Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau: Die Wollust

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Die Wollust.

Die Wollust bleibet doch der Zucker dieser Zeit /
Was kan uns mehr / denn sie / den Lebenslauf versüssen?
Sie lässet trinckbar Gold in unsre Kehle fliessen /
Und öffnet uns den Schatz beperlter Liebligkeit;
In Tuberosen kan sie Schnee und Eiß verkehren /
Und durch das ganze Jahr / die FrühlingsZeit gewehren.

Es schaut uns die Natur als rechte Kinder an /
Sie schenckt uns ungespart den Reichthum ihrer Brüste /
Sie öffnet einen Saal voll zimmerreicher Lüste /
Wo aus des Menschen Wunsch Erfüllung quellen kan.
Sie legt als Mutter uns / die Wollust in die Armen /
Und läst durch Lieb und Wein den kalten Geist erwarmen.

Nur das Gesetze wil allzu Tyrannisch seyn /
Es zeiget iederzeit ein widriges Gesichte /
Es macht des Menschen Lust und Freyheit ganz zunichte /
Und flöst vor süssen Most uns Wermuthtropffen ein;
Es untersteht sich uns die Augen zuverbinden /
Und alle Liebligkeit aus unser Hand zuwinden.

Die Ros entblösset nicht vergebens ihre Pracht /
Jeßmin wil nicht umsonst uns in die Augen lachen /
Sie wollen unser Lust sich dienst- und zinsbar machen /
Der ist sein eigen Feind / der sich zu Plagen tracht;
Wer vor die Schwanenbrust ihm Dornen wil erwehlen /
Dem muß es an Verstand und reinen Sinnen fehlen.

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Was nutzet endlich uns doch Jugend / Krafft und Muth/
Wenn man den Kern der Welt nicht reichlich wil genüssen /
Und dessen Zuckerstrom läst unbeschifft verschüssen /
Die Wollust bleibet doch der Menschen höchstes Guth /
Wer hier zu Seegel geht / dem wehet das Gelücke /
Und ist verschwenderisch mit seinem Liebesblicke.

Wer Epicuren nicht vor seinen Lehrer hält /
Der hat den Weltgeschmack / und allen Witz verlohren /
Es hat ihr die Natur als Stiefsohn ihn erkohren /
Er mus ein Unmensch seyn / und Scheusaal dieser Welt;
Der meisten Lehrer Wahn erregte Zwang und Schmerzen /
Was Epikur gelehrt / das kitzelt noch die Herzen.

– Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau –

scharz-weiß Bild, Barock, Bilderrahmen, lockiges Haar,getauft: 25.12.1616, Breslau (Schlesien), Deutschland
† 18.04.1679, Breslau (Schlesien), Deutschland

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau hat sich schon in seinen Kindertagen mit Gedichten beschäftigt, freilich beschränkte sich das zunächst auf das Silben zählen, doch schon bald übte er sich an Martin Opitz „reiner Schreibart“ sowie an den lateinischen Dichtern. Mithilfe seiner längeren Aufenthalte in Frankreich, Niederlande, England und Italien konnte er die verschiedenen Stilmittel in seine Gedichte einfließen lassen. In der Literaturgeschichte wird er häufig der sogenannten zweiten schlesischen Dichterschule zugeordnet.
     Ein Großteil seiner Gedichte wurden erst posthum veröffentlicht, vor allem jene, die „mit Fleiß zurückgehaltenen Lustgedichte“. Benjamin Neukirch gab unter dem Titel „Herrn v. Hoffmannswaldau und anderer Deutschen auserlesene und bisher ungedruckte Gedichte“, Leipzig 1695, diese Gedichte in insgesamt sieben Bänden heraus.

Quelle: Diese Angaben beruhen auf den Literaturhistoriker Hermann Palm, in: Allgemeine deutsche Biografie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12, S. 639 – 642.

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