Leiter des Forums für Literatur, Horst Bingel.

4. Oktober: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur las Gerhard Amanshauser aus seiner Satire „Aus dem Leben des Quaden“.
Audio (): Aus dem Leben der Quaden (Ausschnitt)

5. Oktober: Die Wiesbadener Stadtbücherei zeigte die Ausstellung „Verboten und verbrannt“.

6. Oktober: Im Wiener Theater fand mit Unterstützung der Österreichischen Gesellschaft für Literatur und dem österreichischen PEN-Club das Matinee zum 60. Geburtstag von Friedrich Torberg statt.

7. Oktober9. Oktober: In Genf fand das Treffen des Internationalen PEN-Clubs statt. Man verabschiedete unter anderem eine Resolution für die Freilassung slowakischer, tschechischer sowie griechischer Schriftsteller, die nach Angaben des Generalsekretärs David Carver zum Teil menschenunwürdig behandelt wurden.

7. Oktober12. Oktober: In Westberlin fand die Tagung des Deutschen Germanistenverbands statt. Die Tagung stand unter dem Gesamtaspekt einer Konfrontation der Germanistik mit den Nachbarwissenschaften wie Sprachphilosophie, Romanistik, Soziologie, Mathematik und Geschichtswissenschaft.
7. Oktober12. Oktober: In Westberlin fand die Veranstaltung „Gegen-Germanistentag“ von der Kritischen Universität mit eines ihrer Slogan „Schlagt die Germanistik tot, färbt die blaue Blume rot!“ statt.

9. Oktober: Max von der Grün veranlasste, dass sein erstes Theaterstück „Notstand“ in der gesamten DDR nicht aufgeführt werden darf, da sie an der Niederschlagung des Prager Frühlings beteiligt waren.

11. Oktober: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur sprach der tschechische Dichter Rio Preisner über den österreichischen Dramatiker Johann Nepomuk Nestroy.

15. Oktober: Auf einer Pressekonferenz in Wien wurden zwei Bücher aus dem Molden Verlag über die Besetzung der Tschechoslowakei („Die siebente Nacht – Buße und Anklage eines Kommunisten“ von dem im Exil lebenden slowakischen Schriftsteller Ladislav Mňačko und eine Sammlung von Augen- und Ohrenzeugen, gesammelt von Erich von Bertleff) vorgestellt.

18. Oktober: Walter Ulbricht hielt die Rede zum über „Die sozialistische Nationalkultur ist unser gemeinsames Werk“ und Kulturminister Klaus Gysi forderte in seinem Referat einen starken Bezug zur humanistischen Tradition in der Kunst und Klassikeraufführungen, die eindeutig auf der Linie der offiziellen Klassikerrezeption liegen würden. Er sagte: „Sonst kann aus dem ‚Faust‘ ein in der Beschränktheit kleinbürgerlicher Horizonte verzweifelnder und hysterisch rebellierender Intellektueller werden, als dessen Gegenspieler ‚Mephisto‘ zum brutalen Spießer degradiert wird.“
18. Oktober: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur las der deutsch-amerikanische Schriftsteller Johannes Urzidil aus seinem Erzählband „Bist du es, Ronald?“ das Kapitel „Morgen fahr´ ich heim“.

19. Oktober: In der DDR feierte der Deutsche Schriftstellerverband den 40. Jahrestag von dem Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller.

21. Oktober: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur las die Schriftstellerin Gertrud Fussenegger aus ihrem Kriminalroman „Die Pulvermühle“.

22. Oktober: In London wurden unveröffentlichte Briefe von Thomas Mann für 11.520 DM versteigert.

23. Oktober: Die Bundesvereinigung deutscher Schriftsteller wendete sich gegen die für den 25.10. vorgesehene Ratifizierung des Stockholmer Protokolls im Bundesrat, da dieses Abkommen einen „schwerwiegenden Eingriff in das Urheberrecht bedeute“. Das Protokoll würde bestimmten Entwicklungsländern eine gewisse Einschränkung des Urheberrechtsschutzes ermöglichen, wodurch fast alle Staaten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas die Berechtigung erhielten, Werke sämtlicher Autoren der BRD ohne Meldepflicht und entsprechendes Honorar nachzudrucken, zu übersetzen und anderweitig zu verwerten.

25. Oktober: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur hielt der deutsche Germanist Gerhart Baum den Vortrag über „Adalbert Stifter: Dichter der Zuversicht“.

30. Oktober: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur fand die Veranstaltung „Profile der neuen Literatur I.“ statt. Mit dabei waren Elfriede Gerstl, Wolfgang Bauer und Gerald Bisinger.

– Oktober: In Ostberlin wurde in der Deutschen Staatsbibliothek die Ausstellung „Joachim Heinrich Campe. Zum 150. Todestag des Pädagogen und Jugendbuchautors“ gezeigt.
– Oktober: In Köln fand zum hundertsten Geburtstags des Dichters ein einwöchiges Kolloquium „Stefan-George-Kolloqium 1968“ statt.
– Oktober: In Ostberlin wurde von der Deutschen Staatsbibliothek und von dem Johannes R. Becher Archiv die Ausstellung „Johannes R. Becher. Zum 10. Todestag“ gezeigt.
– Oktober: In Jerusalem wurde vom Börsenverein des deutschen Buchhandels eine Bücherschau von vierzig Verlagen gezeigt. Der Ausstellung angegliedert war eine Ausstellung zur deutschen Exilliteratur.
– Oktober: Auf der Jahrestagung des Autorenverbandes in Olsberg (Sauerland) kündigte der Präsident Dieter Lattmann an, dass die Gründung eines Gesamtverbandes angestrebt werden würde, da es sich bisher in zehn Landes- und drei Fachverbände berufsständisch organisierter Schriftsteller in der BRD aufteilen würde.

Literaturhistorie – November:

12. November: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur fand die Lesung mit dem ungarischen Schriftsteller Tibor Déry statt, der aus seinem Roman „Ambrosius“ las.

15. November: Der deutschsprachige rumänische Schriftsteller Paul Schuster wurde bei der konstituierenden Sitzung des Rats der Werktätigen deutscher Nationalität der Sozialistischen Republik Rumänien als Stellvertreter gewählt.
15. November: Die monatliche Zeitschrift „Kursbuch“ herausgegeben von Hans Magnus Enzensberger wurde zum ersten Mal mit sogenannten „Kursbogen“ (Poster mit Illustrationen oder typographischen Deklarationen) ergänzt.

