ZeitFenster: Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig 2007

Geschichte, deutsche Historie, Fenster, blauer Rahmen, schwarz-weiß Bild, Collage, grau-blauer Hintergrund, roter Schriftzug,

Vierte Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek

Am 4. Dezember 2007 wurde der Grundstein für die inzwischen vierte Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig durch die damalige Bundesregierung gelegt. Der damalige Staatsminister Bernd Neumann hielt bei der Grundsteinlegung eine Rede, die im kompletten Wortlaut unten wieder gegeben wird.
     Gabriele Glöckler aus Stuttgart, Siegerin in einem europaweiten Ausschreibungswettbewerb im Jahr 2002, hat die Erweiterung entworfen und mit der Arbeitsgemeinschaft mit dem Büro ZSP Architekten geplant und durchgeführt. Insgesamt sind es 14.000 Quadratmetern, die sich auf neun Stockwerke, davon befinden sich drei unterirdisch, erstrecken. Das Hauptgebäude von 1912 wurde mit dem Neubau und dem Bücherturm von 1982 miteinander verbunden.

Rede von Staatsminister Bernd Neumann zur Grundsteinlegung der Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek

Untertitel der Rede: Zur Grundsteinlegung der Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig am 4. Dezember 2007 betonte Staatsminister Bernd Neumann die Bedeutung der umfangreichen Bestände der Bibliothek für die Bewahrung des nationalen Kulturerbes.

Anrede: Anrede,
im Namen der Bundesregierung begrüße ich Sie herzlich zur Grundsteinlegung auf der Baustelle für den vierten Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig.

Alle Kulturnationen der Welt unterhalten Nationalbibliotheken. Sie sammeln und archivieren die gesamte Literatur des jeweiligen Sprachraums, verzeichnen sie systematisch und halten sie für die Benutzung bereit. Die Bewahrung des nationalen Kulturerbes ist eine Aufgabe, der die Bundesregierung eine zentrale kulturpolitische Bedeutung zumisst. Eine Schlüsselstellung nimmt dabei die Deutsche Nationalbibliothek mit ihren umfassenden Beständen ein. Die Deutsche Nationalbibliothek ist das Gedächtnis der Kulturnation Deutschland. Mehr als 23 Millionen Medieneinheiten lagern in den Magazinen an den Standorten hier in Leipzig und in Frankfurt am Main.
     Mit dem Deutschen Musikarchiv, das sich derzeit noch in Berlin befindet, unterhält die Deutsche Nationalbibliothek darüber hinaus die zentrale Sammlung von Musikalien und Tonträgern und das musikbibliografische Informationszentrum Deutschland. Der Erweiterungsbau, für den wir heute den Grundstein legen, wird auch für diese Sammlung Magazinfläche bieten.

Meine Damen und Herren,
Sammeln, Archivieren, Verzeichnen und Nutzbar machen: Die klassischen Felder des Bibliothekswesens stellen die Einrichtungen heute vor ganz neue Herausforderungen. „Sammeln und Archivieren“ heißt in Zeiten, in denen immer mehr Publikationen digital und nicht mehr in gedruckter Form erscheinen, etwas ganz anderes, als Bücher in Regalen aufzubewahren. Auch diese digitalen Publikationen gehören zum kulturellen Erbe. So ist es nur konsequent, dass die Deutsche Nationalbibliothek seit der Novellierung des Gesetzes 2006 auch für Netzpublikationen zuständig ist.
    
Neben den neuen digitalen Medien hütet die Deutsche Nationalbibliothek aber auch einen bedeutenden Schatz von Autographen. So hatte ich vor nicht allzu langer Zeit die Gelegenheit, Briefe von Albert Einstein und von Stefan Zweig in Händen zu halten. Auch für die Erhaltung dieser herausragenden Kostbarkeiten muss auf Dauer gesorgt werden. Darum wird für das Deutsche Buch- und Schriftmuseum gleich mitgebaut.
    
Das Sammeln und Erhalten des schriftlichen kulturellen Erbes ist zudem eine Aufgabe, die heute die nationalen Grenzen überschreitet. Die Bundesregierung unterstützt darum die EU-Initiative „Europäische Digitale Bibliothek“, in die die Deutsche Nationalbibliothek sowohl ihr Know-how als auch ihre elektronischen Bestände einbringt.
    
Bibliotheken sind heute bundesweit vernetzt. Als nationalbibliografisches Zentrum ist die Deutsche Nationalbibliothek Dienstleister für alle Bibliotheken in Deutschland. Und sie ist Anlaufstelle für Nutzer aus der ganzen Republik, ein lebendiges Wissenszentrum auch und gerade in der modernen, elektronischen Welt. Um mehr Platz für die rund 300.000 Medieneinheiten zu schaffen, die jährlich dazu kommen und um den Nutzern eine angenehme Umgebung zu geben, entsteht nunmehr der vierte Erweiterungsbau seit 1916, zu dem wir heute den Grundstein legen. Die über 50 Mio. Euro aus meinem Haushalt sind ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zur Nationalbibliothek und zum Standort Leipzig.
    
Nach dem Entwurf der Architektin Gabriele Glöckler entsteht ein Bibliotheksgebäude auf höchstem architektonischen und technischen Niveau. Die elegante und städtebaulich einfühlsame Architektursprache des Erweiterungsbaus wird die vielfältigen Aufgaben der Deutschen Nationalbibliothek und auch ihre Bedeutung für die Stadt Leipzig sinnfällig machen.

