Verlag Reclam: Der älteste deutsche Taschenbuchverlag

Literaturgeschichte, Verlagsgeschichte, deutscher Verlag, gelbe Reihe, Dokumente und Erläuterungen, Taschenbuchverlag,

Der erste „blaue Engel“ für einen deutschen Verlag

Erste Phase

Inhaltsverzeichnis

Erste Phase

Während der Weimarer Republik
> Offener Briefwechsel zwischen dem Dichter Klabund und Hans Heinrich Reclam
> Antwort von Hans Heinrich Reclam

> Währen des Dritten Reichs
> Die Teilung zwischen Ost- und Westdeutschland
> Zusammenführung von Ost und West

Einzelnachweise

1. Oktober 1828: Anton Philipp Reclam gründet den „Verlag des literarischen Museums“.1aa
1. Juli 1837: Der Verlag heißt nun Philipp Reclam jun. 2a
1839: Erwerb der W. Haackschen Buchdruckerei in Leipzig.2b
1844: Reclam gründet eine ́Wohlfeile Unterhaltungsbibliothek für die gebildete Lesewelt, die versucht, Popularität mit niedrigen Preisen zu verbinden.“1ab
1858: „Eine preisniedrige Shakespeare-Ausgabe erscheint, unmittelbarer Vorläufer der Universal-Bibliothek.“3a Die Shakespeare-Ausgabe besteht aus 12 Bänden und mithilfe des Stereotypie-Verfahrens konnte sie preislich sehr niedrig auf den Markt gebracht werden. Der Verkauf ist sehr erfolgreich, schon neun Jahre später erscheint die 15. Auflage.1ba

Carree, historisch, Leipzig,

Leipziger Geschäftsgebäude (Insel-/Kreuzstraße, 1905) | Foto: © Verlag Reclam

1862: Umzug von Verlag und Druckerei in die Dörrienstraße 4 (Leipzig) 1bb
1863: Sohn Hans Heinrich Reclam tritt mit in den Verlag ein.1bc
1867: „Am 9. November tritt eine von der deutschen Bundesversammlung beschlossene Regelung in Kraft. Diese besagt, dass allen deutschen Autoren eine Schutzfrist für die Veröffentlichung ihrer Werke von 30 Jahren nach ihrem Tod gewährt wird. Die wichtigsten deutschen Klassiker werden „gemeinfrei“. Dies ermöglicht die Gründung der Universal-Bibliothek in Leipzig. UB 1 ist Goethes „Faust“. Aufgrund des neuen Urheberrechts, einer hochmodernen Produktion und eines raffinierten Marketings kann Reclam seine Taschenbücher zum sensationellen Preis von zwei Silbergroschen anbieten.“3b „Die neue Reihe wurde von Handel und Publikum hervorragend an- und aufgenommen, und die programmatische Mischung von zuvörderst klassischen, dann aber auch schlicht beliebten Werken hat dazu sicher beigetragen.“ Im Programm: Beide Teile von Goethes „Faust“, das Drama „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing, die Tragödie „Romeo und Julia“ von William Shakespeare sowie die Lyriksammlung „Leyer und Schwerdt“ von Theodor Körner.1ca
1868: Hans Heinrich Reclam wird Teilhaber der Firma.“1da

1877: Im Reclam-Verlag erscheinen philosophische Schriften: drei Dialoge von Platon und ein Band von Immanuel Kant „Kritik der reinen Vernunft“.
     Von Henrik Ibsen erscheint sein Debütdrama „Die Stützen der Gesellschaft“ in der Universal-Bibliothek. Weitere skandinavische Autoren folgen: August Strindberg, Selma Lagerlöf und andere.1ea

1878: Zwei weitere Hauptwerke von Immanuel Kant werden im Reclam-Verlag veröffentlicht: „Kritik der Urteilskraft“ und „Kritik der praktischen Vernunft“.
     „Im 50. Jahr des Verlags und als Nr. 1000 der Universal-Bibliothek erscheint die NovelleZwei Gefangene“ des späteren Nobelpreisträgers Paul Heyse.“1fa

