Buchhandel: Umfrage zum Glück im Beruf

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Wie glücklich können Buchhändlerinnen sein?

Umfrage zum Glück im Beruf: Jede vierte Frau wäre gerne Buchhändlerin

Mehr als jeder vierte Befragte hält Menschen in der Buchbranche für besonders glücklich / Repräsentative Umfrage von Vorsicht Buch! unter 5.000 Menschen in Deutschland ab 14 Jahren / Weiterführende Zahlen und Fakten

Stellen Sie sich vor, Sie könnten noch einmal von vorn anfangen, welchen Beruf würden Sie ergreifen? Für 26,3 Prozent der Frauen lautet die Antwort: „Buchhändlerin“. Damit rangiert der Beruf noch vor Lehrerin (23,4 Prozent) und Krankenschwester (22,2 Prozent). Ein Grund: Menschen, die in Buchhandlungen und Verlagen arbeiten, gelten als besonders glücklich. Das meint mehr als ein Drittel aller Frauen (34,7 Prozent), in der Gesamtbevölkerung sind es 27,3 Prozent. Die Kampagne Vorsicht Buch! hat 5.000 Menschen in Deutschland ab 14 Jahren befragt: nach ihrem Berufswunsch, wenn sie noch einmal die Wahl hätten, und nach der Branche, in der sie Menschen für besonders glücklich halten. Die Arbeit mit Büchern liegt bei beiden Fragen weit vorn.

Patrick Gosling, S. Fischer Verlag,

Patrick Gosling ©privat

Menschen, die Sinn in ihrer Arbeit finden und kulturell interessiert sind, haben eine höhere Lebenszufriedenheit“, erklärt Professor Bernd Raffelhüschen, Autor des „Deutsche Post Glücksatlas 2016“ und genauer Kenner der Zusammenhänge zwischen Arbeit und Glücksempfinden. Meike Janning (18), Auszubildende bei der Buchhandlung Taube in Marbach, bestätigt das: „Es gibt nichts Schöneres, als tagtäglich mit seiner Liebe zur Literatur andere Menschen begeistern zu können.“ Und Patrick Gosling, ausgebildeter Medienkaufmann Digital und Print beim S. Fischer Verlag in Frankfurt am Main, ergänzt: „Ich bin immer noch glücklich über meine Berufswahl, weil ich ein Unternehmen und eine Branche in der Zeit der Digitalisierung begleiten darf und sich kontinuierlich neue Projekte und Aufgaben ergeben.“

Top-Beruf bei den Männern: Bankangestellter

Immerhin auch fast jeder achte Mann wäre gerne Buchhändler geworden. Der Top-Beruf bei den Männern ist Bankangestellter (27,6 Prozent), dicht gefolgt von Lehrer (25,0 Prozent) und deutlich vor Autohändler (16,8 Prozent). Von der Gesamtzahl der Befragten träumt rund ein Fünftel (19,2 Prozent) davon, in der Buchhandlung zu arbeiten. Interessant: Besonders in Großstädten ist die Arbeit mit dem Buch beliebt. Mit 22,4 Prozent erzielt der Beruf bei Menschen in Städten mit über 100.000 Einwohnern einen deutlich höheren Wert als auf dem Dorf (17,8 Prozent). Die höchsten Werte verzeichnen im Bundesländervergleich so auch die Stadtstaaten Bremen (23,8 Prozent) und Hamburg (23,6 Prozent). In Hessen und Bayern hat der Bankberuf im Durchschnitt auffällig mehr Appeal: Hier wären gerne 28,6 Prozent (Hessen) und 27,0 Prozent (Bayern) Bankangestellte.

Ein Drittel der Saarländer hält Buchbranche für glücklich machend

Nach der Branche gefragt, in der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als besonders glücklich gelten, rangiert die Buchbranche mit 27,3 Prozent auf Rang zwei nach dem Handwerk (38,4 Prozent). Vor allem junge Menschen halten Beschäftigte in der Buchbranche für besonders zufrieden: Mit 28,3 Prozent der 14- bis 19-Jährigen und 29,9 Prozent der 20- bis 29-Jährigen toppen die Jobs mit Büchern sogar das Handwerk. Für die Saarländer hat die Buchbranche den höchsten Glücksfaktor (35,3 Prozent), in Thüringen den geringsten (18,6 Prozent). Dafür ist in Thüringen die Finanzbrache so beliebt wie nirgendwo sonst (17,6 Prozent) – ganz anders als in Bremen: Dort vermuten glatte 0,0 Prozent glückliche Mitarbeiter.

