GINT-Übersetzerpreis 2019

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Übersetzung von „Phantome des Kalten Krieges“ machte das Rennen

Die Sieger des dritten Geisteswissenschaften International Nonfiction Translation Prize (GINT) stehen fest. Aus mehr als 70 Einsendungen wählte die Jury zwei Preisträger:
Brían Hanrahan (1.500 US-Dollar) und Alan Robinson (1.500 US-Dollar)

Alan Robinson / Foto: © Hannes Thalmann

Alle zwei Jahre vergeben der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Frankfurt Book Fair New York den GINT-Übersetzerpreis. In diesem Jahr übersetzten die Gewinner einen Auszug aus Gerhard Sälters „Phantome des Kalten Krieges“, das sich mit der Entstehung des Bundesnachrichtendienstes und dessen anfängliche Verbindung zu ehemaligen Mitgliedern des NS-Regimes befasst. Die Übersetzungsförderung Geisteswissenschaften International stellt Fördermittel zur Übersetzung des Werks ins Englische zur Verfügung.

Die Jury über die Preisträger:

Beide Übersetzer haben Texte geschaffen, die Lesern einen faszinierenden Einblick in die Entstehung des Bundesnachrichtendiensts und die Rolle Reinhard Gehlens als eine Schlüsselfigur geben. Hanrahan und Robin beweisen mit ihrer präzisen Wortwahl gründliche Recherchearbeit sowie Geschick im Umgang mit wissenschaftlichen Vokabular und wissenschaftlichen Standards. Ihre Übersetzungen sind nicht nur leicht verständlich für englischsprachige Leser, sondern auch einladend und lehrreich gestaltet. Die beiden Übersetzungen stechen auf Grund Ihres konsistenten und eleganten Stils hervor.“

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Brían Hanrahan / Foto: © Brían Hanrahan

Der international besetzten Jury gehören an: Shelley Frisch, Übersetzerin und Juryvorsitzende, Sarah Pybus, Übersetzerin und Gewinnerin des ersten GINT-Preises 2015, Paula Bradish vom Verlag Hamburger Edition und ebenfalls Übersetzerin ins Englische sowie Emma Rault, die Gewinnerin des GINT-Preises 2017.
     Durch den Preis soll die Aufmerksamkeit englischsprachiger Wissenschaftler und Verlage auf herausragende deutsche geisteswissenschaftliche Monografien gelenkt werden. Damit ergänzt  der Preis die erfolgreiche Arbeit der Übersetzungsförderung, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zusammen mit der Fritz Thyssen Stiftung, dem Auswärtigen Amt und der VG WORT seit 2008 mit dem Programm Geisteswissenschaften International verfolgt.

Buchpräsentation „Geschichte des Bundesnachrichtendienstes“ – Diskussion

Für die aktuelle Ausschreibung der Übersetzungsförderung können noch bis 31. Januar 2019 Anträge eingereicht werden. Mehr unter (): Geisteswissenschaften International.

Pressemitteilung Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, 04.01.2019 –

Bordbuch

Gint-Übersetzerpreis 2019, Sachbuch, deutsche Geschichte,Gerhard Sälter: Phantome des Kalten Krieges
Die Organisation Gehlen und die Wiederbelebung des Gestapo-Feindbildes „Rote Kapelle“
Reihe: Reihe der unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des BND 1945-1968   Bd.2
Sachbuch
560 Seiten mit 13 schwarz-weiß Abbildungen
gebunden
Format (H x B x T): 210 x 169 x 38 mm
Gewicht: 331 g
erschien: 06.10.2016
Verlag: Ch. Links Verlag
ISBN 978-3-86153-921-6
Preis: 50,00 € (D), 51,40 € (A)

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(Teil 1), Fortsetzung Autobiografie:Theodor Fontane: Meine Kinderjahre (Autobiografie)

fragte ich. – »Kann ich durchaus nicht sagen.« – »Ich dachte, daß die Macht der Gewohnheit…« – »Diese Macht der Gewohnheit ist im Kriege, wenigstens nach meiner persönlichen Erfahrung, von keinerlei Trost und Bedeutung. Eher das Gegenteil. Man sagt sich, wer drei- oder viermal heil durchgekommen ist, hat Anspruch, das fünftemal dran glauben zu müssen. Eine Karte, die viermal gewonnen, hat immer Chance, das fünftemal zu verlieren.«
     Nach dem Waffenstillstande, bei Wiederausbruch der Feindseligkeiten, hatte sich meines Vaters Stellung erheblich geändert; er war inzwischen, ich weiß nicht, ob auf seinen Betrieb oder auf Antrag seines Vaters, aus dem Heere zurückgezogen und einer Feldlazarett-Apotheke zugewiesen worden. In dieser machte er nun den Rest des Krieges mit, sprach aber nie davon.
    
