Das Kom(m)ödchen wird 70 Jahre alt

Memory, Literaturgeschichte, Düsseldorf, Kabarett,

Inhaltsverzeichnis

> Couch. Ein Heimatabend
> Freaks. Eine Abrechnung
> Deutschland gucken
> Ein Schwank hinter der Bühne
> Aktuell

Einzelnachweise

Kabarett in Düsseldorf

Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs feierte am 29. März 1947 das Kom(m)ödchen in Düsseldorf Premiere. Gegründet wurde es von dem Ehepaar Kay und Lore Lorentz „im Hinterzimmer einer Düsseldorfer Kneipe“, „positiv dagegen…“ hieß das erste Programm. Am 27. April 1967 wurde dann das kleine Theater schon in neuen Räumlichkeiten den Gästen präsentiert. Zuvor fanden die Aufführungen im Hinterzimmer in der Hunsrückenstraße 20 statt, nun in der neu erbauten Kunsthalle mit dem Programm „20 Jahre Kassandra“. Nach dem Tod von Kay Lorentz übernimmt Lore Lorentz 1993 die künstlerische Leitung. Im September 1993 lautet das 60. Programm von Kom(m)ödchen „Verfassungslos“. Lore Lorentz stirbt am 22. Februar 1994.1
     Am 3. Oktober 1998 feiert das Programm „Die letzten tage von Erkrath“ mit Christian Ehring Premiere. Eine der größten Erfolge von Kom(m)ödchen wird 2003 mit dem Programm „kopfüber. Bunter Abend für Selbstmörder“ verzeichnet. Das 73. Programm „Couch. Ein Heimatabend“ feiert am 2. September 2006 Premiere.1b

Couch. Ein Heimatabend

Aus dem Pressetext:

Eine Wohnung in der Rückertstrasse Nummer acht, Düsseldorf. Ein erfolgloser Kabarettist, der dringend Witze schreiben muss für seinen abendlichen Auftritt beim „Verband kritischer Metzger“. Und sechs nervige, exzentrische Nachbarn, die ihn immer wieder von der Arbeit abhalten. Aus dieser Grundkonstellation entwickelt sich rund um die weiße Couch eine turbulente, dramaturgisch ausgefeilte Story, mit der Christian Ehring, Maike Kühl und Heiko Seidel schon über 80.000 Zuschauer in ihren Bann zogen. In sieben Rollen wirbeln die drei Protagonisten über die Bühne, kämpfen und leiden, analysieren und provozieren. Der wilde Stil-Mix zwischen Kabarett, Theater und Sitcom ist die erfolgreichste Produktion in der Geschichte des Düsseldorfer Kom(m)ödchens (Buch: Dietmar Jacobs und Christian Ehring, Regie: Hans Holzbecher).

„’Couch’ ist Lebenselexier für alle, die es satt haben, in der Politik nach Antworten für verkorkste Gesellschaftsstrukturen zu suchen. Es geht um das, was die Entscheidungen der Regierenden aus Menschen machen: steuerbare, unsichere und kranke Individuen. Heraus kommt ein Potpourri herrlich komischer Absurditäten, die verdammt nahe dran sind an der Wahrheit.“ (Süddeutsche Zeitung)

Freaks. Eine Abrechnung

Christian Ehring, Maike Kühl, Heiko Seidel , Freaks,

vlnr: Christian Ehring, Maike Kühl, Heiko Seidel / Foto: © Christian Rolfes

Aus dem Pressetext:

Eigentlich könnte die Sammy-Boehme-Show scharfe Fernsehsatire zur besten Sendezeit sein, wäre da nicht Sammy Boehme. Der Star der Sendung ist zwar beliebt, allerdings intellektuell eher sparsam ausgestattet. Bei ihm weiß die eine Gehirnhälfte oft nicht, was die andere denkt, und wenn es schlecht läuft, frönt Sammy seiner großen Leidenschaft: Er beginnt zu improvisieren. Keine leichte Aufgabe für das Autorenteam im Hintergrund den äußerst kapriziösen Star in der Spur zu halten und in mühsamer Kleinarbeit die Sammy-Boehme-Show zu dem zu machen, was sie sein sollte.
     Getreu dem Motto „never change a winning team“ geht das Trio Christian Ehring, Maike Kühl und Heiko Seidel mit seinem brandneuen dritten Programm an den Start. Die nächste
    
Hausproduktion wartet mit einer schrägen Story und neuen Charakteren auf und das natürlich in bester Kom(m)ödchen-Manier: Hochaktuelles Kabarett trifft auf skurrile Typen, Musik trifft auf Sitcom, Stand-up auf Theater. Und am Ende gibt’s Tote. Man darf gespannt sein!