16. November: Auf der Herbsttagung am Bußtag der Dortmunder Gruppe 61 lasen unter anderem Günter Wallraff, Angelika Mechtel, Erika Runge, Ernst F. Wiedemann und Max von der Grün. Daran schloss sich eine Vollversammlung an, bei der der Konflikt zwischen der älteren und jüngeren Generation ersichtlich wurde.

17. November: Während der Diskussionsrunde „ Autoren diskutieren mit ihren Kritikern“ (initiiert von Peter Härtling) in Berlin kam es zu Tumulten. Zuerst verkündete der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard, er wäre in Wien geblieben, wenn er gewusst hätte, dass Marcel Reich-Ranicki anwesend sei. Dann begründete der Literaturkritiker Rudolf Hartung nach einer Aufforderung, weshalb er einen Text von Rolf Dieter Brinkmann für die Frankfurter Rundschau abgelehnt habe, da rief ihm Rolf Brinkmann entgegen: „Wenn ich jetzt ein Maschinengewehr hätte, würde ich Sie niederschießen!“ Das Publikum forderte daraufhin Rolf Brinkmann auf, die Bühne zu verlassen, was er auch tat.

18. November: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur fand die Veranstaltung „Slowakische Lyrik“ statt. Die Einführung hatte der slowakische Literaturhistoriker Stanislav Šmatlák übernommen, die beiden Dichter Ladislav Novomeský und Miroslav Válek lasen aus ihrer Lyrik.

19. November: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur fand die Veranstaltung „Griechische Lyrik der Gegenwart“ statt. Den Vortrag hielt Polychronis Enepekides.

22. November23. November: In Freiburg (Schweiz) fand das gesamtschweizerische Schriftstellertreffen statt, organisiert wurde es von Studenten der bilingualen Universität Freiburg.

25. November: Im Haus der Österreichischen Gesellschaft für Literatur fand die Pressekonferenz statt, in der erläutert wurde, weshalb der 5. März als „Tag der Lyrik“ eingeführt wurde.

28. November: Die „Kommission für deutschsprachige Literatur“ in der Sowjetunion baten sie ihren Kulturminister um die Einrichtung eines Wandertheaters für die dortige deutschsprachige Bevölkerung, da diese etwa 1,9 Millionen Menschen umfasste.

– November: In Bremerhaven fand ein Diskussionsabend aus der Reihe „Montagsforum“ im Stadttheater Thema „Literatur aus dem Dritten Reich“ statt.
– November: In einem offenen Brief wandten sich Schriftsteller gegen die Verurteilung von Beate Klarsfeld, die ins Gefängnis musste, da sie dem Bundeskanzler Kiesinger eine Ohrfeige verpasst hatte, da dieser Mitglied der NSDAP gewesen war. Neben den Schriftstellern Walter Boehlich, Günter Eich, Horst Krüger, Ulrich Sonnemann und Martin Sperr gehörten Suhrkamp-Lektoren zu den Unterzeichnern.
November: In Darmstadt fand die Herbsttagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung statt.

Literaturhistorie – Dezember:

17. Dezember28. Februar 1969: In der Münchener Bayerischen Staatsbibliothek fand die Ausstellung über den Lyriker „Hans Carossa (1878 – 1956)“ statt.

18. Dezember: Der schwedische Schriftsteller Vilhelm Moberg schlug dem Nobelpreiskomitee vor, den Nobelpreis für Literatur künftig aufzuteilen und das Geld den Schriftstellern zugute kommen zu lassen, die wegen ihrer politischen Überzeugung ihre Heimat verlassen mussten.

Literaturhistorie – ohne Datumsangabe

– Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach zeigte im Vestibül des Schiller-Nationalmuseums die Ausstellung über den Literaturkritiker und Schriftsteller „Moritz Heimann“.
– Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach zeigte im Vestibül des Schiller-Nationalmuseums die Ausstellung über den Schriftsteller „Ernst Toller“.
– Das Literaturforum „Leselampe“ traf sich im Salzburger Literaturhaus und beschloss, die intensive Auseinandersetzung mit in- und ausländischer Literatur sowie den Kontakt von Autoren und Lesern zu fördern. Außerdem soll viermal jährlich die Literaturzeitschrift „SALZ“ herausgegeben werden.
– Auf Einladung der Österreichischen Gesellschaft für Literatur sprach man in Wien über das kulturelle Leben in Österreich. Mit dabei waren unter anderem: Friedrich Heer, Erik G. Wickenburg, Thomas Bernhard, Hans Weigel, Arnold Keyserling, Barbara Frischmuth, Friedrich Torberg, Gerhard Rühm, Gerhard Amanshauser, Gertrud Fussenegger, Elfriede Gerstl, Wolfgang Bauer, Gerald Bisinger und Polychronis Enepekides. Aus der BRD waren Martin Walser, Willi Reich, Rolf Hochhuth, Hubert Fichte und Gerhart Baumann eingeladen, aus der Schweiz Hugo Loetscher und Peter Bichsel.
– Während den Grazer Sommerspielen wurde zum 100. Todestag von Adalbert Stifter aus seiner Erzählung „Der Hagestolz“ (1845) als dramatisierte Lesung in einer Einrichtung von Klaus Gmeiner vorgetragen.
– In den USA brach ein „Hermann-Hesse-Kult“ aus. Die junge amerikanischen Generation verehrte ihn als Repräsentant des konsequenten Außenseitertums. Sie glaubten, in seinen Werken fände man Motive, die das eigene Lebensgefühl widerspiegeln würden wie Zivilisationsflucht, fernöstliche Philosophie, Pazifismus und Bewusstseinserweiterung mithilfe von Drogen.
– In den USA gründeten österreichische Literaten das „Austrian Literature Committee“ (Komitee für österreichische Literatur).

Verfolgungen und Verhaftungen von Journalisten und Schriftsteller

12. Januar: Die vier russischen Dichter und Schriftsteller Juri Timofejewitsch Galanskow, Alexander Iljitsch Ginsburg, Alexej Dobrowolskij und Vera Laschkowa wurden wegen „antisowjetischer Propaganda und Agitation“ zu Haftstrafen zwischen einem und sieben Jahren verurteilt.

3. August: Der chinesische Lyriker und Schriftsteller Yang Shuo wurde durch die Regierung in den Tod getrieben.

21. Oktober: Der Schriftsteller Thomas Brasch wurde wegen staatsfeindlicher Hetze in der DDR zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, da er Flugblätter gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings verteilt hatte.

30. Oktober: Der griechische Schriftsteller Giannis Ritsos, der seit April 1967 in Haft saß und für den sich zahlreiche deutsche Autoren eingesetzt hatten, wurde aus der politischen Gefangenschaft freigelassen.

