Johannes Agricola

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geboren: 20.04.1494 1aa in Eisleben 2aa
gestorben: 22.09.1566 in Berlin,1ab vermutlich an einer pestartigen Krankheit 3aa
bürgerlicher Name: Johann Schnitter, Schneyder oder Schneider 1ac
Tätigkeiten: Lehrer, Pfarrer, Mediziner, Kirchenliederdichter 1ad
Pseudonyme: Magister Eisleben, Islebius, Eislebius,1ae Johannes Agricola
Spottname: Magister Grickel 3ab

Inhaltsverzeichnis:
> Zeit der Umbrüche mit ungewissem Ausgang
>
Agricolas Bedeutung für die Literaturgeschichte
>
Werkverzeichnis (Auswahl)
> Einzelnachweise

Schattendasein

Obgleich Johannes Agricola die Reformation von Martin Luther unterstützte, so ist sein Name nur wenigen bekannt, selbst in umfangreicher Literatur über die Reformation taucht sein Name häufig nicht auf. War er tatsächlich so unbedeutend?

Der vielseitig interessierte Johannes Agricola studierte von 1515 bis 1519 bei Martin Luther Theologie in Wittenberg.1af Offensichtlich fand Martin Luther an ihm Gefallen und noch während seines Studiums freundeten sich die beiden an. Der zehn Jahre ältere Dozent hofierte ihn, zugleich forderte er von Johannes Agricola eine bedingungslose und absolute Loyalität, jeglicher Widerspruch war nicht gestattet. Die Beziehung der beiden Männer sollte in den nächsten Jahren ihre Fragilität sowie ihre wir-können-nicht-ohne-einander und wir-können-nicht-miteinander zutage fördern.
     Man kann sich lebhaft vorstellen, wie sehr sich der Student Johannes Agricola geschmeichelt fühlte, als Martin Luther in ihm einen Schüler seiner Lehre sah. Als junger Mensch ist man am ehesten dazu geneigt, neue Denkansätze willkommen zu heißen, mehr noch, diese aufzusaugen wie ein Schwamm.
    
Nach seinen Abschlüssen als Magister (1518) und Baccalaureus biblia (1519) durfte er an der Seite seines ehemaligen Dozenten an der Leipziger Disputation als Sekretär von Martin Luther teilnehmen.1ag Dieser gab ihm den Namen „Herr Eisleben“, ein Beinahe-Ehrentitel aus der Feder von Martin Luther, bezeichnete er ihn doch nach der Pfarrgemeinde, in der beide geboren wurden.2ab Eine weitere Gemeinsamkeit war derselbe Freundeskreis, darüber hinaus pflegte Johannes Agricola Beziehungen zu den Verwandten von Martin Luther in Mansfeld. Zuweilen nannte ihn Martin Luther als „Graeculus“,3ac ein weiterer Beinahe-Ehrentitel, liefert doch dieser Name einen Hinweis darauf, dass Johannes Agricola über ausgeprägte altgriechische Sprachkenntnisse verfügte. Diese Sprachkenntnisse waren für Martin Luther nicht unerheblich, hatte doch dieser sich zur Aufgabe gemacht, die gesamte Bibel ins Deutsche zu übersetzen, deren Ursprungstexte in Hebräisch und Altgriechisch vorliegen. Darüber hinaus konnte er, wie in der Reformationszeit üblich, auch Latein. Fast alle seine Schriften, Flugblätter und Briefe sind von ihm in lateinischer Sprache verfasst worden. Obgleich etliche seiner Schriften analysiert wurden, so liegen sie bis heute nicht vollständig in deutscher Übersetzung vor, noch seltener liegen diese als gemeinfreie Texte vor, andere wurden bis heute von der Frakturschrift in die heutige gängige Schriftart nicht übertragen. Hieran kann man zum einen ablesen, dass Johannes Agricola den meisten eher unbekannt ist, zum anderen bekommt er nur von einem kleinen wissenschaftlichen Kreis eine gewisse Bedeutung zugemessen. Inwiefern er tatsächlich von Bedeutung ist oder inwiefern man bis heute dem Wettern von Martin Luther aufsitzt, kann derzeit nicht genau geklärt werden. Jedoch kann man davon ausgehen, dass er in seiner Bedeutung für die Historie im allgemeinen, für die Theologie im Besonderen unterschätzt wird, immerhin hat er zur Verbreitung der 95 Thesen 2ba beigetragen. Auch für die Literaturgeschichte ist er durchaus bedeutsam, hat er der späteren Romantik in gewisser Weise den Weg bereitet, indem er unter anderem eine beachtliche Sammlung deutscher Sprichwörter mit seiner eigenen Kommentierung und Sichtweise versehen, zweimal herausbrachte.4aa / 2ca
    
In den Anfängen von Martin Luthers Wirken stand er eindeutig auf seiner Seite, zugleich war er einer der wenigen im Dunstkreis der Reformatoren, der eigenständig handelte, so auch im Fall von Thomas Müntzer. Als sich abzeichnete, dass Thomas Müntzer eine andere Richtung einschlug als wie die Reformatoren es vorsahen, versuchte er in einem Brief zu Beginn von 1521 ihn dazu anzuhalten, seine Predigten zu mäßigen. Er schrieb:

Es haben uns nämlich diejenigen, die Dein Bestes wollen, angezeigt, daß Du den Dienst des Wortes mißbrauchst, daß Du, während Du doch das Recht lehren müßtest, andere über den Anstand hinaus verfolgst und sogar mit Namen genannt hast“, und „sie versicherten“, fügte er in Großbuchstaben hinzu, „daß Du auf nichts anderes sinnst, als auf MORD UND BLUTVERGIESSEN“.2ea

Stichwort Martin Luther und Agricola:
>
Brief: Martin Luther an Dr. Johannes Rühel, 08.06.1526
>
Brief: Martin Luther an Elisabeth Agricola, 10.06.1527
>
Brief: Martin Luther an Elisabeth Agricola, 13.11.1536

Später bezeichnete Johannes Agricola ihn als so „spirituell“, „dass er keine Anzeichen von Freude zeigte, als ihm dieser am Ostertag 1524 die Nachricht von der Geburt seines Sohnes überbracht wurde.“.2fa Ein Jahr später, 1525, veröffentlichte er einen Brief, aus dem in Teilen eine Polemik gegen Thomas Müntzer hervorgeht. Während er zu Thomas Müntzer eher Distanz hielt, scheint er hingegen von dem umstrittenen Andreas Karlstadt angetan zu sein,2ga eine weitere Person um Martin Luther herum, der sich ihn mal zuwendete und ihn dann wieder barsch ablehnte.

Es ist fast unglaublich, aber von 1521 bis 1523 absolvierte Johannes Agricola ein drittes Studium, dieses Mal wendete er sich der Medizin zu.1ah

Zeit der Umbrüche mit ungewissem Ausgang

In der Zeit von 1525 bis 1540 fällt nicht nur das Auf und Ab zwischen Johannes Agricola und Martin Luther, sondern auch das Rumoren innerhalb der Kirche und das ist nicht allein nur die Reformation durch Martin Luther, sondern auch hervorgerufen durch die Jesuiten und ähnliches. Zudem fällt in diese Zeit auch politische Unruhen innerhalb des Deutschen Reiches sowie außerhalb, die Türken stehen vor den Toren Wiens.