Buch: Dietmar Jacobs und Christian Ehring
Regie: Hans Holzbecher
Premiere am 5. November 2011

Deutschland gucken

Martin Maier-Bode, Daniel Graf, Maike Kühl, Heiko Seidel, Deutschland gucken

vlnr: Martin Maier-Bode, Daniel Graf, Maike Kühl, Heiko Seidel / Foto: © Christian Rolfes

Bevor die Flüchtlingswelle nach Europa kam, bevor die Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren berühmten Satz „Wir schaffen das“ verkündete und ein Ruck durch Deutschland ging, nahm das Kom(m)ödchen das Thema der Identität schon vorher in ihrem Programm auf. Ausgangspunkt ist die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Im Pressetext heißt es: „Plötzlich entwickelt der Abend eine ganz neue Dynamik, und es geht nun um Fragen wie: Gibt es wirklich einen neuen, sympathischen Nationalismus? Gehen die Deutschen tatsächlich anders als die Gauchos? Und wie peinlich ist der Satz: „Ich bin Dieter und stolz Deutscher zu sein?“ Ohne Frage: sehr peinlich. Andererseits: Wenn man nun mal Dieter heißt? Wo früher wortloses Einverständnis war, scheint plötzlich alles in Frage gestellt: die jahrelange Freundschaft, aber auch Identitäten, Lebensentwürfe und das Nationalgefühl: darf man in Deutschland patriotisch sein? Oder ist man dann gleich Nationalist?“

Ensemble und Autoren

Die beiden neuen Ensemblemitglieder, der Schauspieler Daniel Graf sowie der Kabarettist und Autor Martin Maier-Bode bilden zusammen mit den Publikumslieblingen aus „Couch“, „Sushi“ und „Freaks“, Maike Kühl und Heiko Seidel, das neue Vierer-Ensemble.“
     Das Autorenteam: Dietmar Jacobs, Christian Ehring und Martin Maier-Bode.
    
Regisseur: Hans Holzbecher.

Am 23. Oktober 2014 wurde das Programm „Deutschland gucken“ im Kom(m)ödchen uraufgeführt und wird derzeit noch gespielt.

Ausschnitt:

Ein Schwank hinter der Bühne

Am 2. Januar 1952 berichtete der Spiegel über das Programm „Eisen und Stahl leicht anziehend – Tendenz lustlos“. Ganz in der Manier des Spiegels wird auch gerne über Abseitiges erzählt, so auch in dem Artikel „Das Publikum vernichten“. Der Spiegel schreibt:

Die Pointen müssen ein halbes Jahr frisch bleiben, denn Kom(m)ödchenprogramme haben Seltenheitswert und werden über Monate hinaus geplant, gesiebt, gefeilt, bis Kay Lorentz die Gags mit der Geduld eines Patiencenlegers ineinanderfügt.
     Bis jetzt ist es ihm erst einmal passiert, daß seine kabarettistische Aktualität von der Wirklichkeit überholt wurde. Das war bei der Autobahnsteuer. Der Sketch war fertig, aber kurz vor der Premiere wurde in Bonn die Steuer abgeblasen. „Wir hätten dem Schäffer 1000 DM gezahlt, wenn er sie durchgekriegt hätte.“ Auf der Suche nach einer Ersatzpointe telefonierten die Lorentzens alle Düsseldorfer Redaktionen an und fragten, was Schäffer außerdem noch plane. „Im Augenblick nichts“, war die Antwort. „Furchtbar“, stöhnte Lorentz, „er plant doch sonst immer was.““2

Aktuell

Das jüngste Hammerprogramm heißt „Deutschland gucken“ und werden gespielt von Maike Kühl, Heiko Seidel, Christian Ehring, Daniel Graf und Martin Maier-Bode. .“1c

– Daniela Walter –
© read MaryRead 2017

► Ankerlichtung

Das aktuelle Programm kann hier eingesehen werden (): Spielplan

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Einzelnachweise:

1, 1b: (): Kom(m)ödchen Theater, zuletzt besucht am 28.03.2017
1c: (): Kom(m)ödchen Ensemble, zuletzt besucht am 28.03.2017
2 (): Der Spiegel: Das Publikum vernichten, 02.01.1952, zuletzt besucht am 28.03.2017

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