Literaturradio: „Cherubim“ von Werner Fritsch

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Darstellung der vier Evangelistensymbole Stier, Löwe, Adler und geflügeltes Wesen in einer einzigen Gestalt (16. Jahrhundert) / made by © read MaryRead

Uraufführung: 15.01.1989
Sender: Österreichischer Rundfunk

Die Himmelstür wird sich öffnen

Bevor das Hörspiel „Cherubim“ am 15. Januar 1989 beim Österreichischen Rundfunk1a ausgestrahlt wurde, erschien es 1987 als Prosa im Suhrkamp Verlag, das Debüt von Werner Fritsch. Zudem wurde es in der Fassung von Joseph Berlinger als Theaterstück am 13.10.1988 im Theater am Haidplatz in Regensburg uraufgeführt.2a 

Das Hörspiel „Cherubimunter der Regie von Joseph Berlinger hat insgesamt eine Länge von 59 Minuten.1b 

Knecht Wenzel Heindl lebt seit 1945 auf dem Hof der Eltern von Werner Fritsch und erzählt in „203 Geschichten in Gesichten“ aus seinem Leben, dass zunächst ganz gewöhnlich erscheint. Als der Nationalsozialismus 1933 die Wahlen gewinnt, ist auch er, wie viele seiner Zeitgenossen, ein Anhänger von Adolf Hitler. Zu diesem Zeitpunkt ist er etwa 28 Jahre alt, also kein Jungspund mehr, dem man deshalb Naivität unterstellen könnte. Doch er hat einen „Makel“, einen, den die Nationalsozialisten zutiefst verabscheuen, seit seiner Kindheit ist er durch die Kinderlähmung körperbehindert. Als er begreift, dass sein Idol auch ihn ohne Federlesen liquidieren werden, wendet er sich von der braunen Diktatur ab, flieht nach Afrika. Nachdem absehbar ist, dass der Zweite Weltkrieg sich zum Ende neigt, kehrt er nach Deutschland zurück.
     Was den Protagonisten auszeichnet, ist seine Hoffnung, die sich vor allem aus seinem christlichen Glauben nährt, der Katholizismus mit seiner Verehrung für die Mutter Gottes ist für den Knecht ein Anker.

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Im Hörspiel übernahm die Sprecherrolle des Knechts in der Uraufführung mit seinem inneren Monolog Werner Steinmassl.1c 

Die Perspektive des Ich-Erzählers wird weitestgehend von dem Knecht übernommen, zuweilen ist es aber auch die Stimme des Autors. Eine Vorgehensweise, die man von Christa Wolf und dem amerikanischen Schriftsteller Philip Roth kennt.
     Christoph Schmitt-Maaß, Professor für Literaturwissenschaft, fasst es im „Kritischen Lexikon zur deutschsprachigen Literatur“ so zusammen:

Die Reflexion und Verarbeitung der Themen Gewalt, Sexualität, Natur, Katholizismus und (versteckter) Nazismus zieht sich als roter Faden durch sein Werk. Bereits seine erste Publikation – „Cherubim“ […] – enthält alle Sujets, die Fritschs Werk fortan prägen.“2b  

Nach einer Überarbeitung des Hörspiels „Cherubim“ wurde es beim Südwestrundfunk am 06.12.1998 unter der Regie von Norbert Schaeffer nochmals ausgestrahlt, dieses Mal mit einer Dauer von 84 Minuten.1d 

© read MaryRead 2019

► Knotenpunkte

1989, ProsaWerner Fritsch: Cherubim
Prosa
Taschenbuch
254 Seiten
Format (H x B x T): 177 x 108 x 12 mm
Gewicht: 155 g
erschien: 29.08.1989
Verlag: Suhrkamp
ISBN 978-3-518-38172-4
Preis: 12,00 € (D), 12,40 € (A)

 Home > Ankerlichtung > Knotenpunkte > Rassismus und FaschismusHörspiel „Cherubim“ von Werner Fritsch


Einzelnachweise:

1a, 1b, 1c, 1d: (): Hörspieldatenbank, Stichwort: Werner Fritsch, zuletzt besucht am 26.08.2018

2a: Christoph Schmitt-Maaß: Werner Fritsch, Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Literatur, 80. Nlg., S. A
2b: 80. Nlg., S. 2


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