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Die Verbreitung und Installation der neuen religiösen Ideen wurden teilweise ähnlich wie zu Zeiten des biblischen Paulus gehandhabt. Johannes Agricola beispielsweise begab sich auf Empfehlung von Martin Luther 1525 für kurze Zeit nach Frankfurt, um dort bei der Einrichtung der neuen Gottesdienstordnung behilflich zu sein.3ad Aber nur zwei Jahre später begann die erste große Auseinandersetzung zunächst zwischen ihm und Philipp Melanchthon, der zugleich ein enger Vertrauter von Martin Luther war; es ist der erste „antinomistische Streit“.1ai  Als dieser Streit halbwegs beiseite gelegt wurde, wird die Beziehung zwischen Johannes Agricola und Martin Luther nochmals enger und vertrauensvoller, ein Beleg dafür ist unter anderem die Einbeziehung ins Familienleben, immerhin ist er einer der ersten, der von der Geburt des ersten Sohnes von Katharina von Bora und Martin Luther erfährt.5aa Außerdem nahm die Familie Luther die erkrankte Frau, (sie sind seit 1520 verheiratet) Elisabeth, von Johannes Agricola auf und kümmern sich um sie. Als Martin Luther im August 1527 zusammenbrach, ist es Johannes Agricola, der ihm Mut zuspricht. Doch all das sollte nicht von langer Dauer sein, denn nur ein Jahr später glaubt Martin Luther, er müsse seinen Weggefährten ernstlich warnen. Er nahm an, dass sein Freund Irrlehren predigen würde. Im selben Jahr, 1529, nahm Johannes Agricola zum ersten Mal die Aufgabe als Reichstagsprediger unter dem Kurfürst Johann von Sachsen, auch als Johann der Beständige geläufig, an. Erfahrungen konnte er hierfür seit 1523 als Dozent an der theologischen Fakultät in Wittenberg sammeln, zudem war er Vorsteher am Pädagogium und er war als Katechet sowie als Prediger tätig. Meinte Martin Luther immer wieder ihn zu korrigieren, ihn zurechtzuweisen, so scheinen andere seine Arbeit zu schätzen, immerhin bekam Johannes Agricola insgesamt dreimal die Aufgabe als Reichstagsprediger von dem Kurfürsten übertragen (1526, 1529 und 1530).1aj Andererseits unterstützte ihn Martin Luther wie bei der Anthologie der deutschen Sprichwörter. Zwischendurch schätzte er die Wirkung seiner Predigten und Reden jedoch falsch ein. Im Sommer 1530 sprach er sich energisch gegen die Lehre von Huldrych Zwingli aus, die Zuhörer waren entsetzt.2ha Ebenso hitzig verhielt er sich in Augsburg. Vier Tage bevor der Reichstag in Augsburg 1530 eröffnet wurde, sprach er vor der Augsburger Bevölkerung, nahm kein Blatt vorm Mund und griff herbe die Sakramentarier,2cb also jene, die nicht viel von der Lehre Luthers hielten, an. Auf dem Augsburger Reichstag geht es um viel, das Leben von Martin Luther ist in Gefahr, insofern war vermutlich das Auftreten von Johannes Agricola unklug gewesen, beißende Reden zu halten, wahrscheinlich trug er somit zur Verhärtung der Fronten bei. War die Teilnahme am Reichstag zunächst eine Auszeichnung, nur wenige Delegierte durften daran teilnehmen, so musste er danach mit den Konsequenzen leben: Verbannung aus Eisleben,2cc zugleich wurde ihm somit die „große Bühne“ entzogen. Doch dann scheint es so, als könne er eine neue Bühne betreten. Martin Luther deutete an, dass an der Wittenberger Universität eventuell eine Stelle frei würde. Johannes Agricola wartete erst gar nicht eine Zusage ab, sondern reiste mit Kind und Kegel zu Luther, schlüpfte mit seinen neun Kindern und seiner Frau bei ihm unter.2da Vernünftig war der Unterschlupf nicht, da er sich nun völlig in die Hände von Martin Luther begab, der über genügend Macht verfügte, um über ihn zu bestimmen, sein langer Arm reichte bis weit in die Politik hinein, dass Johannes Agricola schon bald zu spüren bekommen sollte. Ab Dezember 1536 spitzte sich für ihn die Situation zu. Zuerst verließ er nach einem Streit mit Martin Luther heimlich die Stadt Wittenberg,2ia zog dann in das Haus der Schwiegermutter von Philipp Melanchthon.2ja