Rezension zu „Ich auch!“ von Lawrence Schimel

Angenommen sein, zweisprachiges Bilderbuch

made by © read MaryRead

Angenommen sein

Die meisten von uns fühlen sich richtig wohl, wenn sie von Freunden und / oder Familie angenommen, akzeptiert werden. Für die überwiegende Mehrheit wird die Frage der Akzeptanz innerhalb einer Familie nicht gestellt, es ist selbstverständlich. Wie selbstverständlich die Annahme eines Pflege- oder Adoptivkindes für eine Familie sein kann, wo das nötige Feingefühl für das „fremde“ Kind vorhanden ist, wird im Bilderbuch Ich auch! von Lawrence Schimel erzählt.

In der vierköpfigen Familie tragen die Eltern eine Brille und als eines morgens der kleine Junge Kwame an den Frühstückstisch kommt, sieht er, wie auf dem Platz seines älteren Bruders Luis eine Brille liegen. Als Kwame begreift, dass nicht nur seine Eltern sondern nun auch sein Bruder Brillenträger sind, möchte er ebenfalls solch eine Sehhilfe bekommen. Seine Eltern und die Optikerin versichern ihm zwar, dass er keine Brille benötigt, jedoch besteht er darauf. Kwame möchte mit Hilfe der Brille äußerlich zur Familie gehören.

Lawrence Schimel_Ich auch

Kwame, aus: Lawrence Schimel: Ich auch!, © Doug Cushman

Der Protagonist ist ein pfiffiger Junge, den man von Beginn an in sein Herz schließt. Man kann anhand der Illustrationen erkennen, dass er anders aussieht als der Rest der Familie. Kwame ist dunkelhäutig, sein Bruder und seine Eltern hingegen hellhäutig.
     Das
Bilderbuch ist ein Beispiel für das Prinzip des geflochtenen Zopfes. Überwiegend sind die monoszenischen Darstellungen von Doug Cushman großformatig außer beim Anprobieren einer Brille bei der Optikerin und beim Aufzeigen der Situationen, in denen Kwame stolz seine Brille trägt, dann wirken die Bilder wie ein Comic.
Betrachter und Vorleser werden beim Aufschlagen des Buches auf das vordergründige Thema durch die zahlreichen grauen Brillen unterschiedlicher Größen hingewiesen. Nur eine Brille fällt sofort auf.
     
Die Illustrationen sind auf das Wesentliche beschränkt und bieten gleichzeitig Möglichkeiten über die Erzählung hinaus mit Kindern ins Gespräch zu kommen, beispielsweise bietet es sich an, ein zuhörendes Kind zu fragen, welche Farbe denn sein Brillengestell haben könnte.
    
Doug Cushman ist es gelungen, die Charakteren in ihrem unterschiedlichen Aussehen, wie zum Beispiel die Mutter von Kwame und Luis trägt rotes, die Optikerin schwarzes Haar, auf sehr natürliche Weise darzustellen, sodass man die Unterschiede kaum bemerkt.

Lawrence Schimel_Ich auch

aus: Lawrence Schimel: Ich auch!, © Doug Cushman

Stilistisch ist die Erzählung von Lawrence Schimel gut ausgearbeitet. Der Text ist in Gegenwartsform geschrieben und somit können sich Kinder in die Figur Kwame hineinversetzen. Neben Hauptsätzen und der Kombination Haupt- und Nebensatz, gibt es wörtliche Reden in unterschiedlicher Ausprägung, mal ist es eine Feststellung, mal wird eine Frage formuliert.
     Der Variantenreichtum der Sprache bietet Kindern die Möglichkeit, ihr Sprachvermögen zu erweitern. Unterstützt wird dies zudem durch die zweisprachige Ausgabe, die alle mit Deutsch kombiniert sind (siehe unten). Der deutsche Text ist in rot-brauner Schrift, die weitere Sprache in schwarzer. Durch die unterschiedlichen Farben kann der Leser die beiden Sprachen gut auseinander halten.
     
Die Zweisprachigkeit wird durch die beiliegende Hör-CD unterstützt. Auf der CD wird die Geschichte nacheinander in acht Sprachen als Hörbuch
erzählt. Nach jeder Sprachausgabe ist Musik eingespielt.

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Vordergründig handelt es sich in der Erzählung alles rund um Brillen, doch dahinter verbirgt sich eine wunderbare Geschichte über das Anderssein. Anhand des Jungen wird deutlich, dass ein Kind, das durch Aussehen oder ähnlichem aus dem Rahmen fällt, unbedingt dazu gehören möchte, es will nicht auffallen. Gleichzeitig wird anhand des Textes dargestellt, wie Eltern auf feinfühlige Weise zeigen können, dass ihr Kind zur Familie gehört.
     Der Reiz dieses überzeugenden interkulturellen Bilderbuchs liegt darin, dass Text und Bilder Hand in Hand die Geschichte erzählen, wie die Zahnräder eines Uhrenwerks ineinander greifen. Es bieten sich viele Möglichkeiten für Gespräche mit Kindern und nebenbei erfährt man, was der Beruf eines Optikers ist.

Kwame ist nicht der einzige, der äußerlich sich seiner Familie anpasst. Nachdem Kwame seine Brille erhält, überraschen ihn seine Eltern und Bruder: sie sehen irgendwie verändert aus.

 © read MaryRead 2013

Kinderbuch

In folgenden Sprachausgaben erhältlich:

DeutschEnglisch: Me, too! – Ich auch! / ISBN 978-3-19-809595-9
DeutschFranzösisch: Moi aussi! – Ich auch! / ISBN 978-3-19-819595-6
DeutschGriechisch: Κι εγώ! – Ich auch! / ISBN 978-3-19-829595-3
DeutschItalienisch: Anch`io! – Ich auch! / ISBN 978-3-19-839595-0
DeutschRussisch: Я тоҗе! – Ich auch! / ISBN 978-3-19-849595-7
DeutschSpanisch: ¡Yo tambièn! – Ich auch! / ISBN 978-3-19-859595-4
Deutsch – Türkisch: Ben de! – Ich auch! / ISBN 978-3-19-8695951 


zweisprachiges Bilderbuch, AngenommenseinLawrence Schimel: Ich auch!
mit Hörbuch in 8 Sprachen
Illustration: Doug Cushman
28 Seiten
gebunden
Alter: ab 4 Jahre
erschien: 01.02.2013
Verlag: Edition bi:libri
Preis: 15,99 € (D), 16,50 € (A)

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