„Smon, Smon“ von Sonja Danowski

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Stille Anziehungskraft

In dem großen Meer von Bilderbüchern aufzufallen ist eine Kunst, Sonja Danowski fällt mit ihrem Bilderbuch „Smon, Smon“ angenehm auf, nicht weil es besonders grell ist, im Gegenteil, es besteht hauptsächlich aus verschiedenen Brauntönen. Es hat auch kein ungewöhnliches Format, vielmehr ist es die Figur „Smon Smon“, die direkt auffällt und das liegt nicht nur daran, dass der Name ungewöhnlich ist.
     Die in Berlin lebende Autorin und Illustratorin ist schon mehrfach aufgefallen, ist mehrmals ausgezeichnet worden wie mit dem Golden Island Award des Nami Island International Picture Book Illustration Concours (2013 und 2015), 2017 wurde sie für ihr Bilderbuch „Kleine Nachtkatze“ mit dem Troisdorfer Bilderbuchpreis geehrt, zuletzt zeichnete sie Deutschlandfunk und Die Zeit für „Smon, Smon“ im Februar 2018 mit den „Die besten 7 für junge Leser“ aus.
    
Dass sie über Fantasie verfügt, beweist sie ein weiteres Mal mit ihrem neuen Kinderbuch. Smon Smon lebt auf dem Planeten Gon Gon. Sein Mondgesicht mit asiatischem Anstrich steckt in einer Art Astronautenhülle, die zugleich aus einem dehnbaren Schlauch besteht, vergleichbar mit einem Wasserschlauch einer Waschmaschine, worin das Wasser abgeführt wird. Somit verfügt er über die Fähigkeit seinen Kopf weit in die Höhe zu strecken und das ist auch nötig, um an dem „Ron Ron“ riechen zu können. Er ist menschenähnlich und doch ganz anders.

schwebend zwischen Himmel und Erde, Ballon, Vogel,

Ausschnitt aus dem Bilderbuch „Smon, Smon“ von Sonja Danowski

Sein kugelrundes Gesicht ist mit zwei besonderen Merkmalen ausgestattet. Die Augenbrauen sind schwungvoll als seien sie ein Teil eines asiatischen Buchstabens. Auf der Nasenspitze trägt Smon Smon einen schwarzen Punkt, das Ähnlichkeit mit einer Katze aufweist. Sein kleiner Mund sowie seine roten Wangen geben ihm den Antlitz von etwas Lieblichem. Unterstrichen wird dies mit seiner Allround-Kopfbedeckung, die sein gesamtes Gesicht umschließt. Die Kopfbedeckung besteht aus drei Ebenen. Die erste Ebene ist hell, weiß-bräunlich, mit vielen hauchdünnen Strichen gemalt, das zugleich als Haarpracht interpretiert werden kann. Die zweite und dritte Ebene sind rot. Die Art der Kopfbedeckung ist ähnlich aufgebaut wie die Papstkrone, auch Tiara genannt.
     Die Jacke von Smon Smon weist hingegen eindeutig das Symbol von Yin und Yang auf, dass vor allem in Asien eine große Bedeutung hat, da es zwei Gegensätze wie hell und dunkel symbolisiert. Die Farbe Rot wird in Asien dem Yang zugeordnet und gilt als das glückbringende schlechthin. Das Yin und Yang ist auf einer hellblauen vielleicht auch grauen Jacke. Hellblau wird in Asien mit beruhigender Wirkung assoziiert.
    
Seine Arme und Beine bestehen aus einzelnen roten Ringen, was ihm eine unglaubliche Beweglichkeit ermöglicht. Dazu fallen einem vor allem zwei Assoziationen ein, die zunächst nichts miteinander zu tun haben: Ritterausrüstung und Regenwürmer. Beide Assoziationen haben eines gemeinsam: sie sollen das Überleben sichern.
    
Seine Hände haben jeweils drei Finger und einen Daumen. Drei Finger sind gar nicht so ungewöhnlich, dass vor allem auf einen pragmatischen Grund zurückzuführen ist: Vier Finger in einer Zeichnung unter zubekommen ist eine Herausforderung, das jeder Künstler kennt. In Comics trifft man deshalb auf etliche Figuren, die nur drei Finger haben, man denke beispielsweise an Donald Duck, Micky Maus und Co.
    
Die eigenartigen Füße von Smon Smon bestehen aus jeweils drei spitzen Zehen, die alle in Laufrichtung ausgerichtet sind. Kein normales Wesen könnte mit solchen Zehen laufen. Der Fuß ist eher klumpartig, wirkt somit tierisch vielleicht sogar teuflisch, obgleich Smon Smon weder tierisch ist noch sich wie ein Teufel verhält, im Gegenteil, er ist ein ruhiger und lieber Zeitgenosse, eher jemand, den man durchaus sich als Freund vorstellen kann.

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Mit jeder Beschreibung von Smon Smon erscheint einem sofort wieder nicht zutreffend zu sein, man bräuchte dafür eine lange Liste, die vermutlich auch nicht reichen würde, weil man ständig was Neues an ihm entdeckt; das gilt genauso für den gesamten Planeten, auf dem er lebt. Etliche Details scheint man aus Filmen und Literatur zu kennen, doch in dem Kontext des Bilderbuchs von Sonja Danowksi, zwischen all den „Ston Stons“ und den „Pon Pons“ sind sie nicht konkret greifbar, obgleich die überwiegend monoszenischen Darstellungen sehr konkret, die Aquarellbilder eine geschlossene Form aufweisen. Ähnlich ergeht es einem mit den Worten, man bekommt sie zugeordnet und doch weisen sie eine Verschiebung in der Bedeutung auf.

Es ist ein leises, unaufdringliches Buch und doch zieht es einen magisch an, jeder Versuch der Erklärung ist zum Scheitern verurteilt, man kommt nicht umhin, dieses Buch selbst in die Hand zu nehmen, erst dann beginnt man zu verstehen, weshalb einen das Kinderbuch nicht mehr loslässt.

© read MaryRead 2018

Kinderbuch

Bilderbuch, ab 4 Jahre, Berglandschaft, read MaryRead, Literaturmagazin online, Rezension, Buchbesprechung, Literaturkritik,Sonja Danowski: Smon, Smon
Illustration: Sonja Danowski
Bilderbuch
Alter: ab 4 Jahre
42 Seiten
gebunden
Format (H x B x T): 315 x 246 x 9 mm
Gewicht: 524g
erschien: 09.01.2018
Verlag: NordSüd
ISBN 978-3-314-10415-2
Preis: 20,00 € (D), 20,60 € (A)

(): Leseprobe 

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