Zacharias Werner: Lied der heiligen drei Könige aus dem Nibelungenlande

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Lied der heiligen drei Könige aus dem Nibelungenlande.

(Weimar, 30. Januar 1809.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Wir heil’gen drei Könige, wir zieh’n getrost heran,
Mit Recken starkgemuthet, mit Magden unde Mann.
Heut eine Hochgezeite, die wird von uns gethan,
Hei, was wir herrlichen hier so vorübergahn!
Voran da kommen gezogen vier schöne Magedein,
Sie tragen lichte Kleider, gewirkt in Arabein,
Sie ha’n wohl aus den Schreinen Gewande viel genommen,
Daß sie zur Hochgezeite geschmücket mochten kommen.
Nun will ich ihre Namen zuvorderst kund euch thun:
Die eine heißt Frau Feuer, die kann nun nimmer ruhn,
Sie hatte den Wunsch der Ehren, sonst wäre das nicht geschehen,
Daß ihr sie seht in Flammen so wunniglichen gehen.
Die andre heißt: Frau Wasser, das soll euch seyn gesait.
Sie ist am Rhein zu Hause, die waideliche Maid;
Kein besser Ingesinde, als das ihr unterthan,
Sie kunnten allesammen als Schiffmeister dienen gahn.
Dann kommt Frau Luft gegangen, die steigt von ihrem Wagen,
Ihre Rosse breite Sättel und schmale Fürbuge tragen.
Als sie ihre Mannen versammelt zum Gelag,
Hei, was von jenen Degen für Kurzweil da geschah!
Zum letzten kommt Frau Erde, die hat die reichste Beute,
Die Herrn von allen Landen sind ihre Eigenleute;
Seit sie allhier zur Ilmen gekommen an den Strand,
Ihr bestes Ingesinde dort manchen Kurzweil fand.
Nach diesen Mägden schönen, geschmücket minniglichen,
Treten vier starke Recken, die nie von ihnen wichen.
Die möchten gerne schauen die königlichen Weib
Doch mit eitel Tarnkappen ha’n die verhangen den Leib.
Der erste von den Recken, der heißt Herr Gerenot,
Des Eisens thut er gerne, um es zu machen roth;
Ein kühner Feuerrecke, fängt er zu hämmern an,
Die Gluth muß traun ihm dienen, der er ist unterthan!
Der zweite ist der kühne von Ilmen Ortewein,
Dem Wasser thut er dienen, mag Frauenmeister sein,
Thut sich ein Fischer nennen, ein gar verschlagen Mann,
Merkt er die Fluth anschwellen, er bleibt nicht sitzen dran.
Der Dritte, den Frau Luften zum Boten angenommen,
Hat dunstgefüllte Lerchen zum Botenlohn bekommen;
Ein Vogelfänger in Ehren, heißt Gieselherr das Kind,
Sein Pfeiflein, das that rühren wohl manches Vöglein sint.
Zum vierten gaht ein Maidmann, der starke Hagene,
Der hegt in seinem Hagen gar manch behaglich Reh;
Fraun Erden thut er dienen als Küchenmeister seit
Aus Hasen und aus Pfannen man Speisen ihr bereit.
Auf diese kamen gegangen vier Königstöchter mild,
Frau Brunehild die starke, die schöne Chriemehild,
Frau Ute, die viel reiche, thut mit Frau Siegelind gehen,
Was jemand wünschen mochte, nichts schönres konnt’ er sehen.
Frau Brunhild, die thut tragen einen Apfel auf ihrem Haupt,
Den hat ein starker Recke vom Lorbeerbaum geraubt.
Chriemhild, die trägt von Palmen die Blätter schön und fein,
Der sie gebrochen, mochte von Rechten Meister seyn.
Eine Lilie trägt Ute von Herren Dankrats Hand,
Des theuerlichen Degen, genannt in allen Land;
Er ist der Kön’ge Vater des Landes an dem Rhein,
Kann vieler hoher Tugend im Alter sich erfreu’n.
Frau Siegelind, die Gute, mit Siegfrieds Kranz thut gahn,
Ihn selbst könnt ihr nicht schauen, den stärksten von allen Mann;
Denn in der Tarnkappen hat er das Alles gethan.
Hei, was er große Ehren zu dieser Welte gewann.
Die vier da, deren Flügel thun minneglichen Schein,
Sind der vier Frauenseelen, die treten hinterdrein.
Denn bei den Nibelungen ha’n auch die Seelen Leib;
Hei, eine von den Seelen möcht’ Mancher ha’n zum Weib.
Frau Sonn’, Herr Mond und Sterne thun auch vorüberzieh’n,
Sie ha’n zur Hochgezeite sich wollen herbemüh’n.
Wie bei der Summerzeiten und zu des Maien Tagen
Ha’n sie hier freundelichen ihr Gefiedele aufgeschlagen.
Hinter ihnen geht Einer, wohl schier ein alter Garzun,
Nach den Pfeilen, die sie schießen, da muß er lügen thun.
Er trägt ein seltsam Zeichen an seinem dunkeln Kleid,
Auf dem seine vier Herrinnen in Einem sind kunterfeyt.
Die erste giebt Gedeihen, die zweit’ mag überwinden,
Die dritte prangt mit Strahlen, die viert’ kann sie entzünden;
Hat doch nur kunterfeyet den viel erfahrnen Mann,
Den wir in unserm Horte, den Stern, lebendig ha’n!
D’rum Alten auch und Jungen und Hohe und Niedre gahn,
Sie haben Feld und Garten und Haus und Hof verlahn
Sie treibt, den Stern zu suchen, ein waidelich Gelust;
Uns heil’gen drei Kön’gen, uns ist das wohl bewußt.
Wir Weisen sind geboren im Land von Arabein,
Wir waren seit gezogen zu’n Burgunden ein;
Dort haben wir bezwungen alle die Guntherns Mann;
Er trägt die Stocklaterne als Knecht uns nun voran.
Ich heiliger drei König Herr Caspar heißen thu,
So weiß auch schon mein Bart ist, ha’n ich doch nirgends Ruh.
Der Andre ist Herr Melcher, ein gar zu kecklich Mann,
Der hat dem König Gunther den Dampf recht angethan.
Der Dritte heißt Herr Balzer, ein schwarzes wild Gezwerg,
Ist manchmal schon gefahren über den Schneckenberg.
Der mit dem Sack voll Nüsse ist Ruprecht unser Knecht,
Uns macht er nichts zu Danke, mag Euch er’s machen recht! –
Das ist unser Ingesinde! – Wir kommen eben frisch
Aus Nibelungenlande, wo wir geseyt zu Tisch,
Doch noch zur guten Stunde seyn wir gezogen fort
Und ha’n Euch wollen zeigen: d e n  N i b e l u n g e n H o r t !
Der Siegelinden Tugend, Chriemhildens hohe Pracht,
Die Brunehilden-Stärke, die Siegefriedes-Macht,
Und was sonst sonder Gleichen auf Erden wird geseh’n,
Von denen muß ein Neigen von unser’m Hort gescheh’n!
L o u i s a wird genennet der Hort, der unser Hort!
In aller Herzen Schachten, da brennt er fort und fort;
Ein riesenstark Gezwerge steht ihm zur Hut bereit:
Der Engel Frauenwürde, der auch dem Blitz gebeut!
Gar Vieles ist begunnen und Vieles ist vergah’n,
Jedoch L o u i s a ’s Ehre bleibt ewiglich bestah’n!
Nachdem wir dieß gesungen, setzen wir uns in Ruh! –
Freut, Weisen Euch und Dummen! – Knecht Ruprecht, schüttle zu! –