18. November: Eine Gruppe prominenter westeuropäischer Künstler, Wissenschaftler und Schriftsteller baten den sowjetischen Ministerpräsidenten Alexej Kossygin dafür zu sorgen, dass fünf sowjetische Intellektuelle, die gegen die Okkupation der Tschechoslowakei demonstriert hatten, nicht zu hart dafür bestraft würden. Zu den zahlreichen Unterzeichnern des Gesuchs gehörten unter anderem der englische Lyriker Stephen Harold Spender und sechs Mitglieder der Akademie Française.

November: Das Zentralkomitee der SED ordnete eine weitere Prüfung des Romans „Nachdenken über Christa T.“ von Christa Wolf an. In der BRD erschien der Roman im Luchterhand Verlag fristgemäß.

Verlage / Wirtschaft

1. Januar: Die beiden Verlage Fritz Molden aus Wien und Axel Juncker Verlag aus Stuttgart verlegen gemeinsam ihren Hauptsitz nach München. Die Geschäftsführung übernimmt der Inhaber vom Axel Juncker Verlag, Olaf Paschke.

Januar: Zum ersten Mal gab der Herder Verlag die „Internationale Dialogzeitschrift“ heraus, die zukünftig vierteljährlich erscheinen soll. Sie soll ein Gesprächsforum für Glaubende und Nicht-Glaubende sein.

1. März: Der schweizerische Verleger und Schriftsteller, Otto Friedrich Walter trat als Mitverleger und Juniorpartner von Eduard Reifferscheid in den Luchterhand-Verlag ein. 18 deutschsprachige Autoren, von denen bisher Bücher im Walter-Verlag Olten erschienen waren, folgen Walter zum Luchterhand-Verlag, darunter H.C. Artmann, Peter Bichsel, Helmut Heißenbüttel, Ernst Jandl, Wolfgang Weyrauch und Gabriele Wohmann. Andere wechselten hingegen zum Diogenes Verlag wie Alfred Andersch oder zum Piper Verlag wie Alexander Kluge und Urs Widmer ging zum Suhrkamp Verlag.

Juli: In Darmstadt wurde der Heinrich Heine Verlag gegründet, Geschäftsführer wurde Horst Bingel.

16. August: Der Rowohlt Verlag sicherte sich die Rechte durch einen Generalvertrag an all jene Texte von Rudi Dutschke, die bisher noch nicht in Buchform erschienen waren. Auf Rudi Dutschke wurde am 11. April 1968 ein Attentat begangen und infolge verließ er im Juni die BRD, um bessere Genesungschancen zu haben.

10. September: Der tschechoslowakische Staatsverlag Artia in Prag nahm wieder nach der sowjetischen Invasion seine Auslandsbuchlieferungen auf. Seine erste Sendung in die BRD waren deutschsprachige Märchenbücher an den Vertragspartner Süd-West-Verlag in München.

20. September: Durch ein Gerichtsbeschluss wurde der Edition Voltaire untersagt, die „dreiteiligen Einlegebilder“ mit der Aufschrift „Klau mich“ von der Kommune I beizulegen.

30. September: Westdeutsche Verlage und Schriftsteller forderten in einer Resolution, dass die nahezu unbeschränkte Macht der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften eingeschränkt werden solle, da sie zeitweise Willkür an den Tag legte wie der Roman „Letzte Ausfahrt Brooklyn“ von dem amerikanischen Schriftsteller Hubert Selby zeigte. In der Literaturzeitschrift Akzente wurde ein Auszug ohne Beanstandung abgedruckt, genau dieselbe Textstelle wurde nun von der Behörde beanstandet.

September: Edition Voltaire brachte zur Frankfurter Buchmesse das Handbuch „Strafprozeßunordnung der Kommune 1“ heraus.

25. November: In Berlin erarbeitete der Verleger Klaus Wagenbach gemeinsam mit Schülern ein neues Lesebuch, in dem er vor allem neuere Texte, wie beispielsweise von Wolf Biermann, Günter Grass, Ingeborg Bachmann, Günter Eich, Johannes Bobrowski, Erich Fried und Franz Mon berücksichtigt werden sollen.

28. November: In Frankfurt am Main wurde die Unterschriftensammlung gegen jegliche Art von Demonstrationen während der Frankfurter Buchmesse, initiiert von dem beiden Verlegern Fritz Molden und Richard Bechtle, präsentiert. Insgesamt hatten sich 57 Verlage daran beteiligt.

14. Dezember: In Frankfurt am Main traf sich eine Gruppe von Verlegern, zum einen um die Reform des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels voranzutreiben, zum anderen um die Forderungen aufzustellen, bei künftigen Buchmessen müsse „selbstherrliche Machtausübung“ ausgeschlossen werden und die künftigen Friedenspreisträger sollen demokratisch gewählt werden. Unter anderen unterzeichneten Helmut Kindler (Kindler Verlag), Bernhard Doerdelmann (Lyriker und Schriftsteller), Renate Gerhardt (Gerhardt Verlag), Willi Weismann (Weismann Verlag) und Jörg Schröder (Melzer Verlag) die Forderungen.

Erschienene Bücher / Werke, journalistische Beiträge

12. Januar: Von dem deutschen Schriftsteller Horst Bienek erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung der Artikel „Annäherungen. Ein literarisches Selbstporträt“.

14. Februar: In „Neues Deutschland“ erschien die Rezension „Der Hunger des Menschen in seiner Jugend“ von dem deutschen Schriftsteller Werner Bräunig über den amerikanischen Schriftsteller Thomas Wolfe.

Frühjahr: Von dem deutschen Literaturwissenschaftler Manfred Durzak wurde das Buch „Hermann Broch, der Dichter und seine Zeit“ im Kohlhammer Verlag publiziert.

Frühjahr: Der Rowohlt Verlag publizierte den Roman „Die Palette“ von dem deutschen Schriftsteller Hubert Fichte.

11. April: In der Züricher „Weltwoche“ erschien der Aufsatz „Demokratie ohne Opposition?“ von Max Frisch. Der schweizerische Schriftsteller warnte davor, die Studentenproteste als „chaotisch-emotionale Bewegung“ abzutun.

12. Juli: In der Züricher Zeitung Weltwoche wurde über die Jugendprotest-Ereignisse in Zürich im Artikel „Die Grosse Devotion“ von Max Frisch publiziert.

27. August: Die Zeitung Welt druckte die Erklärung „Deutsche Schriftsteller zu Prag“, die auch Martin Walser unterschrieben hatte, ab. Darin wurde die Niederschlagung des Prager Frühlings als „Verrat“ an der „jahrzehntelangen Arbeit der europäischen Linken für Wandel und Fortschritt durch Entspannung“ bezeichnet.

