Arnaut Daniel: Vergnügt und fein ist mein Gedicht

Gedicht, Frankreich, Mittelalter

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Vergnügt und fein ist mein Gedicht,
Am Hobeln fehlt’s und Bonen nicht,
Wahr wird’s und verläßig sein;
Laßt’s die Feile nur bestehen!
Lieb‘ umgoldet meine Lieder,
Daß sie ich sing‘, ist Ihr Geheiß,
Die des Ruhmes Hort und Schimmer.

Nach Ihr nur kehrt sich mein Gesicht,
Ich thu‘ auf Alles sonst Verzicht.
Könnt‘ ich Maaß mir nur verleihn!
Ihrem Herzen nach muß stehen
Meins und senket sich danieder.
Doch stürm‘ es, oder frier’s und schnei’s,
Lieb‘ ist warmer Regen immer.

An Läutrung laß‘ ich’s fehlen nicht,
Mir strahlt Ihr liebliches Gesicht.
Ihr bin, – laßt mich offen sein! –
Ich vom Kopf bis zu den Zehen.

Mehr als Müh‘ schlägt Liebe nieder.
Mehr Werth gibt Ihr als eines Ei’s
Audierna’s Monclar nimmer.

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Doch aller Qualen Schwergewicht
Entzog mich Ihrer Liebe nicht.
Achtet Sie auch wenig mein,
Hin zu Ihr erklingend wehen
Alle meine Reim‘ und Lieder.
Es fehlt mir ja zu Ihrem Preis
Werkstatt gleichwie Werkzeug nimmer.

Ich thu‘ auf Roma’s Reich Verzicht,
Und auch Apostel würd‘ ich nicht,
Dürft‘ ich Ihr mich nicht mehr weihn,
Die mich heißt in Flammen stehen.
Schau‘ ich Ihre holden Glieder,
Wie braun Ihr Haar, Ihr Leib wie weiß,
Selbst Lucern dann möcht‘ ich nimmer.

Ihr bring‘ ich tausend Messen; nicht
Auch fehlt’s an Wachs und Oel zum Licht,
Daß Gott möge Hülfe leihn.
Ihr muß schlachtlos Sieg erstehen.
Drum, versöhnet Sie mich wieder
Die Liebe, tödtet Sie mit Fleiß
Mich, und kommt zur Höll‘ auf immer.

Lüfte haschend zieh‘ ich wider
Den Hafen mit dem Ochsen, heiß‘

Arnaut, bin der Stromanschwimmer.

– Arnaut Daniel –

Nachdichtung von Karl Ludwig Kannegießer

Quelle: Karl Ludwig Kannegießer: Gedichte der Troubadours im Versmaaß der Urschrift übersetzt, Tübingen 1852 (S. 244 – 245)

► Gedichte

französischer Troubadour, Mittelalter* 1150 in Ribérac, Grafschaft Périgord und Herzogtum Aquitanien
† 1200 oder 1210

Arnaut Daniel, der französische Troubadour, von dem insgesamt 18 Kanzone erhalten sind, ist vor allem deshalb nicht in Vergessenheit geraten, da Dante Alighieri und andere ihn mehrmals in ihren Schriften erwähnten.

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