Das altfranzösische Rolandslied

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Tischgespräch

Endlich am Meer angekommen. Corinna und Lars strecken ihre Glieder, nach der mehrstündigen Autofahrt fühlt sich alles steif an. Kurzentschlossen läuft Corinna ins Meer, freut sich wie ein Schneekönig über das kühle Nass, lässt sich von den Wellen an den Strand spülen, genießt selbst den Sand, der selbst um diese Uhrzeit noch warm ist. Lars kommt mit einem Handtuch, rubbelt sie von oben bis unten ab. Kaum ist er fertig, äußert Corinna den Wunsch, dass sie jetzt gerne ein Baguette hätte. Sie fahren zu ihrer Unterkunft, genießen den restlichen Abend. Urlaubsstimmung ist immer noch die beste Stimmung.

Am nächsten Morgen frühstücken sie ausgiebig, schlendern anschließend durch die Ortschaft, schauen sich Kirchen an, lassen sich hie und da in Cafés nieder, schnappen Gesprächsfetzen auf. Auf Schritt und Tritt wird man ein Jahr nach dem Attentat auf den Priester Jacques Hamel erinnert, ein entrinnen ist kaum möglich. Die beiden sind sich einig, solch ein Erinnerungskult sind sie nicht gewohnt. In einem der Tatort-Filme sagte einer der Kommissare, Corinna nimmt an, dass es in „Hundstage“ war, dass man der Trauer eher entgegen treten kann, wenn im Haus ein Foto des Verstorbenen zu sehen ist, wenn man nicht nur auf innere Bilder angewiesen ist, doch hier hat es den gegenteiligen Effekt: permanent werden die Menschen an den terroristischen Akt erinnert und sie fragt sich, inwiefern sich das Denken der Einwohner verändert. Wird nicht auf diese Weise die Wut oder gar der Hass geschürt? Lars holt sie aus ihren Gedankengängen, fragt sie, ob sie Lust auf einen Spaziergang am Meer hat. Eine Brise salzige Luft kann den Kopf frei machen, schließlich sind sie hier um die wertvolle Freizeit zu genießen und nicht, um sich Gedanken über Politik zu machen. Bis zuletzt konnten sich die beiden Buchhändler und Ladenbesitzer von „read MaryRead“ nicht sicher sein, ob sie überhaupt fahren können, ob ihre Aushilfe rechtzeitig wieder gesund ist, aber dann kam der erlösende Anruf.
     Das Meer weitet den Blick, gibt der Phantasie Raum. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man tatsächlich glauben, dass die Erde eine Scheibe ist, dass am Horizont alles ins Nichts fällt. Lars legt seinen Arm liebevoll auf Corinnas Schulter, schaut ihr tief in die Augen, sagt: „Ich habe dich lieb.“ Corinna grinst, fragt: „Was willst du?“.
Och, ja also, wenn du mich so fragst, ich habe ein nettes kleines Lokal entdeckt.“
Natürlich können wir heute Abend dort einkehren.“
Mach ruhig deine Runde am Meer, ich checke derweil die Mails.“
Treffen wir uns gegen 18.30 Uhr in unserer Unterkunft?“
Ja. Das ist eine gute Zeit.“
„Salut.“
„Salut.“

Corinna spürt den Sand unter ihren nackten Füßen, zieht mit Bedacht die ersten Atemzüge tief ein, die Gischt umspült ihre Beine. Kinder bauen Sandburgen, ein Junge mit einem Plastikschwert tritt auf sie zu und fragt auf französisch: „Weißt du, wie mein Schwert heißt?“ „Nein“, antwortet Corinna freundlich.
Rate mal.“
Heißt dein Schwert vielleicht“, Corinna fiel nichts besseres ein „Excalibur?“
Natürlich nicht, so heißen die meisten Schwerter.“
Heißt dein Schwert vielleicht Morgul?“
Das gibt es wahrscheinlich gar nicht“ antwortet der Junge unsicher.
Doch, diese Waffe gibt es.“ „Und wo?“ „Bei Tolkien in „Herr der Ringe“.“
Aha. Du kommst nie drauf, wie mein Schwert heißt.“
Dann kann es nur einen Namen tragen: Rumpelstilzchen.“
Quatsch, so heißt doch kein Schwert, das ist ein Märchen für Mädchen. Mein Schwert heißt „Durendal“.“
Und deswegen bist du unbesiegbar?“
Klar. Das Schwert habe ich von einem Engel geschenkt bekommen.“
Und wer war der Engel?“
Mein Opa.“
Und hat er dir auch erzählt, dass das Schwert dem armen Roland nicht geholfen hat?“
He?!“
Roland musste trotz seines Superschwertes sterben.“
Ich werde nicht sterben. Das Schwert beschützt mich, nachts nehme ich es mit in mein Bett. Das kämpft gegen die Monster unter meinem Bett.“
So so. Möchtest du ein Eis?“
Oh ja.“
Da vorne ist ein Eismann. Komm, da gehen wir hin.“
    
