Warschauer Buchmesse 2017

Ehrengast Deutschland, Frank-Walter Steinmeier, Sigmar Gabriel, Goethe-Institut, Frankfurter Buchmesse, Auswärtiges Amt,

Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel

Derzeit findet in Warschau zum achten Mal die Buchmesse unter dem Motto „Worte bewegen. Siła słów“ statt. Gastland ist Deutschland. Zwischen dem deutschen und dem polnischen Buchmarkt bestehen langjährige, enge Verbindungen. Polnische Verlage sind wichtige Lizenzpartner für deutsche Verlegerinnen und Verleger. Insgesamt werden 66 Aussteller den Gastlandauftritt nutzen, um mit polnischen Verlagen ins Gespräch und ins Geschäft zu kommen – ein Rekord. 23 Verlage sind mit Mitarbeitern vor Ort vertreten, darunter Aufbau, Rowohlt, Suhrkamp, Kookbooks, Gabal und Loewe. Die polnische Buchhandlung Co-Liber wird den Buchverkauf am deutschen Stand übernehmen.
     Im Jahr 2000 präsentierte sich Polen als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Der damals amtierende Außenminister Joschka Fischer sprach unter anderem in seiner Eröffnungsrede über das Verhältnis von Politik und Literatur am 17. Oktober 2000:

Daß Polen in diesem Jahr Gastland der Buchmesse ist, freut mich besonders, als Außenminister und als passionierter Leser. Die polnische Literatur hat in den vergangenen Jahrzehnten Großartiges vollbracht. Es ist ihr nicht nur gelungen, trotz staatlicher Zensur und Unterdrückung ihre große eigenständige Tradition am Leben zu erhalten. Sie ist in dieser schweren Zeit zu einer einzigartigen Vermittlerin der Wahrheit – weit über Polen hinaus – geworden, und genau hierin lag das Geheimnis des begeisterten Lesens in Polen wie auch in den anderen Ländern hinter dem Eisernen Vorhang. In ihrem Ringen um Freiheit und Wahrheit haben zahlreiche polnische Schriftstellerinnen und Schriftsteller große politisch-moralische Autorität und auch internationalen Ruhm erlangt. Die Frankfurter Buchmesse und der Börsenverein des deutschen Buchhandels hatten hieran durch ihre beharrliche Unterstützung von Literaten und Intellektuellen im ehemaligen Ostblock auch in den frostigsten Zeiten des Kalten Krieges – allein 3 Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels waren Polen, Janusz Korczak, Leszek Kołakowski und Władysław Bartoszewski – ihren Anteil.“

2006 folgte der Gegenbesuch Deutschlands in Warschau. Gespiegelt wird dieser Austausch auch durch das Interesse der polnischen Bevölkerung an deutscher Kultur: Laut Auswärtigem Amt lernen über 2 Millionen polnische Schülerinnen und Schüler Deutsch.

Wir freuen uns auf den deutschen Gastlandauftritt in Warschau“, sagt Christoph Bartmann, Leiter des Goethe-Instituts Warschau. „Er unterstützt unsere Bemühungen um einen intensiven deutsch-polnischen Kulturdialog auch in politisch schwierigen Zeiten. Die Namen der eingeladenen Autoren und die Titel der Veranstaltungen verraten, dass bei aller Vielfalt die Freiheit des Wortes ein zentrales Thema sein wird.“

Das Programm des Gastlandauftritts wurde gemeinsam von der Frankfurter Buchmesse und dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland vorbereitet. Es soll die Literatur als einen Freiraum für den offenen Dialog und den Austausch von Gedanken, Emotionen und Informationen präsentieren.