19. September: In der Tageszeitung Neues Deutschland wurde von dem Schriftsteller Max Walter Schulz ein Offener Brief an Martin Walser veröffentlicht, indem der Schreiber Bezug nahm zur Erklärung „Deutsche Schriftsteller zu Prag“ (27.08.1968) und griff den Adressaten scharf an.

etwa September: Der Kurt Desch Verlag publizierte die Autobiografie „Vielleicht das Heitere“ von Robert Neumann.

4. Oktober: Der umstrittene Vortrag vom 29. Juni 1968 (siehe Literaturhistorie) von dem amerikanischen Literaturwissenschaftler Leslie Fiedler wurde in der Zeitschrift Christ und Welt abgedruckt und löste prompt eine Debatte unter den Literaten aus, die aber schnell wieder verebbte.

21. Oktober: Die Süddeutsche Zeitung druckte die „Stellungnahme gegen die Erklärung bayerischer Verleger und Buchhändler zu den Ereignissen auf der Frankfurter Buchmesse“ von Fritz J. Raddatz ab.

20. Dezember: In der englischen Zeitung „Spectator“ wurde die Kritik über das Theaterstück „Die Soldaten“ von Rolf Hochhuth veröffentlicht. Die Kritik war ein Verriss, man empörte sich vor allem darüber, dass Winston Churchill den polnischen Ministerpräsidenten General Wladyslaw Sikorski umbringen ließ. Man bezeichnete dies als Nazi-Propaganda.

– Dezember: Walter Boehlich verließ den Suhrkamp Verlag und rechnete im „Kursbuch 15“ (herausgegeben von Hans Magnus Enzensberger) mit der Literaturkritik als solche ab.
– Dezember: Hugo Kuhn legte im Festvortrag während der Jahressitzung der Bayerischen Akademie der Künste seine Ansichten über die Rolle der „neuen Sprache“ dar. Nach seiner Auffassung präsentiere sich die „neue Sprache“ in Flugblättern, Parolen und Diskussionen.
Dezember: In Bremerhaven wurde „Lyrik und Agitprop in der DDR“ zum Thema des „Montagsforums“.
DezemberJanuar 1969: In der Ost-Berliner Deutschen Staatsbibliothek wurde die Ausstellung über den Schriftsteller „Friedrich Wolf. Zum 80. Geburtstag“ gezeigt.

Erschienene Bücher aus dem deutschen Sprachraum:

Von dem deutschen Dichter und Schriftsteller Günther Anders erschienen die Fabeln „Der Blick vom Turm“ und der Band „Visit beautiful Vietnam – ABC der Aggressionen heute“.

Von dem deutschen Schriftsteller Stefan Andres erschien der Roman „Noah und seine Kinder“, die Erzählungen „Der Mörderblock. 13 Erzählungen“ sowie der Text- und Bildband „Die Mosel“.

Von dem deutschen Linguisten und Schriftsteller Chris Bezzel erschien der Debütroman „Grundrisse“ im Luchterhand Verlag. Die erste Auflage betrug 1200 Exemplare, das Nachwort war von Helmut Heißenbüttel. (vgl. ZVAB, https://www.zvab.com/erstausgabe/Grundrisse-Bezzel-Chris-Neuwied-Bln-Luchterhand/9942616358/buch)

Von dem deutschen Schriftsteller Manfred Bieler erschienen die Erzählungen „Der junge Roth“ im Münchener Biederstein Verlag.

In der Auswahl von Heinz Piontek „Augenblicke unterwegs“ erschien die Erzählung „Stadt aus Wasser und Stein“ von dem deutschen Schriftsteller Horst Bienek bei Hoffmann und Campe Verlag.

Der Roman „Die Zelle“ von Horst Bienek erschien im Münchener Verlag Hanser.

Von dem deutschen Dichter und Liedermacher Wolf Biermann erschien im Verlag Wagenbach die Sammlung von Gedichten, Balladen und Liedern unter dem Titel „Mit Marx- und Engelszungen“.

Von dem österreichischen Lyriker Gerald Bisinger erschienen im Literarischen Colloquium „7 Gedichte zum Vorlesen“, im Verlag Polyphem „5 kurze Gedichte für Kenner“ sowie das Prosawerk „Ein Drachenteufel und hinterhältig“, in „kolloquium poesie 68“ erschien der Essay „Keine Kunst: Gedichte funktionieren!“

Von dem deutschen Schriftsteller Horst Bosetzky erschienen die beiden Kriminalromane „Der Tod fliegt schneller als der Schall. Drei Stunden bis zur Weltvernichtung“ sowie „Party in der Folterkammer. Der Boss schenkt harte Sachen ein“, beide erschienen im Kölner Verlag Marken. Außerde gab Renate Mayntz-Trier die wissenschaftliche Schrift von Horst Bosetzky unter dem Titel „Bürokratische Organisationsformen in Behörden und Industrieverwaltungen“, erschienen in der Zeitschrift „Bürokratische Organisation“ im Kiepenheuer & Witsch Verlag.

Der Mitteldeutscher Verlag in Halle publizierte die Essays „Prosa schreiben“ von Werner Bräunig.

Das Interview von Satish Kunar mit dem deutschen Schriftsteller Heinrich Böll erschien in der Zeitschrift „Gemeinschaft und Politik“ unter dem Titel „Die jungen und die alten Menschen“.

Von dem deutschen Schriftsteller Erich Loest erschien der Kriminalroman „Das Waffenkarussell“, die Kriminalerzählung „Hilfe durch Ranke“, der Roman „Der Abhang“ und die Erzählungen „Öl für Malta“.

Peter Härtling gab „Die Väter. Berichte und Geschichten“ heraus, erschienen im S. Fischer Verlag, zudem gab er „Nikolaus Lenau: Briefe an Sophie von Löwenthal“ heraus, erschienen im Kösel Verlag und es erschien sein Essay „Das Ende der Geschichte. Über die Arbeit an einem „historischen Roman““ bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Mainz).

Von Ali Mitgutsch erschien das Bilderbuch „Rundherum in meiner Stadt“.

Von Martin Walser erschien zusammen mit Carlo Schellemann Stationen Vietnams“ im Verlag Röderberg und es erschien im Suhrkamp Verlag die Aufsätze und Reden „Heimatkunde“.

Der Roman „Nachdenken über Christa T.“ von Christa Wolf wurde im Luchterhand Verlag publiziert.

Von dem österreichischen Schriftsteller Gerhard Amanshauser wurde die Satire „Aus dem Leben des Quaden“ im Residenz Verlag publiziert.

Von dem österreichischen Schriftsteller Jean Améry erschien der Band „Über das Altern. Revolte und Resignation“.

