Gedicht: Entwicklung

Gedicht, Antike, Mittelalter, Gegenwart

Entwicklung

In der Antike redeten die Philosophen von der Lehre
verkündeten es laut in die Welt:
Soldat! Wenn du stirbst im Krieg in Ehre
bist du für uns der größte Held!
Stirbst du nicht und der Feind legt dich in Ketten
wirst von ihm gar gepeinigt und geschlagen
so lass die Feinde rätseln über unsere Strategie und lass sie wetten
du nimmst es hin und aus deinem Munde hört er kein Klagen.

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Die Lehre der Philosophen hatte man vergessen
im Mittelalter kamen Theologen stattdessen.
Jeden Sonntag verkündeten sie Gottes Wille,
sie schrien hinein in Kirche`s Stille:
Wirft dich der Fürst in einen Kerker hinein
wird dich martern unter großer Pein
erträgst du es mit Leichtigkeit, verschlossen ist dein Mund!
So ist der Platz im Himmel sicher in deiner Todesstund.

Heutzutage darf jeder die Bibel lesen und auch die alten Philosophen
doch das ist nur was für die Rückständigen und die Doofen.
Das freie Wort, die Freiheit des Menschen wird hochgehalten
jeder darf sein Leben selbst gestalten.
Wird ein Kind in den Keller gesperrt, gedemütigt und geschlagen
so will man nichts sehen und ignoriert das Kind mit seinen Klagen.
Das erwachsen gewordene Kind bleibt allein, das ist das große Los;
will es reden, schickt man es zum Therapeuten — das ist vielleicht der Todesstoß.

Claudia Bröcher –

© read MaryRead 2015

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