Die Umfrage wurde im März/April 2016 im Rahmen der Kampagne Vorsicht Buch!, einer Initiative der deutschen Buchbranche, von Research Now® durchgeführt. Befragt wurden 5.000 Menschen in Deutschland ab 14 Jahren. Auftraggeber ist der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.

Über die Initiative Vorsicht Buch!: Vorsicht Buch! ist eine bundesweite Initiative der gesamten deutschen Buchbranche, die im März 2013 auf der Leipziger Buchmesse gestartet ist. Verantwortlich für die Kampagne ist der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. Ziel von Vorsicht Buch! ist es, Menschen für Bücher zu begeistern und den Buchhandel vor Ort zu stärken.

Soweit von: Pressemitteilung von Vorsicht Buch!, der Kampagne der deutschen Buchbranche

Weiterführende Zahlen und Fakten

Sehr interessant wäre in diesem Zusammenhang die Frage, was die Menschen mit der Arbeit in einer Buchhandlung verbinden, was sie annehmen, wie das Tagesgeschäft konkret aussieht, wie in etwa: Welche Tätigkeiten müssen tagtäglich von den BuchhändlerInnen ausgeführt werden? Ebenso wäre auch mal interessant zu erfahren, wie die Befragten das Einkommen in der Buchbranche einschätzen.
     Der Durchschnittsverdienst bei Lehrern liegt, je nach Bundesland und Status (angestellt oder verbeamtet), zwischen 3.842 € und 5.200 € brutto. Ähnlich sieht es bei den Bankfachangestellten aus: Das Durchschnittseinkommen liegt zwischen 3.532 € und 5.200 €. Der Einstiegsgehalt bei BuchhändlerInnen liegt derzeit in etwa bei 1.360 € brutto (laut Durchschnittseinkommen.net). Das Durchschnittseinkommen liegt zwischen 2.224 € und 2.699 €. Hierbei liegen jedoch nur Daten aus dem Bundesland NRW vor. Zum Vergleich: Im Einzelhandel (je nach Branche und Größe eines Unternehmens) liegt der Durchschnittsverdienst zwischen 1.707 € und 2.765 €. Pflegepersonal im Krankenhaus verdient durchschnittlich zwischen 2.704 € und 3.649 €. Im bundesweiten Durchschnitt verdienen AutohändlerInnen zwischen 2.417 € und 4.622 €. Bei der Berufsfeuerwehr liegt das Durchschnittseinkommen zwischen 4.173 € und 5.112 €.
    
Diese Zahlen (sofern nicht anders angegeben) sind dem Entgeldatlas von der Arbeitsagentur entnommen und basieren auf Daten der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten im Jahr 2014.

Beim Vergleich der Durchschnittseinkommen schneidet der Buchhandel am schlechtesten ab. Zudem ist es ein Beruf, der inzwischen durch Tarifverträge nicht mehr abgesichert wird wie in Nordrhein Westfalen.

Interessant wären auch Erhebungen von Überstunden in den einzelnen Berufen, ebenso krankheitsbedingter Ausfall, am besten noch nach Krankheitstypen (physisch und psychisch) sortiert.

Karrieremöglichkeiten sind im Buchhandel auch nur bedingt möglich, im Normalfall trifft man dies am ehesten bei den Buchhandelsketten an wie Filialleitung, ansonsten sieht es auch hier eher mau aus.
     Der Anteil der Frauen in der Ausbildung zur Buchhändlerin liegt laut buchreport von Dezember 2016 bei 84%. Dem gegenüber ist der Anteil der Frauen in Führungspositionen prekär:

Hierarchische Position

Weiblich

Männlich

Unternehmensleitung

 4%  10%

Abteilungsleitung / mittlere Ebene

 20%  36%

Mitarbeit ohne Leitungsfunktion

 46%  38%

Kommentar von BücherFrauen e.V.:

Unter den Befragten verdienen die Frauen im Schnitt 28% weniger als Männer. Diese Differenz liegt um fünf Prozentpunkte über dem aktuellen durchschnittlichen geschlechtsspezifischen Gehaltsgap in Deutschland (23%). Besonders starke Gehalts- und Einkommensunterschiede gibt es im Verlagssegment.“

Diese Zahlen sind der „Studie. MehrWert. Arbeiten in der Buchbranche heute“ von BücherFrauen e.V. entnommen.

Es mag sein, dass von außen betrachtet, der Beruf der BuchhändlerInnen attraktiv wirkt, schaut man genauer hin, hilft einem am ehesten die Überzeugung, dass man der Leseförderung, dem Kulturaustausch dient. Ob das zum Glücklichsein reicht?

– Hannah Tiger –
© read MaryRead 2017

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