Kurz danach brach der zweite „antinomistische Streit“ aus, „der in vier akademischen Disputationen“ ausgetragen wurde, doch dieses Mal wurde Philipp Melanchthon von Martin Luther unterstützt 1ak und die Auseinandersetzung wurde dieses Mal nicht beiseite gelegt. Dem nicht genug, legte er im März 1537 eine eigenwillige Interpretation von Römer 1,8 vor, rief damit unweigerlich Martin Luther auf den Plan 2ka und spätestens jetzt bekam er seine Macht zu spüren. Zuerst wurden seine drei Predigten, die er zum Buchdrucker Hans Lufft gebracht hatte, beschlagnahmt, der Buchdrucker, der etliche Schriften von Martin Luther gedruckt hatte, wurde in Haft genommen.2la Dann ließ Martin Luther, ohne zuvor das Einverständnis von Johannes Agricola einzuholen, seine Thesen über das Gesetz veröffentlichen. Eine Provokation. Am Tag der Heiligen Drei Könige, am 06.01.1538 entzog ihm Martin Luther die Lehrerlaubnis an der Universität.2ma Johannes Agricola versuchte den Streit mit Martin Luther beizulegen, es war der Gang nach Canossa, versprach, nie wieder auch nur einen Millimeter von Luthers Lehre abzuweichen, aber selbst dieser Kniefall, selbst diese unglaubliche Erniedrigung half ihm wenig. Zwar darf er nochmals für kurze Zeit an die Universität zurückkehren,2mb aber eigentlich ist der Streit nicht mehr zu kitten. Offensichtlich hatte Johannes Agricola nur noch einen Tunnelblick, seine Aufmerksamkeit richtete sich allein auf Martin Luther, bemerkte nicht, dass dieser ihm schon längst nicht mehr gut tat und doch gelang es ihm nicht, diese Fesseln zu erkennen und sich von ihnen zu befreien. Immer mehr und immer tiefer verhedderte er sich im Netz. Eigentlich bräuchte er jetzt jemanden, der ihn an die Hand nimmt und aus dem Netz herauszieht. Stattdessen wurde er von Johannes Cochläus, ein Gegner der Reformation, der unter dem Pseudonym Johann Vogelsang die Satire bzw. KomödieEin heimlich Gespräch von der Tragedia Johannis Hussen“,6aa welche eine Antwort auf das Theaterstück „Tragoedia Johannes Hussi“ von Johannes Agricola, darstellen soll, als Trunkenbold und Tyrann gezeichnet.2oa Sicherlich, Johannes Agricola stand unter Druck und es würde einen nicht verwundern, dass er mithilfe von Alkohol versuchte, seine Schwierigkeiten wenigstens mal für einen Moment zu vergessen. Auch von Caspar Güttel wurde er mit der Schrift „Wider die Antinomer“ angegriffen.2lb Endlich kann er aufatmen, darauf hoffen, dass sich doch noch alles zum Guten wendet, aber diese Ruhezeit ist ihm nur kurz vergönnt. 1539 wurde er als Mitglied an das Wittenberger Konsistorium aufgenommen.1al Nur wenige Monate später denunzierte ihn Martin Luther höchst persönlich beim Rektor, Gregor Brück, der Universität. Unter anderem behauptete Martin Luther, dass Johannes Agricola dabei sei, eine Sekte zu gründen, doch hierfür gibt es bis heute keinerlei Beweise.2na In seiner Not setzt er eine Klageschrift auf,2mc die ihm zum Verhängnis wurde. Darin beschreibt er die ungerechten Behandlungen, drohte mit Veröffentlichung dieses Briefes, schickt ihn an den Convent zu Schmalkalden und an den Kurfürsten Graf Albrecht. Kurzerhand brachte man ihn in ein Gefängnis, leitete eine Untersuchung ein. Noch während die Untersuchung gegen ihn lief, durfte er das Gefängnis vorerst verlassen. Und jetzt endlich erwachte bei ihm der Wille zum Leben, endlich war er bereit, sich aus dem Netz zu befreien, flioh nach Berlin. Dort kam er dann endlich zur Ruhe, dort weiß man seine Arbeit zu schätzen. Er wurde in Berlin Hofprediger, General-Superintendent und Visitator in Brandenburg unter Joachim II., kann sogar Ende des Jahres 1540 den Streit mit Martin Luther beilegen, seine Klageschrift nahm er zurück, musste dabei „eine beschämende Abbitte leisten“. 1541 nahm er am Reichstag in Regensburg teil, arbeitete 1548 das „Augsburger Interim“ mit aus. Er fand seinen eigenen theologischen Weg und konnte ihn auch umsetzen.