5. Januar 1896: Anton Philipp Reclam stirbt.4a
Hans Heinrich Reclam kauft vom Verlag Alfred Hauschild das Universum, eine »Illustrierte Familien-Zeitschrift«, die nun wöchentlich bei Reclam erscheint, ab 1901 unter dem Titel „Reclams Universum“. Zeitweise erreichte die Zeitschrift eine Auflage von 75.000 Exemplaren.“1ga

Buchautomat Original | Foto: ©  Verlag Reclam

1905: „Der Verlag bezieht einen repräsentativen Neubau im Leipziger Buchhändlerviertel. Die Druckerei verfügt über 42 1fa Schnellpressen. Eine eigene Dampfmaschine versorgt das Haus mit Energie.“3c
1912: Reclam setzt Verkaufsautomaten ein. Der Bücherautomat wurde von Prof. Peter Behrens entworfen. Darin haben zwölf Reclam-Bücher nebeneinander Platz und in jeder Reihe 6 bis 7 Bücher. Insgesamt können ca. 80 verschiedene Bücher sich in diesem Automaten befinden.1ia
1914: „Auf Anregung eines Soldaten wird die »Tragbare Feldbücherei« entwickelt, Kästen, die je 100 Nummern der Universal-Bibliothek enthalten und im Ersten Weltkrieg an der Front, auf Schiffen oder in Lazaretten zum Einsatz kommen.“1ja

Während der Weimarer Republik

Offener Briefwechsel zwischen dem Dichter Klabund und Hans Heinrich Reclam

23. Oktober 1919: In der Vossischen Zeitung vom Donnerstag, den 23. Oktober 1919 erscheint in der Abendausgabe auf der zweiten Seite ein offener Brief von Alfred Henschke (auch unter dem Pseudonym Dichter Klabund) an Hans Heinrich Reclam:

Lieber Herr Reclam!
Eigentlich bin ich gar nicht so gewiß, daß Sie wirklich existieren, denn seit meiner Jugend leben Sie als Märchenfigur in meiner Vorstellung wie Rübezahl und wie Knecht Ruprecht. Am Samstag, wenn das Taschengeld ausgezahlt wurde (50 Pfennig bis 1 Mark, welch ein Reichtum!), begannen in mir die martervollsten und aufregendsten Kämpfe. Die Bücher, die ich mir wünschte, waren in Ihrem Katalog mit Rotstift sorgsam angestrichen: aber es waren so viele, daß die Wahl mir immer wieder schwer wurde. Der Samstag nachmittag war voll von Sensation und Vorfreude, welchen Reclam ich mir wohl kaufen würde: Die Gedichte von Matthisson oder von Hölty oder ein Volksbuch von Gustav Schwab (Die ich sch??? 5  Melusine) aber den Napoleon von Grabbe oder einen Gorki, einen Andersen, einen Dostojewski. Sollte ich mir gar den Luxus von 2 Nummern leisten? Ich fieberte förmlich, bis ich mit bebendem Herzen in die Buchhandlung von Harnecker in der Oderstraße trat und den Napoleon von Grabbe verlangte. Wie einen Schatz barg ich ihn an meiner Brust und lief über die Oderbrücke und den Damm entlang, bis ich zum sogenannten Poetenweg kam. Da setzte ich mich auf eine einsame Bank und las und las und lebte.
Lieber Vater Reclam: ich habe Dir viel zu verdanken und ich danke es Dir mit vollem Herzen. Aber inzwischen bin ich groß geworden, ein sogenannter erwachsener Mensch (bei den meisten muß es heißen: erwachsen gleich verwachsen…), und Du bist alt geworden, ich denke mir, daß Du jetzt einen weißen Bart und weißes Haupthaar hast. Und Deine rechte Hand fängt auch schon an zu zittern: beim Schreiben. Sieh: ich möchte Dir, gleichsam um Dir ein wenig meinen Dank abzustatten, einen Vorschlag unterbreiten, eine Idee, einen Plan, nicht mehr mir, nicht mehr Dir, sondern dem deutschen Volke zum Nutzen, dem Du so treu gedient hast. Und dieser Gedanke kommt mir, wenn ich mir Deine lezte Publikation, die Literaturgeschichte, betrachte, die Adolf Bartris für Dich zusammengeschrieben hat. Auch Homer, sagt man, war manchmal blind. Und Du, lieber guter Vater Reclam, warst es in diesen und vielen anderen Fällen leider mehr als einmal. Es findet sich viel zu viel Schund, Kitsch, verzeih die harten Ausdrücke, aber sie kommen vom Herzen, in Deiner Universalbibliothek, der das Gute, das Beste, das Strahlendste nur allzu oft in den Schatten stellt und Verwirrung in die unkritischen Geister bringt, die Dir vertrauensvoll nahen.
Ich mache Dir den Vorschlag: ernenne aus ersten deutschen Dichtern eine sagen wir Fünferkommission (ich schlage Gerhart Hauptmann, Heinrich und Thomas Mann, Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal usw. vor), die die Nummern auswählt, die nach und nach in der Universalbibliothek gestrichen und durch wertvolle Neudrucke ersetzt werden sollen. Die Sache ist für die deutsche Volksbildung von so eminenter Wichtigkeit, daß keine Zeit versäumt werden sollte, sie samt und sonders, nicht nur in einzelnen Exemplaren, auf das höchstmögliche Niveau zu heben. Vielleicht übernimmt gar der Staat Deine Bibliothek und sozialisiert sie und unterstellt sie dem Ministerium für Volksbildung? Kurzum: es sollte sich ein Weg finden, die Universalbibliothek zu einer Musterbibliothek um- und auszubauen. Wenn nur der Wille da ist, dann wird sich der Weg schon finden. Man kann nicht ein Pantheon der Weltliteratur und einen Verlag für mittelmäßigste Reiselektüre unterschiedslos durcheinandermischen. Entweder – oder. Und ich glaube und hoffe, Du entschließest Dich für das Entweder – für das Pantheon.“6a

