„Elizabeth und ihr deutscher Garten“ von Elizabeth von Arnim

England, Gartenbau, Pflanzen, englisches Herrenhaus, Romantik,

Deutsche Romantik im englischem Herzen

Tagebuch, Autobiografie und Fiktion. Drei Genres, ein Buch

Die erste Frage, die einem nach der tagebuchartigen Lektüre von Elizabeth von Arnim sich stellen könnte, ist, wie sehr man sich von der sogenannten deutschen Leitkultur verleiten lässt.

Elizabeth ist eine tüchtige Frau, die ihren Herzenswunsch – ein schönes Haus mit einem Garten – sich erfüllt hat. Als sie beginnt, den jahrelangen verwilderten Garten zu bearbeiten, lässt sie sich von schönen Gärten verzaubern. Aber bis ihr eigener Garten soweit ist, muss sie noch einen langen Weg gehen und viel lernen.
     Die Vorfahren von Elizabeth sind Engländer, sie heiratete 1891 den Grafen Henning August von Arnim-Schlagenthin. 1898 erschien von ihr der Roman „Elizabeth and her German Garden“ unter dem gleichnamigen Pseudonym, der sie quasi über Nacht berühmt machte. Schon in den ersten acht Monaten erzielte das Buch 21 Auflagen.
    
Das Tagebuch beginnt an einem 7. Mai und endet im Folgejahr am 18. April, demnach wird ein Jahr lang der Prozess im Garten mit persönlichen Eindrücken begleitet.
    
Elizabeth ist in ihrem weitläufigem Wohnort eine Exotin, weniger durch ihr Aussehen, vielmehr durch ihr großes Interesse an ihrem Garten und der Natur im Allgemeinen, Klatsch und Tratsch hingegen interessiert sie überhaupt nicht, das bunte Stadtleben lässt sie völlig kalt.
    
Elizabeth und ihr deutscher Garten“ ist ihr Debütroman. Auch wenn es durch den Rittergut Nassenheide, Sammlung Dunckertagebuchartigen Aufbau wie ein Ausschnitt einer Autobiografie anmutet, zumal ihr Vorname Elizabeth an der einen oder anderen Stelle auftaucht und die Handlung aus der Ich-Perspektive geschrieben ist, so bleibt bis heute unklar, was Fiktion und was Biografie ist.
    
Man erfährt einiges über Pflanzenarten, welchen Platz sie im Garten bevorzugen, eine Anleitung für den Gartenbau ist es jedoch nicht. Der Funke ihrer Begeisterung bleibt nicht zwischen den Buchdeckeln haften, es drängt einen, wieder in den eigenen Garten zu gehen und Hand anzulegen oder sich die Gärten der anderen genauer anzuschauen.

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Der bürgerliche Geburtsname lautet Mary Annette Beauchamp. Unsereins verbindet mit ihrem Nachnamen „von Arnim“ unweigerlich die beiden deutschen Romantiker und Ehepaar Achim und Bettina von Arnim. Beide hießen eigentlich anders: Achim erhielt bei seiner Geburt den Vornamen Ludwig Joachim und die geborene Brentano Anna Elisabeth. Inwiefern der Autorin über den deutschen Garten bei der Wahl ihres Pseudonyms das Verhalten ihrer Namensvetter bewusst war, wissen wir derzeit nicht, auffällig jedoch ist, dass sie ihren Vornamen ähnlich änderte, ja, sogar die englische Variante von Elisabeth wählt.
    
Und so greift man zu dem Buch, weil man sich vom deutschen bekannten Dichter-Nachnamen verleiten lässt. Ist man anschließend enttäuscht? Keineswegs. Elizabeth von Arnim kann hervorragend erzählen und macht ihren Namensvettern alle Ehre.


© read MaryRead 2017

► Belletristik

 

Tagebuch, Biografie, Roman, Buchbesprechung, Literaturkritik, Rezension, Edition fünf,Elizabeth von Arnim: Elizabeth und ihr deutsche Garten
Originaltitel: Elizabeth and her German garden
Übersetzung aus dem Englischen: Hans-Ulrich Möhring
Nachwort: Karen Nölle
Roman
152 Seiten
gebunden
Format (H x B x T): 197 x 133 x 16 mm
Gewicht: 275 g
erschien: 01.09.2014
Verlag: Edition fünf
ISBN 978-3-942374-47-7
Preis: 18,90 € (D), 19,50 € (A)

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