Sommer 1814 war er wieder in Berlin und begann nun in verschiedene Stellungen einzutreten, oder wie der Fachausdruck lautet, »zu konditionieren«. Zuerst in Danzig, das er mit der damaligen Fahrpost, wie er gern erzählte, in sechs Tagen und sechs Nächten erreichte. Die dort zugebrachte Zeit blieb ihm durchs Leben eine besonders liebe Erinnerung. Seinem Danziger Engagement folgten ähnliche Stellungen in Berlin selbst, bis 1818 die Zeit für ihn da war, sich zum Staatsexamen zu melden. Als er in den Vorbereitungen dazu war, lernte er unter Verhältnissen, über die ich auf den nächsten Seiten berichten werde, meine Mutter kennen und verlobte sich mit ihr.

Meine Mutter, Emilie Labry, wurde den 21. September 1797 als älteste Tochter des Seidenkaufmanns Labry, Firma Humbert und Labry, geboren. Handelsobjekt der Firma waren nicht gewebte Seidenstoffe, sondern Seidendocken, worauf meine Mutter Gewicht legte. Sie hielt die Docken für vornehmer als Zeug nach der Elle. Ob und wieweit sie darin recht hatte, kann ich nicht sagen; aber dessen entsinne ich mich deutlich, daß sie, vielleicht weil sie in hohem Maße den Sinn für Repräsentation hatte, von den Lebensgewohnheiten ihres Vaters, und zwar viel mehr als von seinem Charakter oder sonstigem Tun, mit einem gewissen freudigen Respekte sprach. Wenn wir als Kinder, und auch später noch als Halberwachsene, mit ihr bei Josty Schokolade tranken und dabei die kleinen, bräunlich gerösteten Korianderbiskuits, die so leicht zerkrümeln und abbrechen, vorsichtig eintunkten, unterließ sie nie, uns zu sagen: »Ja, seht, Kinder, solche Korianderbiskuits, daran hing euer Großvater Labry. Aber aus Schokolade machte er sich nichts. Er trank vielmehr jeden Tag um elf und um sechs ein Glas französischen Rotwein und aß dazu nichts als zwei solcher Biskuits, immer mit den zierlichsten Handbewegungen, und war überhaupt sehr mäßig. Ihr habt nichts davon geerbt, weder die Handbewegungen noch die Mäßigkeit.« Letzteres war nun allerdings sehr richtig, denn ich berechnete, während sie so sprach, wie viele Tassen ich wohl würde trinken können.
     Meine Großmutter mütterlicherseits, also die Mutter meiner Mutter, war eine geborene Mumme, von deren Familie ich nicht weiß, ob sie nicht, trotz ihres deutsch klingenden Namens, doch vielleicht mit zur Kolonie gehörte. Jedenfalls bildeten die Beziehungen zu den Mummes einen besonderen Stolz meiner Mutter, vielleicht nur deshalb, weil »Onkel Mumme« Rittergutsbesitzer auf Klein-Beeren war und unter anscheinend glänzenden Verhältnissen lebte. Ich entsinne mich, daß er, neben allerhand Chaisen und Halbchaisen, auch einen Char à banc mit langen kirschroten Sammetpolstern besaß, und in diesem weithin leuchtenden Prachtstück, wenn wir in Berlin zu Besuch waren, nach Klein-Beeren hinaus abgeholt zu werden, bedeutete uns allen, aber am meisten meiner Mutter, ein hohes Fest, nicht viel anders, wie wenn wir zu Hofe gefahren wären. Später schlief das alles ein. Ich glaube, Onkel Mummes Stern verblaßte.
    
Das erwähnte Seidendocken-Geschäft befand sich, wenn ich recht berichtet bin, in der Brüderstraße, und hier verblieb auch die Labrysche Familie, als das Haupt derselben, mein Großvater Labry, bei sehr jungen Jahren (kaum vierzig Jahre alt) gestorben war. Die Witwe bezog ein in der Nähe des Petriplatzes gelegenes Haus, darin sie mehrere Jahre lang die erste Etage bewohnte, denn ihre Mittel waren für damalige Zeit nicht … Fortsetzung folgt