Antwort von Hans Heinrich Reclam

29. Oktober 1919: Am Mittwoch, den 29. Oktober 1919 antwortet Hans Heinrich Reclam in der Vossischen Zeitung, veröffentlicht auf Seite 2, ebenfalls in einem offenen Brief:

Lieber Klabund!
Amüsante offene Briefe hat das Publikum immer gern gelesen. Aber eigentlich sind sie doch nur dann nötig, wenn der Briefschreiber in Wahrung berechtigter Interessen der Gesamtheit handelt, und alle anderen Versuche, eine Besserung herbeizuführen, erfolglos geblieben sind. Hättest Du mir in dem Briefe, in dem Du mir neulich einen Verlagsvorschlag machtest, auch Deine Bedenken gegen die Universal-Bibliothek nahegelegt, so hätte ich Dir geschrieben, daß schon seit längerer Zeit die Vorarbeiten zur gründlichen Erneuerung der Universal-Bibliothek begonnen seien, die berechtigten Interessen des deutschen Volkes also gewahrt würden. So ist es! Du darfst später nicht etwa glauben und sagen, die Erneuerung der Sammlung sei auf Deinen öffentlichen Aufruf hin erfolgt. Du wirst einem alten Mann, dessen Bart und Haupthaar weiß geworden sind und dessen Hand anfängt, zu zittern, – Du wirst einem bald Achtzig jährigen das doch glauben; nicht wahr, mein Lieber? Aber komm nur mal nach Leipzig! Dann werd’ ich Dir beweisen, daß ich Euch Matthisson, Hölty, die schöne Melusine, den Napoleon von Grabbe, Jean Paul – o du Verlegerkreuz! – und Faust II und Immermann und tausend andere Bücher – tausend, mein Klabund! – nur deshalb jahrzehntelang für ein paar Pfennig habe geben können – 7, 8, 9 Bogen für ein paar Pfennig! – weil ich auch harmlose Reiselektüre – keine Schundliteratur, Klabund! – in die Universal-Bibliothek aufnahm. Man hat mir altem Mann gesagt, das werde nun nicht mehr nötig sein; das Beste, Strahlendste allein werde Reclam eine genügende wirtschaftliche Grundlage geben. Um so besser! Die Zeiten mögen andere geworden sein. Ich mag mich täuschen über den Grad der Sehnsucht der vielen nach dem Strahlendsten, auf die allein das Pantheon der Weltliteratur sich stützen kann. Meine Nachfolger mögen’s anders machen als ich. Aber langsam, rat’ ich, langsam, meine jungen Herren! Der Rat der großen Dichter sei willkommen! Herrlich, wenn sie auch noch Verständnis für die unbedingt nötigen nüchternen Kalkulationen haben! Sie werden dann auch einsehen, daß ich hinfort den lieben jungen Leuten mit dem schmalen Taschengeld nicht mehr 7, 8, 9 Bogen in einer Reclam-Nummer geben kann, was mir – man kann es mir glauben – in der Seele weh tut. Also hört die Dichter! Aber laßt mir ja die Fünferkommission aus dem Laden! Die würde ihn bald so zugerichtet haben, daß Reclam nicht nur keine Reiselektüre, sondern auch keinen Matthisson und keinen Hölty, keine schönen Volksbücher und keinen Grabbe, keinen Goethe und keinen Shakespeare mehr zu verkaufen hätte und – auch keinen Klabund. “6b

