Frankfurter Poetikvorlesungen 2017

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Messegelände Frankfurt / Foto: © Susanne Grebe

Das 18. Kamel in der Literatur

Ulrike Draesner setzt sich mit Realitäten auseinander, die scheinbar nicht zusammengehören und dabei hilft ihr ein arabisches Rätsel

Fast zeitgleich finden in Köln und Frankfurt am Main die Poetikvorlesungen statt. Begonnen haben die Poetikvorlesungen in Frankfurt mit Ingeborg Bachmann, als sie 1959 eine Vortragsreihe zur Fragestellung „Fragen zeitgenössischer Dichtung“, dass 1980 unter dem Titel „Probleme zeitgenössischer Dichtung“ als Buch erschien. Seitdem finden diese Vorlesungen regelmäßig in der Goethe-Universität statt. Das Sommersemester 2014 bestritt Daniel Kehlmann unter dem Titel „Kommt Geister“ die Vorlesungen.

Die Goethe-Universität teilt mit: „Im Wintersemester 2016/17 wird mit Ulrike Draesner eine der facettenreichsten und ausdrucksstärksten Autorinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur die renommierte Frankfurter Poetikdozentur innehaben. Unter dem Titel „Grammatik der Gespenster“ wird sie die Zuhörerschaft auf eine poetologische Entdeckungsreise über die literarischen Möglichkeiten von Sprache mitnehmen.“
     Und sie kommt mit Erfahrungen, wie sie im Interview gegenüber dem Frankfurter Unireport (6/2016) mitteilte. Seit einem Jahr lehrt sie in Oxford. Auf die Frage, was man sich unter „Grammatik der Gespenster“ vorstellen kann, antwortet sie mit einem arabischen Rätsel: Ein reicher Araber hinterlässt seinen drei Nachkommen siebzehn Kamele. In seinem Testament steht geschrieben, dass der älteste die Hälfte, der mittlere ein Drittel, und der jüngste ein Neuntel aller Kamele erhalten soll. Sie kennt die Lösung des Problems. Ein Freund des reichen Arabers bringt noch ein Kamel mit und nun kann das Testament erfüllt werden und der Freund nimmt sein Kamel anschließend wieder mit nach Hause. Sie erklärt im Interview: „Gespenster sind das 18. Kamel. Innere Wirklichkeit, Spiegelfiguren, Wirklichkeitserweiterungen. Nur auf sie reimt sich, was wir „Realität“ nennen, nur mit ihrer Hilfe lässt diese Realität sich bewegen.“

Frankfurter Poetikvorlesungen Wintersemester 2016 / 17:
Ulrike Draesner: »Grammatik der Gespenster«

Termine:

 10. Januar: Novelle Grammatik der Gespenster der erste Streich: Leben / Schreiben – Einleitung und Gedanken zur Novelle
17. Januar: Essay Grammatik der Gespenster der zweite Streich: Das Nebelkind (Essay zum Essay)
 24. Januar: Roman Grammatik der Gespenster der dritte Streich: Der (historische) Roman
 31. Januar: Gedicht Grammatik der Gespenster der vierte Streich: Atem, Stimme, Gedicht
 7. Februar: Nature und Life Writing Grammatik der Gespenster der fünfte Streich: Nature und Life Writing

Für alle Lesungen gilt:

Campus Westend, Hörsaalzentrum, Audimax (HZ1&2). Beginn jeweils um 18.00 Uhr c.t. Einlass ab 17.30 Uhr, eintritt ist frei.

Begleitausstellung im „Fenster zur Stadt“ im Restaurant Margarete ab dem 11. Januar 2017.
Abschlusslesung im Literaturhaus Frankfurt, 8. Februar 2017, 19.30 Uhr

Ulrike Draesner ist nicht nur promovierte Literaturwissenschaftlerin sondern auch Lyrikerin und Schriftstellerin. Ihr Debüt gab sie 1995 mit dem Gedichtband „gedächtnisschleifen“. Zuletzt erschien von ihr im letzte Jahr „London – Lieblingsorte“ (Insel Verlag) und ihr bisher letzter Gedichtband „Subsong“ erschien 2014 im Luchterhand Verlag. Im selben Verlag erschien ihr bisher letzter Roman „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“, der auch 2014 für den Deutschen Buchpreis auf der Longlist nominiert wurde. Sie hat zahlreiche Literaturpreise und Auszeichnungen erhalten, im vergangenen Jahr wurde sie mit dem Nicolas-Born-Preis des Landes Niedersachsen, den sie am 28.09.2016 gemeinsam mit Joachim Meyerhoff entgegen nahm, verliehen. Die Laudatio für Ulrike Draesner hielt Friedrich Christian Delius.

– Hannah Tiger –
© read MaryRead 2017

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