Von dem deutschsprachigen tschechischen Schriftsteller Hans Günther Adler erschien der Roman „Panorama“ mit einem Nachwort Peter Demetz.

Von dem österreichischen Schriftsteller Ernst Fischer erschien unter Mitarbeit des Politikers Franz Marek das Buch „Was Marx wirklich sagte“ im Verlag Molden.

Die Deutsche Verlags-Anstalt publizierte den Kriminalroman „Die Pulvermühle“ von der österreichischen Schriftstellerin Gertrud Fussenegger.

In der Literaturzeitschrift „Akzente“ erschien der Aufsatz „Wie schreibe ich weiter?: Die Geschichte soll auf dem Papier erscheinen“ von dem schweizerischen Schriftsteller Peter Bichsel.

Von dem schweizerischen Schriftsteller Silvio Blatter erschien sein Debüt „Brände kommen unerwartet“ im Regenbogen Verlag.

Von dem schweizerischen Schriftsteller Hans Boesch erschien der Roman „Die Fliegenfalle“ im Artemis Verlag.

Von dem schweizerischen Schriftsteller Beat Brechbühl erschien der Roman „Die Bilder und ich“ im Züricher Diogenes Verlag.

Von den beiden schweizerischen Dichtern Rainer Rambach und Jürg Federspiel erschienen die Gedichte „Marco Polos Koffer“ im Diogenes Verlag.

Im Züricher Verlag Arche erschien „Tschechoslowakei 1968. Die Reden von Peter Bichsel, Friedrich Dürrenmatt, Max Frisch, Günter Grass, Kurt Marti und ein Brief von Heinrich Böll“.

Erschienene Übersetzungen:

Von dem amerikanischen Schriftsteller Robert Creeley erschienen die Gedichte „Divisions and Other Early Poems“, „Numbers“ und „5 Numbers“ sowie die Prosa „The Finger“ und „Pieces“.

Von dem japanischen Lyriker Kuroda Saburō wurde das Gedichtband „Aru hi aru toki“ (dt. in etwa: Einst an einem Tag) im Shörinsha-Verlag publiziert.

Im Carl Hanser Verlag erschien die deutsche Übersetzung „Johann Nepomuk Nestroy. Der Schöpfer der tragischen Posse“ (Originaltitel: Jan Nepomuk Nestroy: Tvůrce tragické frašky) von dem tschechischen Dichter Rio Preisner.

Von dem ungarisch-britischen Schriftsteller Arthur Koestler wurde die deutsche Übersetzung des Romans „Der Geist in der Maschine“ (Originaltitel: The Ghost of the Machine, 1967) im Fritz Molden Verlag publiziert.

Uraufführungen / Premieren

4. Januar: Unter der Regie von Ludwig Cremer feiert der Film „Der Zauberberg“ nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann Premiere.

9. Januar: Am Berliner Schillertheater wurde das Theaterstück „Die Trauung“ vom polnischen Schriftsteller Witold Marian Gombrowicz, übersetzt von Walter Tiel, in Deutschland zum ersten Mal aufgeführt.

10. Januar: In den Münchner Kammerspielen wurde das Theaterstück „Der Schuhu und die fliegende Prinzessin“ nach einer Märchen-Novelle von dem deutschen Dramatiker Peter Hacks in Westdeutschland zum ersten Mal aufgeführt, uraufgeführt wurde es am 29.04.1966 in Ostberlin.

27. Januar: Das Theaterstück „Wir werden schon noch handeln“ wurde unter dem Titel „Der schwarze Flügel“ von Martin Walser unter der Regie von Gerlach Fiedler in der Berliner Akademie der Künste uraufgeführt.

1. Februar: In Zürich wird am Schauspielhaus das Theaterstück „Biografie. Ein Spiel“ von dem schweizerischen Schriftsteller Max Frisch unter der Regie von Leopold Lindtberg (Bühnenbild von Theo Otto) uraufgeführt.

20. März: Unter der Regie von Harry Buckwitz wurde das Theaterstück „Viet Nam-Diskurs“ von dem Schriftsteller Peter Weiss in Frankfurt am Main bei den Städtischen Bühnen uraufgeführt.

21. März: An der Hochschule für Gestaltung in Ulm wurde das Theaterstück „Notstandsübung“ von dem deutschen Dramatiker Michael Hatry über die Zusammenstöße von Studenten und Polizei beim Schahbesuch in Berlin 1967 uraufgeführt.

31. März: Das Hörspiel „Nachmittag in Ostende“ von der österreichischen Schriftstellerin Ilse Aichinger wird im Norddeutschen Rundfunk sowie im Süddeutschen Rundfunk unter der Regie von Heinz von Cramer uraufgeführt.

3. April: Die Verfilmung „Zur Hölle mit den Paukern“ nach der gleichnamigen Satire vom deutschen Schriftsteller Karl Herbert Rösler wurde unter der Regie Werner Jacobs von im Schlosshof in Kiel uraufgeführt.

5. April: Das Hörspiel „Amazonas“ von dem deutschen Schriftsteller Hermann Stahl wurde beim Österreichischen Rundfunk unter der Regie von Hans Krendlesberger uraufgeführt.

7. April: In München wurde das Theaterstück „Katzelmacher“ von Rainer Maria Fassbinder uraufgeführt. Das Theaterstück behandelte das Thema der Hetzjagd auf einen griechischen Gastarbeiter in einem bayerischen Dorf.

13. April: Im Hessischen, Süddeutschen und Saarländischen Rundfunk sowie im Südwestfunk wird das Hörspiel „Ojun und Batal“ von Manfred Bieler uraufgeführt. Regie führte Ludwig Cremer.

9. Mai: In Westdeutschland feierte das Theaterstück „Die Mutter“ von Bertolt Brecht in Köln im Rahmen der 8. ordentlichen Jugendkonferenz Premiere.

16. Mai: Am Landestheater Hannover wurde das Theaterstück „Wie dem Herrn Mockinpott das Leiden ausgetrieben wird“ von dem deutsch-schwedischen Schriftsteller Peter Weiss unter der Regie von Horst Zankl uraufgeführt.

2. Juni: Während der Wiener Festwochen wurde das Theaterstück „kasperl am elektrischen stuhl“ von dem österreichischen Schriftsteller Konrad Bayer unter der Regie von Georg Lhotzky uraufgeführt.

5. Juni: Beim Westdeutschen Rundfunk wurde das Hörspiel „Alle meine Stimmen“ von dem tschechischen Schriftsteller Antonín Přidal unter der Regie von Petr Adler uraufgeführt.

