Theodor Fontane: Und wieder hier draußen ein neues Jahr

Gedicht, Feuerwerk, Silvester, Nacht, read MaryRead, Literaturmagazin online,

made by © read MaryRead

Und wieder hier draußen

Und wieder hier draußen ein neues Jahr –
Was werden die Tage bringen?!
Wird’s werden, wie es immer war,
Halb scheitern, halb gelingen?

Wird’s fördern das, worauf ich gebaut,
Oder vollends es verderben?
Gleichviel, was es im Kessel braut,
Nur wünsch‘ ich nicht zu sterben.

MEHR ZUM THEMA:
>
Annette Droste-Hülshoff: Am Neujahrstage
> Adalbert Stifter: Im Winter
> Gedicht: Der Winter

Ich möchte noch wieder im Vaterland
Die Gläser klingen lassen
Und wieder noch des Freundes Hand
Im Einverständnis fassen.

Ich möchte noch wirken und schaffen und tun
Und atmen eine Weile,
Denn um im Grabe auszuruhn,
Hat’s nimmer Not noch Eile.

Ich möchte leben, bis all dies Glühn
Rücklässt einen leuchtenden Funken
Und nicht vergeht wie die Flamm‘ im Kamin,
Die eben zu Asche gesunken.

– Theodor Fontane –

* 30.12.1819, Neuruppin (Brandenburg), Deutschland
† 20.09.1898, Berlin, Deutschland

Dichter, türkis, ovaler BilderrahmenDas fünfstrophige Neujahrsgedicht „Und wieder hier draußen ein neues Jahr“ von Theodor Fontane ist geprägt von der Melancholie, strahlt wenig Zuversicht aus.
     Es bleibt offen, wo das „draußen“ sein soll, offenbar befand sich Theodor Fontane nicht in seiner gewohnten Umgebung. Er fragt sich „Was werden die Tage bringen?!“, man könnte auch die Frage stellen, was wird das neue Jahr bereit halten, wird es Überraschungen geben, bleibt alles so wie es ist? Fragen die sich beim Jahreswechsel so einige stellen und im Ungefähren kennt man schon die Antwort: das neue Jahr wird Gutes wie Schlechtes bereit halten.
    
In seinen letzten drei Strophen äußert er seine Wünsche, was er noch vom Leben erwartet, erhofft. Das Jahr 1892 machte ihm nur allzu deutlich, dass auch seine Lebenszeit begrenzt ist. Im Frühjahr erkrankte er an einer Gehirnanämie. Lange Zeit blieb unklar, ober sich überhaupt jemals davon erholen würde, erst ein Jahr später war er wieder wohlauf.

Das Gedicht „Und wieder hier draußen ein neues Jahr“ entstand 1895 und wurde erst 1905 im Band „Unterwegs und wieder daheim“ abgedruckt, verlegt wurde es von der J.G. Cotta`sche Buchhandlung.1

© read MaryRead 2018

Gedichte

 Home > Korsaren-Anthologie > Lesestoff > Gedichte > Bibliothek > Theodor Fontane > Literatursalon: Und wieder ist ein Jahr vergangen Theodor Fontane: Und wieder hier draußen ein neues Jahr


Einzelnachweis:

1 Wikisource (): Unterwegs und wieder daheim, zuletzt besucht am 28.12.2018


Weiteres
Liteaturpreis,

Literaturpreis:
Stadtschreiberin Mainz 2019: Eva Menasse
Gegen rechte Hetze
Neben ihren vielbeachteten  … mehr >
28.12.2018

Buchregal, Bücher, Bibliothek, read MaryRead, Literaturmagazin online, Loriot, Wladimir Kaminer,Speaking-Corner:
Debatte im Deutschen Bundestag zur Buchpreisbindung
Dauerthema auf europäischer Ebene
 … mehr >
14.12.2018

Literaturgeschichte, Nobelpreis für Literatur, gold, Buch, read MaryRead, Literaturmagazin online,Literaturgeschichte:
Nominierungen für den Nobelpreis für Literatur 1918
Von den 17 nominierten Personen aus vierzehn Nationen stammten zwei aus der Schweiz, einer aus Italien  … mehr >
10.12.2018