30. März 1920: Hans Heinrich Reclam stirbt mit 80 Jahren.
     „Die Universal-Bibliothek öffnet sich nun entschiedener für Gegenwartsautoren. In den nächsten Jahren erscheinen Titel von Johannes Schlaf, Clara Viebig, Wilhelm Schmidtbonn, Hans Franck, Herbert Eulenberg, Albert Ehrenstein, Klabund, Thomas Mann, Hermann Bahr, Max Mell, Arthur Schnitzler, Hugo Hofmann, Gerhart Hauptmann, Franz Werfel, Stefan und Arnold Zweig, Ricarda Huch und vielen anderen weniger namhaften bzw. inzwischen wieder vergessenen Autoren.“1ka

1. Oktober 1928: Zum hundertjährigen Bestehen des Verlags wird das Fragment „Robert Guiskard“ von Heinrich von Kleist aufgeführt. Thomas Mann hält die Festrede.3d

Währen des Dritten Reichs

1933: „Die Machtergreifung der Nationalsozialisten bringt auch für das Reclam-Programm einschneidende Änderungen. Verlegerische Arbeit gerät in Deutschland sofort unter die Zwänge der nationalsozialistischen Kulturpolitik, d. h. jüdische oder politisch mißliebige Autoren sollen aus den Verlagsprogrammen entfernt werden. Noch vor der Bücherverbrennung vom 10. Mai entstand im April eine »Schwarze Liste« für »Schöne Literatur«, die zunächst der ›Säuberung‹ der öffentlichen Büchereien dienen sollte. Als besondere »Schädlinge« werden z.B. Feuchtwanger, Kerr, Kisch, Heinrich Mann, Remarque, Tucholsky oder Arnold Zweig gebrandmarkt.“1la

14. April 1943: Dr. h.c. Hans Emil Reclam stirbt.
     „Bei Bombenangriffen wird das Verlagsgebäude schwer getroffen. 9.000 Zentner fertiger UB-Bändchen verwandeln sich in einer Nacht zu grauer Papierasche.“3e

Die Teilung zwischen Ost- und Westdeutschland

10. September 1945: Der Reclam Verlag erhält die Lizenz zur Wiedereröffnung der Druckerei.1ma
4. März 1946: Ernst Reclam erhält von der sowjetischen Militärverwaltung die Lizenz zur Wiederaufnahme der Verlagsarbeit.1na
6. August 1946: „Der Börsenverein der Deutschen Büchhändler zu Leipzig nimmt mit Lizenz der SMAD unter seinem ersten Nachkriegsvorsteher Ernst Reclam seine Tätigkeit wieder auf.“7a

Anmerkung: Der Reclam Verlag ist einer der ersten, der in allen vier Zonen eine Lizenz nach dem Dritten Reich erhält.