Nachdem die beiden ihr Eis gegessen hatten, kommt die Mutter des Jungen und nimmt ihn mit. Kaum ist der Junge fort, hofft Corinna, dass sie ihm nicht auch noch erzählt haben, dass im Durendal Reliquien enthalten waren wie der Zahn des heiligen Petrus, Blut von Blasius, Haare von dem heiligen Dionysius und ein Stück Gewand von der Mutter Jesu. Vermutlich wurde dem Jungen nicht erzählt, dass die Namensgebung für Schwerter vor allem skandinavische und normannische Tradition hat, dass in der französischen Literaturgeschichte dies ein Novum im altfranzösischen Rolandslied darstellt. Ob das den Jungen überhaupt interessiert?

Mit einem Blick erkennt Lars, welche Mails er direkt in den Papierkorb schieben kann. Eigentlich bin ich ein Idiot, denkt Lars, im Urlaub Mails zu checken. Er hört schon die Worte seines Vaters: Das hat es früher nicht gegeben. Plötzlich steht ein Mädchen vor ihm und fragt: „Träumst du?“ „Nein“, antwortet Lars, „wie kommst du darauf?“
Deine Augen waren verschlossen.“
Ach so. Und was sollte ich deiner Meinung nach geträumt haben?“
Im Traum warst du ein König. Du hast in deiner Hand eine Lanze gehalten. Ein Graf hat dir die Lanze geklaut aber du hast sie so festgehalten, dass die Lanze dann zerbrochen ist. Ein paar Teile von der Lanze flogen in den Himmel.“
Das ist aber ein merkwürdiger Traum und ein König bin ich schon ganz und gar nicht.“
Ist doch egal ob du ein König bist aber davon träumen darfst du.“
Ok. Was träumt der König noch?“
Der träumt, dass ein großes Schwein, ich glaube, das ist ein Mann-Schwein, kommt und den Arm abbeißt. Dann kommt auch noch ein Leopard, der sich auf dich stürzt. In diesem Moment kommt ein großer Hund, der sich auf das Schwein stürzt. Dann kämpft der Hund auch noch mit dem Leoparden.“
Und wer gewinnt?“
Weiß ich nicht. Du bist der König, der Hund rettet dich.“
Du hast eine blühende Phantasie. Träumt der König sonst noch was?“
Klar. Soll ich dir noch einen Traum erzählen.“
Ja.“
Also. Der König schläft und er träumt von ganz viel Feuer. Überall ist Feuer. Deine Ritter sind auch im Feuer. Dann kommen Bären, Leoparden, Schlangen, Drachen, Monster und sehr große gefährliche Vögel, die deine Ritter töten wollen. Du willst den Rittern helfen aber da kommt ein großer, ein sehr großer Löwe, der auf dich springt.“
Kann ich den Löwen besiegen?“
Weiß ich nicht. Ich kann dir noch einen Traum erzählen.“
Na, dann mal los.“
Du hältst einen Bären in Ketten. Doch dann kommen noch ganz viele andere Bären. Die Bären wollen, dass du den Bär von seinen Ketten befreist. Doch da kommt schon wieder der große Hund, läuft zu einem großen Bären, will ihn töten. Der große Bär und der große Hund kämpfen miteinander.“
Kannst du mir sagen, ob der Bär oder der Hund gewinnt?“
Nein, das weiß ich nicht.“
Magst du Hunde?“
Nein, ich habe Angst vor Hunden. Ich mag aber Katzen.“
Möchtest du eine Geschichte über eine Katze hören?“
Oh ja.“
    
