„Karl Marx. Ein radikaler Denker“ von Wolfgang Korn

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„Ich bin kein Marxist“

Kaum eine Persönlichkeit ist so umstritten wie Karl Marx, kaum jemand hat zu so vielen Missverständnissen geführt wie Karl Marx und fast jeder kann ein Statement über ihn abgeben, ohne sich jemals mit ihm und seinen Schriften befasst zu haben. Wolfgang Korn hat sich mit den Schriften und mit der Person Karl Marx auseinander gesetzt.

Es gab Zeiten und Gegenden, in der schon alleine das Aussprechen des Namens Karl Marx fast ein Verbrechen war. Wer beruflich weiter kommen wollte, machte von vornherein deutlich, dass er kein Marxist sei.
rot, Porträt, Bundesrepublik Deutschland     Das Gespenst, dass in Europa umherging, war ein Mensch aus Fleisch und Blut, der in seiner Studentenzeit um die Junghegelianer, eine Gruppe von radikalen Denkern, einen Bogen machte. Seine Persönlichkeit ist weniger von Radikalität geprägt, vielmehr war er getrieben von der sozialen Ungleichheit, von der er selber betroffen war. Sein Freund Friedrich Engels, ein steinreicher Sprössling, der ihm mehrmals unter die Arme griff, Karl Marx hingegen bitterarm, oft auf der Flucht. Obgleich Karl Marx nie ein Arbeiter war, auch nie die Industrie von innen gesehen hat im Vergleich zu Friedrich Engels, der immerhin in Elbersfeld eine Weberfabrik erbte und später leitete, so wusste er dennoch, wovon er sprach, denn Armut zeichnet alle Gesichter, die davon betroffen sind.

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Wolfgang Korn zeichnet nicht nur den Lebensweg von Karl Marx nach, sondern er zeigt auch die Nebenschauplätze auf, erklärt in gesonderten kurzen Kapiteln Begriffe und ähnliches, legt einem dabei nahe, dass das Bild über Karl Marx viel mit Friedrich Engels zu tun hat, der nach dem Tod seines Freundes eine Legende aus ihm machte. Wolfgang Korn räumt mit etlichen Trugschlüssen auf. So einiges, was die Allgemeinheit mit Karl Marx in Verbindung bringt, beruht demnach zum einen, was Friedrich Engels aus ihm machte, zum anderen aus dem, was die sozialistischen Länder daraus kreierten und eines kann man sich gewiss sein, Lenin und Co. machten sich die Welt, wie es ihnen gefiel. In den Wirtschaftswissenschaften ist es längst Usus, dass Karl Marx die Grundlagen der Wirtschaft und deren Mechanismen aufdeckte, ein Gesellschaftskonzept, wie die Sozialisten propagieren, hatte er hingegen nicht entwickelt.
    
Karl Marx von verschiedenen Seiten zu beleuchten ist nicht ganz neu, doch das genaue Abwägen von Für und Wider ohne in Klischees zu verfallen, möglichst einen Menschen und keinen Roboter darzustellen ist dem Journalisten Wolfgang Korn gelungen. Doch ein kleines Manko gibt, man kann es auch als typisch Deutsch bezeichnen. Am Ende des Jugendsachbuches zeigt der Historiker die heutige Wirtschaftssituation auf, welche Defizite diese mit sich bringen, zeigt anhand einer Liste, was man dagegen tun könnte. Genau an dieser Stelle werden Leser*innen zu unmündigen Bürgern degradiert, als seien sie nicht in der Lage, sich eigenständig zu erkundigen, mögliche eigene Ideen werden somit nahezu im Keim erstickt. Solche gutgemeinten Ratschläge nerven ungemein und sind überflüssig.
    
Die Frage hingegen, die sich einem nahezu aufdrängt, nämlich die: Wo ständen wir heute, wenn es den Ostblock nicht gegeben hätte, wenn man sich frei von Vorurteilen mit den Schriften von Karl Marx auseinandergesetzt hätte? – bleibt offen. Gut so!

© read MaryRead 2018

► Jugendbuch

Jugendbuch, Biografie, Rezension, Buchbesprechung, Literaturkritik, read MaryRead, Literaturmagazin online,Wolfgang Korn: Karl Marx
Ein radikaler Denker
Biografie, Jugendbuch (ab 14 Jahre)
mit Abbildungen von Manja Hellpap
gebunden
256 Seiten
Format (H x B x T): 218 x 141 x 24 mm
Gewicht: 434 g
erschien: 14.02.2018
Verlag: Hanser
ISBN 978-3-446-25870-9
Preis: 19,00 € (D), 19,60 € (A)

E-Book (D, A): 14,99 €

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