12. Juni: Von dem deutschen Schriftsteller Martin Walser wurde beim Südwestfunk das Hörspiel „Wir werden schon noch handeln“ uraufgeführt.

8. Juli: Von dem ungarisch-österreichischen Schriftsteller György Sebestyén wurde das Hörspiel „Das Ohr“ unter der Regie von Helmut Schwarz beim Österreichischen Rundfunk uraufgeführt.

1. August: In München wurde die Uraufführung „Orgie Ubuh“ vom antitheater-Ensemble abgebrochen, da für den Besitzer des Büchner-Theaters Helmut Berninger die Vorstellung zu „politisch und obszön“ sei.

26. August: Von dem französischen Dramatiker Alain Franck wurde das Hörspiel „An einem Sonntag in August“ unter der Regie von Cläre Schimmel beim Süddeutschen Rundfunk uraufgeführt.

26. August: Der Spielfilm „Ein Polizist“ nach einem Roman von Jürgen Becker wurde im Deutschen Fernsehen uraufgeführt.

5. September: In Essen wurde der Spielfilm „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“ nach einer Romanvorlage von dem britischen Schriftsteller Eric Lawson Malpass uraufgeführt.

11. September: Das Hörspiel „Der Monolog der Terry Jo“ von dem Schriftsteller Max Bense und Ludwig Harig wurde beim Saarländischen Rundfunk sowie von Radio Bremen uraufgeführt.

12. September: Am Landestheater Hannover wurde das Theaterstück „Magic Afternoon“ von dem österreichischen Schriftsteller Wolfgang Bauer unter der Regie von Horst Zankl uraufgeführt.

17. September: Von dem ungarisch-österreichischen Schriftsteller György Sebestyén wurde das Hörspiel „Die Auferstehung des Stefan Stefanow“ unter der Regie von Otto Kurth beim Westdeutschen Rundfunk uraufgeführt.

18. September: In Berlin feierte das Theaterstück „Sladek, der schwarze Reichswehrmann“ von dem deutschsprachigen ungarischen Schriftsteller Ödön von Horvath Premiere.

24. September: Im Norddeutschen und Saarländischen Rundfunk sowie beim Sender Freies Berlin wurde das Hörspiel „Vater und Lehrer“ von Manfred Bieler uraufgeführt. Regie führte Fritz Schröder-Jahn.

30. September: Das Theaterstück „Faust I“ von Johann Wolfgang von Goethe feierte im Ostberliner Deutschen Theater Premiere. Diese Aufführung wurde unter der Regie von Adolf Dresen zu einem Skandal, Parteivertreter verließen vorzeitig die Aufführung, da diese nicht mit der offiziellen Parteilinie der SED übereinstimme.

8. Oktober: Der Süddeutsche Rundfunk strahlte das Hörspiel „ Allmähliche Verfertigung einer Rede wie im Halbschlaf“ von dem deutschen Schriftsteller Hans-Jürgen Fröhlich unter der Regie von Oswald Döpke aus.

5. November: Von dem ungarisch-österreichischen Schriftsteller György Sebestyén wurde das Hörspiel „Rendezvous in der Knochenschale“ unter der Regie von Axel Corti beim Österreichischen Rundfunk uraufgeführt.

28. Dezember: Das Hörspiel „Altersfürsorge“ von dem deutschen Schriftsteller Martin Kurbjuhn wurde beim Westdeutschen Rundfunk unter der Regie von Heinz Wilhelm Schwarz uraufgeführt.

Uraufführungen und Premieren ohne Datumsangabe

Im Südwestrundfunk wurde das Hörspiel „Alle Türen sind verschlossen“ von Elisabeth Borchers uraufgeführt.

Die Multi-Media-Oper „Wenn die Kälte frierend in die Hütte tritt, um sich bei den Frierenden zu wärmen, weiss einer die Geschichte von einem Feuer“ wurde in Bochum uraufgeführt. Das Libretto ist von Elisabeth Borchers und die Musik von Dieter Schönbach.

Von dem deutschen Schriftsteller Uwe Brandner wurde der Kurzfilm „Toon erzählt vom Paradies“ unter seiner Regie uraufgeführt.

Der historische RomanPan Wołodyjowski“ von dem polnischen Schriftsteller Henryk Adam Aleksander Pius Sienkiewicz aus dem Jahr 1888 wurde unter dem Titel „Leben, Liebe und Tod des Obersten Wolodyjowski“ unter der Regie von Jerzy Hoffman als Spielfilm uraufgeführt.

Literaturfeste, –festivals und -biennalen

23. September: In Graz wurde der „steirische Herbst“ eröffnet. Zur 750-Jahr-Feier der Diözese Graz-Seckau und zum 100. Geburtstag von dem französischen Schriftsteller Paul Claudel wurde sein Theaterstück „Der Bürge“ aufgeführt. Darüber hinaus wurde von Peter Handke „Kaspar“ uraufgeführt sowie das Stück „Die sieben Todsünden“ von Bertolt Brecht und Kurt Weills aufgeführt. Zum 85. Geburtstag von Franz Nabl fand ein Matinee statt. Zudem fanden Dichterlesungen mit zeitgenössischen Werken aus Italien, Jugoslawien und Österreich statt.

22. Oktober26. Oktober: In Hof fand zum dritten Mal Oberfränkischen Literaturtage statt. Unter den Gästen waren: Helmut Heißenbüttel, Eugen Gomringer, Gerhard Rühm aus Österreich, Claus Bremer aus der Schweiz und Yüksel Pazarkaya aus der Türkei.

Literaturpreise und Auszeichnungen

4. März: In Wien wurde der Österreichische Staatspreis unter anderem an Thomas Bernhard verliehen. Die Laudatio hielt der Unterrichtsminister Theodor Piffl-Percevic. Die Verleihung wuchs zu einem Skandal aus, dass in der Schlagzeile „So dankt ein Staatspreisträger: beschimpft Österreich“ des „Wiener Montag“ seinen Höhepunkt fand.

4. Mai: Der deutsch-amerikanische Germanist und Schriftsteller Oskar Seidlin bekam von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung den Friedrich-Gundolf-Preis verliehen. Außerdem zeichneten sie die deutsche Übersetzerin und Schriftstellerin Eva Hesse mit dem Johann-Heinrich-Voß-Preis aus.

26. Oktober: Der deutsche Autor Golo Mann wurde in Darmstadt mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

Oktober: Bei der Verleihung des Kölner Literaturpreises an Jürgen Becker bezeichnete dieser die polizeiliche Beschlagnahmung von angeblich „unsittlichen“ Untergrundfilmen während des diesjährigen Kölner Kunstmarktes einen „Kölner Skandal“. Jürgen Becker erklärte, er habe zunächst seine Teilnahme an der Preisverleihung absagen wollen.

