Lit.Cologne 2017: Anthony McCarten und Rufus Beck bringen Licht in die Geschichte

Moderator Philipp Schwenke, Literaturschiff, Köln, Gespräch, Theaterstück, Humor in der Physik, History Channel,

von li nach re: Rufus Beck, Anthony McCarten, Philipp Schwenke

Eine kurze Fahrt mit dem Schiff und ein Ausflug

Kann Physik humorvoll sein? Ja – sie kann

Ein kleines Experiment: Sie lesen: Elektrizität, verdrehen vielleicht schon leicht die Augen, sie lesen Gleit- und Wechselstrom und sind nun kurz drauf und dran, diesen Artikel nicht weiter zu lesen. Dabei würden Sie etwas verpassen.

Auf dem Literaturschiff der lit.Cologne ging es am Freitag, den 17. März 2017 sehr lustig zu, kein Auge blieb trocken, kein Lachmuskel unbewegt. Der neuseeländische Schriftsteller Anthony McCarten und Rufus Beck rockten den Laden, gemeinsam mit dem Moderator Philipp Schwenke. Sie sprachen über den neuen Roman von Anthony McCarten, sie lasen mit Rollenverteilung und in deutscher sowie in englischer Sprache daraus vor, vorlesen trifft es nicht ganz richtig, vielmehr kreierten sie daraus ein kleines spontanes Theaterstück, mal mit sehr betonter, mal mit sonorer Stimme, mal mit kabarettreifen Attitüden, jedenfalls lasen sie so, dass man sehr gerne zuhörte und die Zeit wie im Flug verging, dass man kaum wahrnahm, dass das Literaturschiff eine kleine Fahrt unternahm und man das nächtliche Panorama von Köln im Grunde nicht sah.
     Wie kommt man dazu, einen Roman über Thomas Edison, über den Mann, der die Welt verändern sollte und die Moderne einläutete, einen Roman zu schreiben, der mit einer einfachen aber sehr effektiven Erfindung, der Glühbirne, die Welt revolutionierte. Zumindest ist das der Teil, der im Gedächtnis der meisten Menschen haften geblieben ist. Tatsächlich hat er anderes erfunden, wie den Phonographen und etliches andere mehr, vor allem beherrschte er aber eines im Vergleich zu seinen Kollegen: Er wusste, wie man Sponsoren und Investoren begeistern kann, sodass ihre Bereitschaft, ihren Geldbeutel zu öffnen, groß war, so auch bei J. P. Morgan. Ein komischer Kauz muss der Finanzier gewesen sein, seine Nase wird von Anthony McCarten in seinem Roman „Licht“ detailliert beschrieben, vor allem aber, wozu er seine unförmige Nase – auch als Blumenkohl bezeichnet – in der Wirtschaft, in der Beziehung zu den Frauen und überhaupt gut gebrauchen konnte und sie ließ ihn nicht im Stich. Er hatte einfach einen guten Riecher.

Man muss wohl aus dem Holz eines Anthony McCarten geschnitzt sein, wenn aus einem einzigen Bild, gesehen bei History Channel, eine Gedankenkette ausgelöst wird, um sich anschließend mit der Elektrizität und Thomas Edison zu beschäftigen, das ganze mit wirtschaftlichem Anliegen zu verweben, ein Liebesdrama dem Ganzen unterlegen und sich dabei möglichst an historische Fakten zu halten. Chapeau.

Anthony McCarten schreibt Theaterstücke, ist Filmemacher („Ladies Night“ basiert auf seine Vorlage) und einiges mehr. Zurzeit arbeitet er an dem Film über Freddy Mercury (Queen). „Licht“ ist sein sechster Roman, in Deutschland wurde er durch seinen Roman „Superhero“ bekannt. Offensichtlich hat sich sein Stil verändert, denn wer seine bisherigen Romane gelesen hat, fragt sich zuweilen, ob es derselbe Autor ist.

Natürlich ist die Wirkung des eigenen Lesens eine andere, als wenn man es vorgelesen bekommt, vor allem dann, wenn ein Schriftsteller und Co-Vorleser es meisterhaft verstehen, daraus ein Event zu machen. Dennoch sollte man sich den Roman „Licht“ nicht entgehen lassen, man könnte gute Unterhaltung auf hohem Niveau verpassen.

– Hannah Tiger –
© read MaryRead 2017

►Bordcafé

Roman, Belletristik, Elektrizität, Thomas Edison, die Moderne, J. P. Morgan,Anthony McCarten: Licht
Originaltitel: Brilliance
Übersetzung aus dem Englischen: Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié
Roman
368 Seiten
gebunden, Halbleinen
Format (H x B x T): 186 x 122 x 23 mm
Gewicht: 341 g
erschien: 22.02.2017
Verlag: Diogenes
ISBN 978-3-257-06994-5
Preis: 24,00 € (D), 24,70 € (A)

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