Literatursalon: Hommage an das Scheitern

2018-02-24, Februar 2018, read Mary Read, Literaturmagazin online, Käselöcher

Käselöcher

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Berlinale sowie die olympischen Spiele befinden sich im Endspurt. Einige Teilnehmer haben einen Teil ihres Lebensabschnitts vergoldet, versilbert oder verbronzt. Für den dritten Rang gibt es schon kein Verb mehr, verbronzt gibt es natürlich nicht. Etliche andere werden jedoch leer ausgehen, vermutlich werden sie jedoch mit neuen Erfahrungen nach Hause fahren. Wie sagt man so schön: Gewinnen kann jeder. Die eigentliche Kunst liegt demnach im Verlieren. Wir wünschen allen, egal ob Gewinner oder nicht, eine gute Heimfahrt.
     Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“, um sich mal am Buchtitel von Joachim Meyerhoff zu bedienen, die zwischen 2021 und 2023 wurde inzwischen von der Frankfurter Buchmesse geschlossen. Die Rede ist vom Ehrengast. Dazu unten mehr. In anderen Bereichen tun sich hingegen Lücken auf, zwar bisher eher nur kleine, aber sie sind da, statistisch erfasst: Obgleich der Absatz von E-Books steigt, geht der Umsatz zurück. Weitere Lücken werden nun weiter geschlossen, wie das Jahr 1968.

Inhaltsverzeichnis:

LITERATURpolitikum: Türkei und seine Schriftsteller
                                     Ehrengast 2022 steht fest
                                    Das E-Book 2017: Absatz von E-Books steigt, Umsatz geht zurück
RETROPERSPEKTIVE: Ein Roman sorgt weiterhin für Furore
KURZSTRECKE 1968er: Scheitern mit inbegriffen
DEUTSCHLANDS SCHÖNSTE BUCHHANDLUNGEN: Schanzenviertel
GESTORBEN: Eine Autorin
BESUCHT: Kinderbuchmesse in Köln
AUSGEZEICHNET: Gemeinsamkeiten von Bertolt Brecht und Nino Haratischwili
LITERATURVERFILMUNG / KINO: Das fehlerhafte Universum
TERMINE: Literatursendungen
                 
DRUCKFRISCH
                
Das Literarische Quartett“ im ZDF mit Philipp Tingler als Gast
GEDICHTET: „Ich habe Rom gesehen“
LITERATURFLUG: Zwischen Wahrheit und Fakes
AUCH DAS NOCH: Man stellt sich dem Elfenbeinturm entgegen
REDEN ÜBER GOTT: Damals und heute
DAS FAST ALLERLETZTE WORT: Olympische Lyrik


LITERATURpolitikum

Türkei und seine Schriftsteller

In der letzten Ausgabe vom Literatursalon berichtete read MaryRead über die Freilassung von Deniz Yücel. Noch am selben Tag wurden andere in der Türkei verurteilt, unter anderem der Schriftsteller Ahmet Altan, der seit dem 23. September 2016 in Untersuchungshaft sitzt. Amnesty International äußert sich über die Verhältnisse in der Türkei:

Urteile gegen Ahmet Altan, Mehmet Altan und Nazli Ilicak zeigen erneut, dass die unabhängige Presse in der Türkei Opfer von Willkür und Repression bleibt

Sechs Angeklagte, unter ihnen die drei Journalisten, sind am 16. Februar 2018 in der Türkei zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Dazu äußert sich Markus N. Beeko, Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland:

Heute, am Tag der Freilassung von Deniz Yücel, sind die Journalisten Nazli Ilicak und die beiden Brüder Ahmet und Mehmet Altan von einem türkischen Gericht zu lebenslangen Haftstrafen unter verschärften Bedingungen verurteilt worden. Diese Urteile verhöhnen rechtstaatliche Prinzipien und die Europäische Menschenrechtskonvention. Erst vor wenigen Wochen hatte das türkische Verfassungsgericht die Haft von Mehmet Altan für verfassungswidrig erklärt, untergeordnete Gerichte haben diese Entscheidung aber missachtet.“

