Kurt Tucholsky: Mutters Hände …

Literatursalon, 2017-05-13, Gedicht, Muttertag

Mutters Hände …

Hast uns Stulln jeschnitten und Kaffee jekocht
und de Töppe rübajeschom, und jewischt und jenäht
und jemacht und jedreht …
alles mit Deine Hände.

Hast de Milch zujedeckt, uns Bonbons jesteckt
und Zeitungen ausjetragen,
hast de Hemden jezählt und Kartoffeln jeschält …
alles mit Deine Hände.

Hast uns manches Mal bei jrossem
Schkandal auch’n Katzenkopp jejeben,
hast uns hochjebracht – wir warn Sticker acht,
sechse noch am Leben ?
Alles mit Deine Hände.

Heiß war’n se un kalt.
Nun sind se alt.
Nu biste bald am Ende.
Da stehn wa nu hier,
und dann komm wa bei Dir und streicheln
Deine Hände. 

– Kurt Tucholsky –

 

deutscher Schriftsteller, Weimarer Republik, Satiriker, Gesellschaftskritiker, Schaubühne, Weltbühne, Schweden,

Kurt Tucholsky, 1904

* 09.01.1890, Berlin, Deutschland
† 21.12.1935, Göteborg, Schweden

Kurt Tucholsky, war seit 1913 Mitarbeiter der ‚Schaubühne‘ und späteren ‚Weltbühne‘, später auch Herausgeber. Ab 1929 war Schweden seine neues Zuhause. Er gehört zu den scharfzüngigsten Gesellschaftskritiker in der Weimarer Republik, seine Satiren sind legendär, ebenso seine zahlreichen Pseudonyme. Die politische Zuspitzung in Deutschland führte bei ihm dazu, dass er keine Zeile mehr veröffentlichte, seine Briefe unterzeichnet er seit 1932 mit „ein aufgehörter Schriftsteller“.

► Literatursalon

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