10. Dezember: Dem japanischen Schriftsteller Yasunari Kawabata wurde der Literaturnobelpreis verliehen. In der Begründung heißt es: „für seine Erzählkunst, die mit feinem Gefühl japanisches Wesen und dessen Eigenart ausdrückt“.

Literaturpreise und Auszeichnungen (ohne Datumsangabe):

Der deutsche Schriftsteller Uwe Brandner wurde mit dem Drehbuchpreis des „Literarischen Colloquiums Berlin“ ausgezeichnet.

Die österreichische Schriftstellerin Ilse Aichinger erhielt den österreichischen Literaturpreis der österreichischen Industriellenvereinigung Anton-Wildgans-Preis.

Der deutsche Schriftsteller Alfred Andersch erhielt den schweizerischen Literaturpreis Prix Charles Veillon.

Die deutsche Übersetzerin und Schriftstellerin Eva Hesse wurde von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung mit dem Johann-Heinrich-Voß-Preis ausgezeichnet.

Der deutsche Schriftsteller Hartmut Lange erhielt für die beiden Dramen „Hundsprozeß“ und „Herakles“ den Gerhart-Hauptmann-Preis.

Der deutschsprachige Schriftsteller Hans Günther Adler erhielt die schweizerische Auszeichnung Charles-Veillon-Preis (Prix européen de l’essai Charles Veillon).

Buchmessen

19. September24. September: Es fand die Frankfurter Buchmesse statt.

18. Oktober27. Oktober: In Hamburg fand zum dritten Mal die Buchwoche „Hamburg literarisch“ statt.

9. November24. November: In Berlin fand die XVII. Internationale Buchausstellung statt. Insgesamt wurden 20.000 Bücher aus der BRD gezeigt und 11.000 Bücher von ausländischen Verlagen.

Geboren

05.01.: Tom Holland, britischer Schriftsteller

07.01.: Georgi Gospodinov, bulgarischer Schriftsteller

18.01.: Armin Pongs, deutscher Schriftsteller

19.01.: Eden Victoria Lena Robinson, kanadische Schriftstellerin

20.01.: Ildikó von Kürthy, deutsche Schriftstellerin

23.01.: Matthias Stührwoldt, deutscher Autor und Dichter

Januar: – Julia Arden, deutsche Schriftstellerin

02.02.: Joanna Bator, polnische Schriftstellerin

05.02.: Arne Seidel, deutscher Schriftsteller

20.02.: Camilla Gibb, kanadische Schriftstellerin

23.02.: Sonya Hartnett, australische Schriftstellerin

28.02.: Jo Lendle, deutscher Verleger und Schriftsteller

29.02.: Emer Martin, irische Schriftstellerin

12.03.: Richard Schuberth, österreichischer Schriftsteller

21.03.: Günter Vallaster, österreichischer Schriftsteller

22.03.: Mikaël Ollivier, französischer Schriftsteller

04.04.: Steffen Jacobs, deutscher Übersetzer (englisch), Lyriker und Schriftsteller

11.04.: Sergei Wassiljewitsch Lukjanenko, russischer Schriftsteller

18.04.: Thomas Eder, österreichischer Literaturwissenschaftler

22.04.: Peter Weber, deutscher Schriftsteller

04.05.: Éric Vuillard, französischer Dichter und Schriftsteller

07.05.: Artur Becker, deutsch-polnischer Schriftsteller

13.05.: Monique Truong, amerikanische Schriftstellerin vietnamesischer Herkunft

21.05.: Jan de Leeuw, belgischer (flämischer) Schriftsteller

27.05.: Kiyohiko Azuma, japanischer Illustrator

02.06.: Flemming Andersen, dänischer Comiczeichner

08.06.: Megumu Sagisawa, japanische Schriftstellerin

18.06.: Masahito Soda, japanischer Illustrator

21.06.: David-Dephy Gogibedaschwili, georgischer Dichter und Schriftsteller

22.06.: Melinda Nadj Abonji, ungarisch-schweizerische Schriftstellerin

26.06.: Ilona Einwohlt, deutsche Schriftstellerin

05.07.: Ken Akamatsu, japanischer Illustrator
05.07.: Isabel Bogdan, deutsche Übersetzerin (englisch) und Schriftstellerin

09.07.: Alice Pantermüller, deutsche Kinderbuchautorin

10.07.: Jorge Luis Volpi Escalante, mexikanischer Schriftsteller

20.07.: Jörg Kleudgen, deutscher Schriftsteller

22.07.: Arno Geiger, österreichischer Schriftsteller

02.08.: Manuel Forcano, spanischer Übersetzer (hebräisch) und Lyriker

10.08.: Jörg Thadeusz, deutscher Schriftsteller

30.08.: Éric Battut, französischer Schriftsteller

14.09.: Shūichi Yoshida, japanischer Schriftsteller

20.09.: Daniel Goetsch, schweizerischer Schriftsteller

23.09.: Abe Kazushige, japanischer Schriftsteller

25.09.: Tanja Dückers, deutsche Schriftstellerin

27.10.: Stephan Manfred Rother, deutscher Schriftsteller

28.10.: Uwe Tellkamp, deutscher Schriftsteller

30.10.: Ursula Poznanski, österreichische Schriftstellerin

04.11.: Matthew Tobin Anderson, amerikanischer Schriftsteller

23.11.: Thomas Raab, österreichischer Übersetzer (englisch) und Schriftsteller

05.12.: Aino Havukainen, finnische Illustratorin und Schriftstellerin

11.12.: Christoph W. Bauer, österreichischer Dichter und Schriftsteller

12.12.: Claudia von Holten, deutsche Verlegerin (Amiguitos) und Schriftstellerin

14.12.: Kelley Armstrong, kanadische Schriftstellerin

21.12.: Assaf Gavron, israelischer Schriftsteller

31.12.: Junot Díaz, amerikanisch-dominikanischer Schriftsteller

Geboren (ohne Datumsangabe):

Ali Abdollahi, iranischer Lyriker, Literaturkritiker und Übersetzer (persisch)
Yvonne Adhiambo Owuor, kenianische Schriftstellerin
Martin Amanshauser, österreichischer Lyriker und Schriftsteller
Rafael Arnold, deutscher Romanist
Martin von Arndt, deutscher Übersetzer (französisch) und Schriftsteller
– Jérôme Ferrari, französischer Philosoph, Übersetzer und Schriftsteller
– Katja Gehrmann, deutsche Illustratorin
– Nina Janich, deutsche Linguistin und Literaturwissenschaftlerin
Tomasz Konatkowski, polnischer Schriftsteller
Ana Kordsaia-Samadaschwili, georgische Schriftstellerin
Angelika Meier, deutsche Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin
Charles Montgomery, kanadischer Schriftsteller
Anne-Katrin Piepenbrink, deutsche Illustratorin
– Ulrike Rylance, deutsche Schriftstellerin
Georg Schuppener, deutscher Linguist
Bettina Spoerri, schweizerische Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin
– Hannes Sulzenbacher, österreichischer Schriftsteller
Kai Weyand, deutscher Schriftsteller