– Zacharias Werner –

Quelle: Zacharias Werner’s Poetische Werke. Aus seinem handschriftlichen Nachlasse herausgegeben von Joseph Baron von Zedlitz. Erster Band. Gedichte bis zum Jahre 1810. Grimma 1840, S. 182-185.

sepia, Pastorenkleidung, evangelisch, 18. Jahrhundert, Romantik, Dichter, Dramatiker,* 18.11.1768, Königsberg, Deutschland
† 17.01.1823, Wien, Österreich

Friedrich Ludwig Zacharias Werner war einer der wenigen Bühnenautoren der Romantik, holte seine erste Frau aus dem Freudenhaus und konvertierte nach drei gescheiterten Ehen zum Katholizismus. Ruhelos reiste Zacharias Werner durch halb Europa. August Wilhelm Iffland gehörte in Berlin zu seinen Förderern am Theater, Johann Wolfgang von Goethe inszenierte 1808 in Weimar eines seiner Stücke, mit dem deutschen Schriftsteller E.T.A. Hoffmann war er befreundet. In Aschaffenburg wurde Zacharias Werner schließlich zum Priester geweiht und fand Halt im Predigen und Missionieren.
     In Weimar gab es den Brauch der Maskenumzüge. Aus diesem Erleben heraus verfasst Zacharias Werner das Gedicht „Lied der heiligen drei Könige aus dem Nibelungenlande“. Auch Johann Wolfgang von Goethe schrieb darüber ein Gedicht, seines trägt den Titel „Die romantische Poesie“.

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