Rezension zu „Die Königin der Farben“ von Jutta Bauer

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Literatur (Ausschnitt), weitere Angaben zum Bild () finden Sie hier, Aquarell: © Claudia Bröcher

Wieder da

it klangvoller und rührender Sprache wird in Die Königin der Farben, geschrieben und illustriert von der mehrfachen Preisträgerin Jutta Bauer, die Grundfarben den Kindern näher gebracht.

Könige haben ihre Untertanen, meistens gehören sie derselben Art des Königs an. Bei der Königin Malwida verhält es sich anders: sie ist ein Mensch und ihre Untertanen sind die Farben, ruft sie nach dem Blau, kommt auch das Blau. Aber Farben haben die Eigenschaft, dass sie alles und nichts sein können. Blau kann der Himmel sein, aber auch das Wasser oder der Pullover des Nachbarn. Zudem können sie mal angenehm und mal störend sein, wie das Gelb. Wenn die Sonne scheint, mögen wir die Wärme, doch wird es zu heiß, kann sie sogar Pflanzen verdorren und Tiere verdursten lassen. Es ist also gar nicht so einfach, die Kontrolle über die Farben zu behalten.

Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis, rotes Pferd1996 kam das Kinderbuch zuerst als Animationsfilm heraus und zwei Jahre später erschien es in Buchform im Beltz & Gelberg Verlag. Jutta Bauer konnte mit dem Film die Jury von Emil überzeugen und erhielt 1997 den deutschen Kinderfernsehpreis.
     Auch für das Bilderbuch wurde sie mehrmals ausgezeichnet. Sie erhielt dafür 1998 den Troisdorfer Bilderbuchpreis, Oktober 1998 bekam das Buch die Auszeichnung Luchs des Monats und 1999 den Kinderbuchpreis des Ministeriums für Stadtentwicklung, Sport, Kultur des Landes NRW und das Buch wurde im gleichen Jahr für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.
    
All diese Auszeichnungen sind zurecht, denn Jutta Bauer gelingt eine Poesie in Wort und Bild. Die Königin wird sehr einfach mit Tusche dargestellt, dass es sich um eine Königin handelt, wird erst durch den Text deutlich, anhand des Bildes könnte es sich um eine x-beliebige Frau handeln. Die Farben sind mit Buntstift in der Machart von Kindern. In den monoszenischen Darstellungen wendet Jutta Bauer alle drei möglichen Varianten eines Bilderbuchs an: Parallelität von Text- und Bildebene, Illustrationen zur Vertiefung des Textes und das Prinzip des geflochtenen Zopfes. Dass alle drei Varianten in einem Kinderbuch zu finden sind, ist eine Rarität. Fast in der Mitte der Handlung wird die 0000 Farbexperimente und Spiele_PlakatKönigin über eine Farbe nicht mehr Herr: Sie kann der Farbe Grau befehlen was sie will, es verschwindet nicht. Diese Stelle ist in der typischen Weise von Comic, es unterstreicht die Hilflosigkeit von Malwida.
     Faszinierend ist auch der Name Malwida. Man kann es nicht so richtig einfangen, soll es eine Aufforderung sein: male wieder, oder ist es eine Feststellung: mal wieder. Möglicherweise treffen beide Deutungsmöglichkeiten zu. Am Ende des Buches gibt es den Platz, um selber den Stift in die Hand zu nehmen und ein Bild zu malen. Mit „mal wieder“ könnte gemeint sein, dass die Farben da sind, bevor das Grau kommt, durch das Grau verschwinden sie aber. Das macht die Königin sehr traurig und sie beginnt zu weinen. Nach und nach verschwindet das Grau und an dessen Stelle tauchen die Farben wieder auf.

Anhand der Illustrationen und anhand der Namensgebung wird die Raffinesse des Buches deutlich. Die Einfachheit der Sprache und der Zeichnungen kann mit dem Kinderbuchklassiker Das kleine Blau und das kleine Gelb von Leo Lionni vergleichen. In beiden Fällen steckt hinter der simplen Machart ein geniales Konzept. Nicht umsonst wird das Buch vom SchauHör Verlag zweisprachig herausgegeben und nicht umsonst hat der Beltz & Gelberg Verlag es mal wieder neu aufgelegt.

 Mehr zum Thema Farben:
> Rylance, Ulrike: Der Farbenverdreher
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> Peng & Hu: Hirameki
> lit.Cologne: Literatur ins Museum gefallen
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Um aber die Poesie, die Raffinesse und die Selbsterfahrung des Malens erleben zu können, braucht man unbedingt dieses wirklich hervorragende zweisprachige Bilderbuch. Andreas Platthaus von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schrieb: „Jutta Bauer hat den deutschen Bilderbuch-Thron 1998 mit Die Königin der Farben bestiegen.“1 Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

 © read MaryRead 2016

Kinderbuch

 

In den Sprachen erhältlich:
DeutschEnglisch: Die Königin der Farben – The Queen of Colours / ISBN 978-3-940106-10-0
DeutschPolnisch: Die Königin der Farben – Królowa Kolorów / ISBN 978-3-940106-13-1
DeutschRussisch: Die Königin der Farben – Королева Цветов / ISBN 978-3-940106-14-8
DeutschTürkisch: Die Königin der Farben – Renklerin Kraliçesi / ISBN 978-3-940106-12-4

 

Rezension, Buchbesprechung, Literaturkritik,Bilderbuch, ab 5 JahreJutta Bauer: Die Königin der Farben
Illustration: Jutta Bauer
Alter: ab 5 Jahre
gebunden
erschien: 19.02.2014 (erstmals 1998 in Beltz & Gelberg Verlag)
Verlag: SchauHör Verlag
Preis: 12,95 € (D), 13,40 € (A)

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1 (): Andreas Platthaus: Königin im Reich der Farben, Goethe-Institut e.V., Mai 2012, zuletzt besucht am 09.08.2016 


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