Rezension zu „Polka für Igor“ von Iris Anemone Paul

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Auf Details kommt es an

Igor ist ein alter Hund, eigentlich heißt er aber Murfi, doch das erfährt man erst am Ende des Bilderbuchs „Polka für Igor“ und eigentlich tut es auch nichts zur Sache, da der Name Igor zum Polka-Tanz einfach besser passt.

Ola hält mit ihrem Hund Igor Rückschau auf das Leben, als sie noch gemeinsam durch die Welt tingelten, Polka tanzten und das Publikum sie umjubelten. Doch das ist lange vorbei. Wie ein altes Ehepaar kommen einem die beiden vor, dabei ist Ola eine Frau, ein Mensch aus Fleisch und Blut. Hauptsächlich erzählt Igor, schwelgt in der Erinnerung. Iris Anemone Paul hat dementsprechend das Kinderbuch auch so aufgebaut: Man erfährt eine Sequenz aus dem Leben der beiden, die nächste Doppelseite besteht lediglich aus einem Bild, welches die Erinnerung vertieft, dann folgt das nächste Detail, und so weiter und so fort.

Ende letzten Jahres (2018) wurde die Debütantin für dieses Bilderbuch mit dem Serafina – Nachwuchspreis Illustration der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet. In der Begründung der Jury heißt es:

Gleichsam als Folie hat die in einer verschlafenen Kleinstadt am Fuß der schwäbischen Alb geborene Illustratorin die Hintergründe wie geheimnisvolle Schnittmusterbögen arrangiert. Sie zeigt uns die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven, fernab das Haus von Olas Tante, ein geselliger Ort voller Geschichten, wo Schaf und Ziege Karten spielen, der Fuchs ein Gläschen mit der Tante hebt, die Mäuse auf dem Tisch tanzen und Igor schläft. Bei den Klängen seiner Lieblingsschallplatte wird der polnische Zirkushund wach und erinnert sich an seine Zeit als Zirkushund: »Eigentlich«, sagt er, »kamen die Leute nur, um mich zu sehen«. Bescheidenheit ist nicht die Stärke des charmant protzenden, alternden Tausendsassas, der mit jedem Polkatakt des Akkordeons mehr wie im Rausch dem Sog seiner eigenen Fabulierlust erliegt.“

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Und es war auch auf der Longlist der Schönsten Deutschen Bücher der Stiftung Buchkunst 2018.

Etliche Tiere wie eine Giraffe, Pferde, Ziegen, Füchse und andere haben die beiden bei ihren Auftritten durch die Straßen begleitet, man trifft gar auf Chimären. Für die Erzählung ist es jedoch unerheblich, da die jeweilige Stimmung veranschaulicht wird, man kann es sich mithilfe der Illustrationen lebhaft vorstellen.

Im Frühjahr 2019 wurde dieses Buch auf der Leipziger Buchmesse für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und in der Begründung heißt es unter anderem:

Iris Anemone Paul legt Igor die Worte ins Mäulchen und zeigt Bilder dazu, die seine Zirkuswelt präsentieren. Sie begeistert, verwundert und verwirrt, sie führt uns auf schönste Art vor Augen, wie Erzählkunst sich entfalten kann, wenn Text und Bild in ästhetischer Spannung zueinander stehen. Nicht zuletzt der auf den ersten Blick etwas spröde Charme der wirkungsstarken Siebdrucke macht aus Igors Geschichte ein Gesamtkunstwerk.“

Die Illustrationen von der gebürtigen Schwäbin wurden aufwendig erstellt. Jedoch sind es viel zu viele Details mit überwiegend dunkler Grundstimmung, richtig Laune macht dieses Bilderbuch nicht. Außerdem wurde der Text auf ungünstigem Hintergrund gedruckt, sodass das erkennen der Buchstaben erschwert wird und dann wurde zu allem Überfluss nicht auf Zeilenenden geachtet, wie beispielsweise wurde Las Vegas auf zwei Zeilen verteilt. Man hatte wohl nicht die Altersgruppe im Blick, Leseanfänger*innen hatte man erst gar nicht bedacht, wo der Lesefluss eine große Rolle spielt.

Das Thema ist nicht verkehrt, stellenweise hapert es aber an der Umsetzung.

© read MaryRead 2019

Kinderbuch

Rezension, Buchbesprechung, Literaturkritik, Bilderbuch, KinderbuchIris Anemone Paul: Polka für Igor
Bilderbuch
Alter: ab 5 Jahre
48 Seiten
gebunden
Format (H x B x T): 305 x 295 x 12 mm
Gewicht: 679 g
erschien: 23.03.2018
Verlag: kunstanstifter  
ISBN 978-3-942795-70-8
Preis: 24,00 € (D), 24,70 € (A)

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