Jörg-Uwe Albig

deutscher Schriftsteller, Ueberdog, Bachmann-Wettbewerb 2017,Klagenfurt, Österreich,

geboren: 1960 in Bremen
deutscher Schriftsteller und Journalist

Perspektivwechsel

Uff! Die erste literarische Auszeichnung ist gesichert. Aber tatsächlich wahrgenommen wurde Jörg-Uwe Albig bislang von der Literaturszene kaum. Dabei werden seine Bücher in renommierten Medien besprochen.

Geboren wurde Jörg-Uwe Albig 1960 in Bremen. Nach seinem Schulabschluss wurde er zunächst Altenpfleger, studierte dann Musik und Kunst in Kassel. Zwei jahrelang arbeitete er als Korrespondent für eine deutsche Kunstzeitschrift, in dieser Zeit lebte er in Paris.
     Seit 1993 arbeitet er als Journalist unter anderem für Magazine wie GEO, Stern und SZ-Magazin, zudem hat er sich als freier Autor in Berlin niedergelassen.

Porträt, deutscher Schriftsteller, Berlin Palace, Land voller Liebe,

41. Tage der deutschsprachigen Literatur, Autor: Jörg-Uwe Albig / Foto: © Johannes Puch

In seinem Debütroman „Land voller Liebe“, dass am 01.08.2006 innerhalb der Serie „Trojanische Pferde 19“ im Tropen Verlag erschien, werden die Vorzeichen für die jüngste deutsche Geschichte durch den Ich-Erzähler Roger Beeskow verkehrt: nicht in der DDR findet die Revolution statt sondern in der BRD. Ausgangspunkt sind die Verhältnisse der 1980er Jahre in Westdeutschland.
     Verkehrte Welten ist ein Thema, womit sich der Schriftsteller in seinem bisherigen Œuvre auseinandersetzt; Richard Kämmerling bezeichnete in seiner Literaturkritik in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über den Roman „Berlin Palace“ (2010) als „Experte für die Konstruktion verkehrter Welten“. Hierfür setzt Jörg-Uwe Albig Verfremdungseffekte und intertextuelle Bezüge ein (wie von Tacitus „Germania“ und Gebrüder Grimm´s Märchen), verwendet Materialien aus Historie und Alltag, lässt die Protagonisten aus der Ich-Perspektive ihre Sichtweise auf die Welt erzählen. Dass sich zuweilen die verkehrten Welten sich gar nicht so sehr von der Realität unterscheiden, wird vor allem in seinem bisher letzten Roman „Ueberdog“ deutlich. Stella begibt sich in die Obdachlosenszene, ihre Oberflächlichkeit und den Hang zum Glamour nimmt sie letztendlich mit. Ihre Persönlichkeit verändert sich nicht.

Es sind ja in ihrem Bewusstsein eigentlich gar nicht zwei verschiedene Welten. Es ist ja auch sowieso seit Phänomenen wie Heroin-Chic und Grunch oder popkulturellen Phänomenen, die ja das Schmutzige und das Armselige integrieren und dadurch auch Glamour erzeugen, seitdem ist die Grenze ja nicht mehr so ganz klar. Und es könnte ohne Weiteres sein, dass die Grenze sich so weit verschoben hat, dass Obdachlose eben ein Teil sind.“
So Jörg-Uwe Albig im Interview „Maßstäbe für Engelhaftigkeit“ beim Deutschlandfunk.

Der Roman „Ueberdog“ ist wie der Gegenentwurf zu der Novelle „Wir töten Stella“ von Marlen Haushofer, dennoch haben sie gemeinsam, dass beide nicht aus ihren Rollen / Charaktereigenschaften ausbrechen können.
     Grenzverschiebungen, Auslotung zwischen Denkbarem und Fiktion verschmelzen in seinen Werken, so dass das eine von dem anderen kaum noch zu unterscheiden ist, ja, selbst Himmel und Erde sind nicht mehr klar voneinander zu trennen. In „Ueberdog“ sind es die Engel, die Mittler zwischen dem hier auf Erden und dem da oben im Himmel. Der Roman beginnt mit dem Satz: „Wer den Engeln nahe ist, braucht nichts mehr zu beweisen.“ Im Interview beim Deutschlandfunk verrät der Schriftsteller, dass für Engel Mittler sind

zwischen unserem irdischen kaputten kleinen Leben und diesem Idealbild des Himmels. Es gibt dann da ja auch diese sieben Hierarchien, also diese sieben Schichten, die sind für Stella, und wahrscheinlich nicht nur für Stella, sondern für viele Menschen, Wege, zum Himmel zu kommen.
     Ich glaube, viele Menschen stellen sich ihr Leben schon so ein bisschen hierarchisch vor, von Schicht zu Schicht zu Schicht zu Schicht. Und irgendwann ist da der Himmel. Und wenn man keine Leute hat oder keine Stufen, auf die man steigen kann, dann wird es schwer, nach oben zu kommen.“

Magischer Realismus und Satire sind in seinen Romanen gegenwärtig, die nicht durch moralische Ansichten aufgeladen sind, um Moral geht es ihm auch nicht, vielmehr möchte er den Leser zum Gedankenspiel „Was wäre wenn…“ einladen.

Von Roman zu Roman streift Jörg-Uwe Albig ältere literarische Stilmittel ab, wird dabei immer selbstsicherer, kann dem Perspektivwechsel immer mehr zur Entfaltung bringen. Damit konnte er die Literaturkritikerin Meike Feßmann überzeugen, die ihn nach Klagenfurt zum Bachmann-Wettbewerb, zu den 41. Tagen der deutschsprachigen Literatur einlud. Er ist ein vielversprechender Kandidat, vermutlich wird er aus seiner Novelle „Eine Liebe in der Steppe“ lesen, die einen Tag nach der Preisvergabe (10.07.2017) im Buchhandel erhältlich ist.

Jörg Friesenwald –
© read MaryRead 2017

► Ankerlichtung

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