Literaturkalender: 4. Januar

Beneti Pérez Galdós

Franz Kafka berichtet in seinem Tagebucheintrag von der Erzählung „Der Unterstaatsanwalt“. Zur selben Zeit arbeitet er auch an „Der Prozess“.
     Hugo Ball scheint sich auf einen Brief von August Hofmann zu beziehen, der sich anscheinend in der Geburtsstadt seines Freundes aufhält oder dort gewesen war.

Literaturhistorie:

1961: Das von den Gebrüdern Grimm begonnene Deutsches Wörterbuch (31. Band) ist nun vollständig.
1968: Unter der Regie von Ludwig Cremer feiert der Film „Der Zauberberg“ nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann Premiere.

Hugo Ball an August Hofmann

Agnuzzo, den 4. Januar [19]24

[…]

Liebes Gustilein, was Du von den Pfälzern sagst, hat mich lachen gemacht. Ich bin doch gar kein Pfälzer. Ich bin doch irgendwoher aus dem Spessart und aus dem rheinischen Bauernblut. Wie es in einem pfälzischen Oberlandesgerichtsrat aussieht, habe ich Gottlob nie erfahren. Ich glaube Dir auf`s Wort, daß die Bauern aus Schnaitsee sympathischer sind. Aber der Wald um den Wasigenstein herum, und schon vorher, das ist trotz aller Krähwinkelei sehr schön. Schade, daß der Wasigenstein jetzt den Franzosen gehört. Dort oben unter turmhohen Buchen – oh, ich weiß nicht, ob Du das kennst! Das gibt es in Schnaitsee nicht. Wenn man das Unglück hat, in der Pfalz geboren zu werden, dann muß man immer in den Wald laufen, das ist die einzige Rettung …

(aus: Emmy Ball-Hennings Hugo Ball. Sein Leben in Briefen und Gedichten, Suhrkamp 1991, S. 163 f.)

Geboren

1969: Markus Seidel, deutscher Schriftsteller
1966: Faysal Dağlı, türkisch-kurdischer Schriftsteller
1958: Chris de Stoop, belgischer Schriftsteller
1947: Chris Cutler, britischer Schriftsteller
1940: Gao Xingijan, chinesisch-französischer Schriftsteller
1934: Hellmuth Karasek, deutscher Literaturkritiker und Autor
1931: Nora Iuga, rumänische Übersetzerin (deutsch) und Dichterin
1929: Arik Brauer, österreichischer Dichter
1922: Yamada Fūtarō, japanischer Schriftsteller
1901: Cyril Lionel Robert James, amerikanischer Schriftsteller
1900: Gerhard Aichinger, deutsch-österreichischer Schriftsteller
1900: Bedřich Fučík, tschechischer Literaturkritiker und Übersetzer
1900: Debora Vogel, polnische Dichterin und Schriftstellerin
1889: Yumeno Kyūsaku, japanischer Schriftsteller
1883: Max Forrester Eastman, amerikanischer Schriftsteller
1878: Gerdt von Bassewitz, deutscher Schriftsteller
1874: Svend Fleuron, dänischer Schriftsteller
1858: Victor Léon, österreichischer Textdichter und Autor
1852: Mite Kremnitz, deutsche Schriftstellerin
1850: Paul d’Abrest, österreichisch-böhmisch-französischer Schriftsteller
1846: Jan Karafiát, tschechischer Schriftsteller
1844: Victor Blüthgen, deutscher Dichter und Schriftsteller
1839: Casimiro de Abreu, brasilianischer Lyriker
1809: Louis Braille, Franzose, Erfinder der Blindenschrift
1785: Jakob Grimm, deutscher Sprach- und Literaturwissenschaftler
1780: Théophile Marion Dumersan, französischer Bühnenautor und Lyriker
1604: Jakob Balde, deutscher neulateinischer Dichter

Aus dem Tagebuch von Erich Mühsam:

