Martin Luther: Predigt über Christi Himmelfahrt

Christus in der Mandorla, read MaryRead, Literaturmagazin online, Christus von Engeln getragen, 1461, Andrea Mantegna, Kreuz, buntes Kreuz,

Lukas 24, 50 – 53

Er führte sie aber hinaus gen Bethanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen, und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an, und kehrten wieder gen Jerusalem mit großer Freude, und waren allewege im Tempel, preisten und lobten Gott.

Man begeht heute den Tag der Himmelfahrt unseres Lieben Herrn Christi, um des Artikels willen in unserem Glauben, da wir also sprechen: Ich glaube an Christus, der aufgefahren ist gen Himmel, und sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.1a Dieser Artikel ist eine Ursache, daß wir den heutigen Tag feiern, auf das wir nicht allein lernen, wie solche Himmelfahrt zugegangen ist, sondern auch, was Christus dadurch ausgerichtet und damit anzurichten gemeint hat.
     Die Geschichte aber beschreibt Lukas eigentlich und fein, daß man den Tag, Ort und Zeit, und danach auch die Personen wissen kann, die dabei gewesen sind, und wie es zugegangen ist. Nämlich, daß der Herr, nachdem er 40 Tage nach seiner Auferstehung um seine Jünger, und besonders in Galiläa gewesen ist, mit ihnen gegessen und ihnen vom Reich Gottes gepredigt hat, hat er sie versammelt an den Ölberg, nahe bei Jerusalem gelegen, und den Befehl gegeben, sie sollten, wie Markus sagt, nach Jerusalem ziehen und auf den Heiligen Geist warten, und danach das Evangelium in aller Welt auspredigen. Nach solchem Befehl, sagt Lukas, sei Christus aufgehoben worden und in die Lüfte hinein gefahren, mit Fleisch und Bein, wie er vor ihnen gestanden ist, bis an die Wolken, daß sie ihn nicht mehr sehen konnten. Als aber die Jünger da so stehen und wundern sich (denn so etwas hat man zuvor nie von einem Menschen gesehen, daß dieser über sich in die Luft wie ein Vogel sich heben konnte), treten zwei Engel zu ihnen, sagen ihnen: Sie sollen wieder nach Haus gehen, es sei nichts mehr zu sehen; der Herr werde von nun an auf Erden nicht mehr in solcher Gestalt kommen, bis er die Toten und Lebendigen werde richten. Da werde er gleich in einer Wolke herunter kommen, wie er jetzt in einer Wolke aufgefahren sei. Dies ist ungefähr die Geschichte, so viel davon in den Evangelisten gemeldet ist.
    
Da ist einmal das Wunderwerk zu bedenken, daß der Herr in so wunderbarer Weise von seinen Jüngern in die Höhe auffährt, wie ein Vogel, und verschwindet in den Lüften, das ist, er fährt so hoch, daß seine Jünger ihn nicht mehr sehen können. Denn in den Lüften fahren ist den Menschen ein ungewöhnliches, ja, unmögliches Ding. Der Leib eines Menschen hat von Natur die Art, wie ein Stein oder ein anderes schweres Ding, daß er unter sich begehrt. Nun hat aber Christus nach seiner Auferstehung einen Rechten Leib, der Fleisch und Bein hat, wie er selbst sagt, Lukas im 24. Kapitel Vers 39. und sich greifen läßt; und dennoch ist es ein solcher Leib, der der Natur wegen in die Höhe kann und über sich fahren, als auch unter sich.
    
Das ist ein Zeichen, an dem wir lernen möchten, was für Leiber wir nach diesem Absterben bekommen sollen. Jetzt ist es um unsere Leiber ein schweres, langsames Ding: aber wenn wir von den Toten auferstehen und neue Leiber bekommen werden, das werden wohl rechte Leiber, von Fleisch und Bein und allen Gliedern sein; aber sie werden nicht mehr so schwer und ungelenk sein, sondern gleichwie wir mit Gedanken jetzt schnell da und dort sind, also wird man es dann mit dem Leibe auch tun können. Wie man an Christus nach seiner Auferstehung sieht: den hindert der Stein am Grabe nicht, die verschlossene Tür auch nicht, er wischt in einem Augenblick hindurch, daß wir nicht wissen können, wie er da hindurch kommt. Also, wenn er will, läßt er sich sehen; wenn er will, kann man ihn nicht sehen. In einem Augenblick ist er an dem Ort, in einem Augenblick an einem anderen Ort, und kann sowohl in den Lüften gehen, als auch auf Erden. Diese Herrlichkeit sollen wir an unserem Leibe nach diesem Leben auch erwarten; neben dem, daß es dann unsterbliche Leiber sein sollen, die weder Essen noch Trinken müssen und nie an Gesundheit einen Mangel haben werden.
    
Nun müssen wir aber auch sehen, was unser lieber Herr Christus mit solcher Himmelfahrt hat ausrichten wollen, und worin wir solcher Himmelfahrt auch hier auf Erden genießen können. Da ist das erste, weil wir sehen, daß Christus über sich in den Himmel fährt, daß wir daraus schließen müssen, Christus wolle mit der Welt und ihrem Reich nichts zu schaffen haben, sonst werde er hier auf Erden bleiben, und das gebrauchen, daß andere weltliche Könige und Fürsten auch brauchen. Aber er läßt solches alles hier unten, und fährt hinauf in den Himmel, wo wir ihn nicht sehen. Will damit uns lehren, das wir sein Reich recht ansehen und erkennen sollen, daß es nicht ein weltliches Reich ist, wie die Jünger dachten, daß er Geld und Gut und große Herrschaften austeilen würde; sondern ein geistliches und ewiges Reich, da er geistliche Gaben denen, so in solchem Reich bei ihm sind, austeilen will.
     Denn darum darf und soll niemand ein Christ werden, daß er dadurch zu Geld und Gut, oder großen Ehren kommen wolle. Darum ist die Taufe, das Predigtamt, das Sakrament nicht eingesetzt; Christus ist auch um solches weltlichen, zeitlichen Dinges wegen vom Himmel auf die Erden nicht gekommen, ist auch darum nicht in den Himmel gefahren. Es ist um anderes und Höheres zu tun, nämlich, daß uns geholfen werde mit den ewigen Gütern, als da sind, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und ewiges Leben. Solche Gaben sollen wir von unserem Herrn Christus erwarten, der nicht hier unten auf Erden bleiben, sondern in den Himmel fahren, und da ein geistliches, unsichtbares ewiges Reich anrichten will.

MEHR ZUM THEMA:
> Martin Luther: Tischreden: Geld regiert die Welt
>
Martin Luther: Tischreden: Adel verpflichtet
>
Martin Luther: Tischreden: Weisheiten über Krankheiten