Gestorben

01.01.: Georg Alexander Mathéy, deutscher Illustrator und Schriftsteller, starb im Alter von 83 Jahren

23.01.: Wilhelm Klemm, deutscher Verleger und Lyriker, starb im Alter von 86 Jahren

04.02.: Neal Leon Cassady, amerikanischer Dichter, starb im Alter von 41 Jahren

14.02.: József Waldapfel, ungarischer Literaturhistoriker, starb im Alter von 63 Jahren

23.02.: Fannie Hurst, amerikanische Schriftstellerin, starb im Alter von 78 Jahren

27.02.: Johannes Tralow, deutscher Schriftsteller, starb im Alter von 85 Jahren

01.03.: Georg von der Vring, deutscher Schriftsteller, starb im Alter von 78 Jahren

16.03.: Bengt Gunnar Ekelöf, schwedischer Schriftsteller, starb im Alter von 60 Jahren

13.04.: Pericle Patocchi, schweizerischer Dichter und Schriftsteller, starb im Alter von 57 Jahren
13.04.: Eckart Peterich, deutscher Übersetzer (italienisch), Dichter und Schriftsteller, starb im Alter von 67 Jahren

14.04.: Hans von Hülsen, deutscher Schriftsteller, starb im Alter von 78 Jahren

16.04.: Laurence Vail, französischer Dichter, starb im Alter von 77 Jahren

20.04.: Rudolph Dirks, deutsch-amerikanischer Comiczeichner, starb im Alter von 91 Jahren

25.04.: Carl Haensel, deutscher Schriftsteller, starb im Alter von 78 Jahren

26.04.: Karl Leberecht Reinhard Preisendanz, deutscher Philologe und Bibliothekar, starb im Alter von 84 Jahren

27.04.: Wassili Nikolajewitsch Aschajew, russischer Schriftsteller, starb im Alter von 54 Jahren

09.05.: Harold Lincoln Gray, amerikanischer Comiczeichner, starb im Alter von 74 Jahren

10.05.: Noël Calef, bulgarisch-französischer Schriftsteller, starb im Alter von 60 Jahren

12.05.: Erich Bockemühl, deutscher Dichter, starb im Alter von 82 Jahren

23.05.: Max Niedermayer, deutscher Verleger (Limes Verlag), starb im Alter von 63 Jahren

01.06.: Witter Bynner, amerikanischer Dichter, starb im Alter von 86 Jahren
01.06.: Helen Adams Keller, amerikanische Schriftstellerin, starb im Alter von 87 Jahren
01.06.: André Laurendeau, kanadischer Schriftsteller, starb im Alter von 56 Jahren
01.06.: Martin Luserke, deutscher Schriftsteller, starb im Alter von 88 Jahren

06.06.: Theodor Frings, deutscher Linguist und Germanist, starb im Alter von 81 Jahren

14.06.: Salvatore Quasimodo, italienischer Literaturkritiker und Lyriker, starb im Alter von 66 Jahren

17.06.: A. M. Cassandre, ukrainisch-französischer Typograph, starb im Alter von 67 Jahren

09.07.: Vardis Fisher, amerikanischer Schriftsteller, starb im Alter von 73 Jahren

14.07.: Konstantin Georgijewitsch Paustowski, russischer Schriftsteller, starb im Alter von 76 Jahren

22.07.: Giovannino Oliviero Giuseppe Guareschi, italienischer Schriftsteller, starb im Alter von 60 Jahren

03.08.: Yang Shuo, chinesischer Lyriker und Schriftsteller, starb im Alter von 55 Jahren

21.09.: Hirotsu Kazuo, japanischer Schriftsteller, starb im Alter von 76 Jahren

09.10.: Jean Paulhan, französischer Schriftsteller, starb im Alter von 83 Jahren

13.10.: Manuel Carneiro de Souza Bandeira Filho, brasilianischer Dichter und Schriftsteller, starb im Alter von 82 Jahren
13.10.: Stanley Unwin, englischer Verleger, starb im Alter von 83 Jahren

25.10.: Jean Schlumberger, deutsch-französischer Schriftsteller, starb im Alter von 91 Jahren

07.11.: Béla Hamvas, ungarischer Schriftsteller, starb im Alter von 71 Jahren

08.11.: Richard Katz, deutsch-brasilianischer Schriftsteller, starb im Alter von 80 Jahren

12.11.: Karl Zuchardt, deutscher Schriftsteller, starb im Alter von 81 Jahren

17.11.: Wilhelm Lehmann, deutscher Schriftsteller, starb im Alter von 86 Jahren
17.11.: Mervyn Laurence Peake, britischer Illustrator und Schriftsteller, starb im Alter von 57 Jahren

25.11.: Upton Beall Sinclair, amerikanischer Schriftsteller, starb im Alter von 90 Jahren

26.11.: Arnold Zweig, deutscher Schriftsteller, starb im Alter von 81 Jahren

28.11.: Enid Mary Blyton, englische Schriftstellerin, starb im Alter von 71 Jahren

07.12.: Walther Kiaulehn, deutscher Schriftsteller, starb im Alter von 68 Jahren

08.12.: Josef Papesch, österreichischer Schriftsteller, starb im Alter von 75 Jahren

20.12.: Max Brod, tschechischer (deutschsprachiger) Schriftsteller, starb im Alter von 84 Jahren
20.12.: John Ernst Steinbeck, amerikanischer Schriftsteller, starb im Alter von 66 Jahren

26.12.: Kawakami Santarō, japanischer Lyriker, starb im Alter von 77 Jahren

Gestorben (ohne Datumsangabe):

Brigitte Adolphsen, deutsche Schriftstellerin
Rafael Alberto Arrieta, argentinischer Übersetzer (englisch) und Schriftsteller

Literaturüberblick über das Jahr 1968

(): Bundeszentrale für politische Bildung, zuletzt besucht am 02.11.2018

Rosa Luxemburg Stiftung (): “1968” – Deutungen und Folgen, Bibliografie (PDF), zuletzt besucht am 02.11.2018

(): Bücher zum Themenkomplex „1968“ im Spiegel der Kritik (PDF), zuletzt besucht am 02.11.2018

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