1. April 1947: Der Reclam Verlag bekommt die Lizenz für die Gründung vom Reclam Verlag GmbH in Stuttgart. Diese Lizenz hat die amerikanische Militärregierung vergeben. Geschäftsführer wird Gotthold Müller.1nb

1. Januar 1949: Alle Geschäftsgebäuden (Leipzig, Passau und Stuttgart) werden in Stuttgart zusammengeführt.1oa

6. März 1953: Dr. Ernst Reclam stirbt in Heilbronn.
1. Mai 1953: Zunächst wird der Verlag verstaatlicht, doch einige Wochen später wird dies wieder aufgehoben, da der Verlag nach Ansicht der Politik ein Nazi-Aktivisten-Betrieb war.
Das Leipziger Programm widmet sich verstärkt sozialistischer Gegenwartsliteratur von Autoren wie Johannes R. Becher, Anna Seghers, Erich Weinert, Willi Bredel, Friedrich Wolf, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger u.a.“1pa

Januar 1964: „Das gemeinsame Zählsystem der Leipziger und Stuttgarter Reclam-Bände wird aufgegeben. Der Leipziger Verlag Philipp Reclam führt eine Neuordnung der Numerierung durch, bei der lediglich einige Bände die bisherigen Nummern behalten. Als Begründung für die Umstellung wird angeführt, daß durch die gemeinsame Nummerierung viele Titel aufgenommen worden seien, „für die es in einer sozialistischen Taschenbuchreihe keinen Platz geben kann, Werke reaktionären Inhalts und literarische Eintagsfliegen“.“7b

1967: „100. Jahrestag der Gründung von Reclams Universal-Bibliothek. Als erster Band wurde 1867 zu einem Preis von zwei Silbergroschen Goethes „Faust“ aufgelegt. Jetzt sind 1.100 Reclam-Bändchen greifbar, die sich im Programm zunehmend an den Bedürfnissen der Universität orientieren.“7c 
     Zum Jubiläum schreibt Der Spiegel in der Ausgabe 45/1967 (30.10.1967) unter anderem:

Die revolutionärste Idee der Buchindustrie wird 100 Jahre alt. […] Ob Aischylos oder die Aufklärer, ob Cäsar oder Paul Claudel“ ob Jaspers oder Ionesco, Heine oder Hesse, Tacitus oder Tucholsky — in der wahrhaft universellen Universal-Bibliothek findet sich nahezu alles. […] Gelegentlich erscheinen Bände von Reclams Universal-Bibliothek sogar ohne Wissen und Zutun des Verlags. So im Zweiten Weltkrieg, als die Westmächte deutsche Landser mit Reclam-Heftchen versorgten, in denen Ratschläge zur Fahnenflucht und Kapitulation zu lesen waren.“8

1969: Erste Bände in grüner Farbe „Erläuterungen und Dokumente“ werden herausgebracht.1qa
1970: Es folgt eine weitere farbige Ausgabe, dieses Mal in orange. Hierbei handelt es sich um zweisprachige Ausgaben, immer in Kombination mit der deutschen Sprache.
Januar 1977: „Zum 200. Geburtstag Heinrich von Kleists im Oktober dieses Jahres bereitet die DDR zahlreiche Ehrungen vor. […] Beim Reclam-Verlag erscheint eine Kleist-Biographie, die sich „um ein marxistisches Bild des widerspruchsvollen Dichters bemüht“.“7d
23. Januar bis 16. Februar 1979: In Frankfurt am Main organisiert der Reclam-Verlag die Ausstellung „150 Jahre Reclam“.7e
März 1979: Die Leipziger Buchmesse findet wieder statt. „Als Gast des Reclam-Verlages liest Günter Kunert im Gohliser Schlößchen, Christa Wolf liest aus ihrem Essay über die romantische Dichterin Karoline von Günderrode.“7f
1980: Das neue Verlagsgebäude und die Druckerei werden in Ditzingen bei Stuttgart bezogen.3f 
15. Juni bis 26. September 1981: „Das Staatliche Museum Schloß Burgk und der Verlag Philipp Reclam Leipzig veranstalten die von Lothar Lang und anderen besorgte Ausstellung „Buchkunst im Reclam-Verlag“ im Pirckheimer-Kabinett Burgk/ Saale.“7g
1983: Der Reclam-Verlag bekommt den Sozialismus zu spüren. „Im Reclam-Verlag erscheint eine Auswahl von Lyrik und Prosa Wolfgang Hilbigs, nachdem Streichungen erfolgten. So folgt auf Abschnitt zwei seines Textes „Das Meer in Sachsen“ sofort Abschnitt vier. Die Ausgabe bleibt die einzige Veröffentlichung von Lyrik und Prosa Hilbigs in der DDR.“7h
12. August bis 22. September 1985: Der Reclam-Verlag organisiert in Leipzig findet im Museum der bildenden Künste die Ausstellung „Literatur und Kunst im Dialog“.7i

Zusammenführung von Ost und West

heute Ditzingen,

heute Ditzingen | Foto: © Verlag Reclam

1990: Erste Gespräche zwischen den Verlagsleitungen in Leipzig und Stuttgart finden statt.

