Rudolf Presber: Der Garten

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Der Garten

Blumen die roten und weißen
Schnitt ich achtlos vom Beet;
Die Roten haben verheißen,
Die Weißen haben gefleht.

Sie blühten aus edlem Samen,
Heut sind sie längst verdorrt;
Frau’n, die vorüberkamen,
Trugen im Gürtel sie fort.

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Sie glühten an allen Orten
Und plauderten manches aus –
Nun bin ich sparsam worden
Und hüte Beete und Strauß.

Die draußen stehen und warten
Mit stechender Augen Begehr,
Die wispern jetzt: mein Garten
Trüg‘ keine Blumen mehr.

Sie kennen nicht meine Tage
Voll Sonne und mein Gemüt,
Und wie zu dir ich trage
Alles, was mir geblüht.

– Rudolf Presber –

aus: Rudolf Presber: Aus zwei Seelen (1914)

Gedichte

* 04.07.1868, Frankfurt am Main, Deutschland
† 30.09.1935, Potsdam, Deutschland

deutscher Dichter, Schriftsteller, schwarz-weiß Bild, 20. Jahrhundert,Hermann Otto Rudolf Presber schrieb als Schüler seine ersten Texte, studierte in Heidelberg und Freiburg im Breisgau Literatur, Philosophie und Kunstgeschichte. Seine ersten literarischen Erfolge konnte er in der Zeit der literarischen Moderne vorweisen bis der Erste Weltkrieg – wie bei so vielen – seine schriftstellerische Tätigkeit vorerst zum erliegen brachte. Politisch ist er national-konservativ einzustufen (er unterstützte unter anderem das Manifest „Eine Kundgebung der Künstler und Dichter“ von Gerhart Hauptmann welches am 16.11.1918 im Berliner Tageblatt erschien) bis hin zu nationalsozialistisch (am 26.10.1933 unterschrieb er das „Gelöbnis treuester Gefolgschaft“ für Adolf Hitler, initiiert von Gottfried Benn, mit 87 weiteren Schriftstellern, abgedruckt in der Vossischen Zeitung).
     Auch das vorliegende Gedicht „Der Garten“ ist vor allem politisch. Die roten Blumen stehen für Sozialisten / Kommunisten die weißen Blumen für das bürgerliche Lager, die sich später weitest gehend dem rechten Pöbel anschließen werden. Rudolf Presber ergreift hierbei Partei für das Bürgertum, stellt zugleich die Frauenbewegung als negativ, als Diebe, dar. Vor allem in der dritten Strophe wird deutlich, dass er keinerlei gesellschaftliche Veränderungen unterstützt, im Gegenteil, er klammert sich an dem Alten, an der Monarchie fest.
    
Nur fünf Jahre später erschien das Gedicht „An Anna Blume“ von Kurt Schwitters, in dem ebenfalls Blumen, die Farben weiß und rot eine Rolle spielen mit ähnlicher Bedeutung wie bei Rudolf Presber, doch Kurt Schwitters bewertet die Symbole der Farben anders, für ihn ist die Farbe weiß eher ein Schreckensbild, ganz im Gegensatz zu seinem Kollegen Rudolf Presber.
    
Für die Literaturgeschichte und -wissenschaft stellt Rudolf Presber bestenfalls eine Fußnote dar, er ist und war eine Randfigur, der sich politisch betätigte, jedoch nicht über den Einfluss verfügte wie andere seiner Zeit, zu nennen sind beispielsweise Gottfried Benn aber auch Thomas Mann, der zwar aus dem Bürgertum stammt doch den politischen Bewegungen skeptisch gegenüber stand.

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