Sharon Dodua Otoo

deutsch-englische Schriftstellerin

Sharon Dodua Otoo, 2016 / Foto: © ORF/Alexander Goll

Aktivistin

Sharon Dodua Otoo, geboren 1972 in London
deutschenglische Schriftstellerin

Der Energiebündel Sharon Dodua Otoo hat vier Kinder und ist Schriftstellerin. Sie engagiert sich in verschiedenen Vereinen mit Schwerpunkt Migration und Schreiben. Geboren wurde sie 1972 in London und in der Hauptstadt Großbritanniens wuchs sie auch auf. Ihre Eltern stammen aus Ghana. Seit einiger Zeit lebt sie in Berlin.
     Von Kindesbeinen an setzt sie sich mit Themen wie Rassismus und Sexismus auseinander. Im November 2013 gibt sie einen Rückblick im Missy Magazine. Sie stellt darin fest, dass in den vergangenen Jahren diese Themen in den Fokus des Mainstreams angekommen sind. Sie berichtet im Artikel, wie im Jahr 2012 die Blackface-Debatte ihren Anfang genommen hat, indem einige Aktivisten auf Facebook und Co. Kommentare schrieben, die schnell Verbreitung fanden. 2012 wurde die deutsche Bevölkerung aufgeschreckt, als quasi über Nacht beliebte Kinderbücher infrage gestellt wurden, wie Jim Knopf von Michael Ende. Mit der Debatte wurde nicht nur ein Nerv getroffen, wie Katrin Gottschalk sich bei Missy Magazine äußerte, sondern es muss abgesteckt werden, wo der Rassismus im öffentlichen Raum beginnt, aber letztendlich solte jeder diese Frage auch für sich beantworten. Vielen erschien die Debatte wie vom Himmel gefallen und es gab kontroverse Diskussionen.

Social Media spielte eine wesentliche Rolle – sie hat Debatten für den Mainstream sichtbar gemacht, die in Schwarzen Communities seit Jahrzehnten geführt werden.“1 

In der Literatur ist Sharon Dodua Otoo bereit, ungewöhnliche Wege zu gehen. Der klassische Weg verläuft über einen Verlag mit ISBN und was sonst noch dazu gehört. Doch Sharon D. Otoo hat beispielsweise Geschichten, eingeteilt in 24 Kapitälchen, entstanden durch einen E-Mail-Kontakt zu einer Freundin, in dem Buch Synchronicity zusammengeführt, veröffentlicht in einem Demand-Verlag.2 
     In ihrer schriftstellerischen Tätigkeit schreibt sie auch Literaturkritiken, wie in kritisch lesen,3 dass viele Autoren tun.

Sharon Dodua Otoo und Peter Rosei: ORF les.art 04.07.2016 (mit Christian Ankowitsch)

 

Bachmann-Wettbewerb 2016

Doch um all das über sie zu erfahren, muss man seitdem 3. Juli 2016 im Internet suchen, genau hinschauen, denn jedes Medium, was etwas auf sich hält, hat über ihren Sieg beim Bachmann-Wettbewerb einen Artikel verfasst.

Sharon Dodua Otoo beim Bachmann-Wettbewerb 2016:
> Preisverleihung

Beim Bachmann-Wettbewerb las sie im Rahmen 40. Tage der deutschsprachigen Literatur auf Einladung von Sandra Kegel und las aus dem mitgebrachten Text Herr Gröttrup setzt sich hin. Verfasst hat sie den Text schon vor zwei Jahren.4 Für den Protagonisten liegt die reale Person Helmut Göttrup zugrunde, der während des Dritten Reichs mit an der V2-Rakete gebaut hat und nach dem Zweiten Weltkrieg im Dienste der Sowjetunion stand. Sharon Dodua Otoo beschreibt ihn als konservativ, schwerfällig und als jemand, bei dem alles nach einem geregelten Zeitplan das Leben zu sein hat, Störungen jeglicher Art lehnt er ab. Es lässt einen an den Roman Homo faber von Max Frisch erinnern, worin der Protagonist ebenfalls ein Techniker, ein Ingenieur ist.
     Sharon Dodua Otoo betrat den Wettbewerb-Raum schon fast beschwingt, sie hat eine Leichtigkeit ohne die Ernsthaftigkeit zu verlieren, und sie kann irritierend sein. Der Text beginnt mit der Leseanweisung: „Bitte sorgen Sie dafür, dass Sie bequem auf Ihrem Platz sitzen. Es sollte ihnen weder zu heiß noch zu kalt sein. …“ All jene, die den Text nicht vorliegen hatten, waren erstaunt und dachten sich: was soll das? Ein leichtes Schmunzeln schlich fast unbemerkt um ihre Mundwinkel. Und es wurde noch besser, denn plötzlich sprach das Frühstücksei. Es philosophiert über sich und über das Ehepaar Gröttrup, dass surreal ist oder magisch. Dementsprechend kann der Text getrost als Surreale Parabel bezeichnet werden.

Wer will schon ein Ei sein?Biografie, Sharon Dadoua Otoo, Bachmann-Wettbewerb 2016Ich habe viel öfter morgens gedacht: Heute bin ich Crème brȗlée oder ein Lottogewinn oder ein Sonnenaufgang. Wenigstens haben die Menschen Freude dran! Aber heute wollte ich einfach als etwas Belangloses durchgehen.“
aus: Sharon Dodua Otoo: Herr Göttrup setzt sich hin

Die Jury war begeistert und offensichtlich auch überzeugt und so gewann Sharon Dodua Otoo am 3. Juli 2016 den Bachmann-Preis, der mit 25.000 € dotiert ist. Auf die Frage, was sie nun mit dem Preisgeld machen wird, war von der Autorin die Überlegung den Text Herr Gröttrup setzt sich hin zu einem Roman auszuarbeiten. Eine ausgezeichnete Idee.

Melanie Kurz
© read MaryRead 2016

Lebensbilder

 

Bisher erschien von Sharon Dodua Otoo:
Witnessed, Buchreihe
2012: the things i am thinking while smiling politely, Novelle
2015: Winter Shorts, Kurzgeschichten

wissenschaftliche Beiträge in Zeitungen

 

Sharon Dodua Otoo wurde bislang ausgezeichnet mit:
2016: Bachmann-Preis

Home > Ankerlichtung > Lebensbilder > Sharon Dodua Otoo


1  (): Missy Magazine: Sharon Dodua Otoo, 06.11.2013, zuletzt besucht am 15.07.2016
2 (): Vgl. roots of compassion: Synchronicity, zuletzt besucht am 15.07.2016
3 (): Vgl. Überblick der Rezensionen von Sharon Dodua Otoo in: kritisch lesen, zuletzt besucht am 15.07.2016
4 (): Interview mit literaturcafe: Im Gespräch mit Sharon Dodua Otoo und Julia Wolf (Film) 03.07.2016, zuletzt besucht am 15.07.2016

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