„Hirameki“ von Peng und Hu

Peng u Hu_HiramekiKunst kann jeder

Schluss mit dem Ärger über Kaffeeflecken. Machen Sie Geld aus ihrem Kaffeefleck. Das einzige, was Sie benötigen ist ein wenig Phantasie. So oder so ähnlich könnte ein Werbeslogan aus der Kunstbranche lauten. Peng + Hu zeigen in ihrem Buch Hirameki welche Kunstwerke aus unscheinbaren und ärgerlichen Klecksen gestaltet werden können.

Aus dem asiatischen Raum stammen einige Kunstfertigkeiten, die längst bei uns integriert sind, wie die Papierfalttechnik, Blumensteckkunst und die Haiku`s. All diese kreativen blauer VogelMöglichkeiten aus Asien sind aus philosophischen Betrachtungen entstanden. Ikebana beispielsweise muss immer eine Basis haben, dass im übertragenen Sinn die Verbundenheit mit der Erde darstellt. Dann braucht es eine Verbindung zum Himmel, also eine Blume, die sich in die Höhe reckt und eine Blume sollte sich zwischen diesen beiden Polen befinden, denn dies ist der Mensch, der sich zwischen Bodenhaftung und Himmel befindet. Dabei darf die Zahl 3 nicht überschritten werden, denn auch die Zahlen haben ähnlich wie im jüdischen ihre Bedeutung.
     Haiku ist eine japanische Gedichtform, die aus 17 Silben, verteilt auf drei Zeilen mit 5-7-5 Silben, die weder unter- noch überschritten werden darf. Ein Haiku ist ohne Reim, verunglueckter Schneemannhat „zäsurbildende Elemente (kireji) und Jahreszeitenanzeiger (kigo)“. Ursprünglich stammt es aus der Kettendichtung (haikai no renga), „wo ihm als Auftaktvers (hokku) bes(onders  1) Gewicht zukam.“2 
    Alle drei Techniken haben eines gemeinsam: Minimaler Einsatz von Produkten oder Worten, große Wirkung auf den Betrachter oder Leser. Ähnlich verhält es sich auch beim Hirameki. Man benötigt Kleckse, die unterschiedlichster Art sein können: Aquarell-, Eiweißglasur- oder Rotweinflecken. Zusätzlich braucht man einen Stift, wie einen feinen Filzstift, Tuschestift oder ähnliches und natürlich einen Schuss Phantasie.
    
Die beiden international renommierten Künstler Peng + Hu zeigen in sieben Stufen, wie aus einem Klecks ein ganzes Werk entstehen kann. Jeder Klecks verbirgt eine poetische Natur, die nur darauf wartet, geweckt zu werden. Das Schöne dabei ist, dass man durch das Hinzufügen von Punkten und / oder Strichen den Klecks zu einem Wesen verhelfen kann und das im völligen Einklang mit der Phantasie des Künstlers.
    
Einsatzmöglichkeiten gibt es viele: Wer mit Tinte handgeschriebene Briefe bevorzugt, fleischfressender Wolfkann aus jedem Tintenklecks ein kleines Bild produzieren. Wer ein originelles Geschenkpapier erstellen möchte, kann es auf schnelle Art und Weise tun.

Eher zufällig entdeckten die beiden Künstler, Peng + Hu, auf ihren Pinsel-Abwischblättern sowie auf ihrem Atelier-Boden und Wänden und auf ihren Hemden viele Kleckse und das man aus denen noch viel mehr machen kann: Hirameki wurde geboren. Sie entwickelten daraus eine Kunstform und sind dafür mit dem Kaiserlichen Klecks am Band ausgezeichnet worden. Zwei frischgeborene Kritzlibären brauchten selbstverständlich auch Namen und wurden nach den beiden Künstlern benannt.
     Hirameki ist eine Anleitung für zahlreiche kreative Ideen, so dass aus einem simplen Klecks eine neue Welt entsteht. Jeder kann es für sich ausprobieren, man kann es auch mit Kindern machen. Wer Spaß hat an Kreativität und schon immer wissen wollte, was in einem steckt, dem sei das Buch wärmstens empfohlen. Unsere Redaktionsleitung, Claudia Bröcher, wollte es sich nicht nehmen lassen und hat es ausprobiert. Ein Teil der Ergebnisse sehen Sie anhand der Bilder, die in die Literaturkritik eingestreut sind.

Die Fratze des Terrorismus

Die Fratze des Terrorismus, Aquarell und Tusche von Claudia Bröcher

Corinna Klein
© read MaryRead 2015

Sachbuch


Rezension, Kunst kann jederPeng + Hu: Hirameki
Der geniale Klecks- und Kritzelspaß
192 Seiten
Kartoniert
erschien: 02.09.2015
Verlag: Antje Kunstmann
ISBN 978-3-95614-068-6
Preis: 14,95 € (D), 15,40 € (A)


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1 Ergänzt von der Verfasserin
2 
Herausgeber: Dieter Burdorf, Christoph Fasbender und Burkhard Moennighoff: Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen, Verlag J.B. Metzker – Stuttgart – Weimar 2007 (3), S. 300, Sp. 2


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