Rezension zu „Niemand wird mich töten“ von Mbu Maloni

Südafrika, Township, Gewalt, Drogen, Alkohol, Missbrauch, Armut, Hunger,

Kein Mitleid

Man kann sich kaum vorstellen, dass es auf dieser Erde ganze Landstriche gibt, wo Kinder keine Kindheit haben. Man mag sich kaum vorstellen, dass neben dem ewigen Hunger Kinder Gewalt ausgesetzt sind und es sprengt völlig unsere Vorstellung, dass Kinder in ihren Familien unerwünscht sind und ausgestoßen werden. Trotz diesem Alltag schafft es Mbu Maloni durch enorme Willenskraft seinen eigenen Weg zu gehen. Als sein bester Freund stirbt, beschließt er über sein eigenes Leben und somit auch über seinen Freund zu schreiben unter seinem Lebensmotto: „Niemand wird mich töten“.

Die Townships in Südafrika sind im Grunde lebensfeindlich. Alle Bewohner in den Townships sind dem täglichen Überlebenskampf ausgeliefert. Mbu Maloni beschreibt in seinem Buch den Alltag, der nicht nur davon geprägt ist, wie man Essen und Trinken bekommt. Vielmehr zeigt sich, dass die Armut einen ganzen Rattenschwanz von Problemen mit sich bringt. Es bleibt den Menschen nichts anderes übrig als sich mit Alkohol zu ertränken oder sich mit billigen Drogen dem Alltag zu entziehen.
     Jedes Kind gilt als zusätzliche Belastung und sie müssen früh, zu früh lernen, für sich selber zu sorgen.
    
Der Jugendliche Mbu Maloni ist all dem ausgesetzt, wird hin- und hergeschoben und muss erleben, wie er in jedem Unterschlupf unerwünscht ist. Seine Rettung sind vereinzelte Lehrer, sein älterer Bruder und sein Freund Atie.

 Zitat:

Ich hatte das sichere Gefühl, dass es hier eben um etwas Wichtiges gegangen war. Etwas völlig Neues. Etwas, dass richtig wichtig werden könnte im Leben, aber nur, wenn du es auch echt kapierst. In jener Nacht war es nur das unbestimmte Gefühl von etwas Wichtigen, mehr noch nicht.“

Die Autobiografie ist in einer sehr klaren Sprache mit einer hohen erzählerischen Dichte verfasst. Durch die Beschreibungen – quasi in Nebensätzen – bekommt man eine gute Vorstellung, wie eine Blechhütte – auch Shacks genannt – von innen aussieht.
     Beim Lesen bekommt man Einblicke in die inneren Vorgänge des Autors ohne dass er Begriffe verwendet wie Traurigkeit, Angst, Zorn oder Glück. Er beschreibt sein Leben sehr sachlich aber zwischen den Zeilen schwingen die Gefühle mit. Mit keinem Wort versucht er Mitleid beim Leser zu erregen und seltsamer Weise kommt auch nur an sehr wenigen Stellen Mitleid auf. Gleichwohl hält man es teilweise nicht mehr aus und man legt eine Pause ein. Man ist aber die ganze Zeit erstaunt, dass Mbu Maloni bei all den Erlebnissen nicht den Mut verliert und seine Überlebensstrategie, möglichst viel in der Schule zu lernen, zu keinem Zeitpunkt aufgibt.

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Der deutsche Buchmarkt ist überschwemmt mit Autobiografien. Irgendwie scheinen viele Menschen zu glauben, dass es schrecklich ist, wenn ihnen ein Fingernagel bricht oder ein Barthaar nicht zu Recht gebogen bekommen und meinen über das ach so schreckliche Erlebnis schreiben zu müssen und liefern die gewöhnlichen Lebensstationen sofort mit. Die meisten Buchhändler sind davon genervt. Diese Biografien sind nicht nennenswert. Dabei bleiben die ausgezeichneten Autobiografien auf der Strecke. Gerade solche Biografien wie „Niemand wird mich töten“, die Einblicke in ein völlig anderes Leben geben und in einem überzeugenden sprachlichen Stil berichten, gehören in den Bereich des Wahrgenommen-Werdens.

Es ist seine Authentizität, die dieses Buch überzeugend macht.

 © read MaryRead 2015

► Rezensionen

Jugendbuch, Autobiografie, Sachbuch, Rezension, Buchbesprechung, Literaturkritik, ab 13 Jahre,Mbu Maloni: Niemand wird mich töten
Übersetzung: Lutz van Dijk
Autobiografie
Alter: ab 13 Jahre
153 Seiten
gebunden
Gewicht: 322 g
Format (H x B x T): 216 x 151 x 20 mm
erschien: 02.08.2011
Verlag: Peter Hammer
ISBN 978-3-7795-0356-9
Preis: 12,90 € (D), 13,30 € (A)

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