Phonem (Fachbegriff)

Linguisitk, Sprachwissenschaft, literarischer Fachbegriff,

Begegnung der Phoneme in der Wissenschaft und im Alltag

Inhaltsverzeichnis
1 Unterscheidung der Phoneme in ihrer Grundstruktur
1.1 Physiologisches Phonem
1.2 Phoneme mit Strukturen
1.3 Morphologische Phoneme

Einzelnachweise

Die kleinste Einheit einer Sprache ist das Phonem (Laut) – ein Begriff aus dem griechischen –, aber nur selten decken sie sich mit den Buchstaben aus dem Alphabet. In der deutschen Sprache sind Phoneme und Buchstaben lediglich in den Vokalen (a, e, i, o, u) identisch, alle Konsonanten hingegen bestehen mindestens aus zwei Lauten.

Beispiel R:
Man spricht „er“, das die Laute e und r enthält. Ganz besonders deutlich wird es beim Q. Man spricht „ku“, also ein k und ein u
.

Weltweit gibt es ungefähr über 140 Phoneme, aber in keiner Sprache sind alle anzutreffen. Die deutsche Sprache besteht in etwa aus 40 Lauten.1

 

Unterscheidung der Phoneme in ihrer Grundstruktur

Phoneme werden in der Linguistik in folgende Teilbereiche klassifiziert:
– physiologisches Phonem
Phoneme mit Strukturen
morphologische Phoneme 2

 

Physiologische Phoneme

Linguisten und auch andere Wissenschaftler (z.B. Mediziner, Biologen) beschäftigen sich bei physiologischen Phonemen mit der Frage, was zum einen im Körper geschieht, wenn ein Laut ausgesprochen wird (vor allem Stimmapparat und Gehirn), zum anderen mit dem Schallerzeugnis.3

Ein Beispiel:
Wenn ein a gesprochen wird, so entsteht nur ein geringer Luftzug vor dem Mund, beim f hingegen entsteht ein starker Luftzug. Das kann jeder schnell für sich überprüfen, indem man die flache Hand mit einem geringen Abstand zum Mund hält. Beim aussprechen vom Laut a spürt man so gut wie gar nichts an der Hand, beim f aber spürt man einen Luftzug und es wird immer lauter, desto näher man die Hand zum Mund führt
.1b

Im folgenden kurzen Filmbeitrag Wissen vor acht (ARD), wird erklärt, was es mit der Stimme auf sich hat.

Wissen vor acht: Warum klingt eine Stimme hoch bzw. tief?

Phoneme mit Strukturen

Unter Phoneme mit Strukturen verstehen Linguisten, dass jedes Phon ein bestimmtes Lautmuster aufweist. Vokale und Konsonanten weisen verschiedene Muster auf.4 Abhängig ist das Muster, in welchem Bereich des Kehlkopfes und Mund ein Laut gebildet wird, also im Stimmapparat. Es gibt zum Beispiel Frikative (Reibelaute), dazu gehören f, s, sch und ch, stimmlose Laute wie b, d, g, p und t.1c
     Die Frequenz bei den Phonemen ist teilweise ausschlaggebend. Liegt der Frequenzbereich bei den Lauten a, o und u zwischen 300 und 1500 Hertz, die Vokale e und i liegen etwas darüber, so liegt es beim s und f über 3400 Hertz. Für den Zuhörer haben die unterschiedlichen Frequenzbereiche Auswirkungen, denn beispielsweise hören sich p, t und k aufgrund der Frequenz ähnlich an.1d
    
Des weiteren werden die Laute nach stimmhaft und stimmlos differenziert, nach anterior und koronal (hierbei ist die Bewegung der Zunge von Bedeutung)5 und vielen weiteren Klassifizierungen.

Des weiteren hängt das Muster auch vom Kulturraum ab. In der englischen Sprache beispielsweise wird das r auf besondere Weise gesprochen, es wird gerollt, womit viele Deutsche Schwierigkeiten haben, dies auszusprechen, außer man wächst im Siegerland oder Westerwald auf. Die arabische Sprache weist unter anderem eine Besonderheit beim k auf, das je nach Begriff sehr weit hinten im Mund gebildet wird.1e

 

Morphologische Phoneme

Man untersucht im Bereich der morphologischen Phoneme die Regeln und Strukturen, die dem zugrunde liegen, aus denen Wörter aus den einzelnen Phonemen entwickelt werden.6

Phoneme können weltweit miteinander verglichen werden. Hat man eine Vorstellung von der Struktur der Phoneme, so fällt es einem leichter, eine weitere Sprache zu erlernen.
     Man entwickelte die phonetischen Zeichen, also jene Zeichen, die man vielfach in Wörterbüchern findet, so dass der Leser weiß, wie ein Wort ausgesprochen wird.

Beispiel:
Das englische Wort written (dt.: geschrieben) sieht in der Ausspracheangabe so aus: ˈrıtn
.7

 

Auch wenn Laute im Bewusstsein des Alltags keine Rolle spielen, so bekommen sie spätestens beim Spracherwerb eine Bedeutung, sie sind unerlässlich. Sie können aber auch erklären, weshalb der Mensch Schwierigkeiten hat, bestimmte Laute zu verstehen. Im Bereich von Schwerhörigen beispielsweise können dementsprechend medizinische und logopädische Hilfsangebote entwickelt werden, aber auch im Bereich des Erlernens einer weiteren Sprache kann das Wissen um Phoneme hilfreich sein.

Im folgenden Filmbeitrag wird zum einen das Phänomen der Phoneme zusammengefasst, gibt aber auch einen Ausblick darüber, was die menschliche Stimme leisten kann.

Film: Unsere Stimme – Ein Phänomen und ihre Erforschung (3sat)

Regina Hennings
© read MaryRead

Ankerlichtung

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Einzelnachweise:

1, b, c, d, e Ruth Berger: Warum der Mensch spricht. Eine Naturgeschichte der Sprache, Eichborn Verlag – Frankfurt am Main 2008, S. 66 – 98
2 Benjamin Lee Whorf: Sprache – Denken – Wirklichkeit. Beiträge zur Metalinguistik und Sprachphilosophie, Rowohlt Taschenbuch Verlag – Hamburg 1997 (21), S. 49
3  (): Vgl. Physiologie der Stimme, Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V., zuletzt besucht am 17.08.2016 
4  (): Vgl. Dr. Martina Iakushevich: Phonologie II: Distinktive Merkmale, Universität Paderborn, zuletzt besucht am 17.08.2016
5  ():  Vgl. K.H. Wagner: Phonologie, Universität Bremen, zuletzt besucht am 17.08.2016  
6  ():  Vgl. Morphologie, Universität Leipzig, zuletzt besucht am 17.08.2016
7 Explorer Wörterbuch Englisch. Englisch – Deutsch, Deutsch – Englisch, Langenscheidt – Berlin – München – Zürich – New York 2006, S. 609

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