Ich freue mich, gleich den symbolischen Hammerschlag vorzunehmen und wünsche den Verantwortlichen eine glückliche Hand und viel Erfolg für die Bauzeit.

– Bernd Neumann –

Offiziell wurde die Erweiterung am 7. Mai 2011 abgeschlossen und am 9. Mai 2011 feierlich eingeweiht. Elisabeth Niggemann, die Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek, betonte bei der Einweihung die Doppelfunktion der Bibliothek als Archivbibliothek und als Dienstleistungseinrichtung und erläutert:

Uns war es wichtig, die Schätze und Leistungen der Deutschen Nationalbibliothek maximal sichtbar zu machen. Durch die transparente architektonische Gestaltung ist das gelungen.“

Die Stuttgarter Architektin Gabriele Glöckler sagte:

Der Erweiterungsbau schließt die historische Lücke zwischen dem prachtvollen Hauptgebäude und dem Bücherturm und verbindet sie zu einem Gesamtensemble. Mit dem Konzept Umschlag – Hülle – Inhalt, das der Gestaltung zu Grunde liegt, wird sichtbar auf die Funktion als Büchermagazin aufmerksam gemacht“, erläutert Glöckler. „Mit der Umsetzung der Vierten Goldbergvariation von Bach in abgestuft rote Fassadenelemente wird zugleich auf das Deutsche Musikarchiv und die Musiktradition der Stadt Leipzig angespielt“, führt Glöckler weiter aus.

MEHR ZUM THEMA:
> Speaking-Corner: Potenzial der Bibliotheken für Leseförderung von Kindern nutzen
> Speaking-Corner: Nacht der Bibliotheken
> Aytül Akal: Das gefräßige Buchmonster

Auf einer Hauptnutzfläche von 14.000 qm sind 10.600 qm Magazinfläche mit insgesamt 136 km laufenden Regalfachböden entstanden. Die hohen klimatechnischen Ansprüche einer konstanten Luftfeuchte von 50% bei 18 Grad Celsius im Büchermagazin werden mit einem innovativen Konzept zur Geothermienutzung verbunden. 48 Erdwärmesonden reichen mit insgesamt fast 6.000 Metern Bohrlänge 124 Meter in den Grund am Deutschen Platz und ermöglichen so eine Reduzierung der Energiekosten gegenüber konventionellen Methoden um rund 50%.
     Während der knapp vier Jahren Bauzeit für den Erweiterungsbau wurde auch der Bücherturm mit einer neuen Fassade versehen. Im Zuge der Integration der neuen Magazine in die Abläufe der Deutschen Nationalbibliothek wurden rund 170 Regalkilometer Medien umgesetzt. Die Bundesrepublik Deutschland als Bauherr wurde während des gesamten Planungs- und Realisierungszeitraums vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, Niederlassung Leipzig 1, vertreten. Die nutzerseitige Betreuung oblag dem Leipziger Direktor der Deutschen Nationalbibliothek Michael Fernau.

Die Deutsche Nationalbibliothek sammelt als größte deutsche Bibliothek alle deutschen und deutschsprachigen Medienwerke sowie Auslandsveröffentlichungen mit Bezug zu Deutschland. 1912 in Leipzig gegründet, hat sie heute Standorte in Frankfurt am Main und Leipzig. Ihr Bestand wächst jedes Jahr um rund 600.000 physische Medieneinheiten (Bücher, Zeitschriften, CDs, CD-ROMs, DVDs) und umfasst zurzeit rund 26 Millionen Werke, auf die jährlich von mehr als 226.000 Lesesaalbenutzern zugegriffen wird. Zur Deutschen Nationalbibliothek gehören auch das Deutsche Musikarchiv, das Deutsche Buch- und Schriftmuseum und das Deutsche Exilarchiv 1933 – 1945.

Insgesamt hat der Neubau in etwa 59 Millionen Euro gekostet.

– Deutsche Nationalbibliothek, read MaryRead –
© read MaryRead 2017

Ankerlichtung

Home > Ankerlichtung > Knotenpunkte > Literatursalon: Am Ende des Jahres 2017ZeitFenster: Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig 2007


Weiteres

Deutsche Akadmie für Kinder- und Jugendliteratur, read Mary Read, Literaturmagazin, Volkach, Maurits Cornelis Escher, Hauswand, WetzlarSpeaking-Corner:
Zum Geburtstag von Paul Maar: Ausstellung
Vom Sprachmeertauchen und Wunschpunkterfinden: Paul Maars Erzählwelt zwischen Kunst, Poesie und Pop-Kultur 
mehr > 29.12.2017

Statistik, Euro, read Mary Read, Literaturmagazin, Redner, gelb, rot, grau, blau-grau, bunte Statistik,Speaking-Corner: Weihnachtsgeschäft 2017: Verlauf und Bilanz
Alles gut?
Kurz nach dem ersten Advent, am 05.12.2017 gab der mvb in einermehr > 28.12.2017

Martin Luther, Bundesregierung, CDU, Siegen, Geisweid, Talkirche, Mototrrad, mittendrin, GemeindehausSpeaking-Corner: Eröffnung des Reformationsjahres 2016
Rede von Staatsministerin Grütters zur Eröffnung des Reformationsjubiläums
 … mehr > eingestellt am 31.10.2017


Treffpunkt Literatur

Immer gut informiert sein. Melden Sie sich bei unserem kostenlosen Service read MaryRead – Treffpunkt Literatur an.


Service: