zum 230. Geburtstag: Wilhelm Grimm

Es war einmal… Wilhelm Grimm!

Es war einmal ... Wilhelm Grimm

Doppelporträt der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, genannt Die Brüder Grimm, links Wilhelm Grimm, rechts Jacob Grimm, Öl auf Leinwand, Elisabeth Jerichau-Baumann 1855, Nationalgalerie Berlin

Es waren einmal, vor langer Zeit, zwei hessische Brüder. Die beiden waren gute Schüler und besuchten als junge Männer die Universität. Dort zeigte sich die beiden so begabt und interessiert in der Wissenschaft, dass sie beschlossen, ihr ganzes Leben nichts anderes mehr zu tun als zusammen zu forschen. Wer einen Bruder hat, möge kurz inne halten. Kann man sich überhaupt vorstellen, sein ganzes Leben so eng miteinander zu verbringen, wie die Brüder Grimm es taten? Entweder sie lebten miteinander oder beieinander, gingen selten getrennte Wege und wenn nur für kurze Zeit. Sie forschten miteinander, ihre Projekte bestritten sie zusammen. Beruflich wie privat waren die Brüder unzertrennlich, eine Einheit. Dass man von ihnen hauptsächlich als „die Brüder Grimm“ spricht, hat Gründe. Wer, außer einem interessierten, fachkundigen Publikum kennt überhaupt die einzelnen Vornamen? Wer darüber hinaus die unterschiedlichen Forschungsinteressen? Nach den Unterschieden im Lebenslauf zu Fragen, wird man gar nicht erst unternehmen. Natürlich kann man die Brüder Grimm auch einzeln denken, natürlich gibt es Unterschiede und selbstverständlich lohnt es sich, auch darüber zu reden. Aber für die Nachwelt sind sie „die Brüder Grimm“, zusammen sind sie groß geworden, als Einheit und durch ihre Einheit haben sie erreicht, was kaum jemand für sich zu hoffen wagt: sie gelten als Urheber gleich mehrerer wissenschaftlicher Richtungen und Disziplinen, sie haben dem entstehenden Deutschland ein umfassendes Wörterbuch gegeben (das sich die Deutschen dann freilich selbst weiterführen mussten), der Nation die eigene Sprache und Mythologie vor Augen geführt, die Grammatik festgeschrieben und deutsche Volks- und Hausmärchen in die Kinderzimmer der Welt getragen. Sie sind als Teil der Göttinger Sieben von Ihren Posten und aus Ihrem Land verjagt und als Protagonisten eigener Mythen verkitscht worden. Aber immer zusammen.

– Simone Jawor –
© read MaryRead 2016

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