Johann Christian Günther: An seine Schöne

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An seine Schöne

Was vor Rosen, schöner Engel,
Laufen durch dein Angesicht,
Da mein Vorwiz einen Stengel
Von den reinen Lilgen bricht,
Die in deinem Wollustgarthen
Auf die Hand des Bräutgams warthen?

Doch warum würckt mein Erkühnen
Einen solchen Streit in dir?
Scham und Zorn verwirrt die Mienen
Deiner angebohrnen Zier,
Und ich kan aus deinen Sternen
Meines Unglücks Zukunft lernen.

Aber, ach, verdient mein Scherzen
Wohl dergleichen Tyranney,
Daß mein Bildnüß deinem Herzen
Ewiglich ein Greuel sey?
Nein, ich will es noch nicht hofen,
Daß mein Argwohn eingetrofen.

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Schau nur selbst, die zarten Brüste
Blicken mich so liebreich an,
Daß ich nach der Milch gelüste
Und mich kaum enthalten kan,
Bey so wohlbestellten Sachen
Dich noch einmahl roth zu machen.

Hemme, schönes Kind, dein Schelten
Und vergieb die Frevelthat;
Las auch nicht den Mund entgelten,
Was die Hand verbrochen hat!
Ich will, einen Grif zu büßen,
Dich zur Strafe zehnmal küßen.

– Johann Christian Günther –

Quelle: Johann Christian Günther: Sämtliche Werke. 6 Bände, Band 1, Leipzig 1930, S. 46-47

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deutscher Dichter, Zeichnung, schwarz-weiß Bild, Barock* 08.04.1695, Striegau (Schlesien), Deutschland
† 15.03.1723, Jena, Deutschland

Johann Christian Günther gilt als einer der bedeutendsten deutschen Lyriker des frühen 18. Jahrhunderts. Seine Gedichte weisen inhaltlich und stilistisch Merkmale der frühen Aufklärung auf. Offensichtlich ist er mit Schriften von Gottfried Wilhelm Leibniz und anderen Philosophen in Berührung gekommen, die ihn in Lehre, Philosophie und Religion prägten. Johann Wolfgang von Goethe schreibt in „Dichtung und Wahrheit“: „Ein entschiedenes Talent, begabt mit Sinnlichkeit, Einbildungskraft, Gedächtnis, Gabe des Fassens und Vergegenwärtigens, fruchtbar im höchsten Grade, rhythmisch bequem, geistreich, witzig und dabei vielfach unterrichtet.“
     Mit seinen Klageliedern und Liebesgedichten ging er in die Literaturgeschichte ein, erst diese machen seinen Ruhm aus.

© read MaryRead 2018

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