Lars zieht ein Bilderbuch aus seiner Tasche. Es ist eines der neuen Kinderbücher von Sven Nordqvist, dass er zufällig am Morgen eingesteckt hat, weil er unbedingt einen Blick darein werfen wollte. „Das Buch heißt: Findus zieht um.“ Er liest ihr das ganze Buch vor, sie sprechen über die Bilder, über den alten Herrn Pettersson. Das Mädchen ist völlig in die Geschichte vertieft, hört zuerst nicht, wie ihr Vater nach ihr ruft. „Marie, wo bist du?“ Erst nach dem er mehrmals verzweifelt nach ihr gerufen hat, hört Lars die Stimme und fragt das Mädchen: „Bist du Marie?“ „Ja“, antwortet es. „Ich glaube, da ruft jemand nach dir.“ Das Mädchen schaut erschrocken auf und dann hört es auch die Stimme. „Papa, Papa, ich bin hier.“ Der Vater schaut sich um, kann sie zunächst nicht entdecken. Lars winkt ihm zu. Der Vater rennt zu ihnen hin. „Wo warst du die ganze Zeit Marie? Ich habe dich überall gesucht.“ Er wendet sich an Lars: „Hat sie Ihnen etwa von den Träumen von dem König erzählt?“ Lars lacht und antwortet: „Ja, das hat sie.“ „Ich weiß nicht woher sie diese hat.“ „Ich habe da so eine Ahnung. Hat sie ein älteren Bruder oder eine ältere Schwester?“ Der Vater bejaht dies leicht irritiert. „Kann es sein, dass das ältere Geschwisterkind derzeit das „Rolandslied“ in der Schule liest?“ „Ich glaube ja.“ „Wenn ich mich recht entsinne, sind diese Träume im „Rolandslied“.“ „Interessant. Komm Marie, lass uns gehen. Deine Mutter wartet schon auf dich.“ Er schaut zu Lars, reicht ihm die Hand und sagt: „Danke, dass sie auf Marie aufgepasst haben.“ Marie und ihr Vater gehen leichten Fußes davon. Lars hört noch, wie sie ihrem Vater ganz begeistert von Findus erzählt.

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Es ist wirklich ein schönes Lokal, rustikal mit grazilem Ambiente. Lars wählt ein Fischgericht, Corinna Nudeln mit Meeresfrüchten, dazu bestellen sich die beiden eine Flasche Weißwein. Die Stimmung im Lokal ist gut, immer mehr Gäste strömen herein, man rückt zusammen, an den Tisch der beiden Buchhändler setzen sich ebenfalls weitere Gäste. Man kommt ins Gespräch. Der Tischnachbar von Lars, Jean, spricht gerade in die Runde: „Le Pen ist eine gute Politikerin, Frankreich sollte ausschließlich den Franzosen gehören und nicht in den Händen von Muselmännern liegen.“ „Hast du schon immer so gedacht?“ fragt Lars.
    Im Grunde schon, nur bis vor ein paar Jahren durfte man dies nicht laut äußern, da die Kommunisten das Sagen hatten. Ich sage dir: alles Gesindel.“ Lars überlegt fieberhaft, wie er dem Gespräch eine Wendung geben könnte. Jean legt nach: „Seit jeher überrennen uns die Muselmänner und du wirst sehen, wenn sich nicht bald etwas ändert, wird die Prophezeiung von Michel Houllebecq wie im Roman „Unterwerfung“ geschildert, eintreten.“ Lars schüttelt fast unmerklich den Kopf, fragt: „Was meinst du mit seit jeher?“ „Schon im 8. Jahrhundert mussten wir gegen sie Krieg führen, hinterlistig waren sie schon damals“, antwortet Jean. Lars ist ratlos, er bekommt die Daten im Moment nicht sortiert. Seine Frau tippt ihn unterm Tisch mit dem Fuß und flüstert: „Er spricht vom „Rolandslied“.“ Aus ihm bricht ein lang gedehnter Ausruf hervor: „Oh mein Gott.“ Und nun prasseln seine Worte auf den erschrockenen Jean nieder: „Ob es einen Krieg wie im altfranzösischen Rolandslied beschrieben überhaupt gegeben hat, ist bis heute nicht bewiesen, es könnte genauso gut ein Scharmützel gewesen sein. Vermutlich wird der Hinterhalt seitens der spanischen Araber fiktiver Natur sein. Letztendlich weiß man so gut wie gar nichts darüber, da die Annalen von „Vita Karoli Magni“ erst cirka 830 einsetzen, also deutlich nach dem Geschehen. Außerdem gehe ich davon aus, dass du was gegen die „Heiligen Kriege“ hast oder sehe ich das falsch?“
    