Die heutige Freilassung von Deniz Yücel ist ein positives Zeichen, doch die Urteile gegen die Journalisten am selben Tag erinnern auf dramatische Weise daran, dass es in der Türkei keine Presse- und Meinungsfreiheit mehr gibt. Die mehr als 100 weiteren inhaftierten Journalisten zeigen: Wer offen und kritisch berichtet, ist der Willkür der türkischen Behörden ausgesetzt und kann in keinster Weise auf faire Verfahren vertrauen.“

– Amnesty International, Pressemitteilung –

Ehrengast 2022 steht fest

Vor kurzem haben wir in der Ausgabe „Literatursalon: Totgesagte leben länger berichtet, dass 2023 Italien Gastland auf der Frankfurter Buchmesse wird. Nun steht auch der Ehrengast für das Jahr 2022 fest:

Literatursalon, 2018-02-24, Juergen Boos (Direktor der Frankfurter Buchmesse), Renata Zamida (Slowenische Buchagentur) und der slowenische Kulturminister Anton Peršak

Von li nach re: Juergen Boos (Direktor der Frankfurter Buchmesse), Renata Zamida (Slowenische Buchagentur) und der slowenische Kulturminister Anton Peršak / © Frankfurter Buchmesse

Slowenien wird Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2022

Das zukünftige Gastland beleuchtet die identitätsstiftende Rolle der Literatur für Politik und Gesellschaft

Das Gastland der Frankfurter Buchmesse 2022 steht fest: Heute haben die Direktorin der Slowenischen Buchagentur, Renata Zamida, und Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, in Anwesenheit des slowenischen Kulturministers Anton Peršak und im Beisein zahlreicher Autorinnen und Verleger den Auftritt Sloweniens als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse (19. – 23. Oktober 2022) vertraglich besiegelt. 

Literatur spielt in der slowenischen Gesellschaft eine außergewöhnliche Rolle. 30 Jahre nachdem slowenische Intellektuelle und Autoren mit der ‚Verfassung der Schriftsteller‘ die Grundlage für die Konstitution nach der Unabhängigkeitserklärung von Jugoslawien 1991 gebildet haben, bereitet Slowenien seiner Literatur und Kultur ein großes Fest in Frankfurt“, sagte Juergen Boos bei der Vertragsunterzeichnung. „Die hiesige Literaturszene ist sehr lebendig und strahlt weit über die Landesgrenzen hinaus. Es begeistert mich zu sehen, welchen hohen Stellenwert die Lyrik in Slowenien genießt. Wir freuen uns sehr auf den Auftritt der slowenischen Autoren, Künstler und Verleger in Frankfurt und werden gemeinsam mit ihnen die Geschichten des Landes entdecken.“

Renata Zamida, Direktorin der Slowenischen Buchagentur, sagte:

Unser 1991 gegründeter Staat Slowenien wird einer der ‚jüngsten‘ Ehrengäste in der Geschichte der Frankfurter Buchmesse sein. Die slowenische Literatur als solche existiert jedoch schon weitaus länger als der souveräne Staat Slowenien – und ihr Einfluss reicht auch weit über dessen Grenzen hinaus. Man denke an die viel beachteten literarischen Werke slowenischer Autoren in den Nachbarländern, wie z.B. an Maja Haderlap in Kärnten oder an den in Triest lebenden Boris Pahor, der in Italien, Frankreich und Deutschland bereits als slowenischer Klassiker der Gegenwartsliteratur gilt. Die weltweit wichtigste Buchmesse bietet eine einmalige Gelegenheit, das Spektrum slowenischer Literatur und Kultur einem internationalen Publikum zu präsentieren. Der slowenische Auftritt 2022 in Frankfurt weckt positive Erwartungen in der gesamten slowenischen Kultursphäre, besonders natürlich in der Buchbranche. Wir merken, dass schon der Auftakt grenzüberschreitend wirkt und die Aufmerksamkeit der internationalen Verlagswelt auf sich zieht.“ 

Kulturminister Anton Peršak sagte zur Vertragsunterzeichnung:

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Für den Überblick:

