Kurt Tucholsky: Karfreitag

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Kunstkoffer, gesehen in der Ausstellung „Die letzte Reise“, Februar 2013

Karfreitag

Dies ist ein ernster Tag der Buße,
des Rückwärtsschauns, der Runzelstirn;
ich überdenke mir in Muße
die letzte Zeit in meinem Hirn.

Was war denn da? Vielleicht ein Sündenbabel?
Ein Teufelsdienst? Ein Satanskult?
Ein Hass, wie Kain und Abel

den Bauch zersägt in himmlischer Geduld?

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Ein Mord? Ein Diebstahl? Eine Lügenzunge?
Ein Feuerbrand-? Ach, gar nichts solcherlei.
Er war so brav, der gute dicke Junge,
und nur ein helles Mädchen war dabei.

Wir haben leider keine Kirchenglocken.
Und ohne sichtbar-güldenen Heiligenschein
Läut ich mir froh in blonden Locken
Mein ganz privates Ostern ein! –

– Kurt Tucholsky –

deutscher Schriftsteller, Weimarer Republik, Satiriker, Gesellschaftskritiker, Schaubühne, Weltbühne, Schweden,* 09.01.1890, Berlin, Deutschland
† 21.12.1935, Göteborg, Schweden

Kurt Tucholsky, war seit 1913 Mitarbeiter der ‚Schaubühne‘ und späteren ‚Weltbühne‘, später auch Herausgeber. Ab 1929 war Schweden seine neues Zuhause. Er gehört zu den scharfzüngigsten Gesellschaftskritiker in der Weimarer Republik, seine Satiren sind legendär, ebenso seine zahlreichen Pseudonyme. Die politische Zuspitzung in Deutschland führte bei ihm dazu, dass er keine Zeile mehr veröffentlichte, seine Briefe unterzeichnet er seit 1932 mit „ein aufgehörter Schriftsteller“.
     Und auch dafür ist Kurt Tucholsky bekannt: für einen satirischen Blick auf kirchliche Feiertage.

© read MaryRead 2018

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