28. Februar 1990: Eine Kooperationsvereinbarung zwischen den beiden Städten wird getroffen.
     Ein Antrag auf Reprivatisierung wird bei der Treuhandanstalt gestellt.1ra

1. Oktober 1991: Die Treuhandanstalt setzt die Stuttgarter Geschäftsleitung in Leipzig ein.1ta

Juli 1992: „Der Verlag Reclam Leipzig wird rückwirkend zum 01.01. an die Reclam GmbH & Co. KG Ditzingen bei Stuttgart zurückgegeben.“7j
September 1996 bis 26. Januar 1997: In Leipzig wird im Museum die Ausstellung „Leipzig 1896 – Momentaufnahmen einer Buchhandelsstadt“, in der bisher noch unveröffentlichte Dokumente der Verlage Reclam und Brockhaus gezeigt.7k
1997: Reclam eröffnet ihre Internetseite www.reclam.de.1ua
1999: „Das Museum für Gedankenloses widmet den originellsten von Schülern bemalten, bekritzelten, verun- und umgestalteten Umschlägen aus Bänden der Universal-Bibliothek die Ausstellung „Kaba und Liebe“.“3g
2006: „Ende März wird die Leipziger Zweigstelle des Verlags geschlossen.“1xa

2012: Die ersten E-Books im EPUB-Format aus dem Hause Reclam sind auf dem Markt erhältlich.3h
2015: Reclam ist der erste deutsche Verlag, der mit dem „Blauen Engel“ zertifiziert wird. „Die Zertifizierung wurde am 12. März 2015 auf der Leipziger Buchmesse übergeben.“3i

– Magdalena Schwarz –
© read MaryRead 2017

► Ankerlichtung

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Einzelnachweise:

Frank R. Max: Der Reclam Verlag. Eine kurze Chronik, Philipp Reclam jun. – Stuttgart 2012
1aa, 1ab: S. 7 / 8, 1ba, 1bb, 1bc: S. 9, 1ca:
S. 11,
1da: S. 12, 1ea: S. 14f., 1fa: S. 15, 1ga: S. 18, 1ia: S. 19
1ja: S. 31f., 1ka: S. 37
1la: S. 45
1ma: S. 50, 1na, 1nb: S. 51, 1oa: S. 52, 1pa: S. 54
1qa: S. 69
1ra: S. 75, 1ta: S. 77
1ua: S. 83
1xa: S. 92
1fa: In: Frank R. Max: Der Reclam Verlag; werden 56 Schnellpressen genannt

2a, 2b: (): Titel, Volker: „Reclam, Anton Philipp“ in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 239-240 [Onlinefassung]; zuletzt abgerufen am 24.04.2017

3a, 3b, 3c, 3d, 3e, 3f, 3g, 3h, 3i (): Reclam – Info-Pool, zuletzt abgerufen am 24.04.2017

4a (): Wikipedia: Anton Philipp Reclam, zuletzt abgerufen am 24.04.2017

 5: Der genaue Wortlaut ist nicht entzifferbar, Anmerkung der Verfasserin)

6a: (): Staatsbibliothek Berlin: Offener Brief von Klabund, zuletzt abgerufen am 24.04.2017
6b: (): Staatsbibliothek Berlin: Antwort von Reclam, zuletzt abgerufen am 24.04.2017

7a, 7b, 7c, 7d, 7e, 7f, 7g, 7h, 7i, 7j. 7k: (): Universität Göttingen: Literarisches Leben (Stichwort: Reclam), zuletzt abgerufen am 24.04.2017

8: (): Verlag – Reclam: Hat den Text, Der Spiegel, 30.10.1967, zuletzt abgerufen am 24.04.2017

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