Arnaut Daniel

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geboren: 1150 in Ribérac, Grafschaft Périgord und Herzogtum Aquitanien1aa 
gestorben: 1200 oder 12101ab
französischer Troubadour

Der Würfelspieler

Es liegt in der Natur der Sache, dass über die Lebensumstände von Arnaut Daniel nur wenige Kenntnisse vorliegen, doch immerhin weiß man, dass er sich zwischenzeitlich am Hof Richard I. von England aufgehalten hat, später in Südfrankreich.2a Vermutlich hatte er keinen festen Beruf, hingegen ist klar, dass er als Troubadour unterwegs war. Sein Zeitgenosse und „Kollege“ Raimon de Dufort nannte Arnaut Daniel als einen Studenten, der vom Würfelspiel ruiniert war. Inwiefern dies den Tatsachen entsprach sei dahin gestellt. Fakt ist jedoch, dass er sich ab 1185 unter den Troubadouren einen Namen gemacht hat.1ac

Der lange Nachruf

Falls es mit dem Würfelspiel zutrifft, dann wusste er diese Fähigkeit auch in seiner Dichtung einzusetzen und zwar so gut, dass noch heutige namhafte Dichter ins Schwärmen kommen.
     Er gehört zu einer der wichtigsten Vertreter von trobar ric und war vor allem in der Blütezeit der Troubadourdichtung aktiv.3a Zu seinen Vorbildern zählt der Troubadour Raimbaut d´Aurenga. Es war nicht unüblich, dass man das Dichten als ein Handwerk verstand, von daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass Arnaut Daniel seine Arbeit mit dem eines Goldschmiedes verglich,4a machte damit deutlich, dass er hohe Kunst betrieb, an Selbstbewusstsein mangelte es ihm scheinbar nicht. Und er konnte stolz auf sich sein, da er quasi nebenbei auch noch eine neue Gedichtform schuf, nämlich die Sestine.2b 

Dass Arnaut Daniel nicht völlig in Vergessenheit geraten ist, mehr noch, seine französischer Troubadour, MittelalterDichtkunst als hohe Kunst betrachtet wird, hat er vor allem Dante Alighieri zu verdanken, denn wie Friedrich Diez in seinem Buch „Leben und Werke der Troubadours.“ richtig bemerkt, sich ein Urteil über nur 18 erhaltene Kanzone zu bilden, ist nahezu unmöglich.5a 
     Dante Alighieri äußerte sich vor allem in der „Göttlichen Komödie“ zu Arnaut Daniel, insbesondere in der Szene des Fegefeuers. Darin macht der italienische Dichter Guido Guinizelli den Autor der „Göttlichen Komödie“ auf den Troubadour aufmerksam und sprach:

Ach Bruder – sprach er, und mit diesem Wort
     Zeigt` er mit einem Finger hin auf einen, –
     Der Sprache beß`rer Schmied war jener dort,
Der im Roman und Minnelieder keinen
     unüberwunden ließ, und Thoren find,
     Die ihn besiegt vom LemosinerAM 1 meinen.
Sie richten ihre Meinung, wie der Wind
     Des Rufes bläst, und ohne selbst zu sehen,
     Für Kunst und für Vernunft vorsätzlich blind.“5b

Arnaut Daniel, Lo ferm voler qu’el cor m’intra (canto):

Bemerkenswert ist, dass Dante Alighieri allgemein einen Roman nennt, dass Raum für Spekulationen bietet, denn von Arnaut Daniel ist kein Roman erhalten geblieben. Vermutet wird, dass er rund um die Artussage einen Roman verfasst haben könnte,5c einige gehen von „Lancelot“ aus, eindeutig belegt ist es bisher nicht. Andererseits wäre es durchaus möglich, da in seiner Epoche etliche sich an der Artussage abgearbeitet haben, seitdem Chrétien de Troyes es in die provenzialische Sprache gefasst hatte.
     Darüber äußerte sich Dante Alighieri zu Arnaut Daniel in einer seiner weiteren Schriften, nämlich in „De vulgari eloquentia“. Darin bezeichnet er ihn als den ersten Sänger der Liebe und bezeichnet sich darin selber als Nachahmer der Sestine. Dante Alighieri nennt in seinem Werk mehrere Kanzonen von Arnaut Daniel.5d
    
Und auch Francesco Petrarca ist voller Lob und auch er übernimmt Teile der Gedichte in seine eigenen, wie in der Sonett 177:5e