Solches ist lange zuvor geweissagt durch den Heiligen Geist, im 68. Psalm Vers 19, welches der Heilige Paulus auch zu den Ephesern im 4. Kapitel Vers 8 schreibt, und auf die Himmelfahrt Christi und sein geistliches Regiment deutet, da steht: «Du bist in die Höhe gefahren, und hast das Gefängnis gefangen; du hast Gaben empfangen für die Menschen, auch die Abtrünnigen, daß Gott, der Herr, dennoch daselbst wohnen wird.» Das ist ein kurzer Spruch, aber er fast über die Maßen viel. Darum müssen wir alle Worte fleißig bedenken und ansehen. Und auch Paulus selbst geht meisterlich und fein mit dem ersten Wörtlein um, und spricht: «Das er aufgefahren ist, was ist es, denn daß er zuvor ist hinunter gefahren in die untersten Örter der Erde? Der hinunter gefahren ist, das ist derselbige, der aufgefahren ist über alle Himmel, auf das er alles erfülle.» Was mag wohl Paulus mit solchen Worten meinen? Nichts anderes, daß wir der Himmelfahrt unseres Lieben Herrn Christi so groß genießen sollen, wie wir bald hören werden, daß wir auch die Ursache lernen, wodurch wir zu solcher Gnade und Seligkeit gekommen sind. Denn solches haben nicht unsere guten Werke, heiliges Leben, oder Gehorsam verdient; sondern er selbst, der Herr, der solche Gaben gibt, der hat es verdient damit, daß er vom Himmel hernieder gestiegen, sich seiner Gottheit, wie Paulus an einem anderen Ort sagt, geäußert, und um unseretwillen ist Mensch geworden, und für uns am Kreuz gestorben.
     Solch eine Wohltat will Paulus mit diesen Worten anzeigen, daß er daran denkt was es bedeutet das Christus vom Himmelsthron herunter gestiegen ist. Und es reimt sich sehr wohl; denn wer zuvor in der Höhe ist, darf nicht in die Höhe kommen. Das nun der Heilige Geist von Christus sagt: «Du bist in die Höhe gefahren», daraus muß folgen, daß er zuvor herunter gefahren und sich gedemütigt habe. Das ist nun um unseretwillen geschehen. Darum reimt sich solch eine Auslegung von Paulus fein mit den Worten Christi, die wir vor Tagen gehört haben: «Es ist euch gut, daß ich hingehe; denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster, der Heilige Geist, nicht zu euch. Wenn ich aber hingehe, so will ich ihn zu euch senden», Johannes 16,7.; und Johannes 14,3.: «so ich hingehe, so will ich euch die Stätte bereiten.»
    
Zu solchem reimt sich das andere Wort sehr fein, daß er sagte: «Du bist in die Höhe gefahren»; denn damit will er zwischen Christus und anderen, die auch gen Himmel fahren, einen Unterschied machen. Henoch ist aufgenommen zu Gott. Elias ist auf einem feurigem Wagen gen Himmel gefahren. Aber Christus ist nicht so gen Himmel gefahren; sondern er selbst, aus eigener Kraft, ist über sich gefahren, gleich wie er sich selbst von den Toten, aus eigener Kraft und Macht, ohne eines anderen Hilfe erweckt hat. Solches ist ein sehr großer Unterschied. Denn wir werden uns am jüngsten Tage von den Toten nicht auferwecken, sondern Christus wird uns auferwecken, Johannes 6,54. Aber Christus selbst steht aus eigener Kraft von den Toten auf; wie er sagt, Johannes 10,17. 18.: «Mein Vater liebet mich, daß ich mein Leben lasse, auf das ich wieder nehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selber. Ich habe es Macht zu lassen, und habe es Macht wieder zu nehmen; und Petrus in seiner ersten Predigt, Apostelgeschichte 2,24.: «Es war unmöglich, daß er sollte vom Tod gehalten werden.» So ist der Unterschied auch hier mit seiner und unserer Himmelfahrt. Wir fahren gen Himmel; denn Christus zieht uns zu sich. Er aber ist es, der aus eigener Kraft und Vermögen gen Himmel fährt; wie er spricht, Johannes 3,13.: «Niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel herunter gefahren ist.» Solchen Unterschied hat der Heilige Geist lange zuvor angezeigt, und damit uns lehren wollen, daß wir Christus als einen rechten, allmächtigen, ewigen Gott annehmen sollen.
    
Das aber der Psalm weiter sagt: «Du bist aufgefahren in die Höhe», solches ist, wie wir oben auch gesagt haben, nichts anderes, denn das Christus vor Pilatus sagt: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt.» Darum, ob wir wohl hier auf Erden mit der Nahrung, mit Weib, Kind und Gesinde, mit weltlichem Regiment, zu schaffen haben und müssen damit umgehen: doch weil wir auch Christen sind und Christus sein Reich nicht hier unten auf Erden führt, sollen wir unsere Herzen und Gemüt über sich heben, und nach solchem geistlichen Reich hauptsächlich trachten, und mit unserem Herzen und Gedanken damit umgehen.
    