Fortsetzung: Theodor Fontane: Meine Kinderjahre (Autobiografie)

Vorwort

Als mir es feststand, mein Leben zu beschreiben, stand es mir auch fest, daß ich bei meiner Vorliebe für Anekdotisches und mehr noch für eine viel Raum in Anspruch nehmende Kleinmalerei mich für einen bestimmten Abschnitt meines Lebens zu beschränken haben würde. Denn mit mehr als einem Bande herauszutreten, wollte mir nicht rätlich erscheinen. Und so blieb denn nur noch die Frage, welchen Abschnitt ich zu bevorzugen hätte.
     Nach kurzem Schwanken entschied ich mich, meine Kinderjahre zu beschreiben, also »to begin with the beginning«. Ein verstorbener Freund von mir (noch dazu Schulrat) pflegte jungverheirateten Damen seiner Bekanntschaft den Rat zu geben, Aufzeichnungen über das erste Lebensjahr ihrer Kinder zu machen; in diesem ersten Lebensjahre »stecke der ganze Mensch«. Ich habe diesen Satz bestätigt gefunden, und wenn er mehr oder weniger auf Allgemeingültigkeit Anspruch hat, so darf vielleicht auch diese meine Kindheitsgeschichte als eine Lebensgeschichte gelten, Entgegengesetztenfalls verbliebe mir immer noch die Hoffnung, in diesen meinen Aufzeichnungen wenigstens etwas Zeitbildliches gegeben zu haben: das Bild einer kleinen Ostseestadt aus dem ersten Drittel des Jahrhunderts und in ihr die Schilderung einer noch ganz von Refugié-Traditionen erfüllten Franzosen-Kolonie-Familie, deren Träger und Repräsentanten meine beiden Eltern waren. Alles ist nach dem Leben gezeichnet. Wenn ich trotzdem, vorsichtigerweise, meinem Buche den Nebentitel eines »autobiographischen Romanes« gegeben habe, so hat dies darin seinen Grund, daß ich nicht von einzelnen aus jener Zeit her vielleicht noch Lebenden auf die Echtheitsfrage hin interpelliert werden möchte. Für etwaige Zweifler also sei es Roman!

Th. F.

Erstes Kapitel

Meine Eltern

An einem der letzten Märztage des Jahres 1819 hielt eine Halbchaise vor der Löwen-Apotheke in Neu-Ruppin, und ein junges Paar, von dessen gemeinschaftlichem Vermögen die Apotheke kurz vorher gekauft worden war, entstieg dem Wagen und wurde von dem Hauspersonal empfangen. Der Herr – man heiratete damals (unmittelbar nach dem Kriege) sehr früh – war erst dreiundzwanzig, die Dame einundzwanzig Jahre alt. Es waren meine Eltern.
     Ich gebe zunächst eine biographische Skizze beider.

Mein Vater Louis Henri Fontane, geb. am 24. März 1796, war der Sohn des Malers und Zeichenlehrers Pierre Barthélemy Fontane. Was dieser, mein Großvater, als Maler leistete, beschränkte sich vorwiegend auf Pastell-Kopien nach englischen Vorbildern; als Zeichenlehrer aber muß er tüchtig gewesen sein, denn er kam zu Beginn des neuen Jahrhunderts an den Hof und wurde mit dem Zeichenunterricht der ältesten königlichen Prinzen betraut. Dies leitete sein Glück ein. Königin Luise wohnte gelegentlich dem Unterrichte der Kinder bei, und alsbald an dem gewandten und ein sehr gutes Französisch sprechenden Manne Gefallen findend, nahm sie denselben als Kabinettssekretär in ihren persönlichen Dienst. Vielleicht geschah es auch auf Vorschlag des um jene Zeit überaus einflußreichen Kabinettsrats Lombard, der dabei den Zweck verfolgen mochte, seine auf ein Bündnis mit Frankreich hinarbeitende Politik durch bei Hofe verkehrende Persönlichkeiten verstärkt zu sehen. Die Gegner waren von dieser Ernennung wenig … Fortsetzung folgt