Ich habe vor allem was gegen die Bezeichnung, wenn die Muselmänner ihre terroristischen Anschläge so nennen. Die schieben ihre Religion vor, wollen unser Land, was wir in den Jahrhunderten aufgebaut haben.“ „Das sehe ich anders“, mischt sich Simone ein, die bis gerade genüsslich ihr Menü aß, sich nun mit der Serviette gründlich den Mund abwischt, „Heiliger Krieg ist Heiliger Krieg, egal wer diesen ausübt“ und greift zu ihrem Glas, nimmt einen kräftigen Schluck Wein, um die letzten Essensreste herunter zu spülen. „Ich weiß zwar nicht, was du über die französische Geschichte gelernt hast“, setzt sie ihr leidenschaftliches Plädoyer fort, „ich habe gelernt, dass das Rolandslied eine christliche Idealisierung darstellt, eine Mischung aus vorangegangener Erzähltradition der jongleurs (Spielleute), antike Muster nachgebildet wurden und man die Araber diffamiert.“ Jean setzt zu einem neuen Versuch an: „Dass die Muselmänner es nicht gut mit uns meinen, weiß jedes Kind. Wird nicht schon zu Beginn unseres Nationalepos deutlich, wie verlogen die Heiden sind? Sie bieten Karl dem Großen Geschenke an, die er kaum ablehnen kann, planen, ihm mit Ölbaumzweigen – wohlgemerkt: dem Zeichen des Friedens – entgegen zu treten, nur, um in aller Seelenruhe ihren Betrug durchzuführen.“ „Gesetz des Falls, es wäre historisch so abgelaufen“, erwidert Simone, „so ist es zum einen unter Kriegstaktik zu buchen, zum anderen haben sich einige Gefolgsleute von Karl dem Großen, wie der Ritter Galenon auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Wir sollten nicht so tun, als sei Karl der Große ein Heiliger!“ Simone schlägt sich bei den letzten Worten mit der Hand auf ihren Mund, doch zu spät. Prompt gibt Jean die Antwort: „Du scheinst dich mit der Geschichte nicht allzu gut auszukennen, sonst wüsstest du, dass Karl der Große 1165 heilig gesprochen wurde.“ Corinna versucht, die beiden Zankhähne auseinanderzubringen, studiert den Wein, murmelt: „Der Wein ist ausgezeichnet, er hat einen vollmundigen Geschmack.“ Niemand hört ihr zu. Lars hingegen fragt: „Ich stelle mir eine ganz andere Frage: Weshalb wurde für die Menschen Ende des 11. Jahrhunderts, Anfang des 12. Jahrhunderts die sogenannten Heldentaten von Pair Roland und Karl dem Großen wichtig? Warum hat man ungefähr 300 Jahre gebraucht, um ein Chanson de geste zu kreieren, der zudem aus verschiedenen Fassungen besteht.“ Simone versucht eine Antwort zu geben: „Es fällt in die Zeit der Troubadoure, also in jene Zeit, in der es als chick gilt, seinen Ritter mit Gedichten und Gesang zu huldigen. Karl der Große wurde in Frankreich sowie in Deutschland hoch geschätzt, weshalb sollte man ihm nicht mit einem Lied ehren? Dass es verschiedene Fassungen gibt, finde ich nicht weiter verwunderlich, da diese zunächst von den Spielleuten vorgetragen und erst später vermutlich schriftlich festgehalten wurden. Interessant ist hierbei, dass die Blütezeit des Rolandsliedes genau in die Blütezeit der Troubadoure fällt. Weitere überlieferte Manuskripte stammen aus dem 13. Jahrhundert, ein weiteres aus dem 14. Jahrhundert und noch eines aus dem 15. Jahrhundert. Die weiteren Manuskripte sind vielleicht Abschriften oder man hat sie quasi an die jeweilige politsch-gesellschaftliche Auffassung angeglichen. Das Rolandslied war zu Beginn nicht der einzige Epos, es gab zahlreiche, nur diese verloren an Bedeutung.