Aber was geschieht? Die meiste Zeit steckt mit Leib und Seele, mit Händen und Herzen allein in diesem vergänglich in Leben, und trachtet, wie man hier genug habe, und nimmt sich nichts oder wenig an, daß Christus in die Höhe gefahren ist. Da möchte der Heilige Geist gern wehren, und predigt: Christus sei nicht auf Erden geblieben, sondern in die Höhe gefahren, auf das wir, weil wir mit dem Leibe noch hier unten sind, doch uns mit dem Herzen und Gedanken über sich heben, und unserer Herzen mit Sorgen dieses Lebens nicht beschweren. Denn also soll es bei den Christian ausgerichtet sein: der Leib und alte Adam soll mit diesem zeitlichen umgehen und damit beschwert sein; das Herz aber soll sich um das Ewige annehmen, wie Paulus spricht Kolosser 3,1. 2.: «Suchet, was droben ist, und nicht nach dem, daß auf Erden ist.»
    
Was tut aber Christus oben? oder warum ist der hinauf gefahren, und nicht ihr unten geblieben? Ist er müßig, oder tut er gar etwas? Von solchem meldet der Psalm sehr fein und spricht: «Du bist in die Höhe gefahren, und hast das Gefängnis gefangen.» Das ist über die Maßen tröstlich geredet, und wir können sehen, daß Christus eben auf diesen Psalm damals gedacht hat, da er Lukas dem 11. Kapitel das 21 das Gleichnis die von dem starken Gewappneten, der sein Haus in Frieden bewahrt, bis ein Stärkere über ihn kommt und überwindet ihn, der nimmt ihm alsbald den Harnisch, darauf er sich verließ, und teilet den Raub aus.
    
Denn wir arme Menschen sind darum unter des Teufels und des Todes Tyrannei; die halten uns gefangen, und es ist unmöglich, daß wir uns selbst davon könnten frei machen aus solch einem Gefängnis. Der Teufel treibt und regiert uns, und der Tod würgt uns; da ist keine Rettung, die wir von uns selbst haben könnten. Aber Christus, als der Stärkere, kommt, erstlich in aller Demut gibt er sich hin und läßt sich am Kreuz würgen. Bezahlt also mit seinem eigenen Tod für der ganzen Welt Sünde, als ein armes, unschuldiges Lamm. Da ist keine Kraft noch Macht; denn darum hängt er da, daß er den Tod leiden will.
    
Als nun die Sünde durch solchen Tod versöhnt und abgetragen ist, und der arme Christus in dem Grabe liegt, und niemand eine Hoffnung noch Trost seinetwegen hat, da macht er sich in aller Macht und Herrlichkeit wieder aus dem Tode hervor, wie wir diesen Ostern gehört haben, und, wie der Heilige Geist hier sagt, nimmt er das Gefängnis gefangen, das ist, er bricht dem Teufel und Tod seine Macht, und nimmt ihnen das Regiment, daß der Teufel nicht mehr den Christen schaden, und der Tod sie nicht mehr würgen noch die Sünde sie anklagen soll.
    
Darum wird hier ein umgekehrtes Wesen. Die Sünde hat uns zuvor gefangen gehalten und verklagt, der Teufel hat uns in die Sünde nach seinem Mutwillen gejagt, der Tod hat uns gewürgt. Solches soll nie wieder geschehen. Denn dazu ist Christus gen Himmel gefahren, daß er Sünde, Tod und Teufel will gefangen halten, daß sie uns nicht mehr Schaden tun sollen, wie zuvor; sondern wenn sie uns einen Schaden tun, so soll es doch uns zum Besten werden.
    