BEato in sogno, e di languir contento,
D’abbracciar l’ombre, e seguir l’aura estiva,
Nuoto per mar che non ha fondo, o riva:
Solco onde, e ’n rena fondo, e scrivo in vento;
E ’l Sol vagheggio sì, ch’ehli ha già spento
Col suo splendor la mia vertù visiva;

 Ed una cerva errante, fuggitiva
Caccio con un bue zoppo, e ’nfermo, e lento.
Cieco, e stanco ad ogni altro, ch’al mio danno;
Il qual dì, e notte palpitando cerco;
Sol‘ Amor, e Madonna, e Morte chiamo.
Così venti anni (grave, e lungo affanno!)
Pur lagrime, e sospiri, e dolor merco:
In tale stella presi l’esca, e l’hamo.“
6a

Doch bevor man nun ins Schwelgen kommt, sollte man sich auch die Kritiker von Arnaut Daniel anschauen. Der Mönch von Montaudon wirft ihm vor, dass seine wenigen Gedichte nur schwer verständlich wären und als Lieder wenig taugen.5f Diese Kritik sollte man in der Beurteilung über das Werk von Arnaut Daniel berücksichtigen, denn sie könnte uns einen wichtigen Hinweis liefern, nämlich das ein Roman über „Lancelot“ nie von ihm verfasst wurde.

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Aber selbst Dichter bis in unsere Zeit hinein würdigen Arnaut Daniel. Zu nennen sind der amerikanische Schriftsteller Ezra Weston Loomis Pound, der in „The Spirit of Romance“ (1910) ihn als den größten Poeten aller Zeiten nennt und auch der englische Dichter Thomas Stearns Eliot bezieht sich in seinem Gedicht „The Waste Land“ auf ihn.1ad 

Inwiefern es sich bei Arnaut Daniel um einen der wichtigsten Troubadoure handelt, sei dahin gestellt, denn auch wenn Dante Alighieri und Francesco Petrarca sich auf ihn beziehen, gar voller Lob sind, kennen wir deren Motivation für solche Äußerungen nicht.
     Die Historie zeigt auch, dass es immer wieder zu Legendenbildungen gekommen ist, weil sich irgendein bedeutender Autor über jemand anderen geäußert hat, das gilt im Positiven wie im Negativen, man denke nur an das Zerrbild von Julius Cäsar, dem man bis heute die Christenverfolgung nach dem Brand von Rom anlastet, ohne dafür hinreichende Beweise zu haben. Es wird ihm allein nur deshalb angelastet, da sich Tacitus in seinen historischen Schriften sehr negativ über ihn geäußert hat, da Julias Cäsar so gar nicht in das Bild eines Herrschers im alten Rom passte, der der Kunst näher stand als der Kriegsführung.

Zu guter Letzt: Eine Schule in Ribérac wurde nach Arnaut Daniel benannt.1ae

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Anmerkung:

AM 1: Mit Lemosiner ist der Troubadour Giraut de Bornelh gemeint,
Vgl. Friedrich Christian Diez (): Leben und Werke der Troubadours. Ein Beitrag zur zur nähern Kenntniß des Mittelalters, Verlag der Gebrüder Schumann – Zwickau 1829, S. 346


Einzelnachweise:

1aa, 1ab, 1ac, 1ad, 1ae: Wikipedia (): Arnaut Daniel, zuletzt besucht am 19.09.2018 

2a, 2b: Diether Krywalski: Knaurs Lexikon der Weltliteratur. Autoren – Werke – Sachbegriffe, Lizenzausgabe des Deutschen Bücherbundes – Stuttgart – Hamburg – München 1979, S. 46

3a: Karin Becker (Hg.: Jürgen Grimm): Französische Literaturgeschichte, J.B. Metzler Verlag – Stuttgart, Weimar 2006 (5), S. 49

4a: Michael Bernsen (): Die Problematisierung lyrischen Sprechens im Mittelalter. Eine Untersuchung zum Diskurswandel der Liebesdichtung von den Provenzalen bis zu Petrarca, Max Niemeyer Verlag 2001, S. 120, zuletzt besucht am 19.09.2018   

5a, 5b, 5c, 5d, 5e, 5f: Friedrich Christian Diez (): Leben und Werke der Troubadours. Ein Beitrag zur zur nähern Kenntniß des Mittelalters, Verlag der Gebrüder Schumann – Zwickau 1829, S. 345 – S. 349, zuletzt besucht am 19.09.2018    

6a: Wikisource (): SONETTO CLXXVII, zuletzt besucht am 19.09.2018


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