Agricolas Bedeutung für die Literaturgeschichte

Für die Literaturgeschichte sind vor allem seine beiden Anthologien über die deutschen schwarz-weiß Zeichnung, deutscher Autor, deutscher Dramatiker, Reformator, Bilderrahmen, runder Bilderrahmen,Sprichwörter interessant. Freilich sind seine Kommentare biblischer Natur, zuweilen auch sehr moralisch ausgelegt. Nichts desto trotz ist diese Arbeit nicht nur für damalige Verhältnisse sehr aufwendig gewesen, sondern sie liefert uns heute Einblicke in eine Gedankenwelt, die ohne diese Sammlung uns eher verschlossen bliebe. Da er diese ausnahmsweise in deutscher Sprache verfasste, geben sie auch Einblick in seine literarischen Fertigkeiten. Man kann diese freilich nicht mit einem Goethe vergleichen, auch nicht mit Dante oder Boccacio, beide Autoren seiner Zeit, aber man kann ihn durchaus als ein Wegbereiter für die deutschsprachige Literatur sehen, denn wie oben schon angedeutet, wurde bis in die Reformationszeit die Literatur in lateinischer Sprache verfasst. Neben ihm gibt es weitere Autoren, die ihre literarischen Schriften in deutscher Sprache verfassten, die sicherlich zum Teil eine höhere Bedeutung als Johannes Agricola darstellen, dennoch sollte man der Versuchung widerstehen, ihn als „bedeutungslos“ auf Seite zu legen.
     Er nimmt mit seinem Kommentar und seiner Sammlung den Gedanken der späteren Romantik vorweg. Solch einen Aufwand betreiben erst später wieder die Gebrüder Grimm mit ihrer Sammlung von Hausmärchen, noch mehr mit ihrer Erstellung des Deutschen Wörterbuchs, welches erst im 20. Jahrhundert von Germanisten beendet wurde und im Ansatz auch Herder mit seinem Liedgut.
    
Und selbst in unseren Tagen wurde sein Theaterstück „Tragoedia Johannis Hussi“ im Sommer 2013 und 2015 von der Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Universität Gießen nochmals inszeniert. Darin wird vor allem die Verurteilung der historischen Person und Vorreformator sowie seine Hinrichtung am 6. Juli 1415 in Konstanz in den Mittelpunkt gestellt. Johannes Agricola beschäftigte sich schon seit einiger Zeit mit dem Vorreformator, veröffentlichte 1529 den Augenzeugenbericht des Peter MładoniowitzHistory und Warhafftige Geschicht, Wie das Heilig Euangelion mit Johann Hussen, im Concilio zu Costnitz, durch den Bapst und seinen Anhang, offentlich verdampt ist“, 1538 folgte dann das Theaterstück. Diese wurde in Torgau beim Kurfürsten Friedrich des Weisen unter der möglichen Anwesenheit von Martin Luther uraufgeführt. Hingegen wertete Philipp Melanchthon das Stück ab, verglich es mit den großen Tragödien von Sophokles, Euripides und Seneca, behauptete, dass das Stück nicht aufführbar sei. Zumindest seine Behauptung wurde mit der Uraufführung widerlegt. Das Institut für Germanistik der Universität Gießen kommt zu einem anderen Schluss als Philipp Melanchthon: dieses Stück weist sehr wohl dramatische Qualitäten auf. „Diese zeigen sich in der differenzierten Inszenierung Johannes Huss’ im Verhältnis zu den Kardinälen sowie in den Disputationsszenen, die bis zum Schluss steigerungsfähig bleiben.“ Insgesamt gibt es in dem Stück etwa 50 Rollen und es besteht aus über 2000 Versen.6ab

