„Goethes Faust & Einsteins Haken“ von Annika Brockschmidt und Dennis Schulz

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Auch hier keine Antwort –
Der Kampf der Wissenschaften mal anders und doch immer gleich

Geistes- gegen Sozialwissenschaften. Seit man sich von der Vorstellung einer Universalen Bildung und einer untrennbaren Wissenschaft in die Kleinstaaterei hochspezialisierter Disziplinen begeben hat, ist es ein Thema, das immer wieder Generationen von Studierenden und Drittmittelvergabestellen umtreibt: Was ist eigentlich cooler, die Geistes- oder die Naturwissenschaften?
     Auch das Buch „Goethes Faust & Einsteins Haken“ gibt darauf natürlich keine Antwort, aber es inszeniert mit jedem Kapitel einen Boxkampf zu einem speziellen Thema aus der Wissenschaftshistorie und lässt jeweils prominente Kämpfer gedanklich in den Ring steigen. So werden unter dem jeweiligen Schwerpunkt unterhaltsame Fakten und Anekdoten präsentiert, die jede Freistunde oder Bahnfahrt zur Bibliothek heiter und informativ gestalten.
    
Die Autoren Annika Brockschmidt und Dennis Schulz beleuchten hier unter anderem die „krassesten Irrlehren“, die „größten Übeltäter“, aber auch die bekanntesten Zitate oder die schillerndsten Gestalten.
    
Ob es dabei der immer wiederkehrenden Boxkampf-Metaphorik bedurft hätte, sei dahingestellt. Junge, hippe Studierende werden sich wohl daran erfreuen können. Für solche Leser, die schon ein wenig länger in ihrem wissenschaftlichen Kleinstaat unterwegs sind, sind womöglich nur die Anekdoten von der „anderen Seite“ noch eine Überraschung, was allerdings den Unterhaltungswert der Lektüre kaum schmälert. Über einen Punkt kann und muss man allerdings streiten: die inkonsequente Darstellung der Geisteswissenschaften innerhalb dieses Buches. Recht früh wird großzügig eingeräumt, dass für den Bereich Geisteswissenschaften auch beispielsweise historische Gestalten „in den Ring steigen“ dürfen. So wird als eine der schillernden Gestalten der Geisteswissenschaft Ludwig II. Von Bayern ins Feld geführt, um nur ein Beispiel zu nennen. Seine schillernde Art wird ihm wohl keiner absprechen, aber ihn und andere Könige und Feldherren als Beispiel für die Schlagkraft der Geisteswissenschaft anzuführen, kann man wohl durchaus als strittig bezeichnen. Aber um den Streit geht es ja im ganzen Buch…

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Ansonsten schafft es das Buch trotz aller nach außen getragener Disharmonie zum einen, die verschiedenen wissenschaftlichen Gebiete und Persönlichkeiten, die genannt werden einfach und locker darzustellen, so dass auch Nichtakademiker und Einsteiger nicht nur verstehen, sondern sich auch interessieren. Zum anderen zeigen die Autoren auf subtile Weise, dass die beiden großen – angeblich so gegensätzlichen – Wissenschaftsbereiche im Grunde in vielen Punkten nicht getrennt voneinander betrachtet werden können. Der ganze Boxkampf ist zu keinem Zeitpunkt wirklich darauf angelegt wirklich einen Sieger hervorzubringen. Da sich dies im Grunde von Beginn an erschließt, ist es wohl keine allzu schändliche Vorwegnahme, an dieser Stelle zu erwähnen, dass am Ende im Boxring kein Sieger gekürt wird, denn die Wissenschaft ist der Sache nach eins, weil ihre Gegenstände selbst nicht sinnvoll isoliert voneinander betrachtet werden können und jede Trennung und Disharmonie geht nur darauf zurück wie wir selbst sie einteilen.

– Simone Jawor –
© read MaryRead 2018

Rezensionen

Rezension, Buchbesprechung, Literaturkritik, Sachbuch, Naturwissenschaft, GeisteswissenschaftAnnika Borckschmidt, Dennis Schulz: Goethes Faust & Einsteins Haken
Taschenbuch
224 Seiten
Format (H x B x T): 191 x 126 x 15 mm
Gewicht: 452 g
erschien: 21.07.2017
Verlag: Rowohlt
ISBN 978-3-499-63270-9
Preis: 9,99 € (D), 10,30 € (A)
E-Book: 9,99 € (D, A)

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