“ Corinna ergänzt: „Es ist auch die Zeit, in der zahlreiche Hagiographien im Umlauf sind, Erzählungen über Individuen, die man idealisiert in der Hoffnung, dass sie zumindest von den Menschen nicht vergessen werden, besser noch, sie wurden heilig gesprochen. Vielleicht kann man das ein wenig mit den Römern vergleichen, die unbedingt ruhmvoll in die Geschichte eingehen wollten, da ihre größte Sorge war, dass sie nach ihrem Ableben vergessen werden und sie dann Schwierigkeiten mit dem Leben nach dem Tod bekommen.“ „Für die Zeit der Troubadoure spricht auch“, nimmt Simone nochmals den Faden auf, „dass die frühen Fassungen überwiegend aus Zehnsilber bestanden und man erst später die Alexandriner verwendete.“ „Die Oxforder Fassung ist im Grunde wie ein klassisches Drama aufgebaut. Der erste Teil bildet vor allem der Verrat seitens Ganelons, den zweiten Teil und zentralen Teil umfasst die eigentliche Schlacht und der dritte Teil skizziert die Vernichtung der Sarazener. Hieran wird der Bezug zur Antike besonders deutlich.“ „Alles gut und schön aber was hat Oxford mit Frankreich zu tun?“ fragt Lars. Simone und Corinna wollen gleichzeitig antworten. Die beiden schauen sich an, lachen, eine fragt die andere, ob sie antworten möchte und beide geben der anderen das Vorrecht. Um eine Entscheidung herbeizuführen, spielen sie Schnick-Schnack-Schnuck, wer von den beiden diese Idee hatte, weiß später niemand mehr. Simone gewinnt das Spiel und sie antwortet: „Die Oxforder Fassung, man nennt sie nur deshalb so, weil sie dort von einem gewissen Francisque Michel gefunden wurde und er dies im Brief im Sommer 1835 Monmerqué mitteilt.“ Nun meldet sich auch Jean nochmals zu Wort, der immer noch etwas morkiert ist und fragt: „Da ihr beiden so schlau seid, kann mir eine von euch beiden erklären, was die zahlreich eingestreuten „AOI“ bedeutet?“ „Vermutlich wird es nie eine abschließende Erklärung dazu geben“, antwortet Corinna. „Zahlreiche Literaturwissenschaftler haben sich darüber schon den Kopf zerbrochen. Ich vermute, dass A und O sich ableiten lässt aus den griechischen Buchstaben Alpha und Omega, die den Anfang und das Ende des Alphabets bilden und im Christentum eine große Bedeutung hat. Das I, so vermute ich, ist entweder die verkürzte Form von „INRI“ der Inschrift am Kreuz Jesu oder der erste Buchstabe von Jesus, abgeleitet von dem griechischen Wort „Ιησούς“, also vom Buchstaben Iota. Vor einiger Zeit habe ich mich damit mal genauer befasst und jegliche Stellen, an der diese Buchstabenfolge vorkommt, die ich untersucht habe, ergab, dass es einen direkten Bezug zu einer Bibelstelle gibt, dass würde natürlich diese Theorie unterstützen. Ich muss aber zugeben, dass ich es bisher nie geschafft habe, alle Stellen darauf abzuklopfen.“ „Interessante Theorie“ gibt Jean anerkennend zu „vielleicht bestätigt dies irgendwann mal ein Wissenschaftler.“ Lars schaut in sein leeres Glas und fragt in die Runde: „Wollen wir nicht darauf noch eine Flasche Wein bestellen?“ Alle sind damit einverstanden. Sie sitzen noch lange im Lokal, reden über Gott und die Welt.

Thomas Sommer –
© read MaryRead 2017

► Schatztruhe

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Zweisprachig: FranzösischDeutsch
Übersetzung und Kommentare: Wolf Steinsieck
Nachwort: Egbert Kaiser
434 Seiten
Taschenbuch
Format (H x B x T): 152 x 141 x 18 mm
Gewicht: 190 g
erschien: 14.08.2001
Verlag: Reclam
ISBN 978-3-15-002746-2
Preis: 12,80 € (D), 13,20 € (A)

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