Das Schicksal von Johannes Agricola ist kein Einzelfall, vor allem wenn eine solch starke Persönlichkeit wie Martin Luther im Vordergrund steht, dennoch wäre es wünschenswert, wenn man seine Schriften sowie sein Leben, soweit es nach 500 Jahren möglich ist, neu aufrollen würde.

Werkverzeichnis (Auswahl):

1522: Epukurtze anred zu allen mik güsti gen Doctor Luthers und der Christenlichen freyheit

1525: erste deutsche Schulordnung
1525: Auslegung des XIX. Psalm
1525: Lukas-Kommentar
1525: Ein nutzlicher Dialogus odder gesprechbuchlein zwischen einem Muntzerischem Schwermer und einem Evangelischem frumen Bawern

1526: Katechismus in lateinischer Sprache

1527: Katechismus in deutscher Sprache

1528: Drehundert gemener Sprickwörde, der wy Düdschen uns gebruken, unde doch nicht weten worher se kamen

1529: History und Warhafftige Geschicht, Wie das Heilig Euangelion mit Johann Hussen, im Concilio zu Costnitz, durch den Bapst und seinen Anhang, offentlich verdampt ist
1529: Sammlung deutsche Sprichwörter, Übersetzung ins hochdeutsche von: Drehundert gemener Sprickwörde, der wy Düdschen uns gebruken, unde doch nicht weten worher se kamen

1534: Sybenhundert und Funfftzig Teutscher Sprichwörter, verneuwert und gebessert

1538: Tragoedia Johannis Hussi (Theaterstück)

– diverse Flugschriften
– Ain kurze anred zu allen miszgünstigen Doctor Luthers vnd der Christenlichen freyheit
– Gedicht: Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ

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Einzelnachweise:

1aa, 1ab, 1ac, 1ad, 1ae, 1af, 1ag, 1ah, 1ai, 1aj, 1ak, 1al, (): FU Berlin, zuletzt besucht am 23.01.2018

2aa, 2ab: Lyndal Roper: Luther. Der Mensch Martin Luther, S. Fischer Verlag – Frankfurt am Main 2016, S. 473
2ba: S. 570, Anmerkung 54
2ca, 2cb, 2cc: S.474
2da: S. 474 f.
2ea: S. 321, ebd. Auch S. 615 Anmerkung 22
2fa: S. 378
2ga: S. 612 Anmerkung 57
2ha: S. 420
2ia: S. 636 Anmerkung 95
2ja: S. 666 Anmerkung 36
2ka: S. 475
2la, 2lb: S. 476
2ma, 2mb, 2mc: S. 477
2na: S. 477 f.
2oa: S. 478

3aa, 3ab, 3ac, 3ad: Wilhelm Gaß: (): Allgemeine deutsche Biographie, Bd.: 1, Van der Aa – Baldamus, Leipzig, 1875, zuletzt besucht am 23.01.2018

4aa: (): Marburger Repertorium zur Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus, zuletzt besucht am 23.01.2018

5aa: Vgl. Brief von Martin Luther an Dr. Joh. Rühel am 08.06.1526

6aa, 6ab: Justus-Liebig-Universität Gießen (): Johannes Agricolas „Tragedia Johannis Huss“, zuletzt besucht am 23.01.2018


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