Bachmann-Wettbewerb 2019: Eröffnungsrede

Klagenfurter Rede, Kayfabe und Literatur

43. Tage der deutschsprachigen Literatur – Ingeborg Bachmannpreis 2019, Eröffnung mit Klagenfurter Rede von Clemens J. Setz │© Johannes Puch, ORF

20. Klagenfurter Rede: Das Omen am Wörthersee

Kleinlich sollte man nicht sein, so wurde es unsereins von Kindesbeinen an beigebracht. Zuweilen kann eine gute Erziehung hinderlich sein, zumal dann, wenn einem das eine oder andere ins Auge springt. Somit werde ich meine Kinderstube auf Seite schieben, so tun, als hätte ich sie nie genossen.

MEHR ZUM THEMA:
> Märchenakademie Bamberg (gegründet von Michael Beyer)
> Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2018: Am Vorabend der Preisverleihung

> Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2018: Erster Tag

Mit der Ausgabe von den 43. Tagen der deutschsprachigen Literatur stehe ich auf Kriegsfuß, nicht, weil sich irgendetwas im Ablauf geändert hätte. Die Autor*innen werden wie gewohnt ab Donnerstag, den 27. Juni bis Samstag, den 29. Juni, ihre mitgebrachte Prosa vortragen, die Juroren werden anschließend über den Text sprechen, zwischen gut und weniger gut entscheiden und am Sonntag werden dann die Preise (Ingeborg-Bachmann-Preis und Co.) verliehen. Daher rührt nicht mein Unbehagen. Vielleicht ist Unbehagen auch nicht das richtige Wort, denn eigentlich bin ich besorgt, da es dieses Mal keine gerechte Entscheidung geben kann. Es geht um die „Vierte Wand“, zwar nicht derart wie Clemens J. Setz am Mittwoch Abend (26.06.2019) sich in der 20. Klagenfurter Rede „Kayfabe und Literatur“ äußerte und doch kommt es dem Nahe. Die Vierte Wand ist laut dem Redner von Klagenfurt dem Theater entlehnt und bedeutet soviel wie die unsichtbare Barriere zwischen Schauspieler und Publikum.
     Für das Publikum ist nicht erkennbar, dass sich die Jurorin Nora Gomringer und der Schriftsteller Martin Beyer schon lange kennen und zusammenarbeiten. Das wäre nicht weiter nennenswert, wenn sie ihn zum Bachmann-Wettbewerb eingeladen hätte, doch die Einladung erfolgte durch Michael Wiederstein. Egal wie man es dreht und wendet, für alle Beteiligten ist dies unangenehm. Martin Beyer hat von vornherein zwei Juroren, die ihn verteidigen werden, sollte Nora Gomringer sich wider erwarten anders verhalten, so bleibt ein merkwürdiger Beigeschmack zurück. Es ist durchaus möglich, dass sie bei Martin Beyer besondere Strenge an den Tag legt, sollte sie hingegen von seinem Text überzeugt sein, bleibt der Eindruck zurück, dass sie ihn verteidigen muss. Es handelt sich quasi um das klassische „Kayfabe“. Clemens J. Setz hat in seiner Rede genau beschrieben, was es mit diesem Wort auf sich hat. „Kayfabe“ ist eine Umschreibung von der „Wahrung der Vierten Wand“. Kayfabe ist der Wrestlingwelt entlehnt. In dieser Welt dürfen die Schauspieler*innen ihre Rolle nicht verlassen, auch nicht im Privaten, dass freilich zu absurden Handlungen führt. Wer das genauer wissen möchte, sei auf die Klagenfurter Rede ()Kayfabe und Literatur“ verwiesen. Nora Gomringer kann sich ihrer Rolle als Jurorin nicht entziehen, sie müsste so tun, als würde sie Martin Beyer genauso wenig kennen, wie alle anderen auch. Wenn überhaupt, gibt es aus diesem Dilemma nur einen Ausweg: Martin Beyer müsste den Großteil der Juroren auf Anhieb überzeugen, nur dann wäre eine Entscheidung glaubhaft. Warum man sich dieses Ei ins Nest gelegt hat oder sich hat legen lassen, ist mir ein Rätsel. Ob gewollt oder nicht, Clemens J. Setz hat mit seiner Rede das Omen dieses Wettbewerbs am Wörthersee schon ausgesprochen.

© read MaryRead 2019

► Bordbuch

Ablauf der nächsten Tage:

Donnerstag, 27. Juni:
10.00 Uhr Katharina Schultens: Urmünder (Romanausschnitt), eingeladen von: Insa Wilke
11.00 Uhr Sarah Wipauer: Raumstation Hirschstetten, eingeladen von Klaus Kastberger
12.00 Uhr Silvia Tschui: Der Wod (Romanausschnitt) eingeladen von: Nora Gomringer
13.30 Uhr Julia Jost: Unweit vom Schakaltal, eingeladen von Klaus Kastberger
14.30 Uhr Andrea Gerster: Das kann ich, eingeladen von: Hildegard Elisabeth Keller

Freitag, 28. Juni:
10.00 Uhr Yannic Han Biao Federer, eingeladen von Hildegard E. Keller
11.00 Uhr Ronya Othmann, eingeladen von Insa Wilke
12.00 Uhr Birgit Birnbacher, Der Schrank, eingeladen von Stefan Gmünder
13.30 Uhr Daniel Heitzler, eingeladen von Hubert Winkels
14.30 Uhr Tom Kummer, eingeladen von Michael Wiederstein

Samstag, 29. Juni:
10.00 Uhr Ines Birkhan, eingeladen von Nora Gomringer
11.00 Uhr Leander Fischer, eingeladen von Hubert Winkels
12.30 Uhr Lukas Meschik, eingeladen von Stefan Gmünder
13.30 Uhr Martin Beyer, eingeladen von Michael Wiederstein

Sonntag, 30. Juni:

11.00 Uhr Preisverleihungen:
                    – Ingeborg-Bachmann-Preis
                    – Kelag-Preis
                    – 3sat-Preis
                    – Ernst-Willner-Preis
                    – Deutschlandfunk-Preis
                    – Publikumspreis

Home > Bordbuch > Hafenberichte > Speaking-Corner > Bachmann-Wettbewerb > Bachmann-Wettbewerb 2019: Eröffnungsrede


21.
Aug. ´19

13.
Aug.´19

27.
Aug. ´19

Bilderbuch, ab 5 Jahre:
Iris Anemone Paul: Polka für Igor

deutsche Literaturwissenschaftlerin:
Dossier: Regina Pantos

Orient, Gitarre, Musik,
Literaturwissenschaftlerin, Till Eulenspiegel, Clown, Nacht der tausend Lichter, Märchen, märchenhaft
Regina Pantos, Tobias Scheffel,
Slider

Buchcover, Ehering, Spiegel, read MaryRead, Literaturmagazin online
Sarkophag, rot, Buchcover,
Zum Downloaden:
Autobiografischer Roman
Drama, braun, rot, Häuser, read MaryRead, Literaturmagazin online
Slider