Die Sünde läßt es nicht, sie reizt und lockt, ob sie uns wider Gottes willen bewegen könnte und ein böses Gewissen machen. Wir aber sind so schwach, daß wir uns oft bewegen und betrügen lassen. So geschah es dem trefflichen, großen Mann David, der fiel in zwei schwere Sünden. Daß er aber in solcher Sünde nicht bleibt, sondern sie ihm vergeben wird und er nicht stirbt, hat die Ursache, daß die Sünde durch Christus ihre Kraft verlieren und gefangen werden sollte. Darum muß die Sünde den David nicht allein schaden, sondern ihn versuchen, daß er darum heftiger und ernster bete. Denn wenn er in solch eine Sünde und Not nicht gefallen wäre, würde er den schönen Psalm, nie gemacht haben.
    
Also ist es mit dem Tode auch: der kann es nicht lassen, er muß die Zähne gegen uns zeigen, und sich stellen, als wenn er uns fressen wollte. Wiederum können wir es auch nicht lassen, wenn wir solches sehen, müssen wir davor erschrecken und uns fürchten. Wie kommt es denn, daß der Tod nicht ausrichtet, was er gern wollte, und die Christen nicht würgt? Also, daß der Tod ein gefangene Tod ist, und kann so nicht einen Schaden tun und würgen, als wenn ihn Christus nicht gefangen hielte. Darum, wenn er am meisten tobt und wütet, und sich am Der Herr ist mein Hirte – Martin Luther sein Stichwortgeberschrecklichsten stellt, richtet er doch bei den Christen nicht mehr aus, denn daß er sie zu Gottes Wort treibt, daß sie dieses desto fleißiger üben, in sich bilden und damit sich trösten; da sonst, wo die Schrecken des Todes nicht wären, sie das Wort nicht so fleißig annehmen würden.
    
Eben also geht es mit dem Teufel auch: der ist ein böser Feind, schleicht Tag und Nacht den Christen nach, ob er sie fällen und ihnen den Schatz des ewigen Lebens nehmen könnte. Aber er ist ein Gefangener Geist, und soll nicht allein solches zuwege bringen, sondern je mehr er den Christen nachstellt, je vorsichtiger soll er sie machen, daß sie beten, in Gottes Wort sich üben und sich in Gottes Schutz befehlen. Da sie sonst, wo der Teufel nicht so wüten würde, häufig sicher und nachlässig würden. Weil aber der Feind keinen Frieden gibt noch ruhen kann, müssen sie mutig und vorsichtig sein.
    
Also dienen den Christen solche Anfechtungen, Schrecken und Gefahr nicht darum, als wäre nichts Schädliches an ihnen. Ihrer Natur und Eigenschaft wegen sind sie sehr schädlich, wie man an der Welt sieht. Aber da ist die Himmelfahrt unseres Herrn Christi in ihrem rechten Brauch und Übung, daß solche Feinde gefangen sind, und an den Christen das nicht ausrichten sollen, daß sie sonst nicht lassen könnten. Die Sünde würde verdammen, der Tod würgen und der Teufel in alle Not und Jammer werfen; aber es sind gefangene Feinde. Darum, ob sie es gleich böse meinen, soll es doch nicht schaden. Das ist nun eine herrliche und große Frucht der Himmelfahrt Christi, daß die großen Feinde Sünde, Tod und Teufel, die uns gefangen hielten, vom Herrn Christus gefangen, und wir der von erlöst sind; denn darum ist er gen Himmel aufgefahren und sitzt zur rechten Gottes, daß er vor solchen Feinden seine Christen schützen will.
    
Bei dem allein will er es aber nicht bleiben lassen; denn der Psalm sagt weiter: «Du hast Gaben empfangen für die Menschen.» Das ist, solche Gaben, die du den Menschen mitteilen und ihnen dadurch helfen sollst. Was mögen aber solches für Gaben sein? Christus sagt in Johannes 16,7. 8. Da er spricht: «So ich hingehe, will ich den Tröster zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, wird er die Welt Strafen um die Sünde, und um die Gerechtigkeit, und um das Gericht.» Und Petrus, Apostelgeschichte 2,33.: «nun er durch die Rechte Gottes erhöht ist, und empfangen hat die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater, hat er dies ausgegossen, daß ihr jetzt seht und hört.»
    