„In einer Zeit, in der Europa zunehmend unter Druck steht und demokratische Grundrechte wie Presse- und Meinungsfreiheit gefährdet sind, wollen wir diesen Gastlandauftritt nutzen, um über Themen zu sprechen, die uns bewegen: Europa als Sehnsuchtsort, die besorgniserregenden rechtspopulistischen Tendenzen in vielen Ländern, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise – aber auch Fragen nach gemeinsamen Werten und kulturellen Identitäten. Wie kein anderer Ort ist eine internationale Buchmesse der freien Meinungsäußerung verpflichtet. An wenigen Tagen kommen hier Menschen aus vielen Nationen zusammen, die sich mit Leidenschaft und Kompetenz für die Verbreitung des geschriebenen Wortes einsetzen. Dieses demokratische Grundrecht mit allen Mitteln zu verteidigen ist unsere wichtigste Aufgabe“, so Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse.

Eröffnet wird der deutsche Stand am 19. Mai 2017 vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seinem Amtskollegen Andrzej Duda. Am Sonntag werden Außenminister Sigmar Siła słów, Herta Müller, Janusz Korczak, Leszek Kołakowski,Polen, Jurij Ihorowytsch Andruchowytsch, Quo vadis,Europa, Artur Becker,Gabriel und der Außenminister Polens, Witold Waszczykowski, am deutschen Stand erwartet. Die beiden Politiker werden gemeinsam mit dem ukrainischen Schriftsteller Jurij Ihorowytsch Andruchowytsch an dem Podiumsgespräch „Europa bewegen – Wie können wir den europäischen Gedanken wiederbeleben?“ teilnehmen. Zum ersten Mal wird ein deutscher Gastlandauftritt auf einer ausländischen Buchmesse von zwei ranghohen politischen Delegationen besucht. Das zeigt den hohen Stellenwert, den die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland bei den Regierungen beider Länder genießen.
     Mit Nobelpreisträgerin Herta Müller wird eine Schriftstellerin zu Gast sein, die biografisch und künstlerisch viele Grenzen überschritten hat. Ihre Erfahrungen in einer kommunistischen Diktatur hat Herta Müller literarisch verdichtet: Ihre Prosa verstört und bewegt. Bei polnischen Leserinnen und Lesern ist Herta Müller sehr gefragt – in keine andere Sprache wurden so viele ihrer Bücher übersetzt wie ins Polnische. Die rumänisch-deutsche Schriftstellerin wird oft als Mahnerin für die Verteidigung von Menschenrechten wahrgenommen. „In jeder Sprache sitzen andere Augen in den Wörtern“ lautet der Titel der Veranstaltung, die Herta Müller mit dem polnischen Publizisten Adam Krzeminski ins Gespräch bringen wird.
    
Unter dem Motto „Quo vadis Europa?“ werden der westukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch, die deutsche Politologin Ulrike Guérot und die polnische Publizistin Magdalena Grochowska drei unterschiedliche europäische Positionen verhandeln. Die Moderation übernimmt Jacek Żakowski.
Wo Presse- und Meinungsfreiheit unterdrückt werden, ist die Demokratie in Gefahr. Welche Konsequenzen hat das für eine Gesellschaft? Wie können insbesondere Autoren und Journalisten der Zensur begegnen, wie weiterhin ihren Beruf ausüben? Bei der Podiumsdiskussion „Für das Wort und die Freiheit. Chancen und Gefahren in Zeiten des politischen Wandels“ werden die Autoren und Journalisten Artur Becker, Ewa Wanat, Marek Cichocki und Alexander Skipis (Börsenverein des Deutschen Buchhandels) über eines der drängendsten Themen unserer Zeit sprechen, die Moderation übernimmt Gerhard Gnauck.
    
Darüber hinaus erwartet die Besucherinnen und Besucher ein reiches Programm zu fachlichen, literarischen und gesellschaftspolitischen Themen, aber auch zu Kinder- und Jugendliteratur sowie Kriminalromane. Elf Autorinnen und Autoren werden in Warschau mit polnischen Literaten und Journalisten diskutieren: Neben den bereits erwähnten sind dies Wolfgang Bauer, Ulrike Draesner, Jakob Hein, Daniela Kohl, André Kubiczek, Charlotte Link, Alice Pantermüller und Daniela Seel.

Die Buchmesse geht noch bis zum 21. Mai 2017.

Petra Kuhn –
© read MaryRead 2017

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Das ganze Programm kann hier eingesehen werden (): Goethe-Institut

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