Stefanie Sargnagel

Portraet

Stefanie Sargnagel / Foto: © Johannes Puch, ORF

Prophezeiung

Stefanie Sargnagel, geboren am 14.01.1986 in Wien
österreichische Schriftstellerin
eigentlich: Stefanie Sprengnagel

Manch einer wird die am 14. Januar 1986 in Wien gefundene Stefanie Sargnagel und aufgelesen von ihrer Mutter (so beschreibt sie gerne ihr Ankommen auf dem Planeten Erde) als frech und witzig betrachten, andere hingegen empfinden sie als vulgär. Sie nimmt sich selber dabei nicht aus, wie schon ihr Künstlernachname es verdeutlicht: Sargnagel, ihr bürgerlicher Nachname lautet Sprengnagel, dass auch nicht viel besser ist. Von einer Freundin wurde sie mal als Sargnagel bezeichnet, seitdem nennt sie sich so.1  
     Auch wenn in ihr viele so etwas wie eine Kunstfigur sehen, wahrscheinlicher ist, dass sie sich so gibt wie sie ist, mit frecher Wiener Schnauze.

Sie ist die moderne Variante vom Tellerwäscher zum Millionär, ok, mit den Millionen hapert es noch ein wenig, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden, aber bekannt ist sie wie ein bunter Hund, ihr Markenzeichen: rote Kappe, nur das sie keinen Wein zu ihrer Großmutter bringt, sondern lieber das Bier selber trinkt. Facebook war seit 2007 ihre Anlaufstelle, in dem sie gepostet hat und zwischendurch wird sie ab und zumal gesperrt. Zu frech sind ihre Bemerkungen über Politiker und was sich sonst noch so in der Öffentlichkeit schon mal herumtreibt. Die Schulbank hat sie nur ungern gedrückt, bislang konnte sie kein Studium wirklich überzeugen und ist gerne Langzeitstudentin, zur Zeit ist sie an der Akademie der Bildenden Künste in Wien eingeschrieben, hat im Callcenter gearbeitet, sich als Cartoonistin durchgeschlagen. Zurzeit unterrichtet sie in Linz Comiczeichnen. Ihre künstlerischen Fähigkeiten sind vor allem von dem Maler Manfred Deix geprägt worden.2  Sie schreibt Artikel für das Lifestylemagazin Vice3  und berichtet im Bayerischen Rundfunk über Großveranstaltungen in Bayern und anderswo. Besonders gern mag sie die Kinder- und Jugendbuchautorin Christine Nöstlinger, da diese den Stil des nüchternen Realismus beherrscht.2b 
    Ausschlaggebend für die Facebook-Einträge war das Callcenter, dass sie offensichtlich nicht ernst nehmen konnte und sie genervt hat. Ihre Facebook-Einträge über das Callcenter sind in dem Buch Binge Living – Callcenter Monologe zusammengeführt worden. Dafür hat sie nun die Bescherung, aber sie weiß, wie man dem Ganzen einen oben Drauf setzen kann. Im letzten Jahr schrieb sie in das Gästebuch vom Bachmann-Wettbewerb „Nächstes Jahr komm` ich!“, nachzulesen bei Wienerin.4  Voilà und da ist sie nun. Aber den Wettbewerb darf sie auch nicht gewinnen, da sie die Ansicht vertritt: „Ich finde, Erfolg würde die Pointe in meiner Biografie kaputt machen“, waren mal irgendwann, irgendwo ihre Worte.

Auf dem roten Stuhl | Stefanie Sargnagel „Ich habe gerne Prominente beleidigt

 

Der Bachmann-Wettbewerb

Die einzige Österreicherin, Stefanie Sargnagel, war die erste, die ihren mitgebrachten Text mit dem Titel Penne vom Kika beim Bachmann-Wettbewerb 2016 vortrug. Sie las ruhig und betont, schon fast zu ruhig wenn man es mit dem vergleicht, was über sie in den Medien geschrieben und gesagt wurde. Sie gilt als natürlich, scheint nichts Überkanditeltes an sich zu haben, doch beim Bachmann-Wettbewerb war von ihrer Coolness nichts zu sehen und zu spüren.

Vorgestellt wurde sie beim im Rahmen der 40. Tage der deutschsprachigen Literatur mit ihrem eigenem Videoclip

In Penne vom Kika beschreibt sie eine Person aus der Perspektive einer Ich-Erzählerin, die sich die Freiheit wünscht, aber sich nicht sicher ist, ob sie nicht doch ein ganz normales, alltägliches Spießerleben führen möchte.

Zitat aus: Penne vom KikaAuszug:
Ich bin ja jetzt Autorin, und mit jedem Euro, den ich dadurch verdiene, wird mein inneres Poesievögelchen schwächer. Es schluckt die Münzen gierig, bis es nicht mehr fliegen kann, weil sie so schwer sind, und so landet es Flügelschlag für Flügelschlag auf dem Boden der Realität, auf dem es keine Phantasie gibt, nur Energydrinks und Umsatzsteuern.“

Stefanie Sargnagel beim Bachmann-Wettbewerb 2016:
> Preisverleihung
> Lesung

Hubert Winkels, Vorsitzender der Jury beim Bachmann-Wettbewerb bezeichnete die vorgetragene Prosa als Subsubsubkultur, wie vor 40 Jahren. Er verglich es mit Texten von Rainald Maria Goetz und kam zu der Überzeugung, dass die Struktur zwar Ähnlichkeiten aufweist, aber keine Kopie ist, dass die Schriftstellerin auf der Suche nach dem Gral sei. Sein Statement: „nicht ganz neu, aber gut gemacht.“
     Auch die Jurorin Sandra Kegel stieß in dasselbe Horn, auch sie war von dem Text angetan, vor allem von dem monströsen ICH, dass sich aber nicht über die anderen Figuren erhebt. „Da kann der Faust einpacken.“

Melanie Kurz
© read MaryRead

Lebensbilder

 

Bisher erschien von Stefanie Sargnagel:
2013: Binge Living – Callcenter Monologe; in: redelsteiner dahimène edition, Wien
2014: In der Zukunft sind wir alle tot. Neue Callcenter-Monologe; in: mikrotext, Berlin, Hinweis: nur als E-Book erhältlich
2015: Fitness; in: redelsteiner dahimène edition, Wien 2015

Stefanie Sargnagel wurde bislang ausgezeichnet mit:
2016: BKS- Publikumspreis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb
2017, Mai – September: Klagenfurter Stadtschreiberin


1 Vgl. Solmaz Khorsand: Die Wohlstands-Verwahrloste, Wiener Zeitung – 29.11.2013, zuletzt besucht am 03.07.2016
2, b  Vgl. Christopher Wurmdobler: Prinzessin vom Popsch-Hof, News24.10.2015, zuletzt besucht am 03.07.2016
3  Überblick der Artikel von Stefanie Sargnagel im Vice, zuletzt besucht am 03.07.2016
4  VglAPA: Stefanie Sargnagel: „Erfolg würde nur die Pointe in meiner Biografie kaputt machen„, Wienerin17.06.2016, zuletzt besucht am 03.07.2016

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