Offener Brief an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan

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Lassen Sie Aslı Erdoğan ausreisen!

Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis:

Stadt Osnabrück, Juryvorsitzender und Laudator des Preises appellieren in Brief an den türkischen Präsidenten
Autorin kann trotz Aufhebung des Ausreiseverbots die Türkei zur Preisverleihung nicht verlassen

Die Akteure des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises an Aslı Erdoğan appellieren in einem gemeinsamen Brief an Recep Tayyip Erdoğan: Sie fordern von dem türkischen Präsidenten, der Autorin die Ausreise zur Preisverleihung am 22. September 2017 zu ermöglichen. Nach momentanem Stand wird Aslı Erdoğan nicht für die Preisverleihung im Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück aus ihrem Land ausreisen dürfen. Zwar wurde das Ausreiseverbot gegen sie gerichtlich aufgehoben, sie erhält aber ihren Reisepass nicht zurück.

Die Unterzeichner (siehe unten) appellieren an die von Präsident Erdoğan selbst proklamierten rechtsstaatlichen Prinzipien und fordern ihn auf, die Verbindungen zwischen Deutschland und der Türkei aufrechtzuerhalten.

Der Brief im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Präsident,
am 22. September diesen Jahres vergibt die Stadt Osnabrück den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis an die türkische Schriftstellerin Aslı Erdoğan. Mit dem Preis werden Autorinnen und Autoren ausgezeichnet, die sich mit den Themen ,Innerer und äußerer Friede‘ auseinandersetzen, sowie Persönlichkeiten, deren publizistisches Engagement für Frieden, Humanität und die Freiheit des Menschen beispielhaft ist.

Mit Unverständnis müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass Frau Erdoğan den Preis nicht persönlich entgegennehmen kann. Obwohl das Ausreiseverbot gegen sie gerichtlich aufgehoben wurde, erhält sie ihren Reisepass nicht zurück. Hiermit bitten wir Sie, Aslı Erdoğan die Ausreise zu ermöglichen. Sie soll den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis persönlich in Empfang nehmen können, der eine große Auszeichnung für sie und für die türkische Literatur im Allgemeinen darstellt.

Sie haben betont, dass die Türkei ein Rechtsstaat sei. Bitte setzen Sie dazu ein Zeichen! Sorgen Sie dafür, dass die Bänder zwischen unseren Ländern nicht abreißen, indem Sie den Bürgerinnen und Bürgern der Türkischen Republik die Freiheit gewähren, unser Land besuchen zu können.

Hochachtungsvoll,

Wolfgang Griesert, Oberbürgermeister der Stadt Osnabrück, stellvertretender Juryvorsitzender
Prof. Dr. Wolfgang Lücke, Präsident der Universität Osnabrück, Juryvorsitzender
Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V., Laudator für Aslı Erdoğan

Frankfurt am Main, 7. September 2017

Aslı Erdoğan erhält die Auszeichnung für ihr Berichten über die Auswirkungen der politischen Verhältnisse in der Türkei auf die Menschen und ihren Alltag. Verliehen wird der Preis insbesondere auch im Hinblick auf die jüngst erschienene Essaysammlung „Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch“, die eine Auswahl ihrer Essays enthält, die derzeit nicht in der Türkei erscheinen können. In der Begründung heißt es: „Aslı Erdoğan widmet sich in ihren Essays all den Themen, die die Spannungen innerhalb der Türkei aber auch zwischen der Türkei und Europa ausmachen. Wenn nicht einmal mehr das Schweigen uns noch gehört, wie steht es dann erst um die Sprache und das Denken?! Sie schreibt entlang der Hemmnisse, die uns verdeutlichen, dass Errungenschaften keine Selbstverständlichkeiten sind. Insofern vervollständigt der Sonderpreis für die Initiative ‚Pulse of Europe‘ die diesjährige Preisverleihung,“ so Oberbürgermeister Wolfgang Griesert.
     „Mit Aslı Erdoğan zeichnen wir eine Schriftstellerin und Journalistin aus, die in ihren Texten die Ereignisse aus einer für mich völlig unbekannten weiblichen Perspektive darstellt. Daran wird deutlich, dass Frauen in einer für Männer kaum vorstellbaren Sicht unter Gewalt und Unterdrückung leiden“, so der Juryvorsitzende Prof. Dr. Wolfgang Lücke, Präsident der Universität Osnabrück.

Der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis wird im Sinne seines Namensgebers für belletristische, journalistische oder wissenschaftliche Arbeiten vergeben, die sich mit Themen des inneren und äußeren Friedens auseinandersetzen, sowie für beispielhaftes Engagement für Frieden, Humanität und Freiheit.
     Im vergangen Jahr erhielt der syrisch-libanesische Dichter Ali Ahmad Said Esber der unter dem Pseudonym Adonis seine Werke veröffentlicht.

MEHR ZUM THEMA:
> Speaking-Corner: Mahnwache für Aslı Erdoğan in Istanbul
> Frankfurter Buchmesse: Can Dündar über seine Erfahrungen in der Türkei

> Literaturpreis: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2017

Aslı Erdoğan ist Mitglied im P.E.N. und war als „writer in residence“ wiederholt in Zürich. Seit 2013 schreibt sie für die kurdisch-türkische Tageszeitung Özgür Gündem, die im August 2016 geschlossen wurde mit der Begründung, sie verbreite Propaganda für die PKK. Aslı Erdoğan wurde am 16. August 2016 im Rahmen der so genannten „Säuberungen“ nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei vom 15. Juli 2016 mit 22 anderen Journalisten der Zeitung verhaftet. Ende Dezember 2016 wurde sie entlassen, allerdings gilt für sie eine Ausreisesperre.

Der Preis ist mit 25.000 € dotiert und wird zum 14. Mal vergeben. Die Preisverleihung findet am Freitag, 22. September, um 11 Uhr im Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück statt.

– Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V., Stadt Osnabrück –
– Universität Osnabrück –
– Johannes Tulpen –
© read MaryRead 2017

► Bordbuch

MEHR ZUM BUCH:
vgl. kurz notiert vom 15.03.2017

Essays,Aslı Erdoğan: Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch
Originaltitel: Artık Sessizlik bile Senin Değil
Mit Beiträgen Cem Özdemir
gebunden
192 Seiten
Format (H x B): 200 x 125 mm
Gewicht: 312 g
erschien: 20.03.2017
Verlag: Knaus
ISBN 978-3-8135-0780-5
Preis: 17,99 € (D), 18,50 € (A)

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