2018: Georgien ist Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse
2019: Norwegen wird Ehrengast sein
2020: Kanada wird Ehrengast sein
2021: Spanien wird Ehrengast sein
2022: Slowenien wird Ehrengast sein
2023: Italien wird Ehrengast sein

Die slowenische Regierung und die kulturinteressierte und kulturschaffende slowenische Öffentlichkeit sehen in der Einladung, die slowenische Literatur und Slowenien als Land mit einer reichen Kultur auf der Frankfurter Buchmesse zu präsentieren, eine außerordentliche Gelegenheit. Wir wollen insbesondere der deutschsprachigen und auch breiteren kulturinteressierten Öffentlichkeit die Leistungen und das Potential der slowenischen Literatur präsentieren. Diese hat seit ihren Anfängen im Mittelalter und ihrer Entfaltung Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine konstitutive Rolle in der Entwicklung und dem Bestehen der Nation, der Sprache und nicht zuletzt der Gründung eines souveränen Staates inne. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts erfährt sie in allen Gattungen und Genres sowohl quantitativ als auch qualitativ eine außerordentliche Blütezeit.“ 

– Frankfurter Buchmesse, Pressemitteilung –

 

Das E-Book 2017: Absatz von E-Books steigt, Umsatz geht zurück

Absatz von E-Books am Publikumsmarkt steigt um 3,9 Prozent / Rückläufige Kundenzahl und sinkende Preise führen zu Umsatzminus von 1,4 Prozent / Börsenverein meldet vierteljährlich E-Book-Zahlen

2017 gingen mehr E-Books über die virtuelle Ladentheke als im Vorjahr: Der Absatz am Publikumsbuchmarkt legte um eine Million auf 29,1 Millionen Exemplare zu. Zugleich stiegen die durchschnittlichen Ausgaben der Käufer. Im Jahr 2017 war ihnen die Digitallektüre in Summe 53,13 Euro wert – 6,8 Prozent mehr als 2016. Im Schnitt legte sich jeder Käufer 8,3 E-Books in den Warenkorb, die Kaufintensität stieg damit um 12,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
     Der Umsatz von E-Books am Publikumsmarkt sank leicht um 1,4 Prozent. Das liegt zum einen daran, dass die Käufer günstigere Titel bevorzugten. Der durchschnittlich bezahlte Preis ging weiter zurück, von 2016 auf 2017 um 5,1 Prozent, und lag somit zuletzt bei 6,38 Euro. Zum anderen sank die Zahl der Käufer um 7,7 Prozent von 3,8 Millionen 2016 auf 3,5 Millionen im letzten Jahr. Der Umsatzanteil bleibt mit 4,6 Prozent auf Vorjahresniveau.

MEHR ZUM THEMA:
> Buchmarkt 2017: Erste Bilanz des Gesamtjahres
> Weihnachtsgeschäft 2017: Verlauf und Bilanz

Das E-Book gewinnt bei seinen Nutzern weiter an Bedeutung. Sie intensivieren ihre Käufe und Ausgaben weiter. Allerdings macht der Wettbewerb um Zeit und Aufmerksamkeit der Menschen auch vor dieser Editionsform nicht Halt. Das E-Book verzeichnet zum zweiten Mal in Folge Käuferrückgänge. Die Branche analysiert derzeit intensiv, aus welchen Gründen und Motiven Käufer abwandern. Ziel ist es, Käufer für das gedruckte wie digitale Buch zu begeistern und zurückzugewinnen“, sagt Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels meldet in Kooperation mit GfK Entertainment vierteljährlich die Entwicklung auf dem E-Book-Markt. Die Hochrechnungen der E-Book-Absätze und -Umsätze stammen aus dem GfK Consumer Panel Media*Scope Buch mit insgesamt 25.000 Personen. Sie sind repräsentativ für die deutsche Wohnbevölkerung ab zehn Jahren, für insgesamt 67,7 Mio. Menschen.

(): Quartalszahlen als Infografiken

– Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Pressemitteilung –


RETROPERSPEKTIVE

Ein Roman sorgt weiterhin für Furore

Religion, Chassiden, USA, New York, Religion, Wissen ist Macht, Sigmund Freud,Vor zwei Jahren, am 23. Februar 2016, erschien in Deutschland der Roman „Unorthodox“ von Deborah Feldmann. Bis heute ist sie sowie ihr Roman im Gespräch. Erst kürzlich war sie in der Sendung bei Markus Lanz.

Roman:
Feldmann, Deborah: Unorthodox
Wissen ist Schuld

mehr > von Simone Jawor / 10.04.2017


KURZSTRECKE 1968er

Scheitern mit inbegriffen

Landauf, landab wird sich mit 1968 auseinandergesetzt, meistens handelt es sich um die politisch-gesellschaftliche Dimension. Im Literatursalon wird geschaut, was literarisch los war.

Am 23. Februar 1968 wurde die australische Schriftstellerin Sonya Hartnett geboren.

In Berlin sollte am 26. Februar 1968 in einem Gerichtsverfahren geklärt werden, inwiefern der Regisseur Rudolf Noelte als Bearbeiter des Max Frischs Stücks „Biografie“ gelten kann. Nach seinen Angaben seien 238 Änderungen, die er anlässlich der Züricher Uraufführung an Max Frischs Stück vornahm, in die Buchausgabe des Suhrkamp Verlages aufgenommen worden. Deshalb forderte er eine Beteiligung an den Tantiemen und Nennung seines Namens bei jeder Aufführung. Der Regisseur verlor das Verfahren, das Theaterstück wurde am 1. Februar 1968 mit den Änderungsvorschlägen von Rudolf Noelte uraufgeführt, später überarbeitete Max Frisch sein Stück erneut und entfernte dabei sämtliche Anmerkungen des Regisseurs.

Am 23. Februar 1968 starb die amerikanische Schriftstellerin Fannie Hurst im Alter von 78 Jahren.

Am 12. Januar 1968 wurden die vier russischen Dichter und Schriftsteller Juri Timofejewitsch Galanskow, Alexander Iljitsch Ginsburg, Alexej Dobrowolskij und Vera Laschkowa wegen „antisowjetischer Propaganda und Agitation“ zu Haftstrafen zwischen einem und sieben Jahren verurteilt. Am 26. Februar desselben Jahres forderte der Präsident des Deutschen PEN-Zentrums, Dolf Sternberger, den Ersten Sekretär des sowjetischen Schriftstellerverbandes Konstantin Alexandrowitsch Fedin auf, sich für eine Revidierung der Urteile, bzw. eine Milderung der Strafen gegen die vier Inhaftierten einzusetzen.

Am 27. Februar 1968 starb der deutsche Schriftsteller Johannes Tralow im Alter von 85 Jahren.

In New York wird im Februar 1968 ein Stefan-Zweig-Zentrum mit Unterstützung des Österreichischen Kulturinstituts eröffnet.

Am 29. Februar 1968 wurde die irische Schriftstellerin Emer Martin geboren.

Hans Magnus Enzensberger gab seine Gastdozentur an der amerikanischen Wesleyan University in Middletown im Februar 1968 auf, um – so Hans Magnus Enzensberger – „nach Kuba zu gehen und dort für längere Zeit zu arbeiten.“ Sein Entschluss sorgte in den USA für großes Aufsehen. Uwe Johnson verfolgte die Berichterstattung in der „New York Times“ und zitierte sie in seinen „Jahrestagen“.

Max Frisch, Peter Bichsel und Hugo Loetscher schließen sich in Zürich mit Stellungnahmen in der „Weltwoche“ im Februar 1968 der Protestbewegung gegen den Vietnamkrieg an.

Bei der Premiere im Februar 1968 des Theaterstücks „Gerettet“ (Originaltitel: Saved) von Edward Bonds verlassen in Hannover etwa 50 Besucher „Aufhören!“ rufend das Theater. Wegen der „Kinderwagenszene“, bei der ein Säugling im Kinderwagen gesteinigt wird, hatte es schon bei der Londoner Uraufführung am 3. November 1965 Proteste gegeben. Bei der Kasseler Premiere drückte das Publikum mit Trillerpfeifen sein Missbilligung aus, doch am Ende applaudierte die Mehrheit der Zuschauer.

Die Poetikvorlesungen in München von der Akademie der Schönen Künste ausgerichtet mit dem schweizerischen Schriftsteller Max Frisch („Theaterprobleme – in eigener Sache“), dem Theaterwissenschaftler Henning Rischbieter („Das Theater und die Wirklichkeit“), dem Theaterkritiker Sigfried Melchinger („Die Gegenwart der Klassiker“), gemeinsam mit der Kulturwissenschaftlerin Maja Turowskaja und der russischen Schriftstellerin Soja Bogusslawskaja („Das russische Theater der Gegenwart“) sowie mit dem deutschen Dramatiker und Schriftsteller Tankred Dorst („Arbeit an einem Stück“) gehen im Februar 1968 zu Ende.

Am 1. März 1968 starb der deutsche Schriftsteller Georg von der Vring im Alter von 78 Jahren.

In der Nürnberger Stadtbibliothek wurde am 1. März 1968 die Ausstellung „Drei fränkische Autoren. Friedrich Schnack, Jacob Wassermann, Georg Gustav Wieszner“, von Friedrich Bröger organisiert, eröffnet.

Am 1. März 1968 fand die Autorenlesung mit
Thomas Bernhard in den Räumlichkeiten der Österreichischen Gesellschaft für Literatur statt.
(): Anhören 

Der schweizerische Verleger und Schriftsteller, Otto Friedrich Walter trat am 1. März 1968 als Mitverleger und Juniorpartner von Eduard Reifferscheid in den Luchterhand-Verlag ein. 18 deutschsprachige Autoren, von denen bisher Bücher im Walter-Verlag Olten erschienen waren, folgen Walter zum Luchterhand-Verlag, darunter H.C. Artmann, Peter Bichsel, Helmut Heißenbüttel, Ernst Jandl, Wolfgang Weyrauch und Gabriele Wohmann. Andere wechselten hingegen zum Diogenes Verlag wie Alfred Andersch oder zum Piper Verlag wie Alexander Kluge und Urs Widmer ging zum Suhrkamp Verlag.


DEUTSCHLANDS SCHÖNSTE BUCHHANDLUNGEN

Schanzenviertel

Seit 2002 ist die Buchhandlung Cohen + Dobernigg im Hamburger Schanzenviertel nicht mehr wegzudenken. Nicht nur das sie dreimal in Folge mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet wurde, sie besticht vor allem durch ihren Design, so die Ansicht des Börsenblatts des Deutschen Buchhandels.

Überzeugen Sie sich selbst:

GESTORBEN

Nebel, Herbst, gelbe Wolken, grau, Bäume, ohne Blätter, Tod,

Ein ewig Rätsel ist das Leben,
und ein Geheimnis bleibt der Tod.“
– Franz Emmanuel August Geibel –

* 11.12.1959        † 13. Februar 2018

Susanne Preusker

deutsche Autorin

Bekannt ist Susanne Preusker vor allem durch ihr Buch „Sieben Stunden im April“ indem sie ihre traumatische Erfahrung aus dem Jahr 2009, indem sie von einem Häftling als Geisel genommen und missbraucht wurde, verarbeitete. Sie beging am 13. Februar 2018 Selbstmord.


BESUCHT

Kinderbuchmesse in Köln

Am vergangenen Dienstag konnten wir in Köln eine kleine, dafür sehr feine Kinderbuchmesse besuchen.

Pressemesse, Kirsten Boie, Mark Twain, read MaryRead, Literaturmagazin online, die kleine Hexe, Spinne, Spinnenetz, violett, EinladungSpeaking-Corner:
Neue Kinderbücher Frühjahr 2018

Sensationelles

Auch wenn man schon länger im Literaturbetrieb tätig ist und glaubt, dass letztendlich alte Themen lediglich neu aufgewärmt werden, können eines besseren belehrt werden. Aufgefallen sind zugleich mehrere Bilderbücher, eines, wie sollte es anders sein, handeltmehr > 22.02.2018

AUSGEZEICHNET

Gemeinsamkeiten von Bertolt Brecht und Nino Haratischwili

Die Auszeichnung bekommt die Georgierin unter anderem auch deshalb, da es zwischen ihrem Werk und Bertolt Brecht von Themenwahl und Umsetzung Gemeinsamkeiten gibt.

rote Lippen, schwarzes Haar, Georgien, Georgiein, schwarzes Oberteil,

Literaturpreis:
Bertolt-Brecht-Preis 2018 geht an die Autorin Nino Haratischwili

mehr > 20.02.2018

LITERATURVERFILMUNG / KINO

Das fehlerhafte Universum

Am 19. April 2018 kommt die Verfilmung nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Salah Naoura „Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums“ in die Kinos.

Trailer:

Lehrer können zu diesem Buch kostenlos Unterrichtsmaterialien herunterladen (): Beltz & Gelberg Verlag


TERMINE

Literatursendungen

Antiquariatsmesse

Vom 23. bis 25. Februar 2018 findet in Zürich die 23. Antiquariatsmesse im Kunsthaus Zürich statt.
Weitere (): Informationen erhalten Sie hier  

DRUCKFRISCH

Bücher, Fernsehsendung,Am 25. Februar 2018 wird um 23.45 Uhr bei ARD eine neue Sendung von DRUCKFRISCH mit Denis Scheck ausgestrahlt. Auf folgende Autoren und Lektüre können Sie sich freuen:
– Lucy Fricke: Töchter (Roman)
– Emanuele Coccia: Die Wurzeln der Welt (Sachbuch)
Empfehlung von Denis Scheck: Joan Didion: South and West (Sachbuch, englische Sprache)
Und wie immer stellt Denis Scheck seine Ansicht über die Spiegel-Besteller-Liste mit den ersten 10 Rängen vor, dieses Mal spricht er über die Belletristik.

„Das Literarische Quartett“ im ZDF mit Philipp Tingler als Gast

Literatursalon, 2018-02-24, Thea Dorn, Volker Weidermann, Christine Westermann

„Das Literarische Quartett“: von li nach re: Thea Dorn, Volker Weidermann, Christine Westermann / ©: ZDF, Svea Pietschmann

Volker Weidermann lädt am Freitag, 2. März 2018, 23.00 Uhr, gemeinsam mit Christine Westermann und Thea Dorn erneut im ZDF zum Gespräch über Bücher. Zu Gast beim „Literarischen Quartett“ ist dieses Mal der schweizerisch-deutsche Schriftsteller Philipp Tingler, der auch in der Literatursendung des Schweizer Fernsehens, dem „Literaturclub“, mitwirkt. Seine Dissertation schrieb er über „Dichtung und Kritik – Thomas Mann und den transzendentalen Idealismus Immanuel Kants“. Ironisch schildert er das Züricher Gesellschaftsleben in seinem ersten Roman „Hübsche Versuche“ (2000). 2015 erschien sein Roman „Schöne Seelen“: Der wieder die Welt der Reichen und Schönen seziert. 2001 erhielt Philipp Tingler die Ehrengabe des Kantons Zürich für Literatur; 2008 den Kasseler Literaturpreis für komische Literatur.

Im Foyer des Berliner Ensembles diskutieren die vier über Werke von James Baldwin, Felicitas Hoppe, Monika Maron sowie Jon McGregor.
     Seit „I Am Not Your Negro“, dem oscarnominierten Dokumentarfilm über James Baldwin, gibt es in Amerika eine Renaissance des afro-amerikanischen Schriftstellers. Der dtv-Verlag plant nun eine neue Ausgabe seiner Werke in deutscher Sprache und beginnt mit Baldwins erstem Roman: „Von dieser Welt“, erschienen 1953. Es ist die stark autobiografisch geprägte Geschichte von John, einem schwarzen Jungen, der von seinem Stiefvater geprügelt, gedemütigt und verachtet wird – bis John einen mutigen Schritt wagt. Ein Lehrstück darüber, wie die Gewalt von Generation zu Generation wächst, wie sie Menschen stumm oder laut macht, zu zitternden Opfern oder brutalen Tätern.
    
Endlich die „Wahrheit“ über Amerika. Die Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe ist quer durch die USA gereist. Die Route haben andere vorgegeben: die beiden russischen Schriftsteller Ilja Arnoldowitsch Ilf, der unter dem Pseudonym „Ilf“ schrieb und Jewgeni Petrow, die häufig gemeinsam ihre Werke unter der Bezeichnung „Ilf und Petrow“ veröffentlichten, die vor 80 Jahren die Vereinigten Staaten erkundeten und zu Kultfiguren wurden. Ob Felicitas Hoppe mit den beiden den ersten elektrischen Stuhl besichtigt, nebenbei den Zaun von Tom Sawyer streicht oder im Auge des Sturms auf Quentin Tarantino höchstpersönlich trifft – „Prawda“ (russisch: Wahrheit) lässt uns Amerika mit neuen Augen sehen.
    
Mit Spannung wird Monika Marons neuer Roman „Munin oder Chaos im Kopf“ erwartet. Darin geht es um die Journalistin Mina Wolf, die einen Aufsatz über den Dreißigjährigen Krieg schreibt. Gestört wird sie dabei durch eine irre Nachbarin. Die singt von morgens bis abends auf ihrem Balkon und zwingt Mina, nur noch nachts zu arbeiten. Die kleine Straße gerät zunehmend in Aufruhr, und in Minas Kopf vermischen sich der Dreißigjährige Krieg, die täglichen Nachrichten über Gewalt und Terror mit den Aggressionen in der Nachbarschaft. Und dann stiftet auch noch die Krähe Munin Verwirrung.
    
Ein Mädchen verschwindet in einem englischen Dorf und wird 13 Jahre lang gesucht. Das klingt nach Krimi. Aber „Speicher 13“ von Jon McGregor ist viel mehr. Die Ermittlungen treten immer weiter in den Hintergrund. Den Erzähler interessiert, wie die Bewohner im Lauf der Jahre mit der Tragödie umgehen:

Ich wollte kein Buch schreiben, das die Leser einlädt, mitzuraten, Indizien zu sammeln und auf die Auflösung zu warten. Ich wollte zeigen, wie sich Menschen verändern, wenn einfach keine Antwort kommt“, so McGregor, der für „Speicher 13“ für den Booker Prize nominiert war.

Das Literarische Quartett“ wird im Foyer des Berliner Ensembles mit Publikum aufgezeichnet. Die nächste Sendung findet am 20. April statt.

Bücherliste:
James Baldwin: Von dieser Welt (dtv)
Felicitas Hoppe: Prawda. Eine amerikanische Reise (S. Fischer)
Monika Maron: Munin oder Chaos im Kopf (S. Fischer)
Jon McGregor: Speicher 13 (Liebeskind)

– ZDF, Pressemitteilung / read MaryRead –


GEDICHTET

„Ich habe Rom gesehen“

Zacharias Werner hatte sich ähnlich wie Johann Wolfgang von Goethe für einige Zeit abgesetzt, ist mehr oder weniger quer durch Europa gereist. Eine Zwischenstation war Rom.

Gedicht, Italien, 15. Februar, 1811, deutscher Dichter, Romantik, read MaryRead, Literaturmagazin online,Gedicht:
Werner, Zacharias: Betrachtung
(Rom, den 15. Februar 1811.)

Ich habe Rom gesehen, / Ich kann nun weiter gehen, / Ich hab’ genug gesehn; / Mehr als ich je begehret, / Hat mir das Glück bescheret, / Ich kann nach Haus nun gehn! / Ich war vom Haus entfernt, / Was hab’ ich d’raus gelernt? / Daß weit der Weg entfernt! / Denmehr > eingestellt am 24.02.2018

LITERATURFLUG

Zwischen Wahrheit und Fakes

Wie jede Woche durchstöbern wir das Internet nach Lesenswertem, Wissenswertem und ähnliches. Dieses Mal habe wir für Sie:

Ansgar Warner (): Mit den Autorinnen verschwinden die weiblichen Charaktere: Langzeitstudie zeigt kontinuierliche „Vermännlichung“ der Belletristik

Comic: Andreas Platthaus (): Fabelhafte Fake News

(): SWR-Bestenliste Februar 2018


AUCH DAS NOCH

Man stellt sich dem Elfenbeinturm entgegen

Seitdem bekannt ist, dass die Berliner Alice Salomon Hochschule das Gedicht „avenidas“ von dem schweizerischen Dichter und Schriftsteller Eugen Gomringer aus sexistischen Gründen (das keine sind), entfernen lassen will, ist die Empörung groß. Es steht zu viel auf dem Spiel: Kunstfreiheit. Im „Literatursalon: Halt! Hier Grenze“ betitelte das Literaturmagazin read MaryRead dieses Vorgehen als „Eine Groteske?“. Kurz nach der Bekanntgabe regte sich Widerstand, zunächst ehrte die Akademie der Künste Berlin den Dichter (wir berichteten darüber), dann ließ die Stiftung an der Fassade des Max-Liebermann-Hauses in Berlin, direkt am Brandenburger Tor, das geschmähte Gedicht auf ihre Fassade anbringen, dem folgte, nach Informationen von „Die Welt“ nun auch das Verlagshaus Axel Springer. Dem Ganzen geht ein Aufruf der Tochter Nora Gomringer voraus. In „Die Welt“ schrieb sie: „Klebt das Gedicht meines Vaters überall hin!“ Man darf gespannt sein, wer hier mehr für Freiheit sorgt: Der wissende Elfenbeinturm oder der Aufruf von Nora Gomringer.
(): Der doppelte Gomringer am Brandenburger Tor


REDEN ÜBER GOTT

Damals und heute

Es überrascht, dass so manche Sichtweise aus dem 16. Jahrhundert sich gar nicht so sehr von heutigen unterscheidet. Auch wenn man sich zunächst an die Sprache von Johannes Agricola gewöhnen muss, so lohnt es sich, die Auslegung des Reformators und zeitweiliger Freund von Martin Luther zu lesen.

Dahlbrucher Kirche, Kreuz, buntes Kreuz, Bibelauslegung, Bibelkommentar, Neues Testament, read MaryRead, Literaturmagazin online,Bibelkommentar:
Agricola, Johannes: Ayn kurtze verfassung des spruchs Matthei am 16.
Wen sagen die leutte / das da sey des menschen son ec. Für die iugent und aynfeltigen.
Das Lucas sagt am zehenden/ wie Christus dise frage thon hat an seine Jünger / da er vom gebet sey auffgestanden / Bedeut das es die höchste frage unnd antwort sey / die alle bayde hie geschehen / darinnen aller menschen glück und seligkait hanget / Dann wermehr > eingestellt am 25.02.2018

DAS FAST ALLERLETZTE WORT

Literatursalon, 2018-02-24, Ringe der Olympiade, Kirsten Boie, blau, schwarz, rot, gelb, grün, read MaryRead, Literaturmagazin online,Olympische Lyrik

Was für eine Vorstellung: Jeder Teilnehmer an den olympischen Spielen muss sich nicht nur im sportlichen Bereich beweisen sondern auch im Bereich der Literatur. Man stelle sich nur vor, wie alle Teilnehmer händeringend nach Worten suchen, obgleich sie durchaus darin Übung haben, vor allem dann, wenn der Verdacht von Doping besteht. Nicht alles war früher besser, dennoch gefällt mir die Idee ausgezeichnet, doch diese ist (leider) gar nicht auf meinem Mist gewachsen, da diese Disziplin bis 1948 fester Bestandteil der Olympiade war. Die Literatur würde sicherlich wieder einen höheren Stellenwert bekommen, eine höhere Akzeptanz.

Wenn Sie nichts Gedoptes haben möchten stattdessen fundierte Informationen, freuen wir uns sehr, wenn Sie in unserem nächsten Literatursalon wieder rein schauen.

Wir wünschen Ihnen ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche. Wir freuen uns auf Ihren nächsten Besuch.

Falls Sie sich mal wieder über eine Lektüre ärgern:
Bücher haben Kanten, um das Denken anzustoßen.

© read MaryRead 2018

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