Niederschönenfeld, Mittwoch, d. 4. Januar 1922

La verité est en marche. Mein Brief an Weidner kam noch rechtzeitig an, um der ›Welt am Montag‹ die Feststellung, daß ich verleumdet wurde, schon letzten Montag zu ermöglichen. Ich hatte diesen Brief ganz als Privatbrief fassen müssen, und so hat man auch vorn die Bemerkung passieren lassen, daß mir die Aufklärung für die Presse unmöglich gemacht werde. Bis jetzt ist aus den Zeitungen nur zu entnehmen, daß das Blatt auch das erwähnt hat. Zugleich wird berichtet, Weigel habe im Münchner Stadtrat die Erklärung abgegeben, die von der Zentrale eingesetzte Kommission der KPD habe ihn nach Kenntnisnahme der Urkunden aufgefordert, seine Funktion weiter auszuüben, da alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe Verleumdungen seien, und endlich veröffentlichten die ›Münchner Neuesten Nachrichten‹ und wohl eine Reihe anderer Blätter ebenfalls eine Erklärung des Rechtsanwalts Dr. Loewenfeld, die eine volle Rechtfertigung für Zenzl, mich und Weigel und die schwerste Kompromittierung Duskes bedeutet, und aus der übrigens hervorgeht, daß Duske »bis vor kurzem« Vorsitzender des Bezirkes Südbayern der KP war, also inzwischen – wahrscheinlich auf Wink von Eberlein-Pieck [Fußnote], die sich sehr anständig – nämlich völlig korrekt – verhalten haben, abgehalftert ist.
     (…) Meine Freunde sind ganz glücklich über die günstige Wendung, die die Sache anzunehmen scheint, und ich muß stark bremsen. Denn ich gebe mich keiner Täuschung darüber hin, daß der Weg durch den Kot noch nicht hinter uns liegt. Nur ist soviel gewiß, unsere Ehrabschneider werden schwerer durch den selbstgehäuften Dreck hindurchkommen als wir, die wir drin ersticken sollten.

[…]

Gestorben

1786: Moses Mendelssohn, deutscher Philosoph
1793: Bengt Lidner, schwedischer Dichter
1804: Charlotte Lennox, englische Lyrikerin und Schriftstellerin
1814: Johann Georg Jacobi, deutscher Dichter
1819: Gerhard Anton von Halem, deutscher Schriftsteller
1891: Konráð Gíslason, isländisch-dänischer Sprachforscher
1905: Ferdinande Maria Theresia Freiin von Brackel, deutsche Schriftstellerin
1920: Benito Pérez Galdós, spanischer Schriftsteller
1941: Henri-Louis Bergson, französischer Philosoph und Schriftsteller
1944: Kaj Munk, dänischer Schriftsteller
1945: Adolf Holst, deutscher Kinder- und Jugendbuchautor
1960: Albert Camus, französischer Schriftsteller
1965: Thomas Sterns Eliot, englischer Lyriker
1974: Abdul Ghafur Breshna, afghanischer Dichter
1975: Graziadio Carlo Levi, italienischer Schriftsteller
1985: Kakuei Kin, japanischer Schriftsteller
1986: Christopher Isherwood, amerikanischer Schriftsteller
1996: Bob Flanagan, amerikanischer Schriftsteller
2005: Humphrey William Bouverie Carpenter, britischer Kinderbuchautor
2008: John O’Donohue, irischer Philosoph und Schriftsteller
2009: Gert Friedrich Jonke, österreichischer Lyriker und Dramatiker
2011: Hadayatullah Hübsch, deutscher Schriftsteller

Tagebucheintrag von Franz Kafka, 04.01.1915

Unterschrift4. Januar. Großer Lust, eine neue Geschichte anzufangen, nicht nachgegeben. Es ist alles nutzlos. Kann ich die Geschichten nicht durch die Nächte jagen, brechen sie aus und verlaufen sich, so auch jetzt ›Der Unterstaatsanwalt‹. Und morgen gehe ich in die Fabrik, werde nach dem Einrücken P.s vielleicht jeden Nachmittag hingehn müssen. Damit hört alles auf. Die Gedanken an die Fabrik sind mein dauernder Versöhnungstag.

– Daniela Walter –
© read MaryRead 2017

Literaturgeschichte

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