Nun aber richtet der Heilige Geist zweierlei aus: erstens bringt der uns durch das Evangelium zur Erkenntnis Christi, daß wir in seinem Namen Vergebung der Sünden glauben: zum anderen, das wir unser Leben bessern, der Sünde widerstehen und sie töten, und uns an einem herzlichen Gehorsam gegen Gott begeben. Das heißt Seele und Leib, Herz und alles an uns fromm machen. Denn wenn wir nie hier auf Erden, um unseres sündigen Fleisches willen, dahin kommen können, daß wir ganz rein und ohne alle Sünde werden; so wird doch solche anklebende Sünde, durch den Glauben an Christus, uns nicht zugerechnet, kann uns auch nicht verdammen. Das ist das erste, daß der Heilige Geist in uns ausrichtet.
    
Zum anderen braucht der Heilige Geist uns auch dazu, das wir durch das Wort und das Predigtamt andere auch zu solcher Gnade und Erkenntnis bringen. Darum deutet Paulus zu den Epheser an im 4. Kapitel 11-13. diesen Psalm, daß durch die Himmelfahrt Christi uns diese Gabe widerfahre, daß er etliche zu Apostel, etliche aber zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern gesetzt habe, «das die Heiligen geschickt seien zum Werk des Amtes, dadurch der Leib Christi erbaut werde, bis das wir alle zu einerlei Glauben und Bekenntnis des Sohnes Gottes kommen.» Denn wir sehen und erfahren, wie feind der Teufel dem Wort ist, und besonders in diesen Zeiten hetzt der Türke und Papst, daß sie das Wort dämpfen, und die Christenheit sollte wüste, oder wenigstens dünn machen. Und denn nach, je mehr Türke und Papst toben, je mehr nimmt Gottes Wort zu; und es ist ihnen und möglich, daß sie Taufe, Sakrament und Wort könnten ausrotten. Das ist nun auch ein Stück, an welchem wir die Himmelfahrt unseres Herrn Christi spüren; denn darum ist er denn Himmel gefahren, daß er den Heiligen Geist herunter senden, und sein Amt auf Erden fördern wolle.
    
Danach heißen auch das Gaben, daß Gott durchaus seine Kirche regiert und führt, in Anfechtung tröstet, in Verfolgung rettet, in der Wahrheit wieder Irrtum leitet und erhält, und besonders sie zum Gebet erweckt; wie der Herr im nächsten Evangelium sagt: «Am selben Tage werdet ihr beten in meinem Namen»; denn solches kann man ohne Hilfe des Heiligen Geistes nicht tun. In der Summe, was wir haben und empfangen, sind lauter Gaben Christi, und die rechte Frucht seiner fröhlichen Himmelfahrt; denn darum ist er aufgefahren, daß er dadurch sein Reich fördern, und sich eine christliche Kirche durch das Wort und den Heiligen Geist erhalten will.
    
Solches zeigt auch sehr schön Lukas in dem Text an, welchen wir am Anfang gehört haben. Denn er sagt: Da Christus habe wollen denn Himmel auffahren, habe er seine Hände aufgehoben und seine Jünger gesegnet. Nicht so gesegnet, wie wir häufig pflegen, daß einer dem anderen eine gute Nacht gibt oder Urlaub nimmt. Sondern er hat ihnen Glück und Heil zum Amt gewünscht, welches er ihnen befohlen hat, daß sie das Evangelium aller Kreatur, das ist, allerlei Ständen in aller Welt, predigen sollen. Denn das Evangelium ist nicht um der Bäume, Steine, Vögel oder Fische willen zu predigen befohlen, sondern um der Menschen willen; wie denn bald folgt: «Wer glaubt und getauft wird, der wird selig.» Stein und Holz werden nie glauben können; so hat man auch keinen Befehl, daß man sie taufen soll, wie die Katholiken tun. Darum wie Taufe und Glaube allein den Menschen gehört, also gehört ihnen auch allein die Predigt des Evangelium. Es braucht aber der Herr darum die Weise zu reden, und spricht: «Predigt allen Kreaturen», daß er alle Stände damit fassen will, daß kein Kaiser, kein König auf Erden so mächtig sein soll, er soll diese Lehre des Evangelium hören, annehmen und glauben, oder er soll verdammt sein. Zu solchem Befehl hebt der Herr seine Hände auf und segnet sie, das ist, er wünscht nicht allein, daß sie viel Gutes ausrichten, sondern er hilft auch zu solchem Amt, fördert und gibt das Gedeihen.
    
Wo nun das Heilige Evangelium gepredigt würde, da geht solches aufheben der Hände und Segen des Herrn Christi noch, daß es Frucht schaffen und nicht umsonst gepredigt werden soll. Und ist es in der Wahrheit tröstlich, daß eben jetzt der Herr, da er auffahren will, seine Hände so aufhebt und seine Jünger segnet. Denn damit will er anzeigen, daß wir uns seiner Auffahrt trösten sollen, und daß er solche Auffahrt uns zum Segen und zu unserem Besten brauchen will. Denn was bedürfte es sonst solch einer freundlichen Gebärde so er mit uns zürnen und sich unser in seinem Reich nicht wollte annehmen? Daß er nun seine Hände aufhebt, ihnen Glück und Heil zu den neuen befohlen Amt wünscht, das ist ja ein gewisses Zeichen, daß der Herr treu und freundlich uns meint, und wir solches aufheben der Hände und den Segen immer genießen sollen, weil das Evangelium gepredigt wird.
    
Darin sehen wir, was für ein tröstliches und freudenreiches Fest wir an der Himmelfahrt haben, und wie in vielen Wegen wir dieses genießen: das künftig, weil unser Fleisch und Blut, der Sohn Gottes, zur Rechten seines Vaters sitzt, der Sünde, dem Tode und Teufel alle Macht genommen, daß sie uns nicht schaden sollen. Wenn auch sie gleich unsere Todfeinde sind und sich immer wieder gegen uns stellen; so sind es doch gebundene und gefangene Feinde. Dazu schenkt uns Christus seinen Geist, daß derselbe uns in aller Wahrheit leiten, wieder allen Irrtum erhalten, in Anfechtungen trösten, mit uns beten und uns zum Beten ermahnen soll, und danach mit allerlei Gaben und Gnaden zieren. Denn wegen solcher Ursache ist Christus gen Himmel aufgefahren und sitzt zur Rechten Gottes, daß, wie Paulus sagt, er alles erfülle, das ist, uns alles gebe und schenke, daß wir zur Seligkeit und ewigen Leben bedürfen. Darum sollen wir der lieben Apostel Beispiele folgen und, wie Lukas hier sagt, mit ihnen den Herrn Jesus Christus anbeten, fröhlich und guter Dinge sein; und daneben Gott, unserem gnädigen Vater im Himmel, danken, ihn loben und preisen, und beten, daß er uns in solcher Gnade weiter erhalten, und endlich um Christi Jesu, seines Sohnes, willen wolle selig machen. Das verleihe uns Gott allen, Amen.

► Lesestoff

Home > Korsaren-Anthologie > Lesestoff > Bibliothek > Martin Luther > Martin Luther: Predigt über Christi Himmelfahrt


1a: Teil des Glaubensbekenntnisses (Anmerkung von read MaryRead)


Treffpunkt Literatur

 

 

 

Immer gut informiert sein. Melden Sie sich bei unserem kostenlosen Service read MaryRead – Treffpunkt Literatur an.


Service: