Literatursalon: Mitten hinein in den Alltag

Januar 2018, Humorvoller Start, read Mary Read, Literaturmagazin online

Humorvoller Start

Liebe Leserin, lieber Leser,

Die Feiertage sind nun endgültig vorerst vorbei, dass kann man auch an der deutlichen Zunahme von Bekanntmachungen und Terminen feststellen. Im Klartext bedeutet das für die meisten, dass der graue Alltag wieder da ist. Um den erst gar nicht so richtig aufkommen zu lassen, hilft vor allem eines: Humor. Mit Humor lässt sich eine Menge ertragen, selbst den derzeitigen amerikanischen Präsidenten. Kaum ist das Buch „Fire and Fury“ auf dem Markt, schon stiftet es eine köstliche Verwirrung. Wollten zu Beginn die meisten Leser das Buch über Donald Trump haben, kauften sie versehentlich das Sachbuch, dass denselben Titel trägt, von dem kanadischen Historiker Randall Hansen anstatt von Michael Wolff. Von dem erstgenannten wird das Dritte Reich beleuchtet und somit könnte es sogar hilfreich sein, dieses Buch in die Hand zu nehmen. Der Historiker ist darüber hocherfreut, denn wie Die Welt mitteilte, lag dieses Buch lange herum und war im begriff zu verstauben. Doch dem Ganzen nicht genug, als einige Schlaumeier diese Verwechslung in den verschiedenen sozialen Netzwerken offenlegten, schnellen seitdem erst recht der Verkauf des Sachbuches vom Historiker in die Höhe. Aber auch das Buch über Donald Trump verkauft sich erwartungsgemäß recht gut. In Deutschland hat sich der Rowohlt Verlag die Rechte für die Übersetzung gekauft und es soll am 19. Februar 2018 unter dem Titel „Feuer und Zorn“ erscheinen.

Und nun zur ernsten Lage: Zu nennen sei hier der Stellenabbau bei Ex Libri, die Gefangenen in der Türkei. Neben den sehr ernsten Angelegenheiten haben wir das Autorencafé „fremdwOrte“ besucht, eine Buchbesprechung für Sie und noch einiges mehr.

Inhaltsverzeichnis:
LITERATURpolitikum: Bertelsmann erweitert globales Start-up-Netzwerk
                                    #verlagegegenrechts
                                    Schweizer Ex Libris-Kette schließt 43 Filialen: 114 Arbeitsplätze sind betroffen
                                    Türkisches Verfassungsgericht ordnet Freilassung von zwei Journalisten an

BESPROCHEN: Goethes Faust & Einsteins Haken

GESTORBEN: Vier Schriftsteller sind gestorben

LESUNG: Autorencafé in Köln besucht

AUSGEZEICHNET: LUCHS des Monats Januar 2018
                                 Deutscher Hörbuchpreis 2018: 18 Nominierte im Finale

TERMINE: Alles Theater
                  Noch kann man zu der Literaturausstellung

LITERATURFLUG: Diverse Verlinkungen

AUCH DAS NOCH: Die Entlarvung


LITERATURpolitikum

Bertelsmann erweitert globales Start-up-Netzwerk

Bertelsmann hat sein globales Netzwerk aus Start-up-Beteiligungen weiter ausgebaut: Der internationale Medien-, Dienstleistungs- und Bildungskonzern tätigte im vergangenen Jahr über seine im Unternehmensbereich Bertelsmann Investments gebündelten Fonds mehr als 70 Investitionen weltweit. Parallel tätigte das Unternehmen einige Exits; Gewinne aus Beteiligungsverkäufen – allen voran beim China-Fonds Bertelsmann Asia Investments (BAI) – leisteten einen relevanten Anteil zum Konzernergebnis. Insgesamt hielt Bertelsmann zum Jahresende über seine Fonds Anteile an mehr als 160 innovativen Start-ups und Investment-Fonds.
     Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann, sagte:

„Investitionen in junge Digitalfirmen mit innovativen Geschäftsmodellen spielen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung unserer Strategie. Durch diese Investitionen stellen wir den Transfer von Wissen sowohl über digitale Trends, die uns bei der Transformation unterstützen, als auch über vielversprechende Märkte sicher. Besonders in unseren strategischen Wachstumsregionen China, Indien und Brasilien haben wir unser Netzwerk an Start-up-Beteiligungen in den vergangenen Jahren massiv erweitert und mehrfach gezeigt, dass wir ein idealer Partner für innovative Gründer sind, die ihre Aktivitäten ausbauen möchten.“

Zu den rund 70 Investitionen in Start-ups und Investment-Fonds, die Bertelsmann 2017 tätigte, gehörten unter anderem Beteiligungen am Bildungsanbieter Eruditus in Indien, der Bike-Sharing-App Mobike in China und dem Video-Unternehmen Wibbitz in den USA. In Brasilien stockte der Konzern gemeinsam mit dem Partner Bozano Investimentos seinen Anteil an Medcel, einem Anbieter von Vorbereitungskursen für Medizinstudenten, auf. Ein Großteil der Start-ups sind in Geschäftsfeldern tätig, die eine hohe Relevanz für den Konzern haben, darunter innovative Medien-Angebote, Dienstleistungen im E-Commerce-Bereich sowie Bildung.

– Bertelsmann –

#verlagegegenrechts

In unserer letzten Ausgabe vom „Literatursalon: Es muss einen Ruck geben“ berichteten wir unter anderem über #verlagegegenrechts. Da uns dies sehr am Herzen liegt, möchten wir Sie auf diesem Wege auf zwei externe Beiträge aufmerksam machen:

Bei Deutschlandfunk Kultur kann
man den Artikel „Gehören rechte Verlage auf die Buchmesse?“ nachlesen aber auch im Podcast nachhören (
)

Außerdem kann man bei Deutschlandfunk Kultur eine Stellung von dem Schriftsteller Georg M. Oswald zur Debatte um rechte Verlage nachlesen und nachhören.
(): Erregte Meinungsverschiedenheiten gehören dazu

Schweizer Ex Libris-Kette schließt 43 Filialen: 114 Arbeitsplätze sind betroffen

Wie der buchreport am 10.01.2018 berichtete, wird Ex Libris im Rahmen der Sanierung in etwa drei Viertel seiner Filialen schließen, 114 Arbeitsplätze gehen verloren.
     In der buchreportErhebung Größte Buchhandlungen“ im März 2017 hatte Ex Libris einen Medienumsatz von 112,6 Mio CHF gemeldet (103,3 Mio Euro). Der geschätzte Buchanteil am Umsatz betrug 55%.“, teilt das Magazin buchreport mit.

Den gesamten Artikel von buchreport können Sie hier nachlesen (): Handelskrise: Schweizer Ex Libris-Kette schließt drei Viertel ihrer Filialen

Artikel über „Die größten Buchhandlungen“ von buchreport kann hier nachgelesen werden (): Die größten Buchhandlungen

Türkisches Verfassungsgericht ordnet Freilassung von zwei Journalisten an

Reporter ohne Grenzen (ROG) begrüßt die Entscheidung des türkischen Verfassungsgerichts zur Beschwerde der Journalisten Sahin Alpay und Mehmet Altan. Das Gericht ordnete am Donnerstag (11.01.2018) die Freilassung von Alpay und Altan an, die seit Sommer 2016 in Haft sitzen. Mit der Entscheidung äußert sich das Verfassungsgericht zum ersten Mal seit der Verkündung des Ausnahmezustands im Juli 2016.

Nach anderthalb Jahren Schweigen beendet das türkische Verfassungsgericht endlich die willkürliche Untersuchungshaft von Sahin Alpay und Mehmet Altan“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Die heutige Entscheidung sollte als Präzedenzfall dienen. Wir fordern die türkische Justiz auf, die über 100 weiteren inhaftierten Journalisten freizulassen.“

MEHR ZUM THEMA:
> Speaking-Corner: Offener Brief an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan
> Speaking-Corner: Mahnwache für Asli Erdogan in Istanbul
> Frankfurter Buchmesse: Can Dündar über seine Erfahrungen in der Türkei

Alpay, Altan und der Cumhuriyet-Mitarbeiter Turhan Günay, der bereits Ende Juli 2017 freigelassen wurde, hatten wie viele andere inhaftierte Medienschaffende in der Türkei das Verfassungsgericht angerufen. Bisher hat es jedoch noch zu keinem der Fälle ein Urteil gesprochen. Das türkische Verfassungsgericht spielte in der Vergangenheit eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung der Pressefreiheit. Doch seit der Verhängung des Ausnahmezustands ist das Gericht gelähmt. Immer mehr der inhaftierten Journalisten wenden sich deshalb an den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof, dessen Entscheidungen bindend für die Türkei sind.
     Die strafrechtliche Verfolgung von Alpay und Altan geht trotz der Anordnung des Verfassungsgerichts weiter. Ihnen droht wegen angeblicher Verbindungen zu „terroristischen Organisationen“ lebenslange Haft.
    
Auch der deutsch-türkische Welt-Korrespondent Deniz Yücel hatte im März 2017 Beschwerde gegen seine Untersuchungshaft vor dem Verfassungsgericht eingereicht. Anfang Januar 2018 hat die türkische Regierung ihre Stellungnahme zu Yücels Haftbeschwerde eingereicht. Seine Anwälte haben  nun eine Frist von zwei Wochen, um die Stellungnahme der Regierung zu erwidern.
    
Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht die Türkei auf Platz 155 von 180 Staaten. Weitere Informationen über die Lage der Journalisten vor Ort finden Sie unter (): Reporter ohne Grenzen – Türkei.

– ROG –


BESPROCHEN

Vielleicht waren Sie auch mal Student oder vielleicht arbeiten Sie sogar an einer Universität und Rezension, Buchbesprechung, Literaturkritik, Sachbuch, Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft
vielleicht haben Sie sich darüber gewundert, welche Kämpfe in dem ach so wissenschaftlichem, also Vernunft geführtem Turm, dort ausgefochten werden. Die beiden Autoren Annika Borckschmidt und Dennis Schulz haben sich dieses Treiben mal genauer unter die Lupe genommen und darüber ein Buch geschrieben. Lohnt es sich, dieses Buch zu lesen? Machen Sie sich ein Bild und lesen die folgende Besprechung:

Sachbuch:
Borckschmidt, Annika & Schulz, Dennis:
Goethes Faust & Einsteins Haken

Auch hier keine Antwort – Der Kampf der Wissenschaften mal anders und doch immer gleich
Geistes- gegen Sozialwissenschaften. Seit man sich von der Vorstellung einer Universalen Bildung und einer untrennbaren Wissenschaft in die Kleinstaaterei hochspezialisierter Disziplinen begeben hat, ist es ein Thema, das immer wieder Generationen vonmehr > von Simone Jawor / 08.01.2018


GESTORBEN

Die norwegische Schriftstellerin und Feministin Bjørg Vik starb am 7. Januar 2018 im Alter von 82 Jahren.

Am 5. Januar 2018 verstarb der deutsche Schriftsteller und Journalist Hans Werner Kettenbach im Alter von 89 Jahren.

Der amerikanische Buchhändler Fred Bass starb am 3. Januar 2018 im Alter von 89 Jahren.

Die amerikanische Schriftstellerin Sue Taylor Grafton ist am 28. Dezember 2017 im Alter von 77 Jahren verstorben.

LESUNG

In Köln gibt es seit ca. drei Jahren ein Autorencafé, dass im Zuge der Flüchtlingswelle entstanden ist. Die dahinterstehende Idee ist, Schriftsteller sämtlicher Nationen zusammenzubringen. Meine Kollegin war dort und hat sich mal umgeschaut und sie wurde sehr angenehm überrascht, denn sie traf auf eine Autorin, mit der sie gar nicht gerechnet hatte, aber lesen Sie selbst:

Buchregal, Bücher, Café, Austausch, Köln, Raum, Sprache, Ort, WohnenLesung:
Zu Gast im AutorencaféfremdwOrte

Wo wohnen Worte? Wo Worte wohnen!

Bevor auch nur ein Wort zur Literatur fallen konnte, stand das Thema „Raum“ bereits im selbigen, in ganz lebenspraktischer Weise. Denn der Raum, in dem man sich traf, konnte die stetig Ankommenden und ihre Stühle kaum fassen. Der Initiator der mehr > von Simone Jawor / 10.01.2018


AUSGEZEICHNET

Das erste Kinderbuch wurde in diesem Jahr ausgezeichnet, ein eher ungewöhnliches Kinderbuch, hat es doch ein Thema, dass noch vor einiger Zeit ein Tabu darstellte.

Literaturpreis, dunkelblau, Kacheln, read Mary Read, Literaturmagazin, online, rote Schrift, goldner Pokal, goldene SchriftAusgezeichnet:
LUCHS des Monats Januar 2018:
Familienleben der Tiere ganz konkret

Für Katharina von der Gathen und Anke Kuhl: „Das Liebesleben der Tiere
Der LUCHS-Preis Januar geht an Katharina von der Gathen als Autorin und Anke Kuhl als Illustratorin für das Kindersachbuch „Das Liebesleben der Tiere“, erschienen im Klett Kinderbuch Verlag und empfohlen für Kinder ab 8 Jahren. Auf knapp 150 Seiten erzählt mehr > 11.01.2018

Deutscher Hörbuchpreis 2018: 18 Nominierte im Finale

18 Hörbücher stehen im Finale des Deutschen Hörbuchpreises 2018: Jeweils drei Produktionen in sechs Kategorien sind nominiert.

Aus insgesamt 279 eingereichten Hörbüchern wählte die Nominierungsjury diese Titel für die Endrunde aus:
     Um die Auszeichnung als Beste Interpretin wetteifern die Schauspielerinnen Sandra Hüller (mit Mariana Lekys Roman „Was man von hier aus sehen kann“), Wiebke Puls (mit Marina Abramović‘ Autobiografie „Durch Mauern gehen“) und Valery Tscheplanowa (mit Paulus Hochgatterers Erzählung „Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war“).
    
Drei Schauspielkollegen konkurrieren um den Preis in der Kategorie Bester Interpret: Christian Berkel liest „Die Hauptstadt“ von Buchpreisgewinner Robert Menasse, Andreas Fröhlich das neue Zamonien-Abenteuer von Walter Moers („Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“) und Heiko Ruprecht die Erzählung „Ein Monat auf dem Land“ aus der Feder des britischen Schriftstellers J.L. Carr.
    
Nominiert in der Kategorie Bestes Hörspiel ist mit „Dienstbare Geister“ von Paul Plamper ein Hörspiel zur Kolonialgeschichte und Migration, außerdem Kai Grehns Adaption von Jack Londons letztem Roman „Die Zwangsjacke“ und „Georg Horvath ist verstimmt“, ein Stück von Regisseur Oliver Sturm mit einer Figur aus Saša Stanišić‘ Erzählband „Der Fallensteller“.
    
Als Bestes Sachhörbuch wird eine der folgenden Produktionen ausgezeichnet: „Fritz Bauer. Sein Leben, sein Denken, sein Wirken“ porträtiert den Initiator der Auschwitz-Prozesse, „Die Welt im Rücken“ ist die vom Autor Thomas Melle gelesene Chronik einer manisch-depressiven Erkrankung und mit „Gotthold Ephraim Lessing. Dichter, Kritiker…Spieler. Facetten eines ruhelosen Lebens“ wirft Beate Herfurth-Uber ein neues Licht auf den großen Aufklärer.
    
In der Kategorie Bestes Kinderhörbuch entschied sich die Nominierungsjury für das Hörspiel „Käferkumpel“ nach der Buchvorlage von M.G. Leonard, für Verena Reinhardts ZirkuskrimiDie furchtlose Nelli, die tollkühne Trude und der geheimnisvolle Nachtflieger“, gelesen von Franziska Hartmann, und für Stefanie Taschinskis Buch „Caspar und der Meister des Vergessens in der Interpretation von Simon Jäger.
    
Die Finalisten in der Kategorie Beste Unterhaltung sind „COOKIE. Sieben Takes aus ihrem Leben“, eine Hommage von Michael Farin an die Underground-Ikone Cookie Mueller, Takis Würgers Debütroman „Der Club“ in einer aufwändigen Inszenierung und schließlich „QualityLand“, die Vision einer durchdigitalisierten Welt von und mit Marc-Uwe Kling.
    
Eine Kinderjury des Ulla-Hahn-Hauses in Monheim entscheidet diesmal über das „Beste Kinderhörbuch“, die Preisträgerjury wählt die anderen fünf Gewinner aus. Die Entscheidungen beider Jurys werden Ende Januar bzw. Anfang Februar bekannt gegeben.
    
Der Deutsche Hörbuchpreis wird am 6. März 2018 im WDR Funkhaus am Wallrafplatz verliehen. Wie in den Vorjahren eröffnet die Preisverleihung das internationale Literaturfest lit.COLOGNE.
    
Hier geht es zu den Nominierten mit Kurzinhalt, Jurybegründung und Hörprobe (): Nominierungen und Hörproben

Deutscher Hörbuchpreis –


TERMINE

Alles Theater

MALALAI – Die afghanische Jungfrau von Orléans (nach Friedrich Schiller)

Ein transnationales Theaterprojekt von Robert Schuster und Julie Paucker 

Die historische Figur der Jeanne d’Arc ist in Frankreich ein Nationalmythos. Friedrich Schiller hat der „Jungfrau von Orléans“ eines seiner bekanntesten Dramen gewidmet. Eine ähnliche Geschichte erzählt man in Afghanistan über Malalai von Maiwand, eine Sanitäterin im Unabhängigkeitskrieg gegen die britische Kolonialmacht 1880. Als die Afghanen im Kampf jede Hoffnung verloren und flohen, löste sie ihren Schleier, machte eine Flagge daraus und rannte auf den Feind zu. Die Soldaten kehrten um und siegten. Bis heute ist Malalai von Maiwand ein legendäres Vorbild weiblichen Mutes in einer von Männern dominierten Welt. Die politische Aufladung beider Mythen bildet den Ausgangspunkt des Theaterprojekts „MALALAI – die afghanische Jungfrau von Orléans“ von Robert Schuster und Julie Paucker mit französischen, afghanischen, deutschen und israelischen Schauspielerinnen und Schauspielern. Das transnationale Theaterprojekt ist, nach seiner Uraufführung auf dem Kunstfest Weimar 25.08.2017, nun als Gastspiel in der Akademie der Künste, Berlin, zu erleben. Die gemeinsame Produktion der internationalen Schauspieltruppe KULA Compagnie mit dem afghanischen Ensemble AZDAR Theater aus Kabul wurde erst im zweiten Anlauf möglich – zur Vorgängerproduktion „KULA – nach Europa“ war den afghanischen Künstlern die Einreise nach Deutschland verwehrt geblieben.
     Deren persönliche Erfahrung mit den Folgen alltäglich gewordener Gewalt nimmt hier ebenfalls szenische Gestalt an. Im Dezember 2014 wurde eine Premiere des AZDAR Theaters in Kabul Schauplatz eines Selbstmordattentats; zwei Besucher starben, 40 Menschen wurden verletzt. Die Traumatisierung der Künstler, ihre Wiedereroberung der Bühne, auch davon erzählt das Stück – und von der Kraft der Kunst als einem Moment der Freiheit. Internationale künstlerische Zusammenarbeit wird lebensnotwendig vor einem solchen Hintergrund. Dies thematisiert auch das Begleitprogramm mit der Berlin-Premiere des Films True Warriors, der die Folgen des Attentats in Kabul in ausführlichen Interviews mit den Betroffenen dokumentiert. Im Anschluss diskutiert ein hochkarätig besetztes Panel über Praxis und Desiderat des deutschen Kulturaustauschs mit politisch unsicheren Ländern und welche Grenzen es dabei noch zu überwinden gilt.
    
MALALAI“ ist eine Produktion von: Deutsches Nationaltheater Weimar, Kunstfest Weimar und der KULA Compagnie mit AZDAR Theatre (Afghanistan). In Koproduktion mit dem Schauspielhaus Bochum, dem Theater Chur (Schweiz) und AZA (Frankreich).
    
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, das Goethe-Institut, das Institut français Berlin, das Institut français Erfurt und das Jeune Théâtre National (JNT).

True Warriors ist eine Koproduktion von Pantaleon Film mit Brot + Zwiebel und ZDF/ARTE. Mit Unterstützung der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) und der Filmförderungsanstalt (FFA) und SRF.

– Akademie der Künste, Berlin –

Veranstaltungsdaten
Freitag, 19. Januar und Sonntag, 21. Januar 2018, jeweils 19 Uhr
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin

Theateraufführung (DE/EN/FR/HEB/AFG mit deutschen Übertiteln)
„MALALAI – Die afghanische Jungfrau von Orléans“ nach Friedrich Schiller
Tickets € 13/7

Samstag, 20. Januar 2018
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
18.30 Uhr 
Film und Gespräch
True Warriors (2017, 90 Min., OmU, EN/AFG) von Ronja von Wurmb-Seibel, Niklas Schenck
Tickets € 6/4

20.30 Uhr
Podiumsdiskussion
„Kulturaustausch mit politisch unsicheren Ländern“
Mit Michael Reiffenstuel (Auswärtiges Amt), Julia Hanske (Goethe Institut), Julie Paucker, Robert Schuster, Said Edris Fakhri, Homan Wesa (beide AZDAR Theater). Moderation: Claudia Henne
Eintritt frei

Kartenreservierung: (030) 200 57-2000 oder ticket@adk.de
Kartenkauf im Webshop unter ()www.adk.de/tickets 

Noch kann man zu der Literaturausstellung

„Benjamin und Brecht. Denken in Extremen“

Akademie der Künste stellt die Freundschaft zwischen Walter Benjamin und Bertolt Brecht in den Mittelpunkt einer Ausstellung

Die Beziehung zwischen Walter Benjamin (1892 – 1940) und Bertolt Brecht (1898 – 1956) ist eine außergewöhnliche Konstellation: Kritiker und Dichter, Kommentator und Autor, Kunsttheoretiker und Regisseur, Wissenschaftler und Künstler, Metaphysiker und Rationalist. In ihren Konflikten wie im Produktiven, in der erstaunlichen Fähigkeit, Widersprüchliches gelten lassen zu können, in ihrem Zusammenklang wie im Verstörenden spiegelt die Beziehung zwischen Benjamin und Brecht das Jahrhundert der Extreme. Vieles, was sie umgetrieben hat, wirkt heute bestürzend aktuell: Was ist radikale Kunst? Wie begegnet man einer gesellschaftlichen Krise? Wer schreibt Geschichte?
     Zum ersten Mal widmet sich eine Ausstellung dem Thema Benjamin und Brecht. Mit beiden zur Akademie gehörenden Archiven, dem Walter Benjamin Archiv und Bertolt-Brecht-Archiv sind die Voraussetzungen dafür ideal. Die Ausstellung zeigt die Aktualität dieser Freundschaft, das historisch Dokumentierbare, das Echo von Freunden und Feinden sowie Momente der Rezeption im Denken und in der Kunst. Sie geht aus von der persönlichen Nähe und reagiert auf den Umstand, dass die Namen Benjamin und Brecht Chiffren geworden sind, Modelle für die Kunst und die Weltbetrachtung.
    
Zu sehen sind eine Auswahl mitunter noch unbekannter Originale: Brechts Schachbrett und eine chinesische Laotse-Figur, Gedichtmanuskripte, Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und Fotos – Schlüsseldokumente, die Dreh- und Konfliktpunkte der Begegnung aufzeigen. Ergänzt wird das historische Material durch originale Film- und Audiodokumente, darunter Aufzeichnungen früherer Brecht-Aufführungen. Hinzu kommen zeitgenössische künstlerische Arbeiten, die das Geschehen aus der Gegenwart kommentieren: Zoe Beloff, Adam Broomberg / Oliver Chanarin, Edmund de Waal, Felix Martin Furtwängler, Friederike Heller, Alexander Kluge, Mark Lammert, Jonas Maron, Thomas Martin / Irina Rastorgueva, Marcus Steinweg und Steffen Thiemann.
    
Das umfängliche Begleitprogramm beinhaltet Lesungen, Vorträge, Konzerte und Szenische Debatten. Mitwirkende sind u.a. Alexander Kluge, Corinna Harfouch, Lorenz Jäger, Mara Delius, Friederike Heller, Kathrin Röggla, Marcus Steinweg und Hanns Zischler.
    
Der Suhrkamp Verlag veröffentlicht das Begleitbuch zur Ausstellung, herausgegeben von Erdmut Wizisla, Leiter des Bertolt-Brecht-Archivs und des Walter Benjamin Archivs in der Akademie der Künste und Leiter des Kuratorenteams.
    
Die Ausstellung wird gefördert von der Gesellschaft der Freunde der Akademie der Künste, der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur und der FRIES-Gruppe.

Akademie der Künste, Berlin –

Ausstellungsdaten
Titel: „Benjamin und Brecht. Denken in Extremen“
Laufzeit der Ausstellung: 26. Oktober 2017 – 28. Januar 2018
Öffnungszeiten: Di – So, 11 – 19 Uhr
Eintritt: € 9/6

Bis 18 Jahre und dienstags ab 15 Uhr Eintritt frei 

Führungen: Di 17 Uhr und So 11.30 Uhr, € 3 zzgl. Ausstellungsticket

Kartenreservierung: Telefon (030) 200 57-1000, ticket@adk.de

Ort: Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin

Publikationen:
Denken in ExtremenErdmut Wizisla
(Hg.): Benjamin und Brecht
Denken in Extremen
Klappenbroschur
280 Seiten, ca. 120 Abbildungen
Format (H x B x T): 242 x 174 x 25 mm
Gewicht: 715 g
erschien: 23.10.2017
Verlag: Suhrkamp
ISBN 978-3-518-42083-6
Preis: 32,00 € (D), 32,90 € (A)
> Leseprobe

Tatsachenreihe von Bertolt Brecht und Walter BenjaminErdmut Wizisla, Steffen Thiemann: Mord im Fahrstuhlschacht
Tatsachenreihe von Bertolt Brecht und Walter Benjamin.
Ins Holz geschnitten als Comic von Steffen Thiemann
gebunden
32 Seiten, 30 Abbildungen
Format (H x B x T): 350 x 270 x 8 mm
Gewicht: 252 g
erschien: 25.10.2017
Verlag: Akademie der Künste
ISBN: ISBN 978-3-88331-223-1
Preis: 7,50 € (D), 7,80 € (A)


LITERATURFLUG

Andreas Platthaus äußert sich wieder in wohltuender Art zum großen Thema Comic (): Mehr Licht? Das geht gar nicht

(): Aktuelle Spiegel-Bestseller-Liste, 11.01.2018

AUCH DAS NOCH

Die Entlarvung

So, und nun mal was amüsantes, etwas entlarvendes über uns Leser, die wir angeblich ganze Bibliotheken kennen:

Paul Jandl: „Beherzte Bekenntnisse zur fröhlichen Ignoranz“. Eine Wiener Bibliothek sammelt die am hartnäckigsten ungelesenen Bücher. Spitzenreiter ist Robert Musil mit seinem „Mann ohne Eigenschaften“.

Der gesamte Artikel ist mit Augenzwinkern geschrieben und wer heute noch nicht gelacht hat, empfehlen wir den gesamten Artikel zu lesen. (): Beherzte Bekenntnisse zur fröhlichen Ignoranz

Wir wünschen Ihnen ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche. Wir freuen uns auf Ihren nächsten Besuch.

Falls Sie sich mal wieder über eine Lektüre ärgern:
Bücher haben Kanten, um das Denken anzustoßen